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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Str. 81 Dr. Älochs Hochschulen oder in der Staatsverw.altung im manischen Spanien und in Nordafrika (z. B. in Karthago) gewirkt hatten. Ja, selbst in Konstantinopel lehrte noch um 1480, also 30 Jahre nach der Eroberung durch die Türken, ein jüdischer Mann die Astronomie. In dieser Uebergangszeit, und zwar im Jahrhundert 12, wirkte auch, nicht bloß astronomische Kenntnisse vermittelnd, sondern auch geschichtsphilosophisch und religionsphilosophisch, der vielgenannte jüdische Denker Maimonides. Einen ganz besonderen Höhepunkt aber erreichte die entsprechende Tätigkeit eines wahrhaft bedeutenden Astronomen, Lewi ben Gerson, kurz genannt Leo (geb. 1288, gestorben 1344), der in Südfrankreich und auch in Rom wirkte und Äer nicht bloß Kenner und Lehrer der griechisch-arabischen Astronomie, sondern ein Forscher und Finder von eigenartiger Bedeutung war. Er war es. der zuerst das Wesen der Ommern obscura und die besonders mit dem Sonnenbildchen in derselben erreichbare Genauigkeit der Winkelmessung, die in den Sonnenbildchen bei den Schaltensäulen in der arabischen Astronomie zunächst zu fast unbewußter Anwendung gekommen war, richtig würdigte und auf die damit erreichbare feinere Untersuchung der hipparchischen Theorie für die Erzentrizität der Sonnenbewegung hinwies, sowie auch für die ptolemäische Theorie der Mondbewegung wichtige Kriterien damit erkannte. Zugleich wurde diese Kamera auch eine Entwicklungsstufe der ersten Wahrnehmung der Sonnenflecken und der darauf folgenden Erfindung des Fernrohres. Und eigentlich ist ja diese Geburt der Kamera in Lewis Kopf schließlich auch eine der wesentlichsten Vorstufen für die Entwicklung der Photographie geworden. (Ein besonderes Verdienst um eine liefere Erkenntnis der Bedeutung von Lewi ben Gerson hat sich neuerdings der Berliner Oberlehrer Dr. Earlebach, ein lieber Zuhörer meiner Universitätsvorlesungen über Geschichte der Astronomie, erworben.) Die höchst förderliche Betätigung des Judentums bei dem Uebergange der kosmischen Forschungsarbeit aus den Händen der vom Jahrhundert 7—14 Asien und Nordafrika beherrschenden mohammedanischen Kultur in die wissenschaftliche Entwicklung Europas ist bisher im wesentlichen schon in der Geschichte der Astronomie einigermaßen gewürdigt worden, aber weiteren Kreisen der Kulturwelt bisher noch kaum bekannt geworden. Dagegen ist bisher diejenige lehrende und vermittelnde Tätigkeit noch viel weniger bekannt gewesen, welche die Juden in den vorangegangenen Jahrhunderten 4—7 entfallet haben, in denen die astronomische Arbeit des griechischen Geistes sogar in Alerandria und zugleich fast in dem ganzen griechisch-römischen Reiche durch die Gegnerschaft der christlichen Kirche unterbrochen und bekämpft wurde. Der christliche Bekehrungseifer hatte sich mit der schon früh von Babylon her verkündeten und in der griechischen Geisteswelt schon zur vollen Annahme gelangten Lehre von der Kugelgestalt der Erde nicht befreunden wollen, weil man aus dieser Lehre die Möglichkeit der Existenz von Antipoden folgerte, die aber der Bekehrung unerreichbar zu sein schienen. In dieser Zeit der offiziellen kirchlichen Hemmung fast jeglicher ernster kosmischen Erkenntnisarbeit, einer Hemmung, die schon in dem Gelehrtenkreise um Karl den Großen am Ende des Jahrhunderts 7 überwunden erscheint, sind es wesentlich die jüdischen Gelehrtenschulen in Syrien und Mesopotamien gewesen, welche mit Uebersetzungen des astronomischen Hauptwerks von Ptolemäus in syrischer und hebräischer Sprache die Kenntnis der griechischen Astronomie, die hauptsächlich noch in Alerandria bis in das nachchristliche Jahrhundert 3 geblüht hatte, in Vorder- und Mittelasien aufrecht erhielten und dadurch die unmittelbaren Lehrmeister der ALochMschrist Seite Md großen wissenschaftlichen Arbeit wurden, die sich sehr bald nach der Begründung der mohammedanischen Reiche in den Jahrhunderten 7—14 über ganz Asien hin bis nach China und in Nordafrika bis nach Spanien hin entwickelte. In jene Zeit, vom Jahrhundert 4—7, in welcher also ^für Asien, Afrika und Europa die Kontinuität der wissenschaftlichen Arbeit im Anschlüsse an die kosmischen Forschungsergebnisse der vorangegangenen Jahrtausende offenbar wesentlich durch die internationalen Verbindungen und Lehrgaben der Juden aufrecht erhalten wurde, fällt auch der Beginn einer ganz eigentümlichen Kulturwirksamkeit dieser Geisteswelt in den Ländergebieten zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meere. Nach der Verfolgung und Austreibung, welche die Juden im Jahrhundert 6 vom byzantinischen Reiche erleiden mußten, hatten sie bei dem jene nördlichen Länder damals bewohnenden Volke der Chasaren Aufnahme gefunden, einem Volke, welches — verwandt mit den Bulgaren und den Magyaren — der finnischen Völkergruppe angehörte. Es würde zu weit führen, hierüber heute Nähepes zu berichten, obwohl zu den bereits bekannten Nachrichten über die merkwürdige Entwicklung eines sogenannten jüdischen Bulgarenreiches neuerdings aus der Feder eines vor kurzem gestorbenen hohen österreichischen Beamten, Freiherrn von Kutschera, eine sehr kompetente urkundliche Darlegung hinzugekommen ist. Ich will nur in Kürze daran erinnern, daß dort in den Jahrhunderten 6—10 ein Chasaren- Reich errichtet wurde, in welchem die Könige dem Judentum angehörten und die jüdische Religion sozusagen die erste Geltung hatte, nicht als Staatsreligion (denn die Staatsreligionen sind unduldsam), sondern in voller Duldung der christlichen und der mohammedanischen Religion, also, wie es scheint, nur als Führerin in Sitte und Recht. Zwischen dieser damaligen Kulturoase und dem byzantinischen Reiche entstand dann sogar ein Bündnisverhältnis, bis vom Jahrhundert 11 ab diese Regionen von den türkischen Kumanenhorden. sodann von den Mongolen überflutet und später russisch wurden. Es ist möglich, daß Teile der jüdischen Bevölkerung in Rußland, wenigstens in der Krim und in Kaukasien, noch aus jener Zeit stammen. Von der kolonisatorisch verbindenden Wirksamkeit und der didaktisch weite Horizonte umfassenden und auch selbständig sogar neue Zusammenhänge öffnenden Begabung des Judentums ist endlich noch zu reden bei der Betrachtung des merkwürdigen und hochwichtigen Zeitabschnitts, in welchem die griechische Wissenschaft die unschätzbaren Anregungen zu ihren kosmischen Jdealschöpfungen von Babylon her empfing. Dies geschah hauptsächlich in den vorchristlichen Jahrhunderten 5—2, zwischen den Zeiten von Pythagoras bis zu denen von Alexander dem Großen und von Ptolemäus Soter, dem zweiten der ptolemäischen Aegypterkönige. Es wird glaubhaft berichtet, daß schon Alexander und noch bewußter Ptolemäus Soter eine Mitwirkung von jüdischen Elementen bei der Kolonisation und der Entwicklung von Alerandria betrieben habe. Es fehlen auch die Anhaltspunkte nicht für die Annahme einer späteren eifrigen astronomischen Mitarbeit von jüdischen Gelehrten in Alerandria und in Syrien, während auch einige bekanntere Namen von solchen zu jener Zeit in Babylon florierten. Und zu den Höhen der babylonischen Wissenschaft. zu denen noch bei Alexanders Lebzeiten dessen Lehrer Aristoteles durch die Entsendung seines Schülers Callisthenes direkten Zugang suchte, und von denen dann wichtige, noch jetzt für uns wertvolle Aufzeichnungen in Alerandria niedergelegt wurden, hatten die Juden schon in ihren babylonischen Erilzeiten offenbar Zu-

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