Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 834 Dr. Wachs MochMchrfft Rr. 60 Jüdische Elter«, die die Schule i« Sache« der Religion ignorieren. Bekanntlich sind es gewisse jüdische Feste, die sich der besonderen Gunst der Jugend erfreuen, Feste, die, so oft sie wiederkehren, einen eigenartigen Zauber auf unsere Kinder ausüben. Und zu diesen Festen zählt das Chanukafest. Bildet schon das große, geschichtliche Ereignis, das diesem Feste zugrunde liegt, einen Anziehungspunkt für die Jugend, so ist es in noch höherem Maße die Zeremonie des L'chteranzündenS, die in den jugendlichen Herzen Gefühle freudiger Begeisterung auslöst. Und so obliegt es den beiden Faktoren: Schule und Haus, das Interesse, das die Jugend diesem Feste entgegenbringt, möglichst zu fördern und rege zu erhalten. In der Tat werden unsere Kinder wenn das Fest naht, in der Schule mit dem geschichtlichen und zeremoniellen Teil der Chanukafeier vertraut gemacht und sogar dazu Verhalten, die üblichen Segenssprüche ihrem Gedächtnisse einzuverleiben, die sie beim Anzünden der Fcsteslichter im Elternhause mitrezitieren sollten. Allein bier zeigt es sich, wie wenig die Schule in Sachen der Religion auf die Unterstützung der Eltern rechnen kann. In vielen jüdischen Familien ist an den Ehanukaabenden auch nicht eine Spur von einer Menorah oder eines Wachskcrzckiens zu entdecken, und nichts deutet darauf hin, daß es ein religiöses Fest ist, das jetzt in den Häusern Israels gefeiert wird. So machen solche Eltern das Bestreben der Schule, die Jupend für religiöse Vorschriften zu begeistern, einfach illusorisch und legen solcherart in das jugendliche Herz den bösen Keim, der es moralisch vergiftet und mit der Zeit für alles, was Religion und religiöse Vorschrift ist, abstumpft. Das Chanukafest ist ein Freudenfest, das nicht allein iw Gotteshause, sondern auch in den Familien gefeiert wird, weil es in uns die freudige Erinnerung an das große Ereignis wachruft, das sich vor mehr denn 2000 Jahren im Judentum abgespielt. Und weil das Anzünden der achtarmigen Menorah den wesentlichen Teil des Festes bildet, darum sollten die kleinen, aber so vielsagenden Lichtlein in keiner jüdischen Familie fehlen, in keiner jüdischen Behausung vermißt werden, auf daß sich auch die Jugend an ihrem Anblick erfreue und in dieser heiligen Freude ibre Liebe und Begeisterung für die Satzungen und Vorschriften der Religion zam Ausdruck bringe. Daniel Skutezkh, Religionslehrer. Ortho-ore Landeskonferenz m Angarn. Vorige Woche fand in Budapest eine Delegiertenversammlung der othodor-jüdischen Landesorganisation statt. Die Versammlung, die einen überaus würdevollen Verlauf nahm, war von fast sämtlichen namhaften Rabbinern Ungarns und den Vertretern zahlreicher orthodoxer Gemeinden besucht. Außer wichtigen internen Angelegenheiten verdient eine Rede des Präsidenten der Landesorganisation, Herrn Adolf Frankl, hervorgehoben zu werden, der nochmals nachdrücklichst betonte, daß bei den heutigen Verhältnissen eine Unifikation der beiden Richtungen im ungarischen Iudentume, der Orthodoxen und Neologen, ausgeschlossen sei. Die Orthodoxen haben daher die Pflicht, auch weiterhin gegen eine gemeinsame Autonomie der jüdischen Konfession in Ungarn einzutreten. Die Versammlung schloß sich einhellig dieser Auffassung an, worauf sowohl aus den Kreisen der Rabbiner, als auch aus den Kreisen der Laienmitglieder die Landesrepräsentanz der orthodoxen Judenschaft in Ungarn gewählt wurde. Die Huldigungs¬ und Begrüßungsdepeschen, welche die Landeskonferenz an den Kaiser und an den ungarischen Minister für Kultus und Unterricht abgesandt hat, wurden in warm gehaltenen Antwortstelegrammen erwidert. Ein neuer jüdischer Richter am obersten Gerichtshöfe. Wie das ungarische Amtsblatt meldet, hat der Kaiser den Richter an der königlich-ungarischen Tafel, Doktor Desiderius Markus, zum Richter an der königlich ungarischen Kurie, dem obersten Gerichtshöfe in Ungarn, ernannt. Dr. Markus genießt in juristischen und Richterkreisen einen ausgezeichneten Ruf, der seine jetzige. Ernennung vollauf rechtfertigt. Germanische Kultur. Zu dem unter diesem Titel in der letzten Nummer unseres Blattes erschienenen Bericht erhalten wir von Herrn Handelskammerrat Moriz Ries in Proßnitz die folgende Richtigstellung: „In der letzten Folge Ihrer geschätzten Zeitschrift reproduzieren Sie einen Artikel unter der Marke „Germanische Kultur" beginnend, wie die „Deutschen Stimmen aus Mähren" schreiben. Diese von Ihnen angebrachte Marke „Germanische Kultur" ist aber unrichtig und diene ich Ihnen mit Aufklärung und zur gefl. Richtigstellung in Ihrem gesch. Blatte, auf welch' letzteres ich Wert lege. Der Artikel in den „Deutschen Stimmen" stammt von mir und ist die genannte Zeitung unser deutschfortschrittliches Parteiorgan, während die Proßnitzer Gemeindevertretung ausschließlich aus tschechisch-nationalen Vertretern besteht. Im Vorhinein für die Richtigstellung besten Dank und zeichne mit Brudergruß hochachtungsvoll Moriz Ries." Bericht der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands über die VersammluM vom 6. Nov. 1911. Am 6. November trat im Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde zu Berlin die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands zu einer Sitzung zusammen, der 31 Mitglieder beiwohnten. Von den 50 Abwesenden hatten die meisten ihr Ausbleiben entschuldigt. Die Leitung der Versammlung übernahm der stellvertretende Vorsitzende Professor Blochp-Posen, um alsbald nach ihrer Eröffnung dem entschlafenen langjährigen Vorsitzenden Dr. Heinemann Vogelstein-Stettin innige Worte des Gedenkens und der Anerkennung nachzurufen. Er pries Vogelstein als einen echten Liberalen, der voll jugendlicher Begeisterung und mannhafter Üeberzeugungstreue den Zielen des Verbandes gedient habe, aber auch als vornehmen und versöhnlichen Charakter, als treuen Freund und Berater seiner Kollegen. Die Versammlung hörte den warmen und schlichten, tief empfundenen Nachruf stehend an. Im Verlaufe der Tagesordnung, wobei Goldmann-Oppeln und Lewkowitz-Schneidemühl die Führung des Protokolls übernahmen, wurde zunächst Bloch^-Posen zum ersten Vorsitzenden und in die freigewordene Stelle eines Vorstandsmitgliedes Vogelstein- Königsberg gewählt. Aus dem ungemein interessanten Programm, das mit eingehender Gründlichkeit und einem der Wichtigkeit der Gegenstände entsprechenden Eifer erledigt wurde, heben wir einen Vortrag von Freudenthal-Nürnberg hervor, der in überaus fesselnden Ausführungen „die Rabbinerversammlungen und Synoden des letzten Jahrhunderts" behandelte. Der große Wert des Vortrages lag darin, daß der Vortragende sein Thema nicht bloß geschäftlich behandelte, sondern darauf ausging, die Beziehungen zur Gegenwart herauszugreifen und darzulegen. In eindringlicher Weise führte Freudenthal den Gedanken aus, daß — entgegen der heute vielfache geäußerten und künstlich, aufrecht erhaltenen Meinung — die Arbeit der Rabbinerversammlungen und Synoden durchaus keine vergebliche gewesen sei und daß die liberalen Rabbiner und ihre Vereinigung die Pflicht hätten, die Arbeit des vorigen Jahrhunderts zur Ehre und zum Nutzen des Judentums fortzusetzen. Die lebhaft einsetzende, sehr angeregte Diskussion hatte dann auch den Erfolg, daß die Versammlung die Aufstellung religiösliberaler Leitsätze für unbedingt erforderlich erklärte und mit deren Vorbereitung eine achtgliedrige Kommission unter dem Vorsitz von Seligmann-Frankfurt a. M beauftragte. Dieser Kommission gehören ferner an die Herren Vlumenthal-Berlin, Grünfeld-Augsburg, Porges- Leipzig, Vogelstein-Königsberg, Waller-Bromberg, Wilde-Magdeburg, Winter-Dresden. An den Vortrag schloß sich eine vorläufige Besprechung desjenigen Teiles des Ceremonialgesetzes, der am dringendsten einer Reform bedarf, der Ehegesetze. Der gelehrte Vogelstein s. A., der leider sein ÄZerk nicht mehr persönlich vertreten konnte, hatte über diesen Stoff