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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-15 · 50 (15.12.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Mochs Wochenschrift Die Emigranten-Försorge der Israelitischen Allianz. Ein hiesiges jüdisches Blatt veröffentlicht auf Grund einer im „Fraind" erschienenen Korrespondenz Anwürfe gegen die Tätigkeit der Israelitischen Allianz auf dem Gebiete der Emigranten-Fürsorge. Da der „Frajnd" ein in Rußland verbreitetes Blatt ist, so wandten wir uns an das Bureau der Allianz um Auskunft und erfahren, daß dem genannten Blatte bereits am 28. November von der Allianz eine Berichtigung gesandt wurde In der dem hiesigen Blatte gesandten Berichtigung heißt eS u. a.: ' „Wir müssen zur Erklärung des Inhaltes hinzufügen, daß in dem gegen uns gerichteten Angriff ein breiter Raum der sonderbaren Klage gewidmet ist, daß der Sabbath und die jüdischen Feiertage in unserem Bureau streng gehalten werden und kein Emigrant an diesen Tagen weiterbefördert wird. Wir werden sogar beschuldigt, daß wir das Hilfskomitee in Basel in unserer übertriebenen Frömmigkeit ebenfalls verleitet hätten, den Sabbath und die Feiertage zu halten, so daß auch an den vorhergehenden Wochentagen niemand von Wien über Basel expediert werden kann und dies nicht einmal in den Sukkoth-Festtagen geschah, welche, nach Ansicht des Korrespondenten, gar nicht gehalten zu werden brauchen. Unsere Erwiderung lautet: 1. Es ist richtig, daß durch unseren Verein weder am Sabbath, noch an jüdischen Feiertagen Emigranten expediert werden. Dies geschieht auch nicht an den vorhergehenden Tagen, da das Komitee in Basel sich mit Entschiedenheit dagegen verwahrt, daß dort Emigranten, welche von einem jüdischen Verein gesandt werden, an einem Samstag oder Feiertag eintreffen. Wir glauben, daß es nicht nur nach den Begriffen der westeuropäischen Juden, sondern auch im Sinne der weitaus größten Masse der Juden in Rußland eine grobe Pflichtverletzung wäre, viele würden es mit Recht geradezu als Chillul haschem betrachten, wenn ein jüdischer humanitärer Verein, noch dazu einer, der für unsere überwiegend doch noch religiös gesinnten bedrängten Glaubensgenossen wirkt, in seinem Wirkungskreise die Religionsgesetze abschaffen würde. Als vor mehreren Jahren einmal, während der starken Emigration, eine Emigrantengruvpe in einer westeuroväischen Stadt an einem Sabbat eintraf und weiterbefördert wurde, hat dies mit Recht unter den Juden eine allgemeine Entrüstung hervorgerufen. 2. Daß von den russischen Komitees für die von ihnen empfohlenen Emigranten 2 bis 3 Rubel mehr pro Person für die unvorhergesehenen Ausgaben gesandt werden, geschieht erst auf unser dringendes Verlangen seit ganz kurzem, nachdem die Ica im Interesse der Organisation uns wiederholt ersuchte, den empfohlenen Emigranten in keinem Falle auf der Durchreise Unterstützung zu gewähren, andererseits aber häufig Emigranten eintrafen, die auch nicht einen Heller in der Tcgche halten und doch von uns unterstützt werden mußten. Es wird nun von uns genau auf den Heller jedem Emigranten das herausgezahlt, was zu seinen Gunsten aus Rußland mehr eingeschickt wurde, als der Nettopreis der ermäßigten Fahrkarte ausmacht. Wenn Sie genauere Daten darüber wünschen, legen wir Ihnen ein Verzeichnis der seit dem 1. November von uns an Emigranten herausgezahlten Beträge bei. Die Kosten der Expedition durch unseren Diener am Bahnhof, sowie von Speisemarken, die wir armen, hier vorübergehend zum Aufenthalt gezwungenen Emigranten bewilligen, werden natürlich auf unsere Rechnung genommen. Die „Geschäfte", die wir mit dem ruffischen Hilfswerke machen, gehen aus unserem Jahresberichte hervor, in welchem die Kosten der russischen Aktion pro 1910 mit Seite 833 Kronen 46.650.21 ausgewiesen sind, welcher Summe gegenüber die Rückvergütungen oder Einzahlungen weniger als die Hälfte ausmachen. 3. Es ist eine direkte Unwahrheit, daß der Rubel für die Emigranten mit Kronen 2.50 berechnet wird. Es werden im Gegenteil die Auswanderer vor Ausbeutung ihrer Unerfahrenheit unter anderem dadurch geschützt, daß, wenn sie Rubel einzuzahlen haben, diese bei uns zum genauen Tageskurs, u. z. zu Kronen 2,54 übernommen werden. Uebrigens hat dies nichts mit den von den Ica-Komitees empfohlenen Emigranten zu tun, da für diese das Geld! in der Regel mittels eines Schecks durch eine Bank überwiesen wird, wobei wir das Gold in Wien in Kronen erhalten. 4. Die Reise nach Basel kostet im Gruppentransport bei einer Agentur Kronen 20, bei der anderen Kronen 19 und dem Emigranten wird genau das berechnet, was netto für ihn ausgegeben wurde. Es sei nebenbei bemerkt, daß jeder von den Ica- Komitees empfohlene Emigrant, wenn er nach Wien kommt, bereits die Hälfte der Bahnkosten von der russischen Grenze ab durch eine besondere Vergünstigung erspart hat. welche wir zugunsten der armen Emigranten, die mit Legrtimationskarten unserer Allianz ausgestattet sind, erwirkt haben. Nachdem in Ihrer Wiedergabe der Behauvtungen des „Frajnd" besonders eine angeblich schlechte Behandlung der Emigranten hervorgehoben wird, sowie der Umstand, daß dieselben am Bahnhofe nicht erwartet werden, so bemerken wir, daß auch diese Informationen unrichtige sind, da sich jeder, der unser Bureau besucht, überzeugen kann, mit welch"r Höflichkeit. Ruhe und unerschöpflichen Geduld die Verhandlungen mit ihnen geleitet werden, wenn auch an den Tagen eines großen Emigrantenandranges zur Aufrechterhaltung der Ordnung häutig die Anwesenheit eines Sicherhsitswachmannes erforderlich ist. Avisierte Familien werden auch regelmäßig am Nordbahnhofe (zumeist um 5 Ubr früh) erwartet und mit erheblichen Kosten für die Zeit eines etwaigen Aufenthaltes in Wien untergebracht." Antisemitismus m der Prager Handelsakademie. Aus Prag wird berichtet: Die hiesige Handelsakademie wird vom Prager Handelsgremium erhalten. In dessen Ausschuß sitzen viele jüdische Persönlichkeiten, darunter kais. Rat Moritz Hahn. Kommerzialrat Gottlieb Pollak, Kommerzialrat Robert Perutz, Dr. Friedrich Elbogen, kau. Rat Schulhof usw. In einer böb-r-m ('las'e de- Hande^ a^emie wur^e nun neulich ein deutscher Aufsatz bmrbeiiet. Als die Schüler ihre Schreibhefte zurückerhielten, entdeckte einer der Jünglinge mit Vergnügen, daß der Antisemitismus im Aufiatzhefte das beste Mittel sei, gute Klassifikation zu erzielen. Dieser Schüler hatte nämlich in seinem Aufsatz seiner Meinung Ausdruck gegeben, daß die Juden ..die Pestbeule am Leibe der Nationen" seien, dadurch, daß sie die Zeitungen beherrschen. Neben diese freche Dummheit hatte der Professor für deutsche Sprache an der Handelsakademie, ein gewisser Herr Hiller. ein kräftiges „Sehr richtig!" gesetzt und die ganze Arbeit wurde natürlich von dem gesinnungsverwandten Professor mit der Note „Sehr gut" belohnt. Die Klanenkollegen des antisemitischen Jünglings waren begrefflicherwei'e über die Unverschämtheit des Professors einigermaßen verwundert, aber unerklärlich bleibt die Dreistigkeit, mit welcher dieser famose Iugendbildner den antisemitisch dummen Aufsatz eines unreifen Jünglings in einer anderen Klaffe als nach? ahmenswertes Muster in seiner Gänze zur Verlesung brachte. Und das in einer Handelsakademie, die zum größten Teile von Juden erhalten wird und in welcher 60 Prozent der Schüler gleichfalls Juden find.

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