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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-15 · 50 (15.12.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«eite 830 Nr. 50 Dr. Mochs WochMschrift Heinrich von Heilung hat der Senat schließlich die den Juden günstigen Berichte dieses Edelmannes ignoriert und einfach erklärt, daß die Indien einen Teil der Kurländerbevölkerung bilden. Diese scheinbar günstige Entscheidung hatte jedoch zur Folge, daß Kurland später als nicht zum jüdischen Ansiedlungsgebiet gehörig erklärt wurde, wo nur Juden bestimmter Kategorien Wohnrecht besitzen. Der Verfasser des Buches frischt in einem besonderen Kapitels die manchem noch erinnerliche Affaire des Libauer Rabbiners Dr. Hillel Klein, auf. Doktor Klein war deutscher Untertan. Als er nach neunjähriger Amtstätigkeit in Libau im Jahre 1890 wieder für einen Zeitraum von drei Jahren gewählt wurde, hat der Minister des Innern die Bestätigung dieser Wahl verweigert, weil er damals die Entdeckung machte, daß Dr. Klein Ausländer war. Gleichzeitig mit dieser Verweigerung erhielt Dr. Klein den Befehl, Rußland binnen Kurzem zu verlassen. Auf die Einwendung Dr. Kleins, daß er als akademisch Graduierter in ganz Rußland Wohnrecht besitze, erklärte schon damals die russische Regierung, daß dieses Recht nur für russische Juden, nicht aber für ausländische, Geltung habe. So war denn Dr. Klein, der sich in seiner Gemeinde der größten Beliebtheit erfreute, gezwungen, Rußland zu verlassen. Der Abschied war rührend. Die ganze Gemeinde gab ihm das Geleit bis ans Ende der Stadt. Dr. Klein ist heute Rabbiner der ungarisch-jüdischen Gemeinde in Newyork. Der Protest gegen die Ritualmordlüge. Anläßlich der in Rußland aufgetauchten Ritualmordbeschuldigungen, die bereits in den gesetzgeberischen Kammern des Landes ihren Widerhall fanden, veröffentlichen jetzt 800 der bedeutendsten Rabbiner Rußlands einen kräftigen Protest gegen diese Beschuldigungen. Die gesamte russische Presse beschäftigt sich mit diesem Protest, der wahrscheinlich bei der nächsten Behandlung einer diesbezüglichen Anfrage der rechten Parteien in der Duma eine Rolle spielen wird: „Wiederum ist unser kostbares väterliches Erbe — unser heiliger Glaube — den schlimmsten Verleumdungen ausgesetzt. Wiederum erhebt die abscheuliche blutige Denunziation ihr Haupt und verbreitet die böswillige Beschuldigung gegen die Juden, daß sie christliches Blut gebrauchen. Diese Denunziation, die in den Anfängen des finsteren Mittelalters aufkam und die dem Geist und den Grundlagen der jüdischen Religion widerspricht — derjenigen Religion, welche zu allererst den Mord als Todsünde verkündete, welche strengstens untersagt, selbst Blut von Tieren zur Speise zu verwenden; desjenigen Glaubens an die Einzigheit Gottes, der zu allererst mit feurigen Buchstaben das göttliche Wort eingravierte: Liebe deinen nächsten wie dich selbst! — wird heute wiederum als Mittel benutzt, um bei den Mitbürgern Feindseligkeit gegen die Juden zu entfachen. Zwar wagt man nicht gegenwärtig, die Beschuldigung, welche nicht nur einmal von gelehrten Theologen, Hohenpriestern der christlichen Kirche und von Monarchen von der Höhe des Thrones als Lüge anerkannt wurde, in der alten Form zu wiederholen. Man bemüht sich, der Beschuldigung eine andere Gestatt zu geben. Man behauptet, es existiere zwischen den Juden eine gewisse Sette, die christliches Blut gebraucht. Unbildung und Gewissenlosigkeit suchen die Chassidim als eine solche Sette hinzustellen. Wir Rabbiner, die wir unser ganzes Leben der allseitigen Erforschung des jüdischen Glaubens, seiner mündlichen und schriftlichen lleberlieferungen gewidmet haben, protestieren mit tiefem Abscheu und Wrtrüstung gegen diese niederträchtige Beschuldigung und nehmen auf uns die heilige Pflicht, vor dem allmächtigen Gotte, dem Gott Israels, Md vor der ganzen Welt feierlichst zu erklären: Nirgends, weder in der Heiligen Schrift noch im Talmud und in dessen Kommentaren, weder im Sohar noch in der Kabbala oder in sonst irgendeinem Werke, welches auch noch so entfernte Beziehungen zur jüdischen Glaubenslehre hat, ja selbst nicht in der mündlichen Volkstradition — nirgends ist selbst die geringste Andeutung zu finden, die eine ähnliche Beschuldigung rechtferttgen könnte. Mit gleicher Entrüstung und Abscheu weisen wir die Behauptung zurück von der Existenz einer jüdischen Sette oder Privatpersonen, welche christliches Blut gebrauchten. Das jüdische Gesetz ist in seinem Umfang unveränderlich, unteilbar und nicht verschiedenartig. Die Judenschaft hat keine Sekten; die jüdische Religion liefert nicht und kann nicht liefern irgendeinen Anhalt für blutige Bestialitäten. Weder die Chassidim noch ihre Gegner stellen eine Sekte dar; sie alle haben ein und dasselbe Gesetz und sind in allen Einzelheiten an dieselben religiösen Vorschriften und Gebräuche gebunden.' Sie verehren dieselben heiligen Bücher, welche der ganzen Welt bekannt sind. Unter der Judenschaft befindet sich kein Teil, der irgendwelche geheime religiöse Bücher verehrt. Was durch unsere Glaubenslehre verboten ist, ist für alle Juden verboten. Die religiösen Vorschriften sind für die ganze Judenschaft bindend. Als Opfer böswilliger Verleumdungen des jüdischen Gesetzes ist viel jüdisches Märtyrerblut vergossen worden. Unsere gegenwärtige feierliche Erklärung vor Gott, dem Gott Israels und der ganzen Welt, möge diejenigen aufklären, die noch ein Gewissen bewahren, in deren Seele der Wahrheitsfunke noch nicht erlöscht ist. Im Vertrauen auf die Hilfe des Allmächtigen und im festen Glauben, daß „die Wahrheit triumphieren, die Ungerechtigkeit vernichtet und das Böse wie Rauch verschwinden wird", bitten wir Gott, den Herrn, den Gott Israels, daß er der ganzen Menschheit Frieden und den einzelnen Völkern der Erde gegenseitige Liebe beschere!" Norrespondenzeil. Zwei Juden Träger des Nobel-Friedenspreises. Den Nobel-Friedenspreis für dieses Jahr erhielten Schriftsteller Alfred H. Fried in Wien und Staatsminister im Haag Professor A s s e r. Der Schriftsteller Alfred H. Fried wurde schon in früheren Jahren wiederholt unter den ernstesten Anwärtern auf den Friedens-Nobelpveis genannt. Auch in diesem Jahre kamen .neben den beid!en nun erwählten Preisträgern mehrere andere Propagandisten der Friedensidee, so Leon Bourgeois und auch das Internationale Friedensbureau im Haag in Kombination. Herr Fried hat die Friedensliteratur um nicht weniger als 60 wertvolle Schriften vermehrt, die den wissenschaftlichen Vekämpfern des Krieges wertvolles Propagandamaterial bieten. Alfred H. Fried wurde im Jahre 1864 in Wien geboren, war nach Absolvierung des Gymnasiums kurze Zeit als Buchhändler tätig und ging dann nach Deutschland, wo er im Jahre 1891 mit der Propaganda für die Friedensidee begann. 1892 gründete er die deutsche Friedensgesellschaft und publizierte seither zahlreiche propagandistische Schriften im Sinne seiner Weltfriedensarbeit. Er ist Herausgeber der Friedenswarte, ,des offiziellen Organes des österreichischen Friedensbundes, und Generalsekretär der „Union internationale de 1a Presse pour 1a Paix“. Der auf Herrn Fried entfallende Teil des Friedenspreises beträgt 93.000 Kronen. Der zweite Friedens-Nobelpreisträger für das Jahr 1911, Staatsminister Asser (Haag) wurde im Jahre 1848 geboren. Er ist ein bekannter Pölkerrechtsjurist, besonders auf dem Gebiete des internationalen Privatrechtes und war der Vertreter Hollands auf den beiden Haager Friedenskonferenzen. Er ist auch der Begründer und Präsident der vier Haager Privatrechtskonferenzen gewesen, die in den Jahren 1892 bis 1904 stattgefunden und die Grundlage für bedeutsame internationale Staatsverträge über Eheschließung und Ehescheidung, Vormundschaft und gegenseitige Gerichtshilfe geschaffen haben. Professor Asser gehört zu den Gründern und ist seit vielen Jahren einer der Vorsitzenden des Instituts für internationales Recht in PaÄs; er ist ferner der Vertreter Hollands in der internationalen Rheinschifffahrts-Kommission, wodurch er auch vielfach mit Oestetreich in Beziehung kam. Als Advokat des holländischen Königshauses nimmt er eine hervorragende Stellung im Rechtsleben seines Heimatlandes ein.

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