Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 60 Dr. BWHs WochEM Geile S29 photographische Wiedergabe dieser Friesacher Denkmäler. Friesach und, Pettau haben im Mittelalter zum Erzstifle Salzburg gehört und spielen! diese Salzburger Enklaven in meiner hist, kritischen Quellenarbeit ohne-! hin eme sehr bedeutende Rolle. i Ich habe gerade am Donnerstag den 23. v. M. bei der „Gesell-', schaft für Salzburger Landeskunde" und einige Tage vorher vor derl versammelten hiesigen Kultusgemeinde über die Geschichte der Juden irr Salzburg Vorträge gehalten und bei dieser Gelegenheit die Bilder ver-' wendet. Da ich nun aber bei der „Gesellschaft für Salzburger Landes-' künde" einen zweiten Vortragsabend abhalten soll und zu diesem die Bilder benötige, tut es nur sehr leid. Ihnen, geehrter Herr Redakteur, die Abbildungen der Friesacher Steine momentan mcht zur Verfügung stellen zu können. Später einmal will ich dies gerne tun. Bel dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die in Rede stehenden Grabsteine nicht die einzigen historischen Reste sind, die in Friesach zu entdecken waren, auch manche anderer Art gibt es noch heute dort. Schon im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts hat es — wie urkundlich sichergestcllt ist — in Friesach Juden gegeben und, wie mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden kann, noch viel früher. Um zum Schlüsse nochmals ans die Grabsteine zurückzukommen, diene zur gefälligen Kenntnisnahme, daß dieselben jetzt Nicht mehr allem Wind und Wetter schutzlos preisgegeben sind, sondern vom rührigen und verdienstvollen VerschönerungS- und Museumsverein zu Friesach unter Obdach in die Lokalitäten des Museums gebracht worden sind. Was aber die vom Artikelschreiber „—6—" in der jüngsten Nummer der Wochenschrift erwähnten Grabsteine betrifft, die er in „Judendorf" gesehen hat, handelt eS sich um die auch von Grunwald erwähnten Fragmente, die von Judendorf nach Friesach gebracht wurden. „Judendorf" liegt m der Nähe Friesachs und dortselbst, nicht in der Gemarkung Friesachs, befand sich eben — wie urkundlich feststeyt — der Friesacher „Judenfrelthof". Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner A l t m a n n. Salzburg am 26. November 1911. Jüdische Auswanderung im Monate Oktober. Im Monate Oktober dieses Jahres sind 3422 jüdische Einwanderer im Newyorker Hafen gelandet. Es kamen aus Rußland 2221, Oesterreich 521, England 176, Rumänien 71, Türkei 70, Deutschland 27 und der Rest aus verschiedenen anderen Ländern. Die meisten der Eingewanderten haben sich nach wie vor in Newyork niedergelassen, während nur ein verhältnismäßig kleiner Teil ins Innere weiter zog. Die Huldigung der Juden vor dem polnischen König Kasimir. Aus Krakau wird uns geschrieben: Diese Woche fand hier die Enthüllung einer historisch interessanten Bronzetafel statt. Es ist dies ein vielbeachtetes Kulturwerk des jüdischen Künstlers Henrik Hoffmann und stellt eine Huldigung der Krakauer Juden vor dem König Kasimir dar. König Kasimir war bekanntlich den Juden sehr gut gesinnt und hat sie gegen verschiedene Unterdrückungen in Schutz genommen. Auf der nun im alten jüdischen Rathause zu Krakau enthüllten Bronzetafel ist die Szene festgehalten, wie die Inden vor dem König erscheinen und ihm für die vielen Gnadenbeweise danken und ihn ihrer unverbrüchlichen Loyalität versichern. Man sieht auf dem Bilde eine Gruppe Juden in der damaligen Tracht, die mit einer Thorarolle auf dem Arm sich vor dem König verbeugen und dankerfüllte Blicke zu ihm emporsenden. Ueber dem Ganzen schwebt der Engel des Friedens der sowohl den König, als auch die Juden beschützt. Jüdische Bibliotheken auf Auswandererschiffen. Auf Anregung der Kiewer Emigrationsgesellschaft werden auf den jüdischen Auswandererschiffen jüdische Bibliotheken eingerichtet. Die Filiale der Kiewer Gesellschaft in Bremen hat in letzter Zeit mehrere hundert Bände jüdischer, deutscher, hebräischer und russischer Bücher als Spenden für diese Schiffsbibliotheken erhalten. Die Leitung der Kiewer Gesellschaft richtet nun an die jüdische Oeffentlichkeit die Bitte, diese wichtige Kultureinrichtung durch Bücherspenden zu fördern und die zu spendenden Bücher an die Adresse des Hilfsvereins der deutschen Juden in Bremen, Düsternstraße Nr. 7, zu senden. _ . . Die Geschichte der Juden m Kurland. tf Vor kurzem erschien auf dem hebräischen Büchermärkte in Rußland ein sehr interessantes Werk „Toldoth Hajehudim Bekur Land" (Geschichte der Juden in Kurland). Das Buch hat Rabbiner Levy Awzinsky aus Alt-Autz in Kurland zum Verfasser. Nach diesem Buche hat die erste Ansiedelung von Juden in Kurland im sechzehnten Jahrhundert stattgefunden. Die ersten Juden waren Deutsche aus Ostpreußen, ihnen folgten später Juden aus Zamut, Littauen und andere. Gut ging es den Juden in Kurland niemals recht. Sie litten ebenso unter den deutschen Herrschern, wie unter den polnischen Königen und Misten, wie auch seit dem achtzehnten Jahrhundert unter russischer Herrschaft. Pogrome, das heißt Judenmassakres in modern russischem Style hat es wohl in Kurland niemals gegeben, dagegen waren die Rechtsbeschränkungen, welche den Juden in den verschiedensten Formen auferlegt wurden, sehr erniedrigender und bedrückender Natur. In der Zeit vom Jahre 1682 bis 1779 wurden 16 verschiedene Jndenverordnungen erlassen, von denen jede neue schwere Verfügungen enthielt. Ein solcher Judenerlaß aus dem Jahre 1682 bestimmt z. B., daß Juden .die einer Gesetzesübertretung überwiesen wurden, zum Ausstechen der Augen verurteilt werden sollen. Wurde ein Jude bei der Ueberschreitung des Iudenviertels ertappt, so wurde er zu Stockhieben verurteilt und überdies aus der Stadt verjagt. Hat ein Jude einen ihm nicht erlaubten Handel betrieben, so wurde ihm im Betretungsfalle Hab und Gut konfisziert und er selbst aller Mittel entblößt aus der Stadt getrieben. Interessant ist, daß die Gutsherren in Kurland stets für die Erweiterung der Rechte der Juden eingetreten waren und eigentlich die Bürger, Krämer und Handwerker, die größten Gegner solcher Rechtserweiterungen waren. Dieser Hatz ging so weit, daß als Livland, Kurland sich unter polnischem Schutze gestellt hatten, die polnischen Könige sich unter anderem vertragsmäßig verpflichten mußten, den Handel der Juden zu unterdrücken. Diese Verpflichtung gehörte zu den wichtigsten Bedingungen, unter welchen die Kurländer die Herrschaft der Polen anerkannt haben. Die Juden wurden wiederholt aus Kurland vertrieben, Ausnahmen wurden nur gegen Entrichtung hoher und drückender Steuern gestattet. Als den Juden in Kurland das Wohnen auf den Dörfern verboten wurde, wurde dieses Verbot so strenge gehandhabt, daß in jedem Falle, wo ein Jude auf einem Gutshofe erwischt wurde, der Gutsherr zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde, weil er den Inden auf seinem Besitze zu wohnen gestattete. Dies hatte zur Folge, daß das Spitzelwefen in Kürland ein blühendes Geschäft bildete, da jeder, der einen Juden in einem verbotenen Schlupfwinkel aufstöberte, auf eine bestimmte Belohnung Anspruch hatte, die ihm aus den Strafgeldern zufloß, die jenen Christen auferlegt wurden, welche den Juden Unterkunft gewährten. Etwas besser gestaltete sich die Lage der Juden in Kurland zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Als Kurland unter russische Herrschaft geriet, befahl Kaiser Paul dem Senat in Petersburg, Vorschläge über die Regelung der Judenfrage in dieser neuen Provinz zu erstatten. Im Senat herrschte über diese Frage große Meinungsverschiedenheit und trotz des Eingreifens des liberalen kurländischen Edelmannes Baron Karl