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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-15 · 50 (15.12.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I Seite 828 Dk. MOs . abscheulich muh der Wucher gewesen sein, den das Scha- .chervolk trieb..." Dann schließt er: „Es ist wem-/ ger zu bedauern, wenn hundert Juden verkommen, als wenn ein Bauernhaus umfällt." Ich kann hier nicht alle vom giftigsten Judenhaß triefenden Stellen aus Gfrörrrs Werk zitieren, aber zum Schluß will ich noch ein Pröbchen seiner Phantasie und seines rohen Tones geben. Wie die Juden, wenn sie zu einigem Wohlstand oder gar zu Reichtum gekommen waöen, von geistlichen und weltlichen Herrschern ausgebeutet wurden, das ist ihm wohl bekannt und er beschuldigt solcher Uebeltat auch den Kaiser, obwohl von diesem nichts derartiges bekannt ist. Aber damit sich nicht begnügend, schildert er sogar mit kannibalischem Behagen, ganz aus seiner Phantasie, eme solche Beraubung der Juden: „Man duldete schweigend, daß die Juden sich mit dem Gute des Volkes und der Armen mästeten. War aber der Schwamm dickvoll, so preßte man ihn etwa in folgender Weise aus: durch den Mund seines Judenvogts, des Rabbi, rief der Bischof die reichsten Schacherer zusammen und hob an: du Meschullam, du Marum, du Levi, du Baruch, du Moscheles, du Abraham- Iudassohn, du Meir und wie ihr anderen Hundesöhne alle heißen möget, habt ihr .nicht Geld angesaugt wie Blutegel, habt ihr nicht ganze Dörfer und Städte an den Bettelstab gebracht? Jetzt kommt ein Simson über euch, unverzüglich zahlet so und so viel blanke Goldstücke oder auf die Folter mit euch, die Haut vom Leibe geschunden!" Und .nicht bloß die Juden, auch die Protestanten, ja selbst liberale Katholiken, die doch in eine Geschichte des elften Jahrhunderts gar nicht hineingehören, schmäht und verleumdet dieser Historiker. Interessant ist es aber, daß er in seinem letzten, erst nach seinem Tode erschienenen Werke „Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts", das in milderem und anständigerem Tone geschrieben ist, ohne es zu merken, sich selbst verurteilt: Von Frau von Maintenon ^der fromm gewordenen Freundin Ludwig XIV und ihrer eifrigen Förderung der Verfolgung der Reformierten sprechend, sagt er: „Sie war früher selbst Kalvinistin gewesen und ergriff daher mit Begierde eine Gelegenheit, welche ihr erlaubte, vor aller Welt zu zeigen, daß sie durch und durch rechtgläubig sei und keinen Funken hugenottischen Blutes mehr in ihren Adern habe." War denn nicht dasselbe Motiv bei Efrörer wirksam, der als Protestant geboren und erzogen erst im Alter von fünfzig Jahren zum Katholizismus übertrat und ein fanatischer Römling und Feind des protestantischen Preußen geworden ist. Glücklicherweise hatte er nicht den Einfluß der Maintenon und konnte nur bellen, nicht beißen. M. Russisch-griechische Mönche i« Jerusalem. Wiederholt ist schon auf das stete Vordringen der Russen und die Zunahme ihrer Zahl in Palästina hin- . gewiesen worden. Dies ist für die dortigen Juden mit großer Gefahr verbunden,- denn der Russe, der., in seinem eigenen Staate alle „Fremdvölker" und alle die sich nicht zum sogenannten orthodoxen Glauben bekennen, unterdrückt und verfolgt, verlangt in anderen Staaten pierst volle Gleichberechtigung, dann Bevorzugung, Respekt vor seinen Beamten, Konsuln, Dragomanen, Missionaren und sonstigen Pfaffen; und endlich beginnt er den Herrn zu spielen, wie jetzt in Persien und mehrmals schon, wenn auch nicht immer mit Erfolg, in China und in der Türkei. Wie es den Juden im heiligen Lande ergehen würde, wenn dieses in die „Einflußsphäre" der ewig betrun- WochMchrift Nr. 50 kenen und bestechlichen Tschinowniks geraten möchte, kann man sich wohl vorstellen. Und nicht bloß den Juden. Schon jetzt haben die Vorläufer jedes Angriffs auf nichtchristliche Völker, die Mönche und Missionäre, ihre Arbeit begonnen. Ueber Juden, Moslim und „Heiden" — so nennt der echte Russe die Katholiken und Protestanten — haben sie noch .keine Macht, so müssen sie sich begnügen, ihre eigenen Glaubensgenossen, unter Ausnützung ihres Aberglaubens, auSzubeuten. Ueber dieses Treiben russisch-griechischer Mönche in Jerusalem, berichtete vor einigen Monaten die englische Vierteljahrschrift „Hibbert-Journal für Religion, Theologie und Philosophie" folgendes, nach der Schilderung eines Augenzeugen: „Sie haben nach und nach das ganze Vermögen der Kirche an sich gezogen und da sie es nach Belieben verbrauchen, ohne Rechnung abzulegen, können sie ein angenehmes Leben führen und auch ihre Verwandten erhalten." „Eine Hauptquelle ihres Reichtums fließt aus den Taschen der (russischen) Pilger, welche, so viel sie nur vermögen, den Mönchen an den ihnen heiligen Orten für Messelesen zahlen. Den Hauptanteil beziehen die Mönche am heiligen Grabe, in dessen „Kanzlei" die Pilger ihre Gaben bringen. Sie schreiben auf Zetteln die Namen der Personen, für die Messen gelesen werden sollen, geben sie den Mönchen und legen das Geld auf den Tisch. So geht es jeden Tag stundenlang, bis sich ein großer Haufen Geldes ängesammelt hat, der dann in einen Kasten gelegt wird. Die Zettel werden zer?- rissen und weggeworfen (also nicht einmal die Messen gelesen!). Ein Kloster verkauft einem Pilger einen Baum aus seinem Olivenhain, zur Speisung einer für ihn ewig am Altar brennenden Lampe. Jeder Baum wird auf diese Weise mehrmals verkauft, und die Oliven — von den Mönchen verspeist." „Der Bischof, der sehr behaglich in einem großen Hause wohnt, verkauft Hunderte von Kuverts, welche kleine Oelbaumzweige, Steine von irgend einem heiligen Orte oder gar sein photographisches Porträt enthalten. Die Pilger stecken den Inhalt der Kuverts' ein und legen in diese dafür einen ihren Mitteln entsprechenden Geldbetrag hinein. Dies bringt dem Bischof piel Geld ein. Zu Kranken kommt der Priester um Trost zu spenden, .nur so lange sie zahlen— etwa fünf Kronen für jeden Besuch. Hat der Arme nichts mehr zu zahlen, so hören die Besuche auf. . In jeder Kirche verkaufen die Mönche den Pilgern Kerzen, welche sie brennen lassen, so lange sie beten. Sobald sie fortgehen, werden die KjerM ausgelöscht und den Nächstkommenden verkauft, mitunter 10 bis 12 mal dieselbe Kerze. Dabei sind diese Priester sehr unwissend und nur bestrebt, ihre Heerde in noch größerer Unwissenheit zu erhalten." L. vom Aahrmarkt des Lebens. Jüdische Grabsteine in Friesach. Wir erhalten zu dieser Frage folgende Zuschrift : Sehr geehrter Herr Redak'teur! Mit Bezugnahme sowohl auf die von Herrn Dr. M. Gruntvald in Nummer 38 Ihres geschätzten Blattes gemachten Mitteilungen betreffs der in Friesach vorhandenen jüdischen Grabsteine, als auch des dies betreffenden Artikels in der jüngsten Nummer Ihrer Zntung beehre ich mich, Ihnen mit dem höfl chen Ersuchen um Veröffentlichung mitzuteilen, daß die Grabsteine in meinem in Bälde zu erscheinenden gröberen Werke, betitelt „Die Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg von' den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart", ihre genaue Bearbeitung und Darstellung erfahren. Mit mehreren anderen historischen Illustrationen enthält mein Buch sogar auch die

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