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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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M. 47 M<MMs .WoOMMst «Wft 821 tigung ableiten, so darf der jubilierende Verein mit düng. welche derFörderung geistigerEristenzengewidnicht minderem Rechte sich rühmen, durch seine Arbeit ein gut Teil dieeses Anspruches begründet zu haben. Und darum war es ein glücklicher Gedanke, das fünfzigjährige Jubiläum des Studenten-Unterstützungs- Vereines durch Herausgabe einer Denkschrift zu feiern, deren Mitarbeiter die Elite des Wiener jüdischen Geisteslebens repräsentieren und in deren Vereinigung sinnfällig zum Ausdruck gelangt, wie wenig das gesamte Kulturleben der Gegenwart ohne die Befruchtung durch jüdische Künstler und Gelehrte zu denken wäre. Schriftsteller und Dichter vom Range Arthur Schnitzlers, Heinrich Friedjungs, Emil von Hoffmannsthals, Hans Müllers, Bernhard Münz', Richard Spechts, Julius Stettenheims, Gelehrte von der Bedeutung Theodor Gomperz'. A.Liebens, Dr. Güdemanns, W. Jerusalems, E. Längs,Dr. Moriz Benedikts, Professor Ehrmanns, Professor Königsleins, Professor Kleins, Professor Alexanders, Prof. Dr. H. Müllers, Professor Freuds, Professor Neuburgers, Professor Brauns, Professor Krauß', Professor Bings, Musiker wie Goldmark, Alfred Grünfeld, Joseph Sulzer, bildende Künstler wie Horowitz, Kaufmann, Eichhorn, Jehuda Epstein, David Kohn, Krestin, Leitner, Reitz, Schattenstein und Sternfeld, hohe Richter, Staatsbeamte und hervorragende Mitglieder des Barreaus, wie OLG. Varber, Oberfinanzrat Gerstmann, Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, die Regierungsräte Dr. Bachrach, Stuckart, Neumann, Dr. Horwitz, Dr. Freund, Abg. Dr. Ofner, Gemeinderat Schwarz-Hiller, Generalstabsarzt Dr. Zuckermann und viele andere, auf deren Ruhm wir stolz sein dürfen, haben an dem Buche milgearbeitet. Der Grundzug der Denkschrift sowohl in ihrem reichen Bilderschmucke als auch in den literarischen Beiträgen entspricht der ernsten Stimmung, in welche die besten und edelsten jüdischen Geister durch die konfessionelle Zurücksetzung der letzten Jahre und Jahrzehnte versetzt wurden. Immer aber schlägt aus diesem ernsten Grundion die tapfere Entschlossenheit durch, uns mit allen Waffen des Wissens und der Bildung gegen jene Zurücksetzung zu wehren und durch unsere kulturellen Leistungen den hohen Wert des jüdischen Volkstums für die geistige Entwicklung der Menschheit zu erweisen. Es sei gestattet, einige der markantesten Aeutzerungen nach dieser Richtung zu zitieren: Professor Dr. Moriz Benedikt: „Der Umstand, daß aus den ärmsten Schichten unseres Volkes, wenn ihnen unter die Arme gegriffen wird, hochgebildete und oft bedeutsame Menschen hervorgehen, beweist, daß ein mächtig treibender Keim in dem ganzen Volke lebt, der die schönsten Kulturblüten treibt." Oberfinanzrat Dr. G e r st m a n n: „Wer das, was mit ihm geboren wurde, verläßt, um sich den Kampf des Lebens zu erleichtern oder sonst einen Vorteil zu erringen, ist ebenso verächtlich, wie derjenige, der etwa seinen Vater oder seine Mutter verraten würde." Hofrat Dr. Theodor Gomperz: „Man darf vielleicht die Hoffnung hegen, daß in weiteren fünfzig Jahren die Wohltätigkeit jede konfessionelle Differenzierung .eingebüßt haben wird. Die unerläßliche Voraussetzung hiefür ist es freilich, daß die unterschiedlose Unterstützung von Glaubensgenossen und von Andersgläubigen die allgemeine Regel sei, daß sie allseitig und nicht mehr bloß einseitig geübt werde." Landesschulrat Dr. Gustav Kohn: „Ein Talmudspruch lautet: „Habet acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen strömet aus die Lehre." — Dieser Spruch darf für Ihr ausgezeichnet ersprießliches Wirken, für Ihre gesegnete Vereinsgrünmet erscheint, als vorbildlich bezeichnet werden — möge Ihr herrlicher Verein unter diesem Zeichen zur Ehre des Judentums weiter wachsen, blühen und gedeihen." Hofrat Dr. Adolf Lieben: „Die Wissenschaft und die von ihr festgestellten Wahrheiten sind dieselben für alle Menschen, welcher Konfession und welcher Nationalität sie angehören mögen. So lange es noch viele Menschen gibt, welche insbesondere vom konfessionellen Standpunkt (z. B. Wunderglauben usw.) diesen wichtigen Satz nicht gelten lassen, ist es geboten, ihn wieder und wieder in Erinnerung zu bringen." Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner: „Man hat es als einen politischen Vorteil der Minorität bezeichnet, daß sie durch Argumente siegen> also lernen und denken muß, während die Mehrheitspartei durch brutale Macht siegen kann und sich dann leicht bei ihr beruhigt. Wir Juden sind keine Minorität, wir sind noch immer Parias der Gesellschaft. Wir müssen das Dreifache, oft das Zehnfache leisten, um als einfach gewertet zu werden. Was für die Minoritäten Vorteil genannt wird, ist für uns harter Zwang, und Studieren ist für uns keine bloße Befriedigung der Lernbegier, sondern notwendige Vorbereitung für den Lebenskampf." Arthur Schnitzler: „Solidarität der Bestrebungen knüpft Euch mit Bindfäden, Solidarität der Schicksale schnürt Euch mit Stricken, Solidarität der Verantwortungen schmiedet Euch mit Ketten aneinander." Dr. Alfred Stern: ./Mögen wir die Wurzeln derartigen für Millionen unserer Glaubensbrüder segensreich wirkenden Schaffens sorgsam pflegen! Lasset uns pflegen die Erinnerung an unsere Geschichte, an unsere heiligen ~ Ueberlieferungen auf dem uns in zweitausendjähriger Diaspora gemeinsamen Territorium, im Gotteshause und Lehrhause. — Das walte Gott!" Den Schluß dieser Auslese bilde der Spruch Julius Stettenheims, der sich, in der humorvoll-gemütlichen Art des Altmeisters an alle Schützenden wendet:, „Die reichen Menschen haben's gut. And zu gestehen Hab' ich Mut, Daß ich sie d'rum beneide- Doch ich beneid' sie nicht um's Geld, So sehr mir solches auch gefällt Als Hab' und Augenweide. Nein, ich beneid' den reichen Mann, Weil von dem Geld er spenden kann. Wo Not ist und dergleichen. Und weil es muß das Herz erfreu'n. Handvoll den Segen auszustreu'n — Wie haben's gut die Reichen!" Mögen alle, die so glücklich sind, für ihre Söhne nicht die Unterstützung dieses-, segensreichen Vereines in Anspruch nehmen zu müssen, ihren Brüdern reiche Gelegenheit bieten, sw im Sinne Stettenheims zu beneiden. Siegfried Fleischer. Ein hebräisches Blatt für Witz und Humor. In Newyork ist soeben die erste Nummer einer hebräischen Monatsschrift für Witz nnd Hnmor erschienen. Die Monatsschrift trägt den Titel „Hadeborah“ („Die Biene“) nnd wird von einem sehr bekannten hebräischen Publizisten Gerson Rasenzweig herausgegeben. Rosenzweig hat bereits zehn Jahre hindurch di» hebräische Zeitschrift „Haibri“ in Newyork redigiert. In der ersten Nummer der „Hadeborah“ fühlt man den echt talmudischen Humor wieder aufleben, und besonders die sehr hübschen Wortspiele in den Zitaten biblischer und talmudischer Stellen verraten den Künstler der hebräischen Sprache.

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