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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 614 Dr. Bwchs Wochenschrift Herr von Dürrfeld namens der Regierung den Verein und zollte seiner segensreichen, gemeinnützigen Tätigkeit Worte rvarmer Anerkennung. Hofrat Professor Ludwig wies auf die Armut gerade unter den strebsamsten Jüngern der Wissenschaft hin. Es sei kaum etwas Edleres zu denken, als das Wir'en eines solchen Vereines. Er wünscht dem jubilierenden Vereine, dessen Gründungsjahr mit dem Beginn seiner akademischen Studien zusammenfällt, weiter ersprießliches Gedeihen. In einer längeren Ansprache brachte der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, dem Vereine seine Sympathien zum Ausdrucke und hielt der Versammlung jene Kämpfe vor Augrn, deren es bedurfte, um die Möglichkeit zu schaffen, daß Juden nach Absolvierung ihrer Studien auch Zutritt zu jenen Stellungen erlangen, zu welchen die erworbene wissenschaftliche Befähigung ihnen das Anrecht gab. Rabbiner Dr. I. M. Bach sprach namens seiner Kollegen und als gewesener Student, der die Not der studierenden Jugend hier aus allernächster Nähe beobachten konnte. In warmen, herzlichen Worten brachte I. U. C. Adolf Brand, der Vertreter der „Jvria", den Dank der jüdischen Studentenschaft an den Vere n zum Ausdrucke. Präsidentin Frau Sofie Grünfeld dankte dem Vorsitzenden für die ihrem sel. Gatten gewidm te Erinnerung und wies darauf hin, datz sie, selbst durch zwei Jahrzehnte an der Spitze eines humanitären Vereines stehend, den Kampf und die Mühe wohl zu würdigen wisse, den eine derartige Institution erfordere. Die Glückwünsche der Oesterr.-Israel. Union überbrachte der Präsident Dr. I. S a m u e l y in einer herzlichen Ansprache. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen fand die schöne Feier ihr Ende. * * * Von Seiner Exzellenz, dem Kabinettedirektor Freiherr« von Schiessl, ist am Tage nach der Jubelfeier an den Vereinsvorstand die Mitteilung eingelangt, daß Se. Majestät das erste Exemplar der aus Anlaß der Feier herausgegebenen Denkschrift huldvollst entgegeuzunehmen und Seine Exzellenz zu beauftrage» geruhte, dem Vorstande für diese Vorlage sowie für den daran geknüpften Ausdruck treu dynastischer Gesinnung Allerhöchstchren herzlichen Dank bekanntzugeben, mit dem Bemerken, daß die Denkschrift der k. und k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek einverleibt worden ist. Die Herstellung des sorgfältig und geschmackvoll gearbeiteten Werkes halte die Firma Karl Groak, Wien IÜ., durchgeführt. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, II., Taborstraße 59. Am Mittwoch den 29. November d. Is. wurde im Vereinslokale des Israelitischen Humanitätsvereines „B'nai B'rith" die 12. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines abgehalten, die folgenden Verlauf hatte. Der Vorsitzende, Kommerzialrat Eduard Wiener, konstatiert die ordnungsmäßige Einberufung sowie die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung und begrüßt die sehr zahlreich! erschienenen Vereinsmitglieder und Gäste, namentlich. Herrn Dr. I. Samuely, als dm zur Generalversammlung delegierten Vertreter des Kültusvorstandes, ferner die Vertreter der Israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith „Wien" und „Eintracht", den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, S. Vrod, Herrn Richard Vettelheim als Vertreter des Bankhauses S. M. Rothschild, Herrn Karl Neustadt als Vertreter des Bankhauses Max Springer sowie den Rabbiner Herrn Dr. M. ©tun* wald. Die Herren Oberrabbiner Dr. M. ©übemann, Dr. I. M. Bach, Dr. David Feuchtwang, sowie Herr Direktor Wilhelm Kur, kaiserl. Rat Paul Lemberger, Kommerzialrat Gottlieb Kantor, Reichs- Jfc. 47 ratsabgeordneter Dr. Julius Ofner und mehrere Mitglieder haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Der Obmann des. Exekutivkomitees, Dr. Bela Taussig, verliest den Jahresbericht, in welchem von dem Ableben der Vorstandsmitglieder Hofrat Sigmund Taussig und Direktor Moritz Koritschoner Mitteilung gemacht wird, bei welcher sich die Anwesenden von ihren Sitzen erheben. Aus dem Berichte ist zu entnehmen, daß trotz des im letzten Frühjahr stattgefundenen Streikes der Schneider und anderer hinderlichen Umstände die erzielten Vermittlungen einen höheren Prozentsatz der Anmeldungen ergaben als im Vorjahre. Die Zahl der Besucher, an den Schaltern des Bureaus betrug 36.742, die Zahl der NeuaUmeldungen 5.731. die Zahl der Vermittlungen 3.720, wodurch sich die Vermittlungszahl seit Bestand des 'Vereines auf 35.084 erhöht. Nachdem der Schriftführer Herr Dr. Gustav Langst ein die statistischen Tabellen über die Landeszugehörigkeit, das Geschlecht und Alter, sowie den Familienstand der angemeldeten Arbeitwerber verlesen und der Kassier Herr Eduard Schwarz den Gebarungsausweis und Rechnungsabschluß zum Vortrag gebracht hatte, bringt der Vorsitzende den Bericht und den Gebarungsausweis zur Abstimmung. Dieselben werden einstimmig genehmigt. Herr Dr. S a m u e l y drückt dem Vorstande des Vereins den Dank und die uneingeschränkte Anerkennung der Kultusgemeinde für seine sehr segensreiche Tätigkeit aus und beglückwünscht den Vereinsvorstand zu seinen Erfolgen. Der Präsident des Vereines zur Hebung der Gewerbe weist auf die soziale Wichtigkeit, die der Tätigkeit des Arbeitsnachweises innewohnt, hin und hebt in ' schwungvollen Worten i die Verdienste, des., Vereinsvvrstandes hervor, dessen eifrigen Bemühungen es zu danken ist, daß unter der arMen jüdischen Bevölkerung das Anrufen der Wohltätigkeit wesentlich! vermindert wird. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wird das durch seine hingebungsvolle Wirksamkeit verdienstvolle, bisher kooptierte Vorstandsmitglied Herr Moriz Sonnenschein an Stelle des verstorbenen Herrn Hofrates Sigmund Taussig per Akklamation in den Vorstand gewählt. Nach Erledigung der Tagesordnung gibt der Obmann des Exekutivkomitees Dr. Bela Taussig folgende Anregung: Der in Meran weilende Vorsitzender-Stellvertreter Herr Albert Winterberg, den wir seit längerer Zeit hier und noch mehr auf unserem eigentlichen Arbeitsgebiete vermissen, weilt gewiß-mit seinen Gedanken heute bei uns, weshalb es sich! geziemt, daß auch wir uns seiner erinnern. Die Generalversammlung wolle daher den Vorsitzenden ersuchen, Herrn Winterberg beste Wünsche für seine völlige Genesung zu übermitteln und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß es ihm bald gegönnt sein möge, seine segensreiche Tätigkeit im Arbeitsnachweis aufzunehmen. Diese Anregung wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen und entsprach der Vorsitzende derselben durch Absendung eines Telegrammes. Der Vorsitzende Kommerzialrat Wiener richtet hierauf in seinem Schlußworte an die Versammlung einen eindringlichen Appell, den Verein auch weiterhin bei seiner hervorragend wichtigen sozialen Tätigkeit sowohl durch Anwerbung von Mitgliedern als auch durch möglichst häufige Zuweisung von Arbeitsgelegenheit für jüdische Arbeitnehmer in kräftiger Weise zu unterstützen, und schließt die Versammlung, deren Verlauf bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hervorbrachte.

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