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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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! Sette 813 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr. 47 schulinspektor Dr. Gerson Wolf und Bethausvorsteher Emauuel Biach waren aus dem Blatte unterfertigt, in welchem auf die Notwendigkeit hingewiesen wurde, einen Unterstützungsverein für arme israelitische Studierende zu schaffen. Dr. Gerson Wolf hatte in einer am Neujahrsfeste desselben Jahres gehaltenen Exhorte bei dem Gottesdienste im alten Musikvereinsgebäude die Anregung zu diesem Werke der Nächstenliebe gegeben und gar rasch an den Mitunterzeichnern des Aufrufes wackere Mitkämpfer für die schöne Idee gefunden. So kann man also mit Recht behaupten, daß hier die Schaffung einer ungemein segensreichen Institution vom Gotteshause ausgegangen ist. Es schloffen sich die Herren Julius Ritter von Goldschmidt, Moritz Freiherr von Königswarter und Wilhelm von Wertheimstein den genannten 4 Proponenten an und am 2. Dezember 1861 konnte der neue Verein im Sitzungssaale unserer Gemeinde die konstituierende Generalversammlung abhalten, denn unter dem Eindrücke des früher erwähnten Aufrufes hatten bereits 145 angesehene Gemeindemitglieder ihren Beitritt angemeldet. Was der Verein in den 50 Jahren seines Bestandes geleistet, wie er mit den gesteigerten Anforderungen Schritt gehalten, seinen Gönnerkreis zu mehren und sein Wirken auszuweiten in die Lage kam, all dies schildert uns in interessanter Weise die Denkschrift, welche aus Auslaß des sünfzigjährigen Bestandes vom Vereinsvorstande herausgegeben und von dem Sekretär der Institution, Herrn Guido Fu ch Arge lb, eingeleitet und redigiert wurde. Nur wenige Ziffern seien hier angeführt: 12.730 Gesuche von Studierenden der Wiener Hochschulen um Gewährung von Kollegiengeldern, Rigorosen- und Promotions-Taxen sind mit einem Aufwande von fast einer halben Million Kronen aufrecht erleNgt worden. Aus allen Ländern rekrutieren sich jene, denen durch den Verein die Möglichkeit geboten wurde, ihre Studien zu beenden, erwerbsfähig zu werden, ja vielfach es zu Ansehen und zu Bedeutung zu bringen. Die Verwaltungskosten des Vereines schwanken in den 50 Jahren zwischen 2 und 7% des Ausgabenetats. Der Vereinsfonds und die Stiftungen weisen eine Gesamthöhe von K 225.000 auf; wahrlich ein erfreuliches Bild rationeller, segensreicher und ersprießlicher Wirksamkeit! Und wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß dieser schöne Verein sich in den weitesten Kreisen Ansehen und Wertschätzung erworben, dann bieten die literarischen, musikalischen und künstlerischen Beiträge hervorragender jüdischer Gelehrter, Schriftsteller, Musiker, und Künstler, welche die Denkschrift zieren, ihn im vollen Maße. Ein schöner Gedanke war es, die Feier des fünfzigjährigen Bestandes dieser Institution, deren Gründung vom Gotteshause ausging, im Gotteshause einzuleiten. Und so versammelte sich ein hochansehnlicher Kreis am 2. Dezember um V27 Uhr abends im Stadttempel zu einem überaus weihevollen Festgottesdienste, begrüßt von den Mitgliedern des Vereinsvorstandes, welchem. die Herren Dr. Hermann Wolf, Notar Dr. Julius Berman n, kais. Rat Leopold Langer, Prokurist Jakob Langer, Professor Königst ei n, Prokurist Franz T ü r k l und Dr. Moriz Schnabel angehören. Man fühlte es, daß Alle, die da mittaten, mit ganzem Herzen bei der Sache waren. Oberkantor Don Fuchs wußte den herrlichen Kompositionen des Altmeisters Salomon Sulz er seine großen Fähigkeiten zu leihen und in wirkungsvoller Harmonie erklangen die von Professor Joseph Sulz er dirigierten Chöre. Oberrabbiner Dr. Güdemann pries in schwungvoller Festrede die Schöpfer und die Führer des Vereines, gedachte des Umstandes, daß der 2. Dezember, der Tag des Regierungsantrittes unseres Kaisers, des größten Wohltäters im Reiche, der Gründungs- und Jubeltag sei. Bei geöffneter Bundeslade ertönte die Volkshymne durch das Gotteshaus und mit dem Vortrage des adaun anlom hatte diese Feier ihr Ende. Am nächsten Tage, den 3. Dezember, fand um 10 Uhr vormittags in demselben Saale, in welchem 50 Jahre vorher die Konstituierung abgehalten wurde, die Generalversammlung und Festsitzung des Vereines statt. Wieder hatte sich ein großer Kreis von angesehenen Männern zusammengefunden und es sei hier ein Auszug der Präsenzliste bei beiden Festlichkeiten gegeben. Es waren anwesend: als Vertreter des Unterrichtsministers der Ministerialrat Dr. Pilat, als Vertreter des Statthalters Statthaltereirat Baron Dürrfeld, als Vertreter der Wiener Universität der Dekan der medizinischen Fakultät Professor Dr. Ludwig, als Vertreter des Polizei-Präsidiums Regierungsrat M. Stuckart, der Kultus- und Bethausvorstand mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern und den Vize-Präsidenten Landesschulrat Doktor Gustav K o h n und Hofrat Doktor Rapp aport an der Spitze; Hofrat Broch, die Reichsratsabgeordneten Ministerialrat Dr. K u r a n d a und Dr. Julius Ofner, Oberlandesgerichtsrat Dr. Spitzkopf, die Regierungsräte Archivdirektor Doktor Schlag und Vize - Direktor der Universitäts-Bibliothek Doktor Frankfurter, Generalsekretär Dr. Horowitz, Oberbaurat Hauser, die Universitätsprofessoren Ehrmann, Erben, Gomperz, Klein, Königstein, Pollak, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, die Gemeinderäte Frank und Neustadtl, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Bauer, Dr. Feuchtwang, Dr. Huß, Dr. Kaminka, Reich und Dr. Rosenmann, Inspektor Prof. Kanitz, die Direktoren Heller und Dr. Krenberger, Gymnasialprofessoren Dr. Siner und Doktor Pollak, die kais. Räte Dr. Lieben und Jonas Weil, Primarius Jnfeld, der Vorstand des österr. Künstler-Bundes akad. Maler I. Sternfeld mit dem akad. Maler Eichhorn und Krestin, die Präsidenten der israel. Humanitätsvereine „Wien" und „Eintracht", B'nai Brith mit zahlreichen Mitgliedern dieser Vereinigungen. Abordnungen hatten entsendet: die studentischen Vereinigungen „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler", „Jüdische Kultur", „Jvria", „Kadimah", „Maccabäer", „Unitas", ferner die Vereine „Kinderschutz", Hietzinger Frauenverein, Verein zur Errichtung jüdischer Volksküchen, „Einheit", Kaiser Franz Josefs-Ferienheim u. a. Begrüßungskundgebungen waren eingelangt von den Rektoren der Universität, der technischen Hochschule und der Tierärztlichen Hochschule in Wien, vom Inspektor für Jugendfürsorge-Jnstitutionen, kais. Rat Josef Meixner des Arbeitsministeriums. vom Landes-Oberinspektionsrat Fedor Gerenyi, der Israel. Allianz zu Wien, der Chewra Kadischa Wien I., von Baronin Königswarter im eig nen Namen und im Namen des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, vom Kaiser Franz Josefs-Ferienheim. Der Versammlungsraum hatte Festschmuck angelegt. Lorbeer umrankte die Bildnisse der Vereinsgründer, die in der Bildergalerie des Sitzungssaales ja auch sonst Ehrenplätze einnehmen. Der Vorsitzende des Vereins Vorstandes, Dr. Hermann Wolf, ein Sohn des Begründers der Institution, welcher seit dem Tode seines Vaters pietätvoll dessen Wirken für arme Studierende fortsetzt, begrüßte die Erschienenen und führte in seiner interessanten Festrede nicht allein das Werden und Wachsen des Vereines, sondern auch die Entwicklung der Verhältnisse an den Wiener Hochschulen vor. Er widmete der Wirksamkeit jener wackeren Männer Worte dankbarer Erinnerung, die seit der Gründung an der Spitze oder im Vorstand des Vereines verdienstvoll gewirkt haben, so insbesondere dem^Notar Emanuel Schiffmann und dem Dozenten Dr. Josef Grünfeld, deren Witwen der Versammlung beiwohnten, gedachte des sel. Baron Albert Rothschild, der dem Verein L 50.000.— zur Erinnerung an feinen Sohn Oskar gewidmet hatte. Herzlichen Dank zollte der Redner den Institutionen, welche dem Verein fördernd zur Seite stehen, u. zw.: ter Kultusgemeinde, der Israelitischen Allianz und den B'nai Brith-Vereinigungen. Er dankte seinen eifrigen Mitarbeitern^ dem Kaffaverwalter Notar Dr. Bermann, den Kassieren k. Rat Leopold Langerund Jakob Langer, würdigte die Verdienste des Sekretärs Fuchsgelb um die Führung der Vereinsgeschäfte und die Herausgabe der Denkschrift und schloß mit dem Appell an die Versammelten, dem Vereine ihr Wohlwollen zu bewahren. Lebhaft akklamiert beglückwünschte nun Statthaltereirat Frei-

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