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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 812 Dr. BWHs WoWnWrist Nr. 47 so „sprechend" ähnlich sehen, welche aus so manchen Tonwerken der alten und ältesten egyptischen Zeit reproduziert erscheinen. Aus de» Erinnerungen eines SoriaMenMrers an Karl Marr. Aus Paris wird uns geschrieben: Der greise Führer der englischen Sozialdemokratie, Hyndman, der unter dem persönlichen Einflüsse Karl Marr die sozialdemokratische Partei in England begründete, veröffentlicht soeben seine Autobiographie. Das bedeutende Werk enthalt ein langes Kapitel über Karl Marr, dem wir folgende interessante Charakteristik entnahmen: Die erste Impression, die sich mir beim Anblick Marrens aufdrängte, war diese: ein machtvoller, ungezügelter, un-- bezahmbarer alter Herr, der immer bereit ist, in einen Streit einzutreten, und immer einen bevorstehenden Angriff erwartete. Man konnte sich kernen seltsameren Kontrast vorstellen, als den, der sich zwischen seinen Manieren und seiner Sprache kundgab, wenn er so völlig vom Zorn übermannt war, und zwischen seiner Haltung, wenn er seine theoretischen Anschauungen vortrug. Mit seiner beherrschenden Stirn, dem kühnen Vorsprung der Brauen, den wildleuchtenden Augen, der mächtigen Nase und dem beweglichen Mund und dies alles von einem undurchdringlichen Gestrüpp von Haaren und Bart umgeben, schien mir dieser Mann in feiner Person die heilige Raserei des Sehers seiner Rasse, und das kalte analytische Genie eines Averroes und Spinoza zu verkörpern. Cr vereinigte in sich eine seltsame Mischung heterogener Eigenschaften, wie ich sie gleich kontrastierend bei keinem anderen Menschen vorfand. In London lebte Marr in sehr ärmlichen Verhältnissen. Seine Frau, die Tochter eines schr hohen deutschen Beamten, war mit der vornehmen schottischen Familie Campbell verwandt. Sie selbst erzählte Hyndman die folgende Geschichte: Eines Samstag abends hatten wir nichts zu essen. Marr nahm einige Silberlöffel und Silbergabeln, di» das Wappen meiner Familie trugen, um sie zu verpfänden. Man stelle sich nun das BW vor: Am Vorabende des Sonntags betritt ein schlecht gekleideter fremder Jude, Haar und Bart in Unordnung, den Laden eines Pfandleihers, um ihm prächtiges Silberzeug, das ein berühmtes Wappen trägt, anzubieten. Genug, um Verdacht zu erregen, und der Pfandleiher war nicht vertrauensselig. Er hielt den Unbekannten zurück und sandte nach der Polizei. Der Konstabler, der herbeieilte, konnte nur den Verdacht des Pfandleihers teilen, und er führte den armen , Marr nach dem Polizeiamte. Auch dort sprach der Schein gegen ihn. Marr versuchte vergebens zu erklären. Was er über den Ursprung des Silberzeugs zu sagen wußte, löste nur unbändige Heiterkeit aus. Er wurde in eine Polizeizelle abgeführt und erst am Montag gelang es dem Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus mit Hilfe einiger „respektabler" Freunde zu beweisen, daß er kein Einbrecher war und daß das Silberzeug mit dem Wappen der Campbell sein rechtmäßiges Eigentum bildete. Ableben eines berühmten christlichen HeSräfften. Aus Florenz wird uns berichtet: In hohem Alter von 84 Jahren starb der berühmte Hebraist Abbe Pietro Perreau. Der Verstorbene, der Jahrzehnte hindurch Bibliothekar in der Palatina von Parma war, hat nicht nur selbst eine große Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten und Aufsätze über hebräische Bibliographie und hebräische Sprachwissenschaften verfaßt und veröffentlicht, sondern auch die Arbeiten berühmter jüdischer Gelehrter wie Zunz, Steinschneider und Iellinek, mit denen ihn innige Freundschaft verband, mit wahrer Liebe für sein Fach gefördert. Von seinen Originalarbeiten seien erwähnt: Cataloghi dei codici orientali die alcune biblioteche d’Italia; ferner zahlreiche Aufsätze in fast sämtlichen italienischen und deutschen Fachzeitschriften. Ein Monument für einen jüdischen Bürgermeister. Vorigen Sonntag wurde, wie uns aus Paris berichtet wird, in Chaumont das Monument für den gewesenen Bürgermeister dieser Stadt und Wohltäter des Departement de la Haute-Marne, Emil Guggenheim, enthüllt. Die Enthüllungsfeier nahm einen sehr feierlichen Verlauf, die Gedenkrede hielt der Senator und gewesene Minister M. Mouggeot,- ferner hielten Ansprachen der Präfekt des Departements, der gegenwärtige Bürgermeister der Stadt, sowie Delegierte aus allen Teilen des Departements. Alle Redner gedachten mit ehrenden Worten der segensreichen Tätigkeit des verstorbenen Bürgermeisters, der sowohl als Patriot, als auch als aufrichtiger Bekenner seines Glaubens ein gerechter und wohltätiger Mensch und Funktionär gewesen ist. Ikorrespondenze Ehrung der Frau Baronin Charlotte Königswarter durch die Wiener jüdischen Frauenvereme. Die auf dem Gebiete der Philanthropie so segensreich wirkende und hervorragend verdiente Frau Baronin Charlotte Königswarter, eine Zierde der Wiener jüdischen Gesellschaft, hat am 2. Dezember l. I. ihr siebzigstes Geburtsfest begangen. Aus diesem Anlasse haben die Wiener israelitischen Frauen-Wo.hltätigkeitsvereine, welche dem Verbände zur Unterstützung armer' israelit. Wöchnerinnen angehören, der Frau Baronin Konigswarter durch Ueberreichung eines gemeinsamen Gratulationsschreibens eine Ehrung bereitet. Dieses Schreiben charakterisiert den Seelenadel und die feinsinnige Wesensart der hochverehrten Philanthropin mit folgenden Worten: „Wohl wissen wir, wie sehr Sie in Ihrer selbstgewählten Zurückgezogenheit öffentlichen Ehrungen abhold sind. Heute aber empfinden wir es als unseren Stolz, vor aller Welt zu künden, welchen Schatz die Philanthropie ohne Unterschied des Glaubens, welchen Schatz die jüdische Gemeinschaft in Ihnen, verehrte Frau Baronin, besitzt. Sie selbst, eine treffliche Glaubensschwester, haben in Ihrem der reinsten Humanität geweihten Lebenswerke Unterschiede des Standes und der Religion nie beachtet. Das Wort des Dichterfürsten: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" — in Ihnen hat es eine seiner lautersten Verkörperungen erlangt. Auf Ihren bisherigen Lebensweg zurückblickend, dürfen Sie, verehrte Frau Baronin, in dem Bewußtsein treuerfüllter Pflichten gegen Gott und die Mitmenschen reichliche und verdiente Befriedigung finden." Wir wünschen der ausgezeichneten Frau von ganzem Herzen ungezählte Jahre voll Gesundheit und Glück im frohen Kveise ihrer Kinder und Enkelkinder. Das fünfzigjährige Jubiläum des „Vereines zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien. Den Andächtigen, die am Vorabende des Versöhnungsfestes des Jahres 5622 (186 l) sich in den altehrwürdigen Stadttempel in der Seitenstettengasse begaben, wurde am Eingänge des Bethauses ein Aufruf überreicht mit der Ueberschrist: „Bitte an wohltätige Menschenfreunde." Prediger Jsac Noah Mannheimer, Rabbiner Lazar Horwitz, Religions

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