Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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:-§eife 808 MMsHWWMHrist ‘ " 1 m 47 .. erste das energetische, das zweite das statische Denken nennen. Von Natur aus neigt der Mensch vielmehr zum statischen Denken: es kann sich viel enger an die Anschauung anschliehen und verlangt weniger Anstrengung - und weniger Abstraktion. Es ist daher auch heute noch in unverhältnismäßig weiteren Schichten verbreitet als das energetische Denken. Trotzdem ist es diesem gegenüber m den meisten Fällen rückständig und untergeordnet. Ein Beispiel möge dies zeigen: Zwei Schiffe A. und B. befanden sich im Wettlauf. Das Schiff A. hat einen Vorsprung von 100 Meilen und eine Geschwindigkeit von 10 Knoten, das Schiff B., hinter jenem um 100 Meilen zurück, eine Geschwindigkeit von 10,5 Knoten. Mit der statischen Denkmethode ergeben sich die Chancen des Sieges fast zweifellos für das Schiff A., nach der energetischen Methode wird man viel mehr auf den Sieg des Schiffes B. alle Hoffnung stellen müssen. Tatsächlich wird das Schiff A. nur dann Sieger bleiben, wenn das Ziel der beiden Schiffe sich näher als 2000 Meilen befindet. In allen anderen Fällen muh notwendig der Sieg dem Schiff V. zufallen. Auf unseren Fall übertragen, ist es klar, dah bei der Frage der Konkurrenz zweier Rassen nicht ein bestimmtes Ziel, sondern unbegrenzte Entwicklungszeiten in Vergleich stehen, und dah also nur das energetische Denken allein zur Wahrheit führen kann. Die gegenwärtige statische Ueberzahl von 100 Millionen der weihen Rasse gegenüber der gelben besagt so viel wie nichts im Vergleich zu den Richtungsgröhen, zu den Entwicklungstendenzen, welche den beiden Rassen innewohnen. Und hier müssen wir nun konstatieren, die viereinhalb Hundert Millionen stehen unter einer Moral- und Wirtschaftsordnung, welche, wenn auch nicht für die Auslese der Höherwertigen. so doch in Hohem Mähe für die Auslese der Gesunden, Lebenstüchtigen zuträglich ist. Sie sind uns zudem jetzt schon weit überlegen an Zähigkeit, Genüg-' samkeit, Widerstandskraft gegen Ungunst des Klimas, der Wohnungs- und Nahrungsverhaltnisse, an Leistungsfähigkeit in allen niederen Arbeitszweigen. Während bei uns die Geburtenzahl im stetigen Rückgang sich befindet, hält sich, dort der Geburtenüberschuß konstant auf einer schier beispiellosen Höhe und wird in dieser Tendenz durch die Auffassung eines seit Jahrtausenden eingewurzelten Volksglaubens bestärkt. Sollte es je dazu kommen, dah die Mongolen in größeren Massen, wenn auch in friedlicher Form, in das Getriebe unseres Kultur- und Wirtschaftslebens hereingelaffen würden, so wäre die schrittweise Verdrängung der weihen Rasse durch die gelbe nur eine Frage der Zeit. Aber selbst wenn die einzig gesunde Politik der Abendländer den Mongolen gegenüber, die Politik der geschlossenen Türen, allgemein zur Anerkennung gelangen sollte, so ist es doch sehr fraglich, ob nicht doch die Zeit kommen wird, in welcher die Mongolen mit kriegerischen Mitteln sich den ihnen verwehrten Einlaß erzwingen . werden. Das sind im Wesentlichen die äuheren Raffengefahren, denen wir entgegengehen. Diese äußeren Gefahren, die sogenannte gelbe Gefahr, in ihrer Gröhe anzuerkennen, ist jedoch hEte die Mehrzahl des Volkes, ja die Mehrzahl der Gebildeten noch absolut unfähig. Es ,ist dies zu erklären einfach aus der Beschränktheit des Gesichtskreises. Dieselben Leute aber, die sich über ein Ernstnehmen der gelben Gefahr in allen Tonarten moquieren, die nehmen, zum größten Teil wenigstens, eine andere sogenannte Rassengefahr ganz erschrecklich ernst, die vermeintliche Gefahr, an die jeder zuerst denkt, der die Worte „Rasse und Raffenproblem" heutzutage aussprechen hört: —: die Judengefahr. Die 450 Millionen Mongolen sollen uns ungefährlich sein, dagegen hegt man die ernstesten Besorgnisse vor den 10 Millionen Juden, die neben jenen uns gegenüber oder vielmehr unter uns stehen. Man muh sich diese Verhältnisgröhen nur anschaulich vorstellen, auf einfache Bezugsmengen reduziert, um die Haltlosigkeit solcher Befürchtungen einzusehen. Da stehen auf der einen Seite 100 Weihrassige oder Kaukasier, auf der anderen 80 Mongolen, die Kaukasier unter einer die Rasse depravierenden, ausbeutenden, die Mongolen unter einer die Gesundheit der Rasse konservierenden Moral, die Kaukasier mit sinkender Geburtsquote und Militärtauglichkeil, die Mongolen in immer gleich beharrendem Ueberschuß an Geburten und Volkskraft: die Kaukasier unter einander uneinig, zerspalten in eine Vielzahl auf einander eifersüchtiger Nationen, die Mongolen im wesentlichen staatlich geeint und soweit vom sozialen Empfinden beseelt, daß sie gegenwärtig darangehen, durch! Volksbeschluh festzustellen, ob sie als Monarchie oder als Republik sich, staatlich weiterentwickeln wollen. Hier eine Gefahr für die Weihen zu erblicken, das wird als Schwarzseherei, als Nervosität, als intellektuelle Hysterie verschrien oder belächelt. Aber: Unter diesen hundert Weihen, da stehen auch zwei Juden, und in diesen, da steckt die wirkliche Rassengefahr. Da muh der deutsche Michel geweckt und mit dem heiligen Rüstzeug seiner Ahnen gewappnet werden, nicht um gegen die 80 Mongolen zu Felde zu ziehen, sondern um die zwei Juden zu drangsalieren. Ist das nicht der Gipfel der Lächerlichkeit? Aber man wird vielleicht versuchen, mich mit meinen eigenen Waffen zu schlagen. Nicht das statische Zahlenverhältnis, sondern die energetischen Richtungstendenzen geben ja den Ausschlag: Es hat sicher eine Zeit gegeben, wo unter hundert Affen oder affenähnlichen Wesen nur zwei Menschen gelebt haben, und doch gehörte diesen zwei Menschen die Zukunft. Denn sie besahen eine aufsteigende, jene affenähnlichen Wesen eine absteigende Bevölkerungstendenz. Ich muh diesen Einwand nun prinzipiell mit aller Ausdrücklichkeit akzeptierend Ganz gewiß könnte'auchs den zwei Prozent Juden, die unter uns leben, in ähnlicher Weise die Zukunft gehören, wenn sie sich im Verhältnis zu uns in relativer Zunahme befänden. Aber das genaue Gegenteil ist Tatsache. Diese zwei Prozent Juden, die unter uns wohnen, befinden sich im Vergleich mit den Nichtjuden nicht in perzentueller Zunahme, sondern vielmehr in auffälliger und wahrscheinlich unaufhaltsamer Abnahme. Wir stehen hier vor dem springenden Punkt aller einschlägigen Betrachtungen und es ist nützlich, daß wir uns zunächst etwas besinnen, wenn wir oder mit welchem Rechte wir die Juden als eine Raffe den Nichtjuden unter den Weißen gegenüberstellen. Man spricht von Christen oder Ariern auf der einen, von Israeliten oder Juden auf der anderen Seite, und man meint damit mehr als einen Unterschied bloh der Religionen gekennzeichnet zu haben. Haben wir nun überhaupt ein Recht, Arier und Juden als zwei differente Rasseneinheiten in Gegensatz zu bringen? Dies führt uns auf das weite, ja schier unbegrenzte Gebiet der Rassenfragen im anthropologischen Sinn. Ich kann hier nuv kurz auf das Wenige Hinweisen, was meiner Ueberzeugung nach in diesem Belang mit Sicherheit behauptet werden kann. Wenn wir im anthropologischen Sinn von Rasse sprechen, so verstehen wir darunter ein Kollektiv von Menschen, welches sich in seiner Konstitution von allen übrigen charakteristisch unterscheidet. Versucht man nun, die ungeheure Mannigfaltigkeit der in unsere Erfahrung tretenden Menschentypen nach diesem Gesichtspunkt durch direkte Beobachtung und direkten Vergleich in natürliche weitere und engere Klaffen zu gruppieren, so stöht man auf schwer zu überwindende Hindernisse,- welche aus der Unmöglichkeit der Aufstellung fixer und unwiderleglich nachweisbarer Merkmale hervorgehen. Man ist daher schon seit langem bemüht, den direkten deskriptiven Vergleiche durch genetische Erwägungen zu erleichtern und zu sllltzen, und zwar gibt es zweierlei genetische Erwägungen, zunächst die Gemeinsamkeit der