Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 11 Sette 807 Dr. Vlochs WochMMt Tradition jüdischen AerztetumS steckt in diesem Polnischen Juden mit den Schläfenlocken im verschlissenen Kaftan! Und ein polnischer Jude, der Dank erntet! Dank von einem Christen, einer Weltberühmtheit, die ein solches Denkmal setzt ihrem Lebensretter. Das Buch empfiehlt fich laut beiliegendem Prospekt für den Weihnachtstisch. Darf man es auch für Chanucka empfehlen — trotz des polnischen Juden? Raffenprodlem u»i> Iudenfrage. Von Dr. Christian Freiherr v. Ehrenfels, Professor der Philosophie an der deutschen Universität in Prag. Den nachfolgenden Vortrag hielt der bekannte Prager Rass-nbiologe vorige Woche in der Prager Lesehalle. Sowohl die Persönlichkeit des Autors als auch die in dem Vortrage zur Geltung kommenge Richtung veranlasien uns diese bedeutende Arbeit auf Grund stenographischer Notizen unverkürzt unseren Lesern zu vermitteln. Man kann das Nasfenproblem von sehr verschiedenen Standpunkten aus in Angriff nehmen. Theoretisch vom deskriptiv-anthropologischen, entwicklungstheoretischen oder geschichtsphilosophischen Standpunkt: praktisch kann man sich fragen, ob aus der Betrachtung des Problems nicht die Erkenntnis bisher vernachlässigter Güter hervorgehe, ob sich uns neue Verpflichtungen ergeben, ob wir etwa in bisher übersehenen Gefahren schweben. Ich beabsichtige hier das Problem mit praktischen Intentionen zu behandeln und namentlich die letzte, die Frage nach einer Rassengefahr, näher in Erwägung zu ziehen. Gleich von vornherein möchte ich meiner Ansicht dahin Ausdruck geben, daß wir Europäer oder noch, besser die gesamten Völker der abendländischen Kultur einer Rassengefahr, und zwar einer furchtbaren, ernsten, entgegengehen, datz sie aber nicht dort liegt, wo man das in weiten Kreisen anzunehmen geneigt ist. Um dies darzulegen, ist es vor allem notwendig, datz wir von einem festen Begriff der Rasse ausgehen. Ich greife von den vielen Bedeutungen des Wortes „Rasse" diejenige heraus, die mir die wichtigste zu sein scheint, indem ich die Rasse definiere als den Inbegriff aller angeborenen und physiologisch vererbten seelischen und körperlichen Anlagen des Menschen. In diesem Sinne verstanden, können wir die Rassengüter den Kulturgütern entgegenstellen, und unter Kultur den Inbegriff aller Güter verstehen, welche zur Erlangung der letzten Ziele geeignet sind und nicht als Rassengüter sich charakterisieren. In dieser Gegenüberstellung von Rasse und Kultur (oder Konstitution und Kultur) muh man mit Entschiedenheit die Rasse oder die Konstitution als das wichtigere bezeichnen. Denn ein Volk, welches in seiner Raffe gesund bleibt, kann selbst durch die schwersten kulturellen Krisen nicht dauernd geschädigt werden, andererseits wird alle Kultur wertlos, wo die Konstitution zurückgehl und nicht mehr imstande ist, das Erbe der Vorfahren sich anzueignen. In diesem Sinne verstanden, ist es eine traurige Tatsache, daß die Raffe aller abendländischen Kulturvölker sich gegenwärtig im Niedergang befindet und zwar nicht infolge einer unentrinnbaren Naturgesetzlichkeit, welche den Volksorganismus in ähnlicher Weise wie den individuellen einer Periode des Alterns und Melkens zuführen würde (denn solche Naturgesetzlichkeit gibt es nicht), sondern infolge schlechter Ausleseverhältnisse. Diese Tatsache kann heute als vollkommen wissenschaftlich verbürgt gelten. Es ist mir nun die Erkenntnis aufgegangen, daß der Grund dieser schlechten Ausleseverhältnisse und des durch sie bedingten Niederganges der Raffe oder Konstitution in unseren serualen Sitten gelegen ist. Ich versuchte diese Erkenntnis zunächst durch eine Reihe von Publikationen zu verbreiten, machte aber die Erfahrung, dah meine Thesen heftig angefochten wurden, ohne dah man dabei doch versuchte, auf sie näher einzugehen. Ich wurde als ein Lästerer der Liebe stigmatisiert, es wurde darauf hingewiesen, dah unsere serualen Sitten viel zu tief eingewurzelt seien, als daß wesentliche Reformen hier überhaupt angestrebt werden könnten und mit der Frage: „Wo würde das hinführen? Hier läht sich unmöglich etwas ändern," glaubte man sich meine Ueberlegungen vom Leibe Hallen zu können. Man kann mir nichts Triftiges entgegnen, man will aber nichts davon hören. Dieses Ergebnis veranlahte mich zu weiterem Nachdenken. Es wurde mir bewußt, wie tief unsere sexuale Sitte in unserem gesamten Kulturleben verankert ist, ich wurde dadurch veranlaßt, in dem Forschen nach dem Grunde unseres rassischen Niederganges gleichsam noch um ein Stockwerk tiefer zu schürfen. Ich lernte als den letzten Grund dieses Niederganges eine Disharmonie unserer Sittlichkeit begreifen,« einen Vorzug auf der einen Seite, der mit einem Mangel auf der anderen Seite verbunden ist. Der Vorzug besteht in einer weitgehenden Verfeinerung unserer Empfindungen, namentlich in einer in der menschlichen Geschichte noch nicht dagewesenen Hochstellung der Frau. Der Mangel besteht in dem Fehlen jedes Gesellschafts-Verantwortungsgefühles für den lebendigen Nachwuchs, für das Gedeihen der aufwachsenden Generation. Im Wesentlichen ist das Heil des wichtigsten Teiles der Bevölkerung, der aufblühenden Jugend, den Zufällen der Privatwirtschaft anheimgestellt. Aus der Verbindung jenes Vorzuges mit diesem Mangel ergaben sich mit Naturnotwendigkeit jene Normen und Institutionen, welche für den konstitutiven Niedergang in letzterer Linie verantwortlich sind: die monogamische Serval- und Familienmoral mit ihrer Schwächung der Auslese, mit der moralischen Nötigung der sozial Hochgestellten zu luxuriöser Kindererziehung und mit der daraus hervorgehenden absichtlichen Kinderbeschränkung aus Erbrücksichten und endlich der unterdurchschnittlichen Fortpflanzung der höherwertig Veranlagten, vielmehr eine Selbstausmerzung derselben und daraus hervorgehend notwendigerweise der rassische Niedergang. Außerdem aber zeigt sich — gleichfalls infolge jener dargelegten Grundübel — in allen Kulturvölkern des Westens eine stetig fortschreitende Tendenz zum Rückgang der Geburtshaufigkeit, welche, darüber sind alle Forscher einig, nicht etwa aus physischen Ursachen, sondern aus Wille und Absicht zu erklären ist. Das ist die große innere Rassengefahr, der wir entgegengehen und die deswegen nicht geringer wird, weil das Uebel so tief sitzt, weil es so schwer zu beheben ist, weil erst in einer kaum absehbaren fernen Zukunft die Grundbedingungen für Regeneration und Aufstieg wieder zu gewinnen sind. Diese innere Rassengefahr der abendländischen Kulturvölker oder der Angehörigen der weißen Rasse wird aber wesentlich vergrößert durch das Hinzutreten der äußeren Gefahr, welche aus dem bevorstehenden unvermeidlichen Konkurrenzkampf der weißen mit der gelben Menschenrasse zu erwarten ist. Den fünfeinhalb Hundert Millionen Kaukasiern stehen viereinhalb Hundert Millionen Mongolen gegenüber. Hier höre ich mir schon ein Halt! entgegenschallen. Wie kann daraus Gefahr zu befürchten sein? Wir sind doch in der Ueberzahl. Indem ich diesem Einwand jetzt entgegentrete, möchte ich auf einen tiefgreifenden Unterschied zweier DenkungSorten Hinweisen, die mir zur Aufhellung nicht nur des vorliegenden, sondern vieler einschlägiger Probleme wesentlich zu sein scheint: auf den Unterschied jenes Denkens, welches mit den Begriffen von Energien, Kräften und Richtungslendenzen arbeitet, gegenüber einem Denken, welches sich mit dem Begriffe der Konstellation und der Abstände begnügt. Ich möchte das