Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 48 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 De. Bkochs Wochenschrift Sette 803 Kai-Fung-Fu persönlich gesucht, aber leider nur noch einige halbassimilierte Abkömmlinge von etwa 6—7 Familien gefunden, von den andern war schon damals vollständig jede Spur verloren (A Cycle of Cathali, Chicago 1890). James Finn, der lange Jahre in China gewohnt, in einer Broschüre „The Jews in China" und Marcus Adler in einer Broschüre „Chinese Jews" haben recht gute Berichte über die Juden in Kai-Fung-Fu geschrieben. Professor Neubaur hat in „Jewish Quarterly Review" Kommentare und Erläuterungen zu dem noch geretteten Gebete der chinesischen Juden gegeben und Herr Elkan Adler gab wertvolle Ergänzungen dazu (1898). In den sieben Jahren, die ich in verschiedenen Orten in China gelebt, habje ich mir die erdenklichste Mühe Mühe gegeben, "um noch Juden aufzufinden, leider konnte ich keine entdecken, außer die einigen Familien in Shanghai. Wohl sagten mir manche Chinesen in Peking und Tientsin, sie glauben Abkömmlinge von Juden zu sein, waren aber selbst nicht Ocher, ob diese Legenden auf Wahrheit beruhen, wußten auch nicht einmal, was damit gemeint sein soll. — Einen kurzen Bericht über das Resultat meiner Nachforschungen habe ich in einem Kapitel, betitelt „Die Juden in China" in meinem Buche „Einiges über China" (Berlin 1903) gegeben. Ausführlicher habe ich dieses Thema behandelt in meiner englischen Broschüre „The Jews in China" (London 1909) und ziemlich erschöpfend ist das Schicksal der chinesischen Juden in meinem, Ende Juli dieses Jahres, erschienenen hebräischen Werk •n^crr dargelegt worden. Das Resultat ist, wie schon erwähnt, leider traurig aber wahr, es sind keine Juden mehr in China, sie sind alle längst von den Chinesen absorbiert worden. Die Frage, ob noch jetzt Juden in China da sind oder ob sie sich assimiliert haben, ist zwar gelöst, aber von großer Wichtigkeit wäre es, die Ursachen der Assimilation zu ergründen. Das Judentum befindet sich jetzt in einer sehr kritischen Lage, und es wäre sehr wichtig, wenn wir durch den Schaden, den unsere Nation in China erlitten hat, klug werden könnten, um dieses traurige Schicksal von uns selbst abzuwenden. Die Frage ist zu ernst und Zu sehr verquickt, um in einem Brief behandelt zu werden, aber ich bin sicher, daß wir für unser Volk da viel lernen können. Ihr ergebenster London S. M. Perl mann. Lin uralter 8prnch. Ungedrucktes Gedicht von Heinrich Heine: Von allen Sprüchen, die ich gelernt, Hab’ ich die meisten vergessen, Ich bete nicht mehr beim Schlafengehen, Beim Aufstehen, nicht beim Essen. Doch einen, den halte ich im Leben hoch Und werde seiner stets gedenken, Er soll im Glück frohen Sinn, Im Unglück Trost mir schenken. Und wollt ihr wissen diesen Spruch, Den uns die Alten schufen? Er heißt seit uralter Zeit Bore Peri Hagofen. (Das vorstehende Gedicht, das wir der in Czernowitz erscheinenden „Volkswehr“ entnehmen, ist ein bisher unveröffentlichtes poetisches' Erzeugnis Heinrich Heines. Es wurde, wie das genannte Blatt mitteilt, von einem Enkel des Rabbi Akiba Eger in Königsberg abgeschrieben.) Wien. Hochverehrter Redakteur! Ich habe soeben mehrere Ausgaben von nirrfe (jüd. Kalender) zur Hand, woraus ich ersehe einen und denselben-Fehler, nämlich: itoöi 7>v beginnt man abends vom 5. auf den 6. Dezember, das ist ein Fehler! Im vorigen Jahrhundert hat man vom 3. auf den 4. Dezember angefangen ivüi jm und in diesem Jahrhundert soll man vom 4. auf den 5. Dezember anfangen, einzuschalten ntaai bta jm und nicht vom 5. auf den 6. Dezember.! I'.' Hochachtungsvoll Mayer Brunner Wien, XX., Othmarg. 14. §rxtfkafktn, R B in D. Wenn ihnen wieder einmal von antisemitischen Hetzaposteln die alberne Mär aufgetischt wird, daß die ..jüdischen" Großbankiers im Jahre 1870/71 au der preußischen Kriegsanleihe sich nicht beteiligt, dagegen dem „Erbfeinde" Frankreich ihre Kassen zur Verfügung gestellt hätten, so verweisen sie diese Hetzer darauf, daß sich in der Gemäldegalerie des verstorbenen Wiener Rothschild zwei Bilder von besonderem kulturhistorischen Interesse befanden. Auf dem einen dieser Bilder übergibt der Landgraf und spätere Kurfürst Wilhelm von Hessen dem alten Anselm Rothschild sein Pnvatvermögen zur Aufbewahrung, um es vor den Franzosen in Sicherheit zu bringen, während auf den andern Gemälde die fünf Söhne des inzwischen verstorbenen Gründers des Stammhauses dem Kurfürsten seine Millionen mit Zinsen und Zinseszinsen zurückgeben, nachdem sie sieben Jahre lang, 1806 bis 1813, sie mit eigener Gefahr behütet und verwaltet haben. L. F. Armando S o r a n i, ein junger italienischer Schriitsteller und Hebraist, von dem vor Jahresfrist eine italienische Uebersetzung ausgewählter Gedichte von Eh. N. B i a l i k erschienen ist, veröffentlicht jetzt eine Studie üher Saul Tschernichowsky mit Proben aus seinen Dichtungen. Demnächst gedenkt Sorani eine italienische Anthologie der modernen hebräischen Lyrik herauszuzeben. Stud. M. Fast gleichzeitig mit der hebräischen Ausgabe von Tolstois „Kindheit" ist im Verlage „Jepeth" in Jaffa eine hebräische Uebersetzung der bekannten Tolstoischen Erzählung „Der Tod des Iwan Jlitsch" aus der Feder von A. S. Rabbinowitz erschienen. Christliche Firma. Das Warenhaus Wilhelm Fischer, Fischer-Karlsdao Bahnhof, Hauptstraße, versendet Zirkulare, in welchen sie sich erbietet, „j-des V-reinsabzeichen“ zu liefern und gleichzeitig betont, sie sei eme christliche Firma. W. F. In der Stadt P e t t a u, Untersteiermark, finden sich jüdische Grabsteine, die gut erhalten sind. Notiz. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. „Hotel Stefanie", II., Tadorstraße 12. Ab Freitag den 1. Dezember und täglich: „S ch a b s e G o j l o m", Komödie von I. Latainer. — Sonntag den 3. Dezember, nachmittags um halb 4 Uhr: „B l ü m a l e", Operette von Mogulesku. — Dienstag den 5. Dezember Wohltätigkeitsvorstellung oes Vereines „Oseh Chesed": „Das Pintale Jüd", von B. Thomaschewsky. — Mittwoch den 6. Dezember WohltätigkeitsvorsteUung des Vereines „Auiche Dath Wuzedek": „Das jüdische Herz" von I. Latainer. — Donnerstag den 7. Dezember Wohltätigkeitsvorstellung der „Vereines der Handelsangestellten" : „Mein Weibs Freund" von I. Latainer, — Freitag den tt. Dezember, nachmittags halb 4 Uhr: „Herzale Mejiches" von M. Richter. Konkurs* Ädass Jisroel Stfw (Schiffschul)Wien,U.,er.Schiff8.8. An dem ppan P'- der Adass Jisroel ist die Stelle eines ersten **FT (Oberfcantors) zu besetzen. Bewerber um diese Stelle, welche nur in anerkannt orthodoxen Gemeinden oder Bethäusern fungiert haben, entsprechende Stimmittel und Fachbildung besitzen und zum tf-rp befähigt sind, wollen Offerte an den gefertigten Vorstand eiusenden. Zeugnisse sind nur in Abschrift beizulegen. Die Offerte sollen Angaben enthalten über Alter, Familienstand, bisherige Verwendung, Beschreibung des Lebensganges und Anführung sonstiger Fähigkeiten. Die Höhe des Gehaltes wird nach Uebereinkommen festgestellt. Zu Probe vor trägen werden nur die Berufenen zugelassen. Sp.sen werden nur dem Akzeptierten vergütet. Wien, Marcheschwan 5672. Vorstand der „Adass Jisroel“, Philipp Back, Obmann. Konkurs. Bei dem Israel. Tempel in Lemberg gelangt die Stelle eines musikalisch und liturgisch gebildeten Oberkantors zur Besetzung. Bewerber wollen Offerte mit Befähigungsnachweisen bei der Verwaltung des Israel. Tempels in Lemberg zu Händen des Vorsitzenden Herrn Dr. Adolf Menkes, Advokaten in Lemberg, einbringen. Nur dem Akzeptierten werden Reiaespesen vergütet Lemberg im November 1911.