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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 802 Dr. Blochs WochMfchrift Nr. 48 und gießt seine Empfindungen aus in „Phantasie". Und sagt der ganze Band auch viel zu viel von müden Träumen und oft krankhafter Sehnsucht und resigniertem Weltschmerz, — von bester Vorbedeutung für sein weiteres künstlerisches Schaffen sind viele prächtig gelungene Gedichte. Ganz wundervoll echt und lebendig, wie von sonniger Anmut und schalkhaftem Humor ist z. V. das folgende: „Auf der Straße, an den Hecken Blüht es voller jeden Tag. Rosen schwanken an den Stecken, Fröhlich schwirn's im Taubenschlag. Drüben, wo die Mädchen gehen, Hab ich keck mich aufgemacht. Plötzlich bleiben vor mir stehen Sech e, sieben oder acht. Blaue Bänder an den Hüten, Vor der Brust den Nelkenstrauß, Ach, vor lauter Blühn und Blüten Schaun sie selbst wie Blumen aus. Blaue Sehnsucht in den Blicken Guckt mich jede an und lacht — Könnt' ich doch ans Herze drücken Sechse, sieben oder acht . . Alles, was man von dem Dichter erwartete, erfüllte er in seinem letzten Gedichtbande „Leuchtende Tage" (Minden i. W., I. I. C. Bruns, 1900). Er hatte sich zu einem Stimmungsdichter ganz hervorragenden Ranges entwickelt, dem fast durchweg wundervolle, stille und tiefe Lieder gelangen. Welch eine Entwicklung von „Aus bewegten Stunden" bis zu diesem prächtigen Werk! Er, dessen Blick dort, nicht „schauen kann das Licht, nur die dunklen Leiden", er nennt die Ausbeute an Gedichten aus den Jahren 1896—1898 „L euchtende Tage"! Und „Leuchtende Tage" nennt er das erste und das letzte Gedicht der Sammlung! Es war ein froher Tag für uns alle, die wir Jacobowskis Entwicklung mit liebevoller Anteilnahme verfolgten, an dem dieses Buch in unsere Hände gelangte. So viel Abgeklärtheit und Seelenruhe wie -freudigkeit und männliches Selbstbewußtsein hatte man kaum erwartet. Wo blieben die wilden Klagen und Anklagen des ersten, die verzweifelte Resignation des zweiten, die müde Träumerei und Sehnsuchtskrankheit des dritten Bandes! Kraft hier und Tiefe, und festes Stehen in der realen Welt! Alle Erscheinungen des Lebens werden ihm zur Poesie. Er packt so recht mit beiden Händen hinein ins volle Menschenleben. Und reich,. überreich ist seine Welt! Und was er in ihr schaut, all die Empfindungen, die dieses mit offenen Augen Schauen in ihm auslöst, das bannt er in Lieder voll tiefinnerer Bewegung, in Verse voll strömender Flut des Gefühls. Wie mutet das alles so wundervoll eruptiv an! Das quillt förmlich aus der Seele hervor und ergießt sich in prächtig passende Form! Das ist Gelegenheilsdichtung im edelsten, im Goetheschen Sinne. Soll ich das eine oder andere Gedicht herausgreifen? Die Fülle des Prächtigen ist zu groß! Rur das eine möchte ich ganz besonders erwähnen, das wunderherrliche, das in jede Anthologie gehört, in jedes Schullesebuch, damit es in die allerweitesten Kreise unseres Volkes dränge, die romantische Marienlegende „D i e vier Räuber". Nach des Dichters frühem Tode gab aus seinem Nachlaß Dr. R. Steiner, zugleich mit einem liebevoll geschriebenen Lebens- und Charakterbild Iacobowskis, die letzten Gedichte des Verstorbenen heraus: „Ausklang" (Minden i. W., I. I. C. Bruns, 1901). Fehlt auch dem Ganzen die letzte Feile, viele der hier vereinten Lieder sind von entzückender Schöne und Tiefe der Empfindung. Neben den epischen und dramatischen Schöpfungen Iacobowskis, über die ich in einem späteren Essai sprechen möchte, muß ich noch auf eine andere Tätigkeit des Dichters Hinweisen, auf sein nie ermüdendes Bestreben, die Kunstpoesie dem breiten Volke zugänglich zu machen und durch sie auf das Volk erzieherisch zu wirken, es vor der verlogenen „Familienblattlyrik", den Schundprodukten des Gassenhauers zu bewahren durch billige Sammlungen von Liedern und Gedichten. So erinnere ich an seine Gabe: „Neue Lieder der besten neüeren Dichter fürs Volk", „Deutsche Dichter in Auswahl fürs Volk", die für 10 Pf. zu erhalten sind. Ich nenne vor allem seine Sammlung „Aus deutscher Seele". Ein Buch Volkslieder (Mmden, I. I. C. Bruns). In stolzem Selbstbewußtsein durfte in der Einleitung Jacobowski mit bestem Recht sagen: „Es ist ein Buch von so unsäglicher Schönheit, daß kein lyrisches Erzeugnis der Kunstpoesie einen Vergleich damit aushqlten kann. Ich darf dieses Werk meiner Liebe loben, denn es gehört nicht mir, sondern der geheimnisvollen Dichterkraft der deutschen Volksseele." Die Juden in China. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir bitte einige Bemerkungen zu dem in Ihrer geschätzten Wochenschrift Nr. 46 erschienenen Aufsatz „Die Juden in Kai-Fong-Fon" zu machen: Herr Rabbiner Dr. Heiß schließt die Wiedergabe des Missionsberichles vom Anfang des vorigen Jahrhunderts mit den Worten: „Seit jener Zeit sind unzählige Berichte und Mitteilungen über die Juden in China veröffentlicht worden. Doch läßt sich aus all den Berichten — da sie sich alle vielfach widersprechen — kaum ein klares Bild über Zähl und Verhältnisse der Inden in China gewinnen." Herr Dr. Heiß wird mir hoffentlich verzeihen, wenn ich diesem leichthin geschriebenen Schlußsatz mit aller Entschiedenheit widersprechen muß. Herr Dr. Heiß hat keine glückliche Wahl getroffen, wenn er sich einer so veralteten Quelle bediente. Es wäre wahrhaftig sehr schlimm um alle wissenschaftliche Forschung bestellt, wenn wir noch jetzt Ansichten und Berichte vom Anfänge des vorigen Jahrhunderts als endgültig verläßliche Unterlagen bewerten sollten, und noch viel mehr müßten wir irre gehen, wenn wir uns in Sachen betreffs China und sogar noch der Juden in China solcher unzuverlässigen Quellen, wie es veraltete Missionsberichte sind, bedienen wollten. Es gehören Sach- und Fachkenntnisse dazu, um die Spreu von dem Weizen in Missionsberichten scheiden zu können, da sie fast alle immer parteiisch und zweckdienlich gefärbt gewesen und noch heute sind sie zum großen Teile zu gewissen Zwecken zugeschnitten und nicht selten sogar gefälscht, obwohl wir jetzt China so nahegerückt sind!, daß die Reise von Westeuropa nach Peking nur 14 bis 15 Tage in Anspruch nimmt. Tatsache ist, daß seit jener Zeit (Anfang des vorigen Jahrhunderts) viele gelehrte Christen und Juden mit dem Schicksale der früher in Kai-Fung-Fu gelebten Juden sich beschäftigt und darüber recht viel geschrieben haben. Das Ergebnis der Nachforschungen ist zwar sehr traurig, aber wir können es leider nicht ändern, wir müssen gestehen, daß wir jetzt absolut im Klaren sind, daß der chinesischo Zweig unseres Stammes vollständig abgestorben ist. Es sind keine Juden mehr in China vorhanden, mit Ausnahme von einigen Familien, die vor ca. 10 Jahren aus Kai-Fung-Fu nach Shanghai gekommen und zum Judentum Zurückgekehrt sind. Ich will nur einige Quellen anführen, die meine Behauptung, daß die Juden in China ganz in den Chinesen ausgegangen sind, bestätigen. Professor Martin, der noch jetzt in Peking lebt, hat im Jahre 1866 die Juden in

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