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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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-V-- - Nr. 48 so singt der Dichter in den „Leuchtenden Tagen" von seiner frühen Jugend. Es war das mühselige, von treuem Familiensinn, Eltern- und Geschwisterliebe trotz allen Leids und Armseligkeit verschönte Leben so mancher jüdischen Familie unserer posenschen Kleinstädte. Als Ludwig sechs Jahre alt war, übersiedelte sein Vater nach Berlin. Hier gelang es dem strebsamen Manne, durch rastlosen Fleiß seine Vermögensverhältnisse zu verbessern. Schmerz und Gram aber wichen nicht aus dem Hause: die so inniggeliebte Mutter genas nie. Erst nach 18jähriger Krankheit erlöste sie 1830 der Tod von ihrem schweren Leiden. So lag ein düsterer Schatten über des Dichters Kindheit und reiferer Jugend. Der ist so recht eigentlich nie von ihm gewichen. Auch griff der Tod erbarmungslos noch verschiedene Male in sein junges Leben. Bis 1891 starben ihm Vater, Briider und seine heißgeliebte Braut Martha. Wie furchtbar unter diesen schweren Schicksalsschlägen sein fast überzart empfindendes Gemüt gelitten, zeigen später seine ersten beiden Gedichtsammlungen. Als scheuer, stiller Knabe lebte er zunächst dahin, seltsam verträumt und in sich gekehrt oder in Bücher vergraben. Er war ein geradezu schwärmerischer Verehrer in reiferen Knabenjahren von Schillers „Räuber" und dem „Don Carlos", daneben verschlang er in unstillbarer Lesewut, was ihm unter die Hände kam. Anfangs ging das so weit, datz er seine Schularbeiten arg vernachlässigte (er besuchte die Luisenstädtische Oberrealschule), dann aber, in erwachendem Pflichtgefühl, entwickelte er sich zu dem besten Schüler der Anstalt, die ^er 1887 unter Befreiung vom mündlichen Examen mit dem Reifezeugnis verließ. Pon Oktober 1887 bis Sommer 1891 studierte er dann in Berlin, Freiburg und wieder in Berlin deutsche Literatur, Geschichte Und Philosophie und promovierte 1891 mit einer Dissertation über „Klinger und Shakespeare". Seine ersten dichterischen Versuche fallen bereits in frühe Schülerjahre, und der 17jährige Primaner ist, ergriffen von Begeisterung für die toll übersprudelnden und gar wild sich geberdenden Vertreter der zweiten Sturm- und Drangperiode, die Gebrüder Hart, Bleibtreu, H. Eonradi und M. C. Conrad vor allem, ein eifriger Vorkämpfer der Moderne unter seinen Mitschülern. Bald nach dem Abschied von der Schule tritt er dann mit seinem ersten Gedichtbuche „Aus bewegten Stunden" (Dresden, E. Pierson. 1888) und. zwei Jahre später mit einer zweiten lyrischen Sammlung „Funken" (Ebenda, 1890) an die Oeffentlichkeit. Beide Werke bieten kaum noch etwas Eigenartiges. Viele Verse sind sogar recht dilettantisch. Der Jugend Sturm und Drang tobt sich in ihnen aus. Trotziger Ueberschwang und, ach, so wundervoll jugendlich-überschäumende, weltverachtend-jungenhafte, unfehlbare Primaner- und erstsemestrige Studentenphilosophie ist mit heiligem Ernst bemüht, „des Weltalls Rätsel mit Titanenkraft zu lösen", „hinabzutauchen in den Urgrund alles Wissens". In beiden Sammlungen, besonders aber in elfterer, welch ein Weltschmerzlertum, welch verzweifelnder Pessimismus! ..Meine Augen taugen nicht Für des Lebens Freuden, Denn sie schauen nicht das Licht, Nur die dunklen Leiden, Fremder Freuden Rosenrot Fühlt mein Auge nimmer, Bohrend schaut es nur der Not Fahlen Leichenschimmer." Nur des Lebens dunkelste Schatten sieht der junge Dichter und verzweifelt fast an der Welt. Nur' einmal klingt in den „Bewegten Stunden" ein Ton an. Seite 801 der auf künftige Genesung deutet, zwischen all der nebelhaften Spekulation und den pessimistischen Welt- und Eigenschmerzergüssen: „Und der Welt der kleinen Dinge Zürne ich von früh bis spat Daß ich nur von Schmerzen finge Und von keiner Mannestat." Später scherzt Jacobowski im Eeleitgedicht zur zweiten Auflage der „Bewegten Stunden" selbst über diese Jugendgedichte: „Ach, was war ich doch zur Zeit Recht ein Schlingel und ein Schüler, Der nach Gott und Ewigkeit Streckte seine frechen Fühler." Und auf Genesung deuten auch in den „Funken" bereits die Verse: „Wenn mir die Sonne dck ins Antlitz lacht. Mich üdenropft mit goldnem Sonnenschein, Da ist es mir, als kennt' ich nicht der Nacht Geheime Tränenpein, Als stand ich nie im Banne dunkler Macht, Als könnt' ich — glücklich sein!" Desgleichen die Gedichte in der Abteilung „Berliner Skizzen" und in dem Zyklus „Martha". Denn hier gibt der Dichter wirklich Erlebtes, nicht Anempfundenes. Die in den Jahren 1891—1895 entstandenen Gedichte vereint Jacobowski in seiner dritten Sammlung „Aus Tag und Traum" (Berlin. S. Calvary, 1895). Das Buch bedeutet einen gewaltigen Fortschritt des jungen Dichters. Hier fühlen wir schon stark die Eigenart seiner lyrischen Begabung. Die Sehnsucht, von der die Dichter jener Tage des Ringens alle singen und sagen, die in den ersten Gaben Jacobowskis brauste und glühte und pessimistische Prometheusklagen und - anklag en hervorbrachte, klingt nun in Ergebung, in weiche Resignation aus. Statt jugendlich-stürmender, faustisch-philosophischer Reflerion lyrischer Stimmungsgehalt. Musikalischer Rhythmus statt oft recht dilettantischer Formgebung. Es hatte ihn das Jahr 1891, das ihm den Bruder und die geliebte Braut nahm, nach wildestem Schmerze „still und ergeben" gemacht. Resigniert ertrug er, „was die Schickung schickt". Trost fand er in noch fleißigerer Arbeit. Und was dem Menschen Jacobowski noch an innerer Harmonie fehlte, der Dichter in ihm rang in heißem Streben nach ihr in seinen Schöpfungen. Seine Empfindungswelt vertiefte und bereicherte sich. Um zu lernen, sie in wertvoller Form austönen zu lassen, wandte er sich — recht bezeichnend für ihn! — den Romantikern zu. Aber auch der prächtige Mörike, der zartsinnige Storm wurden seine Vorbilder (die tollen Auswüchse der Moderne hat der feinfühlige Jacobowski nie mitgemacht), und mit dem Wunderreichtum des deutschen Volksliedes beschäftigte er sich eingehend. So zeigt sich in den meisten Gedichten dieser Sammlung ein feines Empfinden für Anmut und Schlichtheit, für Volkstümlichkeit. Manche muten direkt volksliedartig an. Was er bringt (das Buch ist Carl Busse gewidmet, mit dem er in jener ringenden „Sehnsuchtszeit" so viel Verwandtes hatte, daß beide in manchen Versen wörtlich übereinstimmen), sagt er in dem Gedichte „Zum Eingang" : „Zu einer Kette füg' ich Lied an Lied, Bon jungen Mädchen, wenn sie still erröten. Von schmalen Gräbern, wo der Flieder blüht. Von blauen Wünschen, die im Wind verwehten, ~~ Von Reaennächten, da ich wachend lag. Von Düften, die ein Hauch vorbeigetragen, Von Träumen und von Nachtigallenschlag Und einer Sehnsucht, ach, nicht auszusagen." Und so singt er von „Junger Liebe" und „Natur", dichtet den ergreifend-schwermütigen Zyklus „Martha", bringt „Silhouetten" und „Lieder an eine junge Frau" Dr. Mochs WochckMrift

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