Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 48 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite *800 Dr. MoWs WvWiWrtst Nr. 48 Dr. A. Grüner, J. Reininger, D. Löwy und Samuel Taul. Im verstärktem Ausschuß: Emauuel Elbert, I Taul, I. Löwy, Max Kohn, H. Reimuger, L. Maier, S. Taul, Max Mayer zun. und Max Löwy. Als Ersatzmänner die Herren Ludw. Kohn, Mich. Mayer und Jsak Hacker. Bei der nächsten Sitzung wird die neue Gemeindevertretung sich konstituieren. Austritte ans dem Judentum Vom 19. bis inkl. 25. November 1911. Abel Hugo, Ingenieur, geb. 26. August 1876, Bilin, V., Leitgebg. 2 a. Frankel Friederike, Lehrmädchen, geb. 4. November 1897, Wien' VII., Siebensterngasse 21. Hendelsohn Erna Alice, Private, geb. 19. Juni 1890, Trzemzal, VII., Lindengasse 82. Kohn Karl, Kellner, geb. 12. Mai 1871, Wien, Breslau (früher II., Stuwerstrasse 25). Mayer Josef, Privat, geb. 30. November 1854, Wien, Graz. Schacherl Frieda, Privat, geb. 31. Juli 1894, Pressburg, XVII., Hernalsergürtel 11. Schick Viktor, geb. 2. Juli 1870, Wien, Brüx. Spiegel Samu, geb. 25. Jänner 1877, Budapest, VII., Neustiftg. 54. Steinhart Ernst, Comptoirist, geb. 28. Juli 1894, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 93. Bodenbach. Am 25. November hielt unser Vergnügungsverein, der „Tcmpelbauverein", einen gelungenen „Familienabend" ab. Eingeleitet wurde das Programm durch ein Vwlinsolo mit Pianobegleitung von Fräul-in Käthe Pächter und Herrn Josef Faltitschek, welches reichen Beifall auslöste. Unsere Primadonna im Tempel und am Konzertpodium, Fäulein Martha Neumauu, erfreute hierauf durch zwei trefflich gewählte Lieder. Der nun folgende Gast von dem deutschen Vereinstheater D. D. V. in Prag, Herr Egon Torn, wußte durch seine humoristischen Vortrage die Gemüter zu erheitern. So fand man leicht die Stimmung zu dem bestens einstudierten Zcmkdmtt von Fräulein Martha Neumauu und deren jugendlichen Stellvertreterin Fräulern Erua Kugel. Der darauf folgende Einakter „Ja, so sind sie« von Jarosiy, in welchem die Damen Grete Fleischer. Erua Kugel, Martha Neumauu, Malwine Reiner und Irma Pick sich ihrer Rollen in überraschend schneidiger Weise entledigten, fand ungeteilten und rauschenden Beifall. Herr Torn fügte zur Ergänzung des reichen Programmes in zuvorkommender Weise noch einige mimische Scherze und Cabaretvorträge bei, welche mit größtem Vergnügen ausgenommen wurden, so daß dem nicht tanzenden Publikum in reichstem Maße Gediegenes geboten ward, der andere Teil tanzte und unterhielt sich in animiertester Stimmung bis der junge Tag — das will viel heißen im November — graute. Dukla. Samstag den 25. d. M. verschied hier plötzlich im 61. Lebensjahre Herr Moritz Goldhammer. Der Verstorbene, der hier mehrere Ehrenämter bekleidete, er war nämlich langjähriger Kultusrat und Gemeinderat, hat es verstanden, sich durch seinen Charakter eine überaus angesehene Stellung, sowohl bei seinen Glaubensgenoffen, als auch bei Nichtjuden zu erwerben und war sein Leben lang bemüht, stets mit Eifer die jüdischen Interessen zu wahren. Ein beredtes Zeugnis für seine Beliebtheit war das Sonntag stattgefundene Leichenbegängnis, an dem sich die ganze, jüdische Bevölkerung, wie auch die christlichen Notabeln beteiligten. Der Verlust ist für uns unersetzbar. Friede seiner Asche! B . . . . Pohrlitz. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Friediger aus Prag ist einstimmig zum Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Pohrlitz gewählt worden. Zlo^öw. Am 20. v. M. starb nach langwierigem, schweren Siechtum Herr Alexander Schorsteru, Vater Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. N. Schorsteiu, Rabbiner in Mißlitz. Der Verblichene zählte zu den angesehensten und populärsten Bürgern der Stadt. Ec war 30 Jahre hindurch Shnagogenvorstand. Kultusrat und Verwalter der Volksküche und des Siechenhauses, in welchen Eigenschaften er sich unsterbliche Verdienste um unsere Gemeinde erworben hat. Das am 21. v. M. stattgesundene Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der großen Achtung und Wertschätzung, deren sich der Heimgegangene in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung erfreute. Am offenen Grabe widmete der Sohn seinem verdienstvollen Vater einen tiefempfundenen Nachruf, der auf die zahlreich anwesende Trauerversammlung einen herzerschütternden Eindruck übte. L. K. Tacha«. Sonntag den 26. d. M. fand das Leichenbegängnis der am 84. d. M. verschiedenen Frau Sofie Wolfner unter großer Teilnahme der Bevölkerung statt. Die Verstorbene war die Gattin des Herrn Filipp Wolfuer, Obmannstellvertreter der Chewra Kadischa. An dem Leichenbegängniffe nahmen teil: Der Kultusvorsteher Herr Sigm. Doktor aus Dürrmaul, Abordnungen aus Marienbad und Kuttenplqn, der Kultusvorstand aus Tachau, an der Spitze Herr Kultusvorsteher Sigmund Strauß, die Stadtvertretung mit dem Bürgermeister Fleißuer, die Beamten der Zivil- und Staatsbehörden, die Chewra Kadischa unter Führung des Obmannes Herrn Moritz Fischl rc. rc. Ein jüdischer Grotzkäufmann zum Hvfrat ernannt. Aus Budapest wird uns berichtet: Der Kaiser hat dem Budapester Grotzkaufmann und Stadtrepräsentanten Berthold Klein den Titel eines ungarischen Hofrates verliehen. Der neue Hofrat'erfreut sich allgemeinen Ansehens in der Handelswelt der Hauptstadt, die in ihm einen der Bahnbrecher des ungarischen Handels schätzt. Auch sein reger Wohltätigkeitssinn hat dem verdienten Manne viele Freunde geschaffen. Feuilleton Ludwig Iarolioruski als Hyriker: Zu seinem Todestage (2. Dezember). Von Gotthold Schulz-Labischin (Posen). „Die Fackel in der Hand So weist die Sehnsucht weit ins Land, Wo tausend Wege münden. Ach! einen möchte ich schon gehn: „Nach Hause!" müßte drüber stehn. — O! Herz, nun geh ihn finden." Es war ein trüber Dezembertag, als wir Ludwig Jacobowski zur letzten Ruhe geleiteten. Sein sehnsuchtsvolles Herz, es hatte nur allzu schnell „nach Hause 'gefunden". Nach ganz kurzer Krankheit, die ihn mitten aus vollstem Schaffen herausritz, war er im Krankenhause Am Urban (Berlin) an einer Gehirnhautentzündung verschieden. Ein reiches Dichter- und Menschenleben war verklungen. Mit seinem näheren Freundeskreise, dem er der liebevollste Förderer und verständnisreiche Berater stets gewesen, beklagte das jähe Sterben des noch nicht 33jährigen eine überaus zahlreiche Gemeinde .warmer Verehrer. Man sah in seinem Scheiden einen schwerem Verlust für die zeitgenössische Dichtung. Ueber ein Dezennium ist seitdem ins Land gegangen. Was Jacobowski einst zehn Jahre vor seinem Tode resigniert gesungen: - -VT.., , ' ^„Jch weiß, wenn all mein Tun ' " Zu Ende geht. Daß meines Namens Spur Wie Ranch verweht," es ist nicht in Erfüllung gegangen. Und ist sein >Name> auch nie volkstümlich gewesen, — wie sollte ihm das in unfern Zeitläuften blühen, war er doch recht eigentlich „nur" ein Lyriker und auch die Hauptschönheit seiner bekanntesten epischen Dichtung, des Romans „Werther, der Jude", liegt in dessen wundervoller lyrischen Stimmungsfülle —, in warmer Anteilnahme gedenken Tausende noch immer seiner, Menschen, die empfanden und' stets empfinden werden, wie so viel Schönstes und Bestes, was er uns geschenkt, ihm „von Herzen kam wie Än Gebet". Und alle wünschen an diesem schmerzlichen Erinnerungstage, datz sein Name — als der eines von reichstem Idealismus erfüllten Vorkämpfers für volkserzieherische Poesie zumal — in immer breitere Schichten des deutschen Volkes getragen werde. Ludwig Jacobowski wurde am 21. Januar 1868 in Strelno als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater lebte in diesem kleinen Landstädtchen, hart an der russischen Grenze im Hohensalzaer Kreise gelegen, als Kleinkaufmann und fand schlecht und recht sein Auskommen in mühevoller Arbeit. „Er lief von Haus zu Haus, Und lief sich fast die Seele aus, Fünf Jungens satt zu kriegen ... Die Mutter immer bleich und krank, Das ging so Jahr und Jahre lang, Wir schlichen nur auf Zehen; .