Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021976--20704-3045758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 48 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 799 Wien. Sonntag den 3. Dezember findet im Floridsdorfer Theater die Erstaufführung von „Ritter Vigo" statt, einem Drama von Bernhard Brummer, einem 15jährigen Zögling des Baron Springer'schen Waisenhauses, statt. Das Drama ist das dritte Stück des jugendlichen Autors, der berufen scheint, der großartigen Schöpfung des Baron Max Springer und der väterlichen Leitung des Direktors Alexander Hecht alle Ehre zu machen. Das Stück möge vielen Schülern aus wohlhabenden Kreisen ein Sporn sein, wie weit Talent und Fleiß es auch in jugendlichen Jahren bringen können. . Wien. (Eine erfreuliche Erscheinung in unserer Gemeindebibliothek.) Seit Beginn des neuen Schuljahres können wir mit Freude wahrnehmen, daß ganze Scharen unserer jüdischen Jugend die israelitische Gemeindebibliothek, II., Ferdinandstraße 23, an schulfreien Tagen und in den Abendstunden. aufsuchen, um dort Geist und Gemüt nährende Labung zu suchen. Das Wenige, das sich für die moderne Jugend eignet, wird den in die Bibliotheksräume sich drängenden Schülern und Schülerinnen, auf deren Gesichtern Frmde sich malt, aeboten, doch kann leider die Lesesucht der kindlichen Besucher nur zum Teil befriedigt werden, da eben gute, moderne, jüdische Jugendliteratur nur in geringem Maße existiert und das nur in einzelnen Exemplaren Vorhandene mit Gier verschlungen wird. Die schreiende Moral dieser Tatsache ist, daß alle warmfühlenden Juden sich zum Zwecke der Herausgabe guter, echt jüdischen Gei st atmender und im modernen Stil geschriebener Jugendschriften zusammentun. Gute Jugendschriften sind ein besonders wirksames Mittel, der Jugend Liebe zum angestammten Väterglauben einzuflößen und dem namentlich in der Großstadt grassierenden Abfall einen Damm entgeqenzusetzen, denn wer dieJugend für sich hat, der hat dieZukunft. M. A. Wien. (Populär - wissenschaftliche Freitag- Abendvorträge im Be t-H amidrasch „Tal mudTbora", II., Malzgasse 16.) Am 1. Dezemb r Herr Rabbiner H. Schenk über „Die Psalmen" und am 8. Dezember Herr Professor Antscherl über „G e i st i g e Würze des S a b b a t m a h l s". Beginn jedesmal um 1/2* Uhr abends. Bekleidung armer Schulkinder in der Brigittenau. Am 3. Dezember d. I. wird der humanitäre gemeinnützige Verein „Die Brüder", welcher seine Wirksamkeit in Wiens XX. Bezirke, dem wahren Jammerbezuk: der Reichshaupt- und Residenzstadt, entfaltet, 270 arme Schulkinder .mit vollkommener neuer Kleidung, dies ist Anzug, beziehungsweise Kleid, . Wintermantel und Schuhen, versehen. Diese Bekleidungsaktion geht ganz in der Stille ohne jede öffentliche Schaustellung vor sich, da nach einem vorher festgesetzten Plane die Kinder von hiezu bestimmten Damen und Herren in vier verschiedenen Räumen mit den nach Maß verfertigten Winterkleidern beteilt werden. An der Spitz: dieses Vereines, welcher heuer sein zwanzigjähriges Bestandsjubiläum zu feiern in d:r Lage ist, siebt seit dem Jahre 1901 der in weiten Kreisen wohlbekannte Herr Heinrich Weiner, unter dessen Leitung der Verein bereits 2191 Schulkinder vollkommen bekleidet und außerdem aber noch 758 Schulkinder mit neuen Schuhen beschenkt hat. Eine solche Aktion erfordert einen großen Aufwand und es verursacht nicht geringe Mühe, die hiefllr nötigen Mittel aufzubringen. Um so hervorragender ist dies Ergebnis wahrhaft altruistischen' Wirkens, welches dem Vereine „Die.Brüder" und dessen Obmann Herrn Heinrich Weiner zu großer Ehre gereicht, welches aber im Zeitalter der Fürsorge „Für das Kind" fürwahr auch geeignet ist, an kompetenter Stelle gebührende Anerkennung zu finden. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Wien, IX., Liechtensteinstraße 20. Am 16. November a. c. fand die außerordentliche Jahresversammlung des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines statt, zu welcher der scheidende Ausschuß einen Bericht über das abgelaufene Bereinsjahr vorlegte, welchen wir hier kurz gefaßt wiedergeben. Der Verein hat im abgelaufenen Vereinsjahre bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Besonders hervorzuheben sind: 1. Die Gründung einer Vorturnerschaft unter der ausgezeichneten Leitung des I. Turnwartcs Herrn Ing. Philipp Pollak, welche zur Entlastung des Turnrates die turnerischen Agenden verwaltet. 2. Die Abhaltung eines unter der bewährten Leitung des Platzleiters Herrn Emil Popper stehenden Vorturnerkurses. 3. Die Einführung des volkstümlichen Turnens, zu welchem Zwecke der C r i ck e t e r Sportplatz für die Sommermonate gemietet wurde. Sowohl die Zöglingsals auch die Kinderabteilung wiesen eine starke Beteiligung und einen erfreulichen Aufschwung in turnerischer Beziehung auf. Dasselbe ist in erhöhtem Maße in der Damenuud Herrenabteilung zu konstatieren, so daß trotz der großen Turnlokalitäte.i sich ein fühlbarer Raummangel bemerkbar machte. Die Neuwahl des Turnrates ergab folgendes Resultat: Obmann: Dr. Arthur Jmmerglück; Obmann-Stellvertreter: Ing. Theodor Deutsch; I. Kassier: Leopold Wesiely; II. Kassier: Siegfried Weiner; Schriftführer: Nikolaus Benedik; l Turnwart: Wilhelm Ullman«; II. Turnwart: Isidor Horowitz; Zeugwart: Heinrich Pollak; Beisitzer : Hugo Spitzer, Dr. M. Rosenzweig, Irma Wellwarth. Der jüdische Turnverein richtet an alle jüdischen Kreise, die ihm bis jetzt noch fernestehen, die Aufforderung, sich mit den Bestrebungen des jüdischen Turnvereines bekanntzumachen, und lädt zu diesem Zwecke jedermann zu einem Besuche des Turnplatzes während der Turnzeiten herzlichst ein. Die Turnzeiten sind: Herrenturnen Montag und Donnerstag von V.,7 dis abends und von »/48 bis Uhr abends, D amenturnen Mittwoch und Samstag von */48 bis ^9 Uhr abends. Zöglingsturne n Sonntag von 9 bis */a 11 Uhr vormittags und Dienstag von r/,8 bis 9 Uhr abends für 14- bis 18-Jährige. Monatsbeitrag für Mitglieder: Herren und Damen L 3'2v, Zöglinge L 1-10. Behördlich bewilligte Turnschule für Kinder unter Leitung eines staatlich geprüften Turnleiters. Mittwoch und Samstag: für Mädchen von 6 bis 10 Jahren von 3 bis 4 Uhr, von 10 bis 14 Jahren von 5 bis 6 Uhr, für Knaben von 6 bis 10 Jahren van 4 bis 5 Ubr, von 10 bis 14 Jahren von 6 bis 7 Uhr. Jene aber, die sich nicht aktiv betätigen können, mögen durch Beitritt als Förderer zum Gedeihen der jüdischen Turnsache beitragen. Der mindeste Fördererbeitrag ist K 10.—. Wien. (Der I ü dische Turnverein „Favoriten") veranstaltet Samstag den 9. Dezember 1911 im Festsaale des Verbandsheims, VI.. Königseggasse 10, sein erstes Schauturnen mit anschließendem Tanzkränzchen. Beginn 9 Uhr abends. Entree 2 Kronen. Für diese Veranstaltung des jungen B reines, der wegen der großen Verdienste, die er sich trotz seines kurzen Bestandes um die jüdische Jugend des Bezirkes erworben hat, die wärmsten Sympathien der Judenschaft Favoriten genießt, gibt sich allenthalben regstes Interesse kund. Wien. Der Verein zur Ausspeisung armer Schulkinder für den 12. bis 15. Bezirk veranstaltete am 16. November im Raimund-Theater eine Vorstellung, die von einem zahlreichen, distinguierten Publikum besucht war und ein Reinerträgnis von 2680 Kronen abwarf. Zur Aufführung gelangte „Die Eiserne Jungfrau" mit Frau Haust Niese. Die Vereinsleitung spricht hiemit auf diesem Wege allen seinen Gönnern und Freunden den herzlichsten Dank aus. Wien. Der Verein zur Ausweisung armer israelitischer Schulkinder fite den XVI. und XVII. Bezirk Wiens hat von den Herren Dr. Alfons Freiherrn von Rothschild, Louis Freiherr« von Rothschild und Eugen Freiherrn von Rothschild als Universalerben nach Herrn Albert Freiherrn von Rothschild in Gemäßheit seines letztwilligen Wunsches die Spende von 2O0O Kronen erhalten. Dieser Verein speist jeden Tag 125 Kinder aus und besitzt noch einen Knaben- und Mädchenhort. Jüdische Toynbeehalle. (XX., Othmargasse 16. (Haltestelle der Elektrischen: Jägerstraße.) Am letzten Samstag hatten sich der Bassist Hermann Reich und der Tenorist Michael Striks, beide Herren Mitglieder der k k Hofoper, in den Dienst der guten Sache gestellt und den Toynbeehallen-Besucberu durch den in höchster künstlerischer Reife gebotenen Vortraa von Arien und Duetten, in welchen die prächtigen Stimmen, die treffliche Schulung und das innige Verständnis zu bester Wirkung kamen, einen genußreichen Abend bereitet. Alle Aneikennung gebührt dem tüchtigen Kapellmeister Herrn Zilzer für das Akkompagnement. Eine humorvolle, geistreiche Plauderer Professor Rascheres beschloß den schönen Abend. Das nächstwöchentliche Programm ist wie folgt festgesetzt: Freitag den 1. d. M.: Bibelvortrag, Lehrer Leopold Weiß. — Samstag den 2. d. M.: Konzert-Arrangement: Gesangmelster'.n Frl. Alice Goldberg. — Sonntag den 3. d. M.: „Die Frau im Kultus", Pros Dr. S- Kraus. — Montag den 4. d. M.: „Die französische Revolution", Prof. Dr. Edm. Jerusalem. — Dienstag den 5. d. M.: Zyklus aus der jüdischen Geschichte, Prof- Dr. K. Kupfer. — Mittwoch den 6. d. M.: „Das neue Sittengesetz", Fachlehrer Georg Schmiedl. — Donnerstag den 7. d. M.: „Die Gottesidee". Herr AschkenaS. — Freitag den 8. d. M.: Bibelvortrag, Dr. G. Freudmanu. " Wien. (Beth-Haam JüdischesBolksheim, XVII., Hormayergasse 7 a.) Samstag den 2. d. M., ij2S Uhr abends: Vortrag des Herrn Religionslehrers Löw-Vogel, Thema Vorbehalten. Am 25. November l. I. wurde die Halle des Vereines mit einem Konzert eröffnet. Der Präsident Herr Dr. Martin Förster begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und erörterte in einer kurzen Ansprache die Tendenz des Vereines, die darin gipfelt der armen jüdischen Bevölkerung der westlichen Bezirke eine Stätte der Vereinigung, der Bekehrung und des Genusses zu bieten. Dann folgte das von der Gesangsmeisterin Frl. Alice Goldberg veranstaltete Konzert, welches durch die hervorragenden künstlerischen Leistungen sämtlicher Schülerinnen und Schüler sich äußerst glanzvoll gestaltete. Begeisterter, nicht enden wollender Beifall lohnte die trefflichen Darbietungen der Künstlerschar. Neunkircheu. Bei der kürzlich hier stattgefundenen Wahl des Kultusausscbusses und der Ersatzmänner, sowie des verstärkten Ausschusses erföchte die orthodoxe Partei einen glänzenden Sieg: Gewählt wurden in den Kultusausschuß die Herren Max Mayer 8«n., Max Schlesinger. W. Tanl» Simon Löwy. Heinrich Pam,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.