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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 788 Dr. Wochs Wochenschrift Nr. 48 Chewra-Kadsscha und zum Präsidenten des neuerbauten Rettungshauses gewählt wurde. Herr Julius Adler, der bereits seit mehr als 20 Jahren in allen öffentlichen Gemeindeangelegenheiten immer eine Führerrolle bekleidete, erfreut sich der allgemeinen Achtung und Wertschätzung der ganzen Gemeinde. Sigmund Lauser. Ein antisemitischer Skandal im Budapester Gemeinderate. In der letzten Mittwoch abgehaltenen Vollversammlung der Repräsentanz der Hauptstadt Budapest wurde nach langer Debatte über Matznahmen zur Linderung der Lebensmittelteuerung der Antrag angenommen, datz unter Beteiligung der Stadt eine Lebrnsmittel-Aktiengesell< schüft zu gründen sei, welche die Viktualien direkt bei den Produzenten kaufen und dieselben mit geringem Nutzen unmittelbar an die Detailverschleitzer abgeben soll. Bei Schlutz der Debatte erging sich Stadtrepräsentant Dr. Julius Baransky, Vizepräsident der katholischen Volkspartei, in antisemitischen Ausfällen. So richtete er unter anderem an seinen Vorredner, den jüdischen Stadtrepräsentanten Dr. Wilhelm Vazsony, der für die Wahrung der Interessen der Budapester Kleinkaufleute eingetreten war, die höhnische Frage: Warum verteidigt Vazsony die freien Existenzen nicht auch gegen jene Personen, die hier aus allen Teilen der Welt einwaindern, und die grotze Teuerung künstlich Hervorrufen?" Dies entfesselte einen Sturm der Entrüstung. Man wollte den Redner nicht weiter anhüren. Vazsony erklärte, Baransky betreibe eine antisemitische Hetze, sei aber zu feig, offen heraus zu sagen, was für Einwanderer er meint. Hierdurch sah Baransky sich gezwungen, einzubekennen: „Ich habe die polnischen Juden gemeint. Vazsony möge sich nach dem Viehmarkte begeben, wo nur polnische Juden den Handel vermitteln." Auf diese Worte sprangen die meisten Repräsentanten von ihren Sitzen auf und liehen Baransky nicht weiter sprechen. Man hörte Rufe: „So sprach man im Mittelalter, ein Kulturmensch spricht nicht so," worauf ein christlicher Repräsentant dazwischen rief: „Ist denn Baransky ein Kulturmensch?" Ein jüdischer Stadtrepräsentant stellte sich vor Baransky hin und rief ihm zu: „Ich bin Jude, fangen Sie mit mir an, wenn Sie Mut haben. Fast eine Viertelstunde dauerte die aufregende Szene, welche auch nach der Sitzung noch lebhaft besprochen wurde. Ein Monument für Baronin Hirsch. Aus Paris wird berichtet: Die Baronin Hirsch und die Frau Voucicaut, zwei grotze Wohltäterinnen der Neuzeit, werden in einem gemeinsamen Denkmal verewigt werden, welches demnächst in Paris errichtet werden soll. Die Konkurrenzausschreibung für dieses Doppeldenkmal ist bereits veröffentlicht. Die hochherzigen Akte der Wohltätigkeit der Baronin Hirsch sind allgemein bekannt. Frau Voucicaut war die Erbin des Gründers des grotzen Warenmagazins Von Marche. Als die Dame, die das grotze Vermögen ihres Gatten geerbt hatte, starb, hinterlietz sie das Unternehmen den Beamten und den Bediensteten des Von Marche, aus ihrem übrigen Vermögen schuf sie eines der grötzten Spitäler von Paris, das für ewige Zeiten ihren Namen trägt und das als ein weit beredteres Monument ihren Ruhm verkündet, als ein Denkmal aus Stein oder Bronze es vermöchte. Aber sie bekommt dennoch mit der Baronin Hirsch gemeinschaftlich ein Denkmal, weil es der grotze jüdische Philanthrop Osiris so gewollt hat. Der vor sechs Jahren verstorbene Osiris, der schon bei Lebzeiten viel für die Oeffentlichkeit getan hat (er kaufte und schenkte Malmaiwn. das Schloff der Kaiserin Iosephine, dem Staate), verfügte in seinem Testamente, in welchem insbesondere das Institut Pasteur mit vielen Millionen bedacht wurde, datz ein Betrag von 100.000 Francs zur Errichtung eines Denkmals für Baronin Hirsch und Frau Voucicaut verwendet werden möge. Aus diesem Kapital und den 8Ugewachsenen Zinsen wird die Herstellung dieses Monuments bestritten werden. Lord Rothschild, Ehrendoktor der Cambridger Universität. Aus London wird uns berichtet: Am 7. Dezember wird an der Universität von Cambridge die feierliche Promovierung des Lord Rothschild zum Juris-Doktor honoris causa stattfinden. Diese Feier hätte schon vor einigen Wochen vor sich gehen sollen, doch mutzte sie wegen Erkrankung des Lord verschoben werden. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 10. Dezember 191 l, nachmittags halb 3 Uhr, findet im israelitischen Tempel, XV., Turnergasse 22, die Trauung des Fräuleins - Gusta Ehrlich, Tochter des Advokaten Dr. Salomo Ehrlich aus Przemysl, mit Herrn Ingenieur Fritz Baß, Sohn des Herrn Kommerzialrates Leopold Baß, statt. Wien. Gerne bringen wir die von befreundeter Seite erhaltene Mitteilung über den zwanzigjährigen Bestand des Papiergeschäftes der Frau Ludmilla Welisch, I., Schottenring 14. Frau W e l i s ch hat, als sie vor 21 Jahren den Gatten verlor, auf den Rat guter Freunde ihr Geschäft errichtet und tapfer den Kampf ums Dasein ausgenommen, um ihren Kindern und sich eine Existenz' zu schaffen. Durch Fleiß und Reellität hat sie ihrem Geschäfte ein gutes Renommee erworben. Frau Ludmilla Welt sch ist seit Jahren eine treue, liebe Mitarbeiterin der „Oesterr. Wochenschrift" und ihre Beiträge dienten stets der Wohltätigkeit und den Interessen des Judentums. Wir entbieten ihr zu dem schönen Erinnerüngstage unsere herzlichsten Wünsche. Wien. (B erein Mensa aeademica Judaica.) Aus dem Legate des sel. Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild sind dem Verein K 2000 zugegangen. Herr Dr. I. Robinsohn hat dem Vereine zur Erinnerung an Dr. Leopold Herzl X 10 gespendet. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein der Pohrlitzer in Wien hielt Sonntag den 26. November l. I. seine diesjährige Generalversammlung ab. Dem vom Obmanne Herrn Dr. Karl Steiner erstatteten Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, datz der genannte Verein im abgelaufenen Vereinsjrhre einen Betrag von 341 Kronen, in den fünf Jahren seines Bestandes einen Gesamtbetrag von 1776 Kronen 42 Heller für Unterstützungen armer Pohrlitzer in Wien verausgabt hat. Der Verein hat, wie in der Generalversammlung mit Genugtuung konstatiert wurde, seine humanitäre Aufgabe voll und ganz erfüllt — Bei den Neuwahlen wurden in die Vereinsleitung wieder-, beziehungsweise neuqewählt die Herren: Dr. Karl Steiner, Dr. S. Frei. Siegmund Frankl, Dr. I. Klimm, Gabriel Frankl, Wilhelm Elliuger, Sigmund Bondi, Julius Stagl, Hugo Brunner, Louis Donnebaum, Wilhelm Haas und Moriz Kkiwaezek. Wien. (Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, IX., Müllnerg^sse 3\) Der Verein, der sich die Pflege der jüdischen Literatur, Wissenschaft und Kunst besonders zur Aufgabe setzt, veranstaltet in diesem Wintersemester zwei Vortragszyklen, von denen der eine die Entwicklung und die Geschichte der modernen, jüdischen Literatur und der andere die der neuhebräischen umfaßt. Gerade jetzt, in einer Zeit, wo dem jüdischen Volke Mangel an eigenem, originellen Schaffen vorgeworfen wird, ist dieses Unternehmen.doppelt notwendig geworden, weil selbst in jüdisch-nationalen Kreisen eine sehr geringe Kenntnis unserer jungen, fo rafch sich entwickelnden Dichtung, die wirkliches, jüdisches Leben, jüdisches Denken und Fühlen schildert, vorhanden ist. So steht denn zu erwarten, daß die Teilnahme, insbesondere der Intelligenz, eine sehr große sein wird, umso eher, als diese Themen zum ersten Male behandelt werden. Der bekannte Schriftsteller Herr Dr. A. Coralnik hat sich in uneigennütziger Weise bereit erklärt, den eineu dieser Vortragszyklen abzuhalten. Die Vorträge beginnen Anfang Dezember. Näheres wird noch kundgemacht:

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