Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 48 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 786 WvchchWrist Nr. 48 (Bc, geben, sich mehr mit Fragen auf dem Gebiete der Straßenpflege, des Sicherheitsdienstes und der besseren Straßenbeleuchtung befaflen, dafür wird ihr die hiesige Bevölkerung mehr Dank sagen." — So das zitierte Blatt. Und wie sagt Grillparzer? „Von der Humanität über Nationalität zur Bestialität!" In Proßmtz ist das Unwahrscheinliche zum Ereignisse geworden. Trieft. Wir erhalten unterm 26. November 1911 folgende Zuschrift: Löbl. Redaktion der „O österreichischen Wochenschrift"! Mit Hinweis auf den in der letzten Nummer Ihres werten Blattes erschienenen Artikel: „Antisemitismus der italienischen offiziösen Presse" gestatte ich mir folgendes zu bemerken. Die große Majorität des modernen Italien ist judenfreundlich gesinnt: die 35.000 Juden Italiens haben ihrem Vaterland mehrere Minister, einen Ministerpräsidenten, Unterstaatssekcetäre, Universitätsprofessoren und -Rektoren u. s. w. geliefert. Kein Land Europas kennt solch ein brüderliches, inniges Zusammenleben und -Wirken wie eben das moderne Italien. Selbst die Klerikalen Predigen keinen Judenhaß: die verschwindende Minorität, welche, aus allen möglichen moralisch verkommenen Elementen zusammengesetzt, den Antisemitismus zu schüren sucht, hat so gut wie gar keine Bedeutung. Die italienischen Antisemiten haben nicht so sehr wegen ihrer verschwindend kleinen Anzahl, als ihres sehr fraglichen Rufes halber im öffentlichen Leben nicht das geringste Ansehen. Daß nun die antisemitische Presse den jüngsten Krieg zum Anlaß genommen hat, um gegen die Juden aufs neue zu Felde zu ziehen, kann keinen Wunder nehmen, der mit den Verhältnissen Italiens ein wenig vertraut ist, ein solches Vorgehen war ja den Hallunken schon zuzutrauen; daß aber diese schmähliche Campagne Ihr ernstes Blatt zu Folgerungen auf Gesinnung und Kultur Italiens überhaupt veranlassen konnte, ist schmerzlich und bedauernswert. Wenn Ibie. italie-rischen Antisemiten wirklich durch ihre niederträchtigen Ausfälle Italien in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt haben — so ist ihr Zweck erreicht: denn das große, freie, einige Italien ist diesen Schurken ein-Dorn im Auge, sie h a s s e n chr Vaterland, diesen liberalsten aller modernen Staaten und stehen mit dessen Feinden im Bund. Ich wäre Ihnen zu tiefftem Danke verpflichtet, wenn Sie meine Ausführungen in der nächsten Nummer ihres werten Blattes veröffentlichen möchten. Mit vorzüglicher Hochachtung Ein alter, treuer Abonnent. NB. Die „Stamp a" und der „Popolo Roman o" sind schon längst als Sprachrohr der Antisemiten bekannt: das heuchlerische, chauvinistische Eifern dieser zwei Zeitungen ist ja nur ein Deckmantel ihres Judenhaffes und führt in Italien niemand irre. Ich will hier nur ein Verspiel anführen. Als die großen nationalen Feste gefeiert wurden, nahm keine Zeitung in Bologna den Mund so voll — wie das antisemitische Hetzblatt „L'Avvenire d'Jtalia". erntete aber dafür nur Hohn und Verachtung. Zeutralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Am 26. November fand die ordentliche Generalversammlung im Lehrsaale der Handelsschule Wilh. Wertheimer unter Borfitz des I. Obmannstellvertreters, des Herrn kais. Rat Robert Fuchs statt. Nach einer Sympathiekundgebung für den durch einen Familientrauerfall am Erscheinen verhinderten Obmann H. L i e b e r s erstattet der Geschäftsleiter Dr. W e l t s ch den Rechenschaftsbericht, aus dem das stetige Wachsen der Handwerker- und Studierendensektion hervorgeht. Er erwähnt ferner der Gestionen des Vereines im Interesse von Gemeinden und Korporaüonen, der erteilten Begutachtungen und Ratschläge in sozialen und kulturellen Angelegenheiten, der Förderung anderer, gleichfalls gemeinnützige Zwecke verfolgender Institutionen, der Finauzgeblchrung und Spenden; sodann gedenkt er der anerkannt gelungenen festlichen Veranstaltungen gelegentlich des 25jährigen Bereinsjubilänms, sowie der internen Feier im Lehrlingsheim anläßlich des 60. Geburtstages des Obmannes Liebers, dann des Vortrags Huldschiner zugunsten der Handwerkerabteilung, widmet den abgeschiedenen Gönnern Worte der Erinnerung, dankt den Förderern, insbesondere der Prager Kultusrepräsentanz und schließt mit einem zur Mitarbeit aufrufenden Ausblick auf die des Vereines noch harrenden bedeutungsvollen Aufgaben. Der Bericht wird ebenso wie der von der Präsidentin Frau L e i p e n vorgetragene wirksame Bericht über die ersprießliche Tätigkeit der Sektion für Krankenpflege unter allgemeiner Zustimmung genehmigt. Das Gleiche gilt von dem anschließenden, die Vermögenslage ins Detail verzeichnenden Referate des Kassiers Herrn kais. Rat T r o l l e r und von dem ausführlichen Revisionsbericht des Herrn Michael Wien, der mit Worten des Dankes die Erteilung des Absolutoriums beantragt. Auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen, sodann das bisherige Revisionskomitee, bestehend aus den Herren Karl F l a m m erschein, Gustav Fürth, Jg. K a r p e l e s, Sig. Springer und Michael Wien in seinem Amte bestätigt und bei den hierauf vorgenommenen Ergänzungswahlen in den > Ausschuß wieder gewählt die Herren: MUDr. Adolf B a n d l e r, Direktor Adolf B r o d, Heinrich D e n h o s, MUDr. Eduard F i s ch l, Hermann Freund, kais. Rat Robert Fuchs, Prof. Dr. Isidor Hirsch, Prof. Dr. Alex. Kisch, Direktor L. Margolius, Dr. Ludwig P i ck, Dr. Arnold P o l l a k, Markus P o p e r, MUDr. Karl Saar, Gustav Steiner, MUDr. Markus T ew el e s, Direktor Wilh. Werth eimer und als. Ersatzmänner: Herr Alfred Goldschmied, Hohenelbe, und Herr Karl R e s e k, Königl. Weinberge. Bevorstehende Gememdewahlr!» in Karlsbad. Verflossene Woche fand .in Karlsbad eine vom Herrn t. k. Bezirksrichter und Stadtverordneten Dr. jur. Hans Wiederer einberufene Wählerversammlung der deutschforlschrittlichen Partei Karlsbads statt, welche von 150 Personen besucht war. Bei derselben trat die frühere Wahrnehmung zutage, dass die deutschfortschrittliche Partei Karlsbads mit ganz wenigen Ausnahmen nur noch aus jüdischen Einwohnern besteht: die christliche Bevölkerung steht entweder im deutsch-nationalen Lager, oder, und dies bezieht sich auf einen geringen Teil derselben, verhält sich passiv, und wagt es nicht, ihre politische Gesinnung unter den heutigen Verhältnissen tzu gestehen. Man muff sich aber tatsächlich über den Mut wundern, mit welchem unter den bestehenden Verhältnissen christliche Bewohner von Karlsbad, darunter der Bürgermeister der Kurstadt, Dr. jur. Josef Pfeiffer, Bezirksrichter Dr. Wiederer, kais. Rat Dr. Pleschner und! einige andere es wagen, sich noch zur deutsch-sortschritt-, lichen Partei zu bekennen, und gewiss verdient dies die volle Würdigung, wenn man bedenkt, dass die Partei seit Jahren ohne Parteiorgan dastehl und daff sie von allen Seiten, besonders aber von der deutschfortschritt- Uchen Presse im Stich gelassen wird/ wie dies der Karlsbader Arzt Dr. Klemperer bei der Versammlung direkt und indirekt zugab, was freilich die Blätter mit Stillschweigen übergingen: allein es lässt sich nicht in Abrede stellen, daff hiezu meistens die irrige Behandlung der „Judenfrage" in Karlsbad schuld ist. In Karlsbad gibt es, wie dies übrigens anderwärts ebenfalls der Fall ist> zweierlei Klassen von Juden, welche beide mit gleicher Treue an ihrem Glauben hängen. Die eine Klasse gehört der jüdisch-nationalen Richtung, der zionistischen Richtung an, deren Tendenzen bekannt sind, die andere steht auf dem Standpunkte: Wir sind mit den Christen aufgezogen worden, tragen die gleiche Kleidung wie diese, sprechen dieselbe Sprache wie sie, haben dieselben Ansichten, gesellschaftlichen Gebräuche und Gewohnheiten wie die Christen: wir haben in Frieden mit ihnen früher gelebt und wollen mit ihnen weiter so leben, und wenn nicht die von Hetzern und Strebern geschaffene