Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021976--20700-3045754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dr. BLochs WocheMrist Seite 795 E--«LL- Nr. 48 Kohn würdigte namens des Kultusvorstandes die Verdienste des Verstorbenen. Im Namen des österreichisch-ungarischen Kantorenvereines nahm dessen Vizepräsident Oberkantor Bauer von dem verstorbenen Vereinspräfidenten in folgenden Worten Abschied: iJtPin mpV Die Krone ist unserem Vereine und der Kollegenschaft entrissen worden. In tiefe Trauer gehüllt und tief bewegt stehen wir, der Vorstand des „Oesterr.-ung. Kantorenvereines" und die Mitglieder desselben von nah und fern, an der Bahre unseres verdienstvollen unvergeßlichen P äsidenten, des kaiserl. Rates Oberkantor Josef Singer. Vor nicht langer Zeit standest du hier, um in unserem Namen den letzten Gruß einem wackeren hochbegabten Kollegen zu entbieten, und heute stehen wir schmerzerfüllt hier, um d i r die letzten Grüße zuzurufen. Es war am Ausgange des jüngsten Simchas-Thorafestes, da versammelten wir uns festlich gestimmt in deiner Wohnung, um dir anläßlich deines 70. Geburtstages unsere Verehrung und Hochschätzung auszudrücken. Wir trafen dich zu unserem Leidwesen bereits im Krankenbette, trotzdem war es dein Wunsch, daß ich im Namen der anwesenden Kollegenschaft mich deinem Bette nähern möge. Anstatt einer größeren Rede rief ick dir bloß vier Worte zu nuisn du batest uns, wir mögen für dich beten, was wir auch mit größter Innigkeit getan haben. Leider sind unsere Gebete diesesmal nicht erhört worden, iwun map rfsM SB« haben den Führer und Leiter verloren! Seit Glündung des Vereines, 80 Jahre, standest du an der Sp'tze desselben, hast deine ganze Kraft, deine ganze Persönlibkeit und deine ganze Energie eingesetzt für die Hebung und Veredlung unseres Standes und in Wort und Schrift für uns gekämpft und gerungen. Mit glühender Begeisterung und vollem Eifer hast du für das jüngste Werk unseres Vereines, die Gründung und Eröffnung einer „Kantoren-Bildungsanstalt" in Wien, dich eingesetzt, hast dir das Wohl und die Zukunft des jüdischen Kantorates von dieser Anstalt erhofft. Leider war es dir nicht mehr vergönnt, das Wirken dieser Anstalt zu erleben. Du hast uns eine Lehre, eine Wiffenschaft eröffnet, du hast im reichen Schatze des alttraditio lellen „Chaiones" geforscht und gearbeitet und so uns zum Studium, anqeeifert. Deine Hohe Intelligenz, dein umfassendes Wiffen, deine fachmännische Begabung, deine Lebensführung waren stets ein Vorbild für uns. Du warst eine Zierde, eine Leuchte unseres Standes. Deine allerhöchste Auszeichnung war für den gesamten Kantorenstand eine Auszeichnung. Wir geloben, in deinem Sinne, in deinen Intentionen unseren Verein auch ferner zu hegen und zu pflegen und dein Name wird fortleben im Vereine und unter uns. Du warst ein würdiger p® Sei du unser p?ü und -iVi' p1?». Bete für uns, die seit Jahrzehnten an deiner Seite gearbeitet haben, für das Wohl unseres Standes, bete für das fernere Gedeihen unseres Vereines, bete für die Mitglreder und für uns alle! Josef Singer dein Name wird gesegnet bleiben! Hierauf trug Oberkantor Josef M o r g e n st e r n das Joschew Besesser vor, während der Sarg von der Estrade gehoben und zu dem vom Vorstande der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe gebracht wurde. Am offenen Grabe rezitierte Oberkantor D ü n n m a n n das BI mols raedamim, worauf dann vom gesamten Männer- und Knabenchor unter Leitung des Professor S u l z e r das Schiwissi gesungen wurde. Hiermit fand die imposante Trauerfeier ihren Abschluß. Einem oft geäußerten Wunsche Singe r's entsprechend, wird der Sarg mit den Ueberresten seiner ihm im Tode vorangegangenen Gattin an seiner Seite beigesetzt werden. Der trauernden Familie und dem Kantorenvereine - kamen aus allen Gesellschaftskreisen des In- und Auslandes viele hunderte Beileidskundgebungen zu. Wiener Geistliche gegen die Zudetn. Ein angesehener jüdischer Kaufmann schreibt uns: Sie Würden mich sehr zu Dank verpflichten, wenn Sie, ohne Nennung meines Namens, folgende Zeilen in Ihrem geschätzten und viel gelesenen Blatte veröffentlichen wollten, womit ich beleuchten will, in welch rigoroser Weise moderne Geistliche auf ihre Beichtkinder erziehlich wirken. Meine Köchin ging vor einigen Tagen zur Beichte. Die.erste Frage des Geistlichen war, ob sie bei Juden oder. Christen diene: auf ihre Bejahung des ersteren fragt Hochwürden sehr erbost> warum sie bei Juden diene und nicht bei Christen, bei denen genügend Stellen frei seien. Sie gab zur Antwort, daß sie zumeist in Judenhäusern gedient, weil sie dort besser behandelt werde und sich satt essen könne. Auch eifere sie ihre jetzige Frau sogar an. in die Kirche zu gehen, während ihr dies in Christenhäusern sehr erschwert, ja manchmal sogar verboten wurde. Sehr verwundert darob, daß das Mädchen ihre jüdischen Dienstgeber verteidigte, meinte der geistliche Herr, er hätte gar nicht gewußt, daß es auch „brave jüdische Frauen" gäbe. Der Antisemitismus an der Prager Handelsakademie. Die Prager Handelsakademie wird vom Prager Handelsgremium erhalten. In dessen Ausschuß fitzen u. a. die Herren Adolf Hahn, kais. Rat Moritz Hahn, Kommerzialrat Gottlieb Pollak, Kommerzialrat Robert Perutz. Dr. Friedrich Elbogen, I. M. Ederer, kais. Rat Schulhof, dann kommt in Betracht Herr Präsident Forchheimer. Ueber die Vorgänge an dieser Anstalt verlauten folgende erbauliche Nachrichten. In?iner höheren Klaffe der Prager Handelsakademie wurde ein deutscher Aufsatz bearbeitet. Als die Schüler die Hefte klassifiziert zmückerhielten, entdeckte einer der Jünglinge mit Vergnügen, daß der Antisemitismus im Aufsatzheft das beste Mittel sei, gute Zensuren zu erzielen. Dieser Schüler hatte nämlich in seinem Aufsatz seiner Meinung Ausdruck gegeben, daß die Juden, die „Pestbeule am Leibe der Nationen" seien, dadurch, daß sie die Press; beherrschen, begreiflicher Weise verhindern können, daß deutschen Geistesheroen die gebührende Würdigung und Anerkennung zuteil werde. Neben diesen frechen Dummheiten hatte der Professor der deutschen Sprache, ein gewisser H;rr Hüller, ein kräftiges „Sehr richtig" gesetzt. Daß die ganze Arbeit von dem gefinnungsoerwandten Professor mit der Note „Sehr gut" belobt worden ist, ist eigentlich selbstverständlich. Die Klaffenkollegen des antisemitischen Jünglings waren natürlich über die Unverschämtheit ihres Professors einigermaßen verwundert. Was soll man aber erst dazu sagen, daß dieser den Aufsatz, der in ihm einen so wohlwollenden Beurteiler gefunden hatte, in einer anderen Klaffe silbst zur Verlesung zu bringen wagte? Das läßt sich eigentlich nur durch die Annahme erklären, daß der antisemitische Pädagog wußte, die Schulleitung werde nicht viel dagegen haben, daß statt Deutsch — Antisemitismus unterrichtet werde; das mag doch gerade bei einer von 60% Juden besuchten Handelsakademie sehr nötig sein! Wenn die Eitern der Schüler natürlicher Weise erwartet haben, daß nicht um der sogenannten Autorität des Antisemiten willen das Judentum, dem fi; und ihre Kinder angehören, ungestraft beleidigt werden dürfe, so haben sie sich sehr getäuscht. Das Aufsatzheft des jungen Antisemiten mit den Randglossen des alten Antisemiten ist einfach beseitigt und durch ein anderes Heft ersetzt worden. Die Autorität ist gerettet, und das nächstemal wird wahrscheinlich ein Schüler, deff.n antisemitische Stilübungen auszeichnender Aufnahme begegnen, sich hüten, feinen leicht errungenen Erfolg an die große Glocke zu hängen. Wenn die Juden der altbewährten, ruhmreichen Gemeinde Prag solches sich bieten laffen, so wenig ihrer alten, großen Traditionen eingedenk find, so verdienen sie kein besseres Geschick. Germanische Kultur. Die Proßnitzer „Deutschen Stimmen aus Mähren" melden : „In der Gemeinderatssitzung vom 17. d. M. beschlossen unsere weisen Stadtväter, daß bei Unglücksfällen, die sich auf dem Territorium der Jfraelitengemeinde ereignen, seitens der städtischen Rettungsabteilung keine Hilfe mehr geleistet werden soll, mit der Begründung, die Jfraelitengemeinde möge sich für auf ihrem Gebiete ereignende Unglücksfalle den Rettungsdienst selbst besorgen. Traurig ist es, wenn die Gemeindevertretung solche Beschlüsse faßt, die nur neuerlich beweisen, daß ihr das Gefühl der Menschlichkeit gänzlich abgeht, dafür aber recht viel Verständnis hat, Gemeindegelder für tschechisch-national-chauvinistische Zwecke zu verausgaben. Wir können der Gemeindevertretung den Rat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.