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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 794 Dr. Blochs WochMchrist Nr. 48 steher Hofmann, die Präsidentinnen Amalie Beck, Doktor Frifchauer, K ö n i g st e i n. die Präsidentin des Ferienheims Sofie G r ü n f e l d re. rc. Die Reichsratsersatzwahlen in Galizien. Heute fand die Reichsratswahl in Drohobycz statt, bei welcher der ehemalige Abgeordnete Dr. Nathan Loewenst e i n gewählt wurde. Wie bekannt, wurde Abgeordneter Dr. Loewenstein bei den Hauptwahlen am 19. Juni d. I. bereits gewählt, hat aber angesichts des blutigen Ausganges der Wahl auf das Mandat verzichtet. Bei der Wahl wurden 7596 giltige Stimmen abgegeben. Gewählt erscheint Dr. Nathan Loewenstein (polnischer Demokrat) mit 5221 Stimmen. Ferner erhielten Dr. Adolf S e g a l (parteilos) 1029, Dr. Artur Hausner (Sozialdemokrat) 1302 und Pater Mossora (llkrainer) 41 Stimmen. Bei der Wahl vom 19. Juni hatte Dr. v. Loewenstein von 7955 Stimmen 5979 erhalten; auf den Nationaldemokraten Balicki waren 372, auf den Z'onisten Dr. Z'pper 600 und auf den Ruthenen Kobryn 768 Stimmen entfallen. Die Vertrauensmänner aller Parteien wohnten dem Wahlakte bei, und Abgeordneter Daszynski sprach dem Bezirkshauptmann von Drohobycz seine Befriedigung über die Mitwirkung der behördlichen Organe bei dieser Wahl aus. Die zweite Reichsratsergänzungswahl fand im Bezirke Z l o c z o w statt. Das Mandat dieses Stadtbezirkes, wo bei der Hauptwahl Abgeordneter Breiter gewählt worden war, erschien durch die Option Breiters für das Lemberger Mandat erledigt. Bei der heutigen Wahl wurde Heinrich Reizes (parteilos), den Abgeordneter Breiter empfohlen hatte, mit 2802 Stimmen gewählt. Der vom polnischen Nationalrat kandidierte Minister a. D. Doktor D u l e m b a blieb mit 2530 Stimmen in der Minorität. Die Ermordung des Gymnasiasten Winter in Könitz. Der wegen Verdachts der Ermordung des Gymnasiasten Winter in Könitz verhaftete Agent B r e u l i ch wurde aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Kattowitz auf Anordnung der Staatsanwaltschaft nach dem Untersuchungsgefängnis in Benthen überführt. Ein erneutes Verhör der Frau des Verhafteten ergab, daß Breulich noch geäußert hatte: um den Kragen wird es mir ja nicht gehen, höchstens bekomme ich fünfzehn Jahre Zuchthaus. Ableben des Oberkantors kais- Rat Josef Singer. Donnerstag den 23. d. M. verschied nach schwerem Leiden der Oberkantor der Wiener israelitischen Kultusgemeinde kaiserl. Rat Josef Singer im Alter von 70 Jahren. Das Ableben dieses hochgebildeten Repräsentanten des jüdischen Kantorenstandes wird aller Orten einen um so tieferen Eindruck Hervorrufen, als die gesamte Presse erst vor wenigen Wochen die Gelegenheit ergriffen hatte, die bedeutende Persönlichkeit Josef Singers anläßlich dessen 70. Geburtstage eingehend zu würdigen. Der Tod ereilte ihn, kaum ein Jahr, nachdem er unter besonderen Ehrungen von seinem Amte als Oberkantor des Tempels in der Inneren Stadt der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, an welchem er mehr als 30 Jahre hindurch gewirkt hatte, schied und in den wohlverdienten Ruhestand trat. Besonders hart empfinden die österreichisch-ungarischen Kantoren und der Oesterreichisch-ungarische Kantorcnverein, dessen Präsident er bis an sein Lebensende war, das frühzeitige Hinscheiden Josef Singers. Und es berührt fast tragisch, daß S i n g e r zu einer Zeit sein irdisches Leben beschloß, da der Kantorenverein darangeht, in Wien die Kantoreuschule zu eröffnen, für deren Zustandekommen er so viel gearbeitet hat und an welcher er eine leitende Stelle hätte inne haben sollen. Von den biographischen Daten seien die folgenden abermals hervorgehoben. S i n g e r, der aus Ungarn stammte und deffen musikalische Begabung und schöne Gesangsstimme sich früh zeigte, absolvierte in seiner Jugend die Lehrerpräparandie in Tyrnau und wurde Erzieher im Hause des Freiherrn v. P o p p e r. Nach Betätigung seiner musikalischen Neigungen strebend, begab er sich nach Prag ins Konservatorium und dann zur Fortsetzung seiner Studien ins Wiener Konservatorium. Durch das Vorbild Salomon Sulzers entschied er sich, seine Kunst dem Kantorenberufe zu widmen. Nach kurzer Zeit erhielt er einen Ruf als Oberkantor nach Beuthen in Schlesien, und nahm dann die erste Kantorenstelle in Nürnberg an. In Nürnberg trat Singer bei vielen großen Veranstaltungen als Lieder-, Balladen- und Oratoriensänger auf. Anfang 1881 kam Singer auf Empfehlung von Hanslick, Goldmark und anderen unter dem Präsidium des Dr. Ignaz Kuranda als Nachfolger Sulzers an die Stadtsynagoge. Er war Begründer und Präsident des Oesterreichisch-ungarifchen Kantorentzereines, in dem er sich um die Organisation der Berussge^vssenschaft große Verdienste erworben; er unterrichtete lange Jahre in uneigennütziger Weise im Israelitischen Blindeninstitut. Singer war vielfach auch als Musikschriststeller tätig. An seiner Bahre trauern eine Tochter, die Gattin des Komponisten Oskar Straus, sowie drei Söhne: Eugen, Direktorstellvertreter der Lemberger Filiale des Wiener Bankvereins, Simon, Oberkantor in Kattowitz, und Hans, Oberbeamter einer Assekuranzgesellschaft. Das Leichenbegängnis, welches Sonntag den 26. d. M., 10 Uhr vormittags stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. In der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes hatten sich außer den drei Söhnen des Verstorbenen, der Tochter und dem Schwiegersöhne Oskar Straus eingefunden: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, die Vorstandsmitglieder kaiserl. Rat Dr. Sigmund K a u d e r s, Karl Lemberger, Adolf S ch r a m e k, Dr. H. S ch r e i b e r, Dr. Markus Spitzer, S. Steiner und kaiserl. Rat Jonas Weil; die Beamten der Kultusgemeinde mit dem ersten Sekretär kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben und Sekretär Dr. Emil Adler; die Bethausvorsteher Anton Beck, Karl Freund, Dr. Hermann L ö w i, Theodor K o h n, Rudolf K o h n, Dr. Elias Münz und W a s s e r v o g e l; die Vorstandsmitglieder der' Ehewra- Kadischa Samuel Goldmann und Jakob Kann; die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Feuchtwan g, Dr. Grunwald, Tr. K a m i n k a, Dr. R o s e n m a n n und Dr. H u ß; der Präsident des Israelitischen Blindeninstitutes Wilhelm K u f f n e r mit dem Institutsdirektor Heller und mehreren Zöglingen; Delegierte des Mädchenwaisenhauses mit einer Anzahl Zöglingen; Obmann des Josefstädter Tempelvereines Herr Hermann Beck und Obmann des Tempelvereines für den X. Bezirk Herr Jakob S. S t r a ß b e r g, die Religionsinspektoren Professor Dr. Moritz Kanitz und Dr. Langfelder, die Schriftsteller Dr. I. S. Bloch und Ludwig K a r p a t h, Leo Stein, Ludwig Grünfeld; die Bankdirektoren Popper, Kuranda, Kutzimano, Weiner, Heinsheimer, Jchenhäuser, Frankl und W e i ß e n st e i n, die Prokuristen F e g e r l und Dr. von R i ch e t t i, der Direktor des Volkstheaters Adolf Weiße, Regisseur Jaques Pohl, Armenrat Josef Jelinek mit Familie, die Religionslehrer M. Antfcherl und A. R ott er, die Präsidentin des Fünfhauser Frauenvereines Frau Regine L a n d e i s, Architekt Modern, Präsident des Mährischen Kantorenvereines Oberkantor Josef Heller aus Brünn, Oberkantor Singermann aus Jungbunzlau, Dr. Sigmund Sti aßny,Dr.We chsberg, Dr. M. Löwy, Dr.Klinger, Professor Nascher, in Vertretung der Kattowitzer B. B.-Loge Herr Dr. Schur, ferner Abordnungen vieler Bethaus- und humanitärer Vereine, sämtliche Wiener Kantoren im Ornate unter Führung des Vizepräsidenten des Kantorenvereines Oberkantor Jakob Bauer rc. Nachdem der Sarg aus der Beisetzungskammer unter Vorantritt des Kultus- und Bethaüsvorstandes von den Vorstandsmitgliedern des Kantoren-Vereines in die Zeremonienhalle gebracht worden war, intonierte Oberkantor Don Fuchs unter Assistenz des verstärkten Chores das Hasur lowlm worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen ehrenden Nachruf hielt, in welchem er den Heimgegangenen als Menschen, Gatten, Vater und Künstler pries und dessen Pflichttreue besonders hervorhob. Vizepräsident Dr. Gustav

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