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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 792 Dr. BWM WvMWrrst Nr. 46 fchen Gesellschaft feierlichst eingeweiht. Die Anstalt entspricht den weitgehendsten Forderungen der Hygiene und stellt ein monumentales Werk neuzeitlicher Baukunst dar. Die Kosten des Baues belaufen sich auf mehr als 100.000 Dollar. Die Anstalt wird ausschließlich aus Spenden und Jahresbeiträgen galizischer und Bukowinaer Juden in Amerika unterhalten, die auch die Baukosten größtenteils im eigenen, landsmannschaftlichen Kreise aufgebracht haben. „Denkt an Kifchinef!" (Die Zarenhymne ausgepfiffen.) Im Riefenfaale des Hippodrom in Newyork finden jetzt mehreremale in der Woche Konzerte einer berühmten russischen Musikertruppe statt. Vorige Woche wurde zu Ehren der russischen Kolonie in Amerika ein Festkonzert gegeben, an welchem auch die Mitglieder der Botschaft und des Newyorker Konsulates erschienen waren. Nach der ersten Abteilung spielte das Orchester die amerikanische Hymne, worauf ein anwesender Russe rief: „Boze Zarja Ehranij!" Das ist die russische Nationalhymne. Das Orchester folgte dem Rufe, doch kaum erklangen die ersten Töne der russischen Zarenhymne, als ein großer Teil des Publikums in Johlen und Pfeifen ausbrach. In wirrem Durcheinander wurden Rufe laut: „Denket an Kifchinew!" „Denket an die hingemordeten Freiheitshelden!" „Nieder mit der russischen Willkürherrschaft!" und dergleichen mehr. Der Dirigent des Orchesters wußte sich in dem großen Tumult nW zu Helsen und unterbrach die Hymne. Die Erregung im Saale war eine so große, daß die Herren von der russischen Diplomatie,- die mehrere Logen im Saale besetzt hatten, fluchtartig den Konzertsaal verließen. Der erste jüdische Richter in London. König Georg von England hat vor Antritt seiner Reise nach Indien den jüdischen Advokaten Mr. Simons auf Vorschlag des Ministers des Innern zum Richter' an einen Londoner Gerichtshof ernannt. Mr. Alexander Simons zählt zu den angesehensten Juristen Englands und war auch politisch tätig. Er ist der erste jüdische Richter in London. ’ Jüdische Grabsteine in Friesach. Graz. Sehr geehrte Schriftleitung! Mit Bezug auf die in Ihrem geschätzten Blatte erschienenen Zuschriften „Jüdische Grabsteine in Friesach (Kärnten)" und „Jüdische Grabsteine" teile ich Ihnen mit, daß ich bereits seit Längerem zwecks Veröffentlichung die in Steiermark. Kärnten und Krain vorhandenen hebräischen Grabinschriften sammle. Einige davon find übrigens, was Grunwald offenbar entgangen sein dürfte, bereits von Frankfurter im Anhänge zu Baumgarten's „Die Juden in Steiermark", Wien 1903, abgedruckt worden, werden aber trotzdem von mir veröffentlicht werden, um eine so weit als möglich lückenlose Zusammenstellung dieser Inschriften zu geben. Aus diesem Grunde würde ich auch dankbar sein, für Hinweis auf solche Inschriften, weil es ja immerhin möglich ist, daß die eine oder die andere an entlegenen Stellen — leider ein häufiges Schicksal jüdischer Altertümer — angebrachte Inschrift mir entgangen sein könnte! Ueberdies will ich nur noch bemerken, daß der um unsere Gemeinde hochverdiente Präses, Herr kais. Rat Bernhard Biller, mit geradezu idealer Hingebung diese meine Sammeltätigkeit nach diesen Altertümern fördert und in Gemeinschaft mit mir Schritte zur Erhaltung dieser für unsere schönen Alpenländer so wertvollen, historischen Denkmäler unternehmen wird. Hochachtungsvoll Uuiv.-Dozeut Dr. D. Herzog, Rabbiner für Steiermark, Kärnten und Krain. Herr Rabbiner Ad. A l t m a n n aus Salzburg teilt uns mit, daß die Grabsteine in seinem in Bälde zu erscheinenden größeren Werke „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" ihre genaue Beschreibung und Darstellung erfahren. Juden als österreichische Offiziere. Von Paul Diamant (Wien). In dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts begann man in größerer Zahl Juden in die österreichische Armee aufzunehmen. Die Türken- und später die Franzosenkriege boten ihnen reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen; sie rückten nicht nur in die Unteroffiziersstellen vor, sondern erlangten schon damals Osfizierspatente. Auf dem Schlachtfeld mit Flinte und Säbel — nicht im politisierenden Konvent i k e l und mit Broschüren — begannen Oesterreichs Juden ihre Gleichberechtigung zu erkämpfen und ihre vollständige Emanz'pat''vn vorzubereiten. Seit jenen Tagen bis auf unsere Zeit haben die jüdischen Angehörigen der habsburgischen Armee nicht nur immer — wie selbstverständlich — ihre Pflicht getan, sondern manchmal a u ch v i e l m e h r. In all' den Kriegen, die Oesterreich während der letzten 125 Jahre führen mußte, hat es Juden gegeben, Offiziere ebenso wie einfache Soldaten, die ruhmreiche Heldentaten ausführten und sich derr militärischen Tugenden ihrer makkabäischen Vorfahren würdig erwiesen. Der Militärschriftsteller Moritz Frühling nun hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur diese Heldentaten aufzuzeichnen, um deren Kunde dadurch der Nachwelt besser zu erhalten, sondern überhaupt den gesamten Anteil der Juden au der habsburgischen Armee festzustellen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Das Ergebnis seiner Forschungen wird in dem umfangreichen Buche ..Oesterreich-Ungarns Juden in Heer und Marine" zusammengefaßt werden, ein Werk, das voraussichtlich noch dieses Jahr erscheinen dürfte. Gleichsam als Probe läßt nun unser Autor jetzt schon eine Publikation erscheinen *), die sich als „Biographisches Handbuch der in der k. u. k. österr.-ungar. Armee und Kriegsmarine aktiv gedienten Offiziere, Aerzte, Truppen-Rechnungsführer und sonstigen Militärbeamten jüdischen Stammes" darstellt. Es enthält nach Chargen geordnet, die N a m e n aller Juden, die in' der österreichischen Armee Offiziersrang innegehabt haben, ferner ihre wichtigsten Lebensdaten, Beförderung und mitgemachte Feldzüge; es vergißt nicht die erlittenen Verwundungen und die zahlreichen Orden und Dekorationen. Gar häufig findet sich der Vermerk: „Seine hervorragenden Waffentaten werden im angekündigten Werke: „Oesterreich-Ungarns Juden in Heer und Marine" ausführlich gewürdigt und leider auch manchmal die Anmerkung: Ausgetreten aus dem jüdischen Religionsverbande. Frühling hat nämlich auch die getauften Juden in sein Verzeichnis ausgenommen, mit vollem Rechte, denn wir haben gar keine Veranlassung, die hervorragenden Leistungen von Juden, die die beklagenswerte Schuld des Abfalls auf sich luden, nicht für uns zu reklamieren, da ja Uebeltaten solcher Täuflinge immer dem Judentum zum Vorwurfe gemacht werden. Man glaube nun ja nicht, daß die Lektüre dieses Buches zwar belehrend, aber doch ein wenig langweilig wäre; demjenigen, der diese Tabellen und Kolumnen mit richtigem Sinne zu lesen vermag, bergen sie Romanepisoden, Bruchstücke aus Epen und Heldenromanzen. Karl Abraham Wetzlar war Armeelieferant unter Joseph II. und sorgte wacker für Munition, Proviant und Fourage, sein 1789 ' geborener Sohn Ignaz Freiherr von Wetzlar-Planken st ern aber, der strebte schon nach höheren Zielen. Im Jahre 1813 trat er als Kadett ins Heer, ward bald Unterleutnant und schon ein Jahr darauf Oberleutnant bei Fenner-Jägern. Die erneuerten Rüstungen der Alliierten gegen Napoleon im Jahre 1815 boten ihm die in den früheren Feldzügen vergebens gesuchte Gelegenheit zur besonderen Auszeichnung. Wegen außerordentlicher Tapferkeit, die er bei der Erstürmung des Brückenkopfes .*) Wien 1911. Im Selbstverläge des Herausgebers: Schriftleitung des Werkes „Oesterreich-Ungarns Juden in Heer und Marine". Wien, IX., Mosergasfe 9. Preis (des biographischen Handbuches) Kronen 3.—, Mark 2.80, Francs 3.60, Rubel 1.50.

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