Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021975--20685-3045738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 47 noch heute auf allen Gebieten des politischen und wirtschaftlichen Lebens für den Gesetzgeber aus dem alten Testamente geschöpft werden können, und beschloß seinen von dem zahlreich - erschienenen Publikum mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag mit dem bekannten Gedichte „Jude" des Wiener Dichters Friedrich Porges. Vorspiel zu einer Rabbinerwahl. Aus Großwardein wird gemeldet: Die hiesige orth. israelitische Kultusgemeinde beschäftigt sich mit einem aufsehenerregenden Falle. Vor einigen Wochen erhielten die Mitglieder der Kultusgemeinden Budapest. Ryiregyhaza und Püspötladany anonyme Flugschriften, in welchen der Präsident der Kultusgemeinde Alexander llllmann, dev Vizerabbiner P. Cimmetbaum und der Schuldirektor Jakob Gabel, sämtlich in Großwardckn, in roher Weise angegriffen und verdächtigt werden. Diese Angriffe erregten umso gröberes Aufsehen, als Präsident Ullmann auch im öffentlichen Leben der Stadt eine maßgebende Rolle spielt. Die Kultusgemeinde trat zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammen, in welcher dem Präsidenten Vertrauen votiert wurde. Bezüglich der Rehabilitierung des Vizerabbiners wird später beschlossen werden. Man nimmt an. daß das versendete Pamphlet von jenen Personen stammt, die mit den seitens des GemeindepräMiums getroffenen Verfügungen hinsichtlich der Oberrabbrnerwahl nicht einverstanden sind. .??"! Budapest. (Das neue Rettungshaus der P e st er Ch ew r a K a di s ch a.) Am Sonntag wurden die Vertreter der ärztlichen Wissenschaft durch die Räume des zur Unterbringung von chronischen Kranken bestimmten neuen Rettungshauses der Pester Chewra Kadischa geleitet. Die in großer Zahl erschienenen ärztlichen Kapazitäten wurden vom Präsidenten der Chewra Kadischa Hofrat Julius W i n t erb erg und dem Sekretär kön. Rat Dr. Franz MeZei, seitens der KommWon des Rettungshauses vom Präsidenten Julius Adler, dann von den Kommiissionsmitgliedern Moriz Lindenbaum. Alexander Tsuk, seitens der Anftaltsärzte vom Primarius Direktor Dr. Jakob Erdelyi und den Primarärzten Dr. Daniel Farkas, Dr. Heinrich Derera de Gyarmat und Dr. Paul Szily de Szilfärkäny empfangen. Es waren erschienen: die Univerßitätsprosessoren Barone Friedrich un!d Alexander Koranyi. Hofrat Johann Bokay, Hofrat Emerich Reczev, Adolf von Szily, Julius - Eros, Hofrat Andreas Ludwik. die Privatdozenten Wilhelm Fried, Hümer, Hültl, Michael Mohr, Rudolf Temesväry und Bernhard Bass, die Primarärzte Desider Hahn, Joseph Levay, August Dumitreanu. Ernst Valn, Samuel Löw. Ernst Deutsch, Joseph Rothhart und andere Notabilitäten des Budapester Aerztekorps. Nachdem Präsident Winterberg und Direktor Dr. Erdelyi die Erschienenen begrüßt hatten, wurde eine genaue Besichtigung aller Räumlichkeiten und Einrichtungen des vom Architekten Laita erbauten, allen modernen Anforderungen entsprechenden Rettungshauses eingehend besichtigt. Dske Aerzts gaben ihrer vollsten Anerkennung über das Gesehene Ausdruck. Der Konitzer Gymnasiaftenmord. (Die Verdachtsgründe gegen den verhafteten Braeunlich.) AuS Laurahütte wird zur Verhaftung deS Bäckergeselle» Braeunlich. der verdächtig ist, an der Konitzer Mordaffäre beteiligt zu sein, gemeldet: Der Verdacht ist vor etwa zwei Wochen aufgetaucht. In trunkenem Zustande hatte Braeunlich eines Abends in einem Lokal in Anwesenheit seiner Frau und mehrerer Fremden verdächtige Andeutungen gemacht und diesen dann eine nähere Schilderung folgen lassen; er brach mit weinerlicher Stimme in den Ruf aus: »Der arme Winter!" und er- 6ette 781 zählte, wie damals dem Winter der Kopf abgeschnitten wurde. Seine Frau, von der er jetzt getrennt lebt, bezeugte bei ihrer Vernehmung, daß Braeunlich, der damals als Bäckergeselle in Könitz arbeitete, von dort 500 Mark mitgebracht habe, die er nach seinen gelegentlichen Aeußerungen von den Eltern Winters als Finderlohn erhalten hätte, weil er einen Schenkel deS Ermordeten aufgefunden habe. Es wird angenommen, daß diese 500 Mark Schweigegelder waren und daß Braeunlich, wen» er auch selbst nicht an der Tat beteiligt ist, mindestens Mitwisser ist. Seit jenem Tage, an dem Braeunlich die verdächtigen Andeutungen machte, scheint er in Angst und Aufregung gelebt zu haben, er nahm eine Aushilfsstellung an und hielt sich meist in den Vorstädten auf, deshalb war er auch in der letzten Zeit nirgends zu finden. Durch Zufall entdeckte ihn gestern ein Schutzmann, der ihn verhaftete. Braeunlich bestritt alles auf das Entschiedenste. Niemals sei er in Könitz gewesen und er habe nur 12 Mark besessen, als er nach Laurahütte zuräckkehrte. Er erklärte, er habe die ganze Sache nur erzählt, um seine Frau auf die Probe zu stellen, um zu erfahren, ob sie wirklich treu zu ihm halte. Braeunlich ist etwa 40 Jahre alt. Bei seiner Verhaftung war er vollkommen ruhig und sagte, daß er sich selbst Habe stellen wollen, um endlich dem müßigen Gerede ein Ende zu machen. Er wurde in das Untersuchungsgefängnis von Kattowitz gebracht und die Beuthener Staatsanwaltschaft von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. Saddistische Scherze -er russischen Nationalisten. In der russischen Duma wurde das Gesetz über Finnland verhandelt. Iin Sinne dieses Gesetzes genießen sämtliche Russen in Finnland volle Gleichberechtigung mit Ausnahme der — Juden, die auch weiterhin rechtlos bleiben. Der jüdische Abgeordnete Friedmann verteidigte wohl in einer großangelegten Rede die Rechte der Juden, da aber die progressiven Parteien prinzipiell gegen diesen Raub an Finnland Stellung nehmen, so hatten reaktionäre Gruppen der Duma keine Gelegenheit gehabt, ihre antisemitischen Hetzreden von der Dumatribüne herab an ihre Wähler zu richten. Und so ersannen sie denn ein wahrhaft saddistisches Mittel. Sie selbst brachten ein Amendement zu dem Finnlandgesetze ein. wonach auch den Inden in Finnland die Gleichberechtigung eingeräumt werden sollte. Die progressiven Parteien protestierten gegen dieses niederträchtige Spiel, während die Antisemiten zwei Tage lang sich in judenfeindlichen Reden ergingen und als sie sich ausgelobt hatten, ihren eigenen Antrag zurückzogen. Vermischtes. Wie». (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Donnerstag den 30. November 1911, abends halb 8 Uhr, findet im »Restaurant Guth", II., Stephaniestraße 14, eine BereinSoersammlung der »Oesterreichisch - Israelitische» Union" statt. Tagesordnung: Die Regelung des jüdischen Wanderbettels in Oesterreich. Referent: Dr. I. Samuely. Wien. In dem Berichte Ihres gesch. Blatteüber die Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 5. November 1911 findet sich u. A. die Mitteilung, daß den definitiven BerwaltungSbeamten, welche Bezüge von weniger als Kr. 6000.— haben, Teuerungszulagen in der Höhe von je Kr. 300.— pro Monat gewährt wurden. Die Mitteilung ist selbstverständlich dahin richtig zu stellen, daß die Teuerungszulagen je Kr. 300.— pro Jahr betragen, welche in monatlichen Raten zur'Auszahlung gelangen. Hochachtungsvoll der Erste Sekretär: Dr. Lieben. Dr. Mochs Wochenschrift