Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 780 Dr. Bkvchs Wochenschrift **• 47 Stadttempel, bei welchem Oberrabbiuer Dr. G ü d e m a n n die Festrede halten wird. Sonntag den 3. Dezember findet um 10 Uhr vormittags im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine Generalversammlung und Festsitzung statt. Zur Jubelfeier erscheint eine Denkschrift, die, vom Sekretär des Vereines. Guido Fuchs gelb eingeleitet und redigiert, nebst der Vereinsgeschichte aus interessanten statistischen Tabellen, fast 100 literarische, mufikalische und künstlerische Widmungen hervorragender Männer und Frauen unserer Zeit, enthält und in. ihrer elegante«, geschmackvollen.Ausstattung gewiß allseits Anerkennung finden wird. Durch den Versand der Denkschrift sollen dem Vereine neue Mittel zugeführt, vielleicht auch manche Herzen au Dankesschuld erinnert werden. Der Sitz des Vereines befindet fich: I., Seitenstettengasse 2. Lütz-Urfahr. (Ehrung eines Glaubensgenossen.) In der Sitzung des Gemeindeausschufies vom 7. November unter dem Vorfitz des Bürgermeisters Dr. Hinsenkamp erstattet GR. Wilhelm Kratzmayer folgenden Bericht: Kaiserlicher Rat Leopold M o st n y hat um Aufnahme in den Heimatsverband von Urfahr angesucht. Da alle Voraussetzungen vorhanden sind, wird beantragt, dem Ansuchen stattzugeben und gleichzeitig der Befriedigung Ausdruck zu verleihen, kais. Rat und GR. Leopold M o st n y, welcher durch mehr als 40 Jahre in Urfahr wohnt und dessen Verdienste um die Gemeindeverwaltung und Allgemeinheit in weiten Kreisen bekannt sind, nunmehr zu den Angehörigen der Gemeinde zählen zu können. Bürgermeister Dr. Hinsenkamp führt aus: Bevor wir zur Abstimmung schreiten, welche wohl in dieser Angelegenheit infolge der unbestrittenen Beliebtheit des Herrn kais. Rates Leopold Mostny nur eine Formalität ist, erlaube ich mir an Sie einige Worte zu richten: Seit mehr als vier Dezennien wirkt Herr kaiserlicher Rat Leopold Mostny in unserer Gemeinde. Fast 30 Jahre gehört derselbe der Gemeindevertretung an. Seine erprobte Tüchtigkeit, seine Milde und Nachsicht mit den Taten des Nächsten, seine stille, aber nie versagende Güte für wirklich Hilfsbedürftige braucht hier nicht erst betont zu werden. Alles das hat schon längst im weiten Kreise der Gemeinde dankbare Anerkennung gefunden. Ost und oft hat sein Rat im Gemeindehaushalte den rechten Weg gewiesen, wenn die Verhältnisie zur Ueberstürzung, zur falsch-n Sparsamkeit drängten. Nur zwei Gebiete will ich besonders hervorheben, auf welchen Herr kais. Rat Leopold M o st u y mit größtem Erfolge tätig war. Seine rastlose Mitwirkung an der Verwirklichung der Mühlkreisbahn, der er durch eine Reihe von Jahren und insbesondere in den schweren Zäten ihrer Finanzierung und ihres Baues mit dem Aufwande aller seiner Kräfte zur Seite stand. Nicht weniger ersprießlich war aber auch seine Tätigkett i>. unserer Sparkasse; so lange sie besteht, ebensolange gehört er auch ihrer Lettung an! Seinem erfahrenen Rate und seiner fürsorglichen Tätigkeit dankt das Institut seinen heutigen Umfang, seine heutige Blüte. Wir danke.» ihm, der auf dem Gebiete der öffentlichen Betätigung so viele und so große Opfer gebracht, an dieser Stelle und ich beantrage, sich von den Sitzen zu erheben. (Geschieht unter lebhaftem Beifall.) Antrag einstimmia angenommen. GR. kais. Rat Mostny spricht hierauf seinen allerbesten Dank aus. Rehabilitierung der jüdischen Schanker. (Die Reue kommt zu spät) Es ist noch erinnerlich, welche Kämpfe die Regelung der Schänkerfrage in Galizien vor ungefähr dreiviertel Jahren hervorgerufen hat. In den reaktionären Kreisen des Landes wurde damals der Wunsch laut, die Branntweinschänken in den galizischen Dörfern den Juden wegzunehmen und in christliche Hände zu übertragen. Begründet wurde dies damit, daß die Juden angeblich die Bevölkerung zur Trunksucht verleiten und dadurch großen wirtschaftlichen und moralischen Schaden anrichten. Heute nach kaum dreiviertel Jahren, seitdem der Wunsch dieser reaktionären Politiker zum großen Teile in Erfüllung gelgangen ist, erhebt nun gerade dieselbe klerikale Presse Klage darüber, daß es jetzt unter den christlichen Schänkern noch viel schlechter bestellt sei, als ehedem, da?di^ meisten Schanker noch Juden waren. Der jüdische Schänker, so lamentieren sie jetzt, hatte doch noch Respekt vor dem Gesetze, schloß die Schänke zur vorgeschriebenen Sperrstunde und hütete sich wohl, den Bauern mehr Schnaps zu verkaufen, chl; sie .vertragen konnten. Der christliche Schänker hingegen, so -lautet die bittere Klage, hat vor allen diesen Dingen nicht den geringsten Respekt, häli die Schänke bis spät in die Nacht hinein offen, trinkt mit den Bauern zusammen bis zur Bewußtlosigkeit und nimmt ihnen, auf diese Weise den letzten Groschen ab. Die Bauern werden physisch und wirtschaftlich zugrunde gerichtet, liegen heute ganze Tage hindurch in den Schänken und selbst am Sonntag ist die Schänke überfüllter als die Kirche. Das schauderhafteste aber an der Geschichte sei, daß sich jetzt auch die Bäuerinnen dem Trünke ergeben. Während früher der bessere Bauer es unter seiner Würde hielt, ,zum Juden" in die Schänke zu gehen, geht er jetzt zu seinem Glaubensgenossen und verfällt der Trunksucht. Verband jüdischer Frauen zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Aus Krakau wird uns berichtet: Auf Initiative des Rabbiners Dr. Thon wurde hier ein Verband jüdischer Frauen gegründet, welcher sich die Verbreitung kultureller und humanitärer Arbeit.unter den Frauen, hauptsächlich aber die Bekämpfung des Mädchenhandelszum Ziel setzt. Der Vorstand der Kultusgemeinde hat dem Verbände entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, in welchen eine Heimstätte für alleinreisende Frauen und Mädchen und solche, die überhaupt schutzbedürftig sind, errichtet wird. Dem Verbände gehören die Damen der angesehensten jüdischen Familien an. Zur Präsidentin wurde die Gattin des Vigebürgermeisters von Krakau. Hofrat Save, zu deren Stellvertreterin die Gattin des Kultuspräsidenten Dr. Tilles und zur Schriftsührerin Frau Marie Horwitz gewählt. Dem Ausschüsse gehören die Damen Frau Dr. Thon, Bloch und Fräulein Dr. Korngold an.. Brünn. (Jüdische Toynbeehalle.) Im Festsaale des Mähr: Gewerbevereins sprach-Sonntag,.-den 5. d. Rechtsanwalt Dr. I. Eckstein über obiges Thema. Der Vortragende gab zunächst eine Definition des goldenen Zeitalters, in dem er jene Tage der Zukunft erblickt, in denen der größte Teil aller sozialen Probleme dadurch seine Lösung gefunden, daß die Kluft zwischen Gut und Böse durch die Förderung der reinen Erkenntnis und aufrichtigster und hingebungsvollster Menschenliebe. Ausfüllung und UeVerbrückung gefunden, wie dies bereits die mosaische Gesetzgebung vor Jahrtausenden in so unvergleichlicher Weise inaugurierte. Dr. Eckstein entwarf sodann in lichtvollen Zügen ein Bild der altjüdischen sozialen Einrichtungen, denen der Begriff des Proletariats, aber auch der Arbeitslosigkeit ganz fremd war und erörterte die ebenso weisen als feinfühligen Normen des alten Testamentes hinsichtlich aller Vertragsderhältnisse und dinglichen Rechte und die tiefe politische Weisheit atmenden sozialpolitischen Anordnungen zur Förderung einer gedeihlichen Agrarpolitik. die einerseits der großen Kommassation. andererseits kleinlicher Zersplitterung von Grund und Boden vorbeugte. Den Be-- griff des Feld- und Waldfrevels kannte der Mosaismus nicht, indem die Nachlese in Wiese und Weinberg, Feld und Wald den Armen gehörte. Jeder Jude mußte lweiters ein Handwerk beherrschen. Wie die Arbeiterfürsorge. so ist auch der Tierschutz im alten Testamente in mustergültiger Weise filiert. Dr. Eckstein zeigte an der Hand detaillierter Bestimmungen, wie das alte Testament in den Haustieren die Mitarbeiter des Menschen respektiert und so die tatsächliche Lebenszu einer Rechtsgemeinschaft erweitert. Moses war weiters der 1. Gesetzgeber, der die Hygiene in den Kreis seiner legislatorischen Erwägungen zog und durch seine strengen Vorschriften sein Volk für die schweren Schicksale, denen es entgegengingl, in so nachdrücklicher Weise stählte. — Herr Dr. Eckstein wies hiebei auf die Fülle von Anregungen hin, die