Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 778 Dr. Blpchs WochMchrift Nr. 47 r«s «xtra commercium; richtig ist, daß mit Grabsteinen Handel getrieben wird, aber nur mit solchen, die noch nicht auf Gräber gestellt sind. Sachen, die nicht im Verkehre stehen, können nicht Gegenstand' des Pfandrechtes sein (8 448 A. L. G. B., Art. VI EG. zur EO.) Zu einem gegen die guten Sitten verstoßenden Rechtsakt kann das Gesetz nicht Hilfe bieten, also auch nicht zu einer derartigen Exekution. (Vgl. §. 81/2 EO.) Der Prozeß wurde geführt von Dr. Hermann Höfinger. II., Gredlerstraße 5, contra Georg Weber, Kanditenverschleißer, noe. Johann Lange, Kassenfabrikant. Ein tapferer Lebensretter. Aus Tornocz meldet inan: Der hiesige Cafetier Ernst Vendeg fuhr mit dem Tischlermeister Stephan Lischek auf einem mit Brettern beladenen Wagen in ein benachbartes Dorf. Plötzlich wurden die Pferde scheu und die aus dem Wagen befindlichen zwei Männer stürzten so unglücklich, daß sich ihre Füße in das zur Befestigung der Bretter angebrachte Seil verwickelten. Die Pferde schleppten den Wagen mit sich und die zwei Unglücklichen hingen mit den Köpfen herunter. Da kam der hiesige Fruchthändler Moriz Ehrenthal des Weges, packte mit eigener Lebensgefahr die Zügel und! brachte die Pferde zum Stehen. Ehrenthal schnitt die zwei Bewußtlosen mit einem Messer vom Seile und befreite sie von ihren Qualen. Dem Lebensretter wurden allerseits Ovationen bereitet. Ein Gutachten über jüdische und christliche Vornamen. Der Direktor eines Wilnaer Gymnasiums wandte sich anläßlich der epidemieartig aufttetenden Prozesse wegen der christlichen Vornamen an den dortigen Kronrabbiner um ein Gutachten darüber, welche Vornamen eigentlich jüdisch und welche als christlich anzusehen wären. Besonders aber, welche jüdische Namen den christlichen Namen: Michail, Sachari, Iewsei, Alexander, Alerei, Philipp, Nikolai, Onissim, Arkadi und Wladimir entsprechen. Der Kronrabbiner gab das folgende auch wissenschaftlich interessante Gutachten ab: Die jüdischen Vornamen teilen sich in zwei Kategorien, in biblische und solche, die sie von den übrigen Völkern übernommen haben. Die jüdische Religion verbietet durchaus nicht, solche Namen anzunehmen. Genau so, wie andere Völker von den Juden einige Vornamen, wie z. B. Abraham, Jakob, Moses, Josef, Elijah, David, Jochanan u. a. m. übernahmen, haben mich die Juden ihrerseits noch vor der Zerstörung des ersten Tempels Vornamen fremder Völker übernommen. Ferner verweist das Gutachten darauf, daß ..Michail" ein rein biblischer Name sei und daß nach „Lachari" sogar ein ganzes Buch der 13 kleinen Propheten benannt sei. „Iewsei" ist nichts anderes alg die Verbalhornung des gutbiblischen Namens „Josua". Der Name „Alexander" wurde von den Juden schon im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zum Andenken an Alexander Mukdan angenommen. Die griechischen Namen Alerei und Philipp trugen zwei Tanaiten. Was jedoch die Namen Nikola, Onissim,. Arkadi, Wladimir betrifft, so werden sie ebensowenig ins jüdische übersetzt wie die übrigen slavischen Namen: Tscharne, Slate, Slawe u. a, welche heute schon als ausschließlich jüdische Namen anerkannt werden. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, daß die Prozesse, welche jetzt fast in ganz Rußland wegen Benützung christlicher Namen gegen Juden geführt werden, mitunter tragikomische Situationen schaffen, welche die ganze Aktion aä absuräum führen. „Irrtümlicherweise" wurden solche Prozesse auch gegen getaufte Juden und Deutsche angestrengt, welche die Polizei als Juden angesehen hat. Wien. Aus Lehrerkreisen wird uns geschrieben: Der zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangte gehässige Bericht des Revierinspektors hat im Publikum nachhaltige Erregung hervorgerufen. Wie darf ein öffentliches Wachorgan welchen Ranges immer den Patriotismus der Kinder und der „Erwachsenen ihres Stammes" verdächtigen. Dabei ist noch nicht sicher, daß es israelitische Kinder waren. Herr Wache hat allerdings durch antisemitische Brillen gesehen und da waren es eben israelitische Kinder. Der Sonntag ist ein schulfreier Tag und da sammelt sich vor dem Augarten und in den benachbarten Gassen der Mob unter den Kindern an, einen solchen gibt es leider auch schon. Die Kinder liefen dem Wagen nach, das ist kein Unglück, aber Augenzeugen berichten, daß es durchaus nicht wie ein Unfug ausgesehen hat, die Kinder riefen: Hoch und Hurrah, was vielleicht in der engen Gasse etwas lauter klang. Wir verurteilen gewiß ein lärmendes Betragen der Kinder, umsomehr als sie in der Schule angeleitet werden, ihren Patriotismus in anständiger Weise zu bekunden. Des Interesses halber sei noch folgendes erwähnt: Im Lesebuche für die 2. Klasse der Volksschule befindet sich das 105. Lesestück mit der Ueberschrift: „Der Kaiser kommt." Da wird erzählt, wie * der Kaiser vor Schulbeginn über die Mariahilferstraße fährt und von den Kindern bemerkt wird. Sie ziehen die Hüte, schwingen die Schultaschen und rufen durcheinander: Hoch der Kaiser. Wenn hunderte von Kindern rufen, das ist gewiß kein Flüstern. Dort würde Herr Revierinspektor nicht gewagt haben, eine gehässige Eingabe zu machen, denn die Bevölkerung hätte ihm energisch den Standpunkt klargemacht. In der Leopoldstadt glaubt er sich derartiges erlauben zu dürfen. Verläßliche Zeugen erzählen, daß er zu der Ovation selbst im raschen Laufe und zu spät gekommen ist und mit einem Wachmanne gleich von den Juden sprach. sfc * * . .. Sehr geehrter Herr Redakteur? Mit Bezug auf den in. Ihrer letzten Nummer enthaltenen Artikel „Der Polizist als Antisemit" beehre ich mich, Ihnen nachRücksPrache mit allen kompetenten Faktoren mitzuteilen, daß die Angelegenheit in voll st er Weise aufgeklärt und bereinigt wurde, so daß für die jüdischen Schulkinder in keiner Weise irgend eine Gefahr besteht. Möglich wurde die ganze Sache nur dadurch, daß an der Spitze des Leopoldstädter Ortsschulrates der antisemitische Gemeinderat B i ch l e r steht, der auch Obmann-Stellvertreter des Armenrates und Schuldirektor ist. Die bevorstehenden Wahlen in die Bezirksvertrelung und in den Gemeinderat werden hoffentlich den zweiten Bezirk wieder der fortschrittlichen Partei zuführen. Die so vielseitige Wirksamkeit Bichlers wird wohl den Juden des zweiten Bezirkes die Bedeutung der Wahlen vor Augen führen und die bisherige Indolenz Vieler beseitigen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener Bezirksrat Ernst K l e b i n d e r. * * * Zu dem Artikel „Der Polizist als Antisemit" vom 17. November 1911 erlaubt sich der Schreiber dieses Folgendes zu bemerken: „Wie der rüde Ton im Gemeinderat. und im Parlament den Christlich-Sozialen und nationalen Antisemiten sein Dasein verdankt, so ist auch das gerügte lärmende Treiben der Jugend ein Produkt der Bürgerpartei. Wenn der verstorbene Bürgermeister einer Schuleinweihung oder sonst einer Schulfestlichkeit beiwohnte, mußte die Schuljugend bei der Abfahrt nicht nur Spalier bilden, sondern sie wurde auch im Hochrufen gedrillt, Wenn dann der Wagen des Bürgermeisters vorübergefahren war, konnte man wiederholt sehen, wie die Jungen nach aufgelöstem Spalier dem Wagen nachrannten und unter dem Beifall der Erwachsenen, freilich auch zum Entsetzen anständiger Leute ihr