Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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TfrVfcfc«CT-.»*».. Nr. ki Dr. Bkrchs Wochonsihrfft Sette 777 reich ausgewiesen, den Reichen ließ man nur die Wahl zwischen Taufe und martervollem Tode. Nach alten Ueberlieferungen gingen fast alle treu und opferbereit in den Tod. (Ziehe „K. Pritz. Geschichte des Landes Oberösterreich.) — e— I. V. Widmann. Der feinsinnige Feuilletonredakteur des Berner „Bund", der Schriftsteller und Dichter I. V. Widmann, ist vor 14 Tagen gestorben. In den Sielen gestorben, wie es sich Bismarck ehemals wünschte, ist Widmann; bis zum letzten Tage war er tätig für den „Bund", ^erfreute er feine Lesergemeinde unter dem Strich. Im „Isr. Wochenblatt für die Schweiz"' wird daran erinnert. datz I. W. Widmann in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als der Lampf um Dreyfütz tobte, unter dem Strich für den Gefangenen auf der Teufelsinsel in die Schranken trat, während über dem Strich die Lollegen ihre Ansicht gegen Dreyfütz kundgaben. Doch nicht im Einzelfalt nur, sondern im allgemeinen lernte man des verstorbenen Widmanns Weltanschauung. besser Stellung zum Antisemitismus, kennen: in dem Beitrag, den er 1899 anläßlich cfmes orientalischen Festes des Lesezirkels Hottingen für einen modernen „Westöstlichen Divan" einsandte. Die Verse lauteten: „Als Ostens Früchte Goethe lehrte kosten, _ War ehrlich noch die Welt, nicht hypokritisch, Da gab's nicht schnüffelnde Zollwächterposten, Den queren Schlagbaum nicht: antisemitisch. Nur umso besser dürfen wir uns freuen. Wenn heute, da dies Wort die Raffen scheidet. Festfrohe Menschen Goethes Tun erneuen, Ein braver Ernst geht spielerisch verkleidet. Suleikas Reize singt, laßt Bülbül flöten. Und eilt mit Schiras Rosen euch zu kränzen. Und unter Scherzen dankt int Herzen Goethen Für menschlich freies Fühlen ohne Grenzen!" < Und in „Briefen berühmter christlicher Zeitgenossen über die Iudenfrage", die I. Singer 1885 herausgab, schrieb er: „Die Religionen sind Jahrtausende hindurch für die Menschheit treue Lehrmeistevinnen gewesen. Wie aber endlich jedes Lehr- und Lernverhältnis durch Emanzipation des Zöglings endet, so auch dieses. Den Juden zuzumuten, jene endliche, höhere, geistige Freiheit auf Umwege eines Durchganges durch das Christentum zu erlangen, wäre ebenso verkehrt, als jene vom Apostel Paulus bekämpfte Ansicht der ersten Iudenchristen eine verkehrte war, welche bekanntlich dahin ging, die zum Christentum sich bekehrenden Heiden müßten erst die Beschnefdung lannehmen mnd überhaupt nur durch das Judentum zum Christentum übergehen." — I. V. Widmann war der Besten einer, er war ein Freund alles Edlen und besaß ein Herz, das stets geschlagen ..für menschlich freies Fühlen ohne Zagen". Antisemitismus der italienischen offiziösen Presse. Die Wut der italienischen Lriegspresse über die Presse des gesamten Auslandes darüber, datz diese dem Italienischen Beutezug gegen die Türkei keinen Geschmack abzugewinnen vermag, kennt keine Grenzen. Nachdem alle möglichen Mittel und Pressionsversuche, die ausländische Presse umzustimmen, nutzlos sind, greift nun die offiziöse italienische Presse zu den schnödesten, verwerflichsten Mitteln: zum niedrigsten Antisemitismus. Es mutz für alle Zeiten festgenagelt werden, datz die von Giolitti inspirierten Blätter „Stampa" und „Popolo Romano" fast zur selben Zeit und in denselben Worten ihrem Unmut in echt moskovitisch-huliganischer Art wie folgt Ausdruck geben: „Die Entrüstung ganz Europas gegen die an- . geblichen Greueltaten Italiens in Tripolis und Bengasi ist nichts anderes, als die Machination der Juden (!), dieser von der Türkei gekauften Wucherer, dieser b^ahlten Lügner (!), dieser Clique der Anhänger Arons, die um das goldene Lalb tanzen und die durch die Bande des schmutzigsten Wuchers mit der Türkei intim verbündet sind. Das sind die Juden, welche die ganze ausländische Presse aufgekauft haben, um das Ansehen Italiens herabzusetzen usw." Also das ist die Lultur, die Italien nach Tripolis tragen will.... Die antisemitische Propaganda in Frankreich. In Lyon kam es vergangene Woche zu argen Ausschreitungen gegen die dortigen Juden. Aus Anlatz dsr Vertreibung der Nonnen eines Schulordens veranstalteten die Nationalisten und Llerikaleu einen Protestumzug, der darin gipfelte, datz die Geschäfte der Juden zerstört, eine Unzahl von Fensterscheiben zertrümmert und auch einige Juden mißhandelt wurden. Die Lämpfer für Religion krönten ihr „gottgefälliges" Werk damit, datz sie die Tore der Synagoge sprengten, in die Synagoge eindrangen und daselbst in einer Weise hausten, wie es ihre betzarabischen Verbündeten auch nicht ffrnstgerechter zustande gebracht hätten. In ihrem Vandalismus haben sie bedeutenden Schaden angerichtet. Die unzulängliche Polizei konnte nur mit Mühe der Exzesse Herr werden. Während diese erbaulichen Dinge sich in der Provinz zutragen, wird aus der französischen Hauptstadt eine systematische Hetze gegen die „unerwünschten Fremdlinge" gemeldet, die bereits sehr bedenkliche Formen anzunehmen droht. Bekanntlich hat sich im vierten Bezirke von Paris durch die gesteigerte Einwanderung von Juden aus Rußland. Rumänien und Galizien ein förmliches Ghetto nach Londoner oder Newyorker Muster herausgebildet. Gegen diesen vierten Bezirk richtet sich nun der organisierte Lampf. Vorige Woche fand in einem der größten Säle vm Paris eine vom Verbände der Laufleute und privilegierten Bürger einberufene Massenversammlung statt» in welcher eine Protestresolution gegen „eine unbestimmte Bevölkerung" gefaßt wurde, . welche ohne gesicherte Eristenz, mit verdächtigen Berufen aus den östlichen Staaten zu uns kommen, kein Wort französisch verstehen und zusammengepfercht in Schmutz leben." Diese Protestresolution wurde durch eine Abordnung dem Ministerpräsidenten Cailleaur überreicht und sämtlichen Blättern zugesandt. Auf der anderen Seite wurde dem Gemeinderate ein Antrag unterbreitet, wonach jedem , Ausländer" eine Lopfsteuer von 50 Franken pro Jahr und überdies die Pflicht. sich bei der Polizei zu melden, auferlegt werden soll. Zuwiderhandelnde sollen empfindlich bestraft und des Landes verwiesen werden. Ueberdies soll demnächst auch der Lantmer der Entwurf eines Fremdengesetzes vorgelegt werden, durch welches bestimmten Lategorien von „Fremden" der Einlatz in Frankreich verweigert werden soll. _ Der auf einem Friedhof aufgestellte Grabstein ist uupfäudbar. (Entgegengesetzt E. v. 19. Februar 1907, Z. 3298, Evid.-Bl. Nr. 7. bei § 250 EO.) (II. und HI. Instanz gegen I.) Entscheidung v. 3. Jänner 1911, R. I 825/10. (Jur. Bl. Nr. 32 ox 1911.) AuS den Gründen: Der auf dem Grab'aufgestellte Stein ist ein wesentlicher Bestandteil deS Grabes; er wird mit diesem in Verbindung gebracht, um die Individualität der Beerdigten, sowie die pietätvollen Erinnerungen zum Ausdruck zu bringen; er ist also