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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-24 · 47 (24.11.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ceifa 77« Dr. SM» bleliebigen Baumeister Vergab, sondern an einen Mann, der auch schon in der Architektur etwas Mustergültiges und Charaktervolles leisten wird. Tessenow hat auch den Lehrlingsbau in Steinhorst entworfen. * * S|c 2n der Nahe von Celle, im Lüneburger Kreise Isenhagen, liegt Steinhorst, dessen großes Gut von verschiedenen .Vorbesitzern nach Matzen heruntergewirtschafteL war. 2m 2ahre 1909 wurde es von der „Land- und Lehrgutgesellschaft m. b.>H." übernommen, die im wesentlichen, zumal in der Verwaltung, von der Simonschen Stiftung geführt wird, an der aber auch sonst internierte Männer und jüdische Organisationen beteiligt sind. Diese umfangreichste Unternehmung zur Heranbildung jüdischer Landwirte, ist eine Parallele zu Ahlem: sie will die jungen Leute vor allem auch zum Feldbau und zur ViehwirtWqst grotzen Stils tauglich machen, wobei der feldmKtzige Anbau von Gartenfrüchten und Handelsgewächsen natürlich nicht vernachlässigt wird. Seit zwei Jahren ist das Gut jetzt in der Bewirtschaftung und dank einer ausgezeichneten Leitung des Betriebes hat es sich bis jetzt schon gut erholt. /Freilich, wer vor Anfang Winter das Gut besucht, findet es in einem Uebergangs-Zustand; rings um das alte schöne behagliche Fachwerkhaus, vor dem grotze Bäume stehen, wird lebhaft gebaut, ein grotzer Viehstall mit Scheune, bei dessen höchst rationeller Ausgestaltung die D. L. G. mitgewirkt hat, ein Haus! für djie Saisonarbeiter, das grotze Wohn- und Schulgebäude für die Zöglinge. Bald jedoch wird das Provisorium überwunden fein : heute sind etwa fünfzehn Lehrlinge draußen, später werden es dreißig fein. Auch die Knechte sind jüdisch. Die Lehrlinge entsprechen denen in Ahlem, bloß mutz natürlich eine gewisse Auswahl in der körperlichen Befähigung stattfinden, denn die Arbejit im Feld und der Umgang mit Pferden erfordert massiveren Kraftaufwand als Rosenkultur und Spalierobst. Es wird hier außen straff gearbeitet, die jungein, Burschen müssen kräftig und ohne Unterschied an alle Einzelausgaben eines so mannigfaltigen Betriebes heran. Aber es geschieht mit Lust und Liebe. Neben dem Administrator, der die landwirtschaftlichen Arbeiten anordnet, überwacht und zur rechten Disposition erzieht, jst dauernd ein landwirtschaftlich vorgebildeter Lehrer draußen, der als Hauspfleger für das gesellige Leben der Zöglinge besorgt ist, die Disziplin wahrt und, zumal im Winter, in den Realien Unterricht gibt. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Schule in Wittingen erteilt wöchentlich regelmäßigen Fortbildungsunterricht; im Winter werden, bevor eigene Werkstätten eingerichtet sind, die Zöglinge beim Stellmacher oder Schmied des Dorfes mit beschäftigt, um ihre Geschicklichkeit für Geräte und Maschinen zu heben. Der Gutshof liegt hübsch zwischen alten Bäumen: feSn munterer Bach durchschneidet seinen Garten. Die zugehörige Bodenfläche umfaßt etwa 1000 Morgen; über 600 davon sind oder waren bei der Uebernahme Moor. Diese Moorflächen in kulturfähiges Land zu verwandeln, ist eine der größten und vornehmsten Aufgaben der Lehrgutsgesellschaft; sie ist mit lebhafter 2nitiativ'e und mit groben Opfern an sie herängetreten. Äls ich neulich Steinhorst besuchte, traf es sich günstig, daß an dem Tage eben die Moorflächen der Gesellschaft vvm Landrat des Kreises und vom Baurat der Lüneburger Regierung besichtigt, wurden.- Wir stapften ejin paar Stunden in dem unwegsamen Gelände herum, zwischen dem struppigen Po ststrauch, Schilf und dem sumpfigen Torfboden. Grotze Flächen sind heute schon von dsem Gute aus entwässert worden, teilweise planiert und durch Pflug und Scheibenegge Hingerissen. Das neueroberte Terrain soll zum Keinen Teil aufgeforsteh WvchÄnfchM Nr- & werden: großenteils ist es jedoch für Wiesen und für Meiden bestimmt. Die durchschnittliche Viehhaltung ist in jener Gtzgend gering. Indem ihr hier eine Musterzuchtwirtschaft eingerichtet wird, leistet die Gesellschaft 'ein wertvolles Beispiel. Die Behörden wissen dies zu würdigen, und es ist anzunehmen, daß bald ein paak hundert weitere Morgen MooModen mit der Unterstützung der Regierung in Kulturland verwandelt werden. 2m Hintergründe des Steinhorster Betriebs steht dije Möglichkeit, zur Ansiedelung jüdischer Bauern überzugehen: das ist natürlich kein Ziel, das von heute, auf morgen erreicht wird. 2n Galizien wie in Palästina sind ja eine ganze Reihe von Gärtnern und Bauern durch die Stiftung angesetzt worden: es ist nicht von der Hand zu weisen, daß das auch bei uns geschehest soll und wird. Heute schon liegt,ein Teil -der Bemühungen darin, durch Kreditvermittlung und Darlehen jüdische Bauern und Handwerker in ihrer Seßhaftigkeit zu bestärken und zu ihrer Ausbildung und für ihr wirtschaftliches Gedeihen in Notlagen unmittelbar zu unterstützen. * * * Die Arbeiten der Simonschen Stiftung dienen in erster Linie den Juden, und sie erwarten auch vor allem die Teilnahme, die moralische und organisatorische Förderung durch die jüdischen Kreise. Aber es ist ohne weiteres klar ,datz ihre Bedeutung weit darüber hinausreicht — dfie energische Unterstützung durch die Behörden könnte dafür das beste Beweismittel sein. Tatsächlich lagen auchdem Stifter selber jüdisch-separatistische Bestrebungen fern: ausdrücklich hat er daher auch die Förderung allgemeiner, nicht konfessionell begrenzter Unternehmungen verwandter Art angeordnet. Es ist wichtig für unsere Pädagogen, eine so grotze Musteranstalt der Arbeitsschule hingestellt zu bekommen, es ist wertvoll, wftnn auf dem Umweg über jüdische Gemeindsschulen in so und so viele Gegenden die besondere Pflegei des Gartenbaues und der Handfertigkeit getragen wird-. Und innerhalb der agrarischen Ordnung soll man es dankbar anerkennen, wenn eine private Stelle mit so viel Qpföer und Hingabe sich der Heranbildung geschulter Berufsarbeiter widmet. Zahlenmäßig fällt das natürlich vorläufig nicht stark ins Gew/icht; aber der Erfolg eines solchen Versuches mutz weithin befruchtend wirken. Dr. Theodor Hentz,. Pom Zabrmarkl des Lebens. Jüdische Grabsteine. Linz a. D. Geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf den in Nr. 38 Ihres geschätzten Blattes enthaltenen, sehr interessanten Artikel „Jüdische Grabsteine in Friesach (Kärnten)" teile Ihnen ergebenst mit: Schreiber dieses verbrachte einige Sommer. Urlaube in Villach (Kärnten). Eine halbe Wegstunde von dort ist ein kleines Dorf, an der uralten Jtaliencrstraße — namens „Judendorf". Dort fand ich an zwei Stellen jüdische, alte Grabsteine, jedoch stets verkehrt eingemauert, daher schwer lesbar; in dem nahen „Warmbad-Villach" soll dessen Besitzer, ebenfalls aus Judendorf, bezw. Villach stammende Grabsteine aufbewahren. Ein erhöht liegender Hausgarten wurde mir als der „alte Juden-Gottesacker" bezeichnet. Vielleicht sucht ein warmfühlender Zeitgenosse diese Grabsteine auf und würde Näheres hierüber veröffentlichen? Ebenso findet sich im „Schloß-Haus" (Bahnstation Gaisbach-Wartberg) unweit Linz, — hoch innerhalb der Toreinfahrt eingemauert, ein guterhaltener Grabstein, welcher eventuell durch einen Amateurphotographen vorerst aufzunehmen und dessen Text dann zu veröffentlichen wäre. Höchst wahrscheinlich wurde dieser Grabstein aus einer der nahegelegenen, uralten jüdischen Gemeinden Linz, oder noch wahrscheinlicher aus dem nahen Enns dahin verschleppt, nach dem großen UnglückStage, dem 20. März 1420. An jenem Tage begann in Enns infolge der falschen Beschuldigung, der Jude Israel hätte von der Meßnerfrau mehrere Hostien zum Zwecke der Verspottung der christlichen Religion gekauft, die schrecklichste Verfolgung der Juden, bekannt unter dem Namen: „Die große, österreichische Geseräh-rooh"; von Enns ausgehende ergriff selbe zunächst Linz. Stcyr, Efferding. Salzburg, Graz, Wien, Marburg, Judenburg, Villach usw. Die ärmeren Juden wurden aus ganz Oester- /

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