Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 46 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 770 De. WoM WoWWWst Nr. 45 anschauungv oder als «geistige Atmosphäre», in den letzten Dezennium durchgemacht hat. Wir geben aus dem Inhalt des Werkes, das dem Politiker, wie dem Akademiker, dem Kaufmann und dem Industriellen ein reiches Material zur Bekämpfung des Antisemitismus und eine Fülle von geistiger Anregung bietet, folgenden Abschnitt wieder. Gerhard Loeschke: »Jüdisches und Heidnisches im christlichen Kult.« Eine Vorlesung. Bonn 1910. Verfasser zeigt in seinem aktuellen Vortrag, wieviel fremde Elemente noch genau im christlichen Kult zu erkennen sind. Die Vorlesung zerfällt in zwei Teile. Die erste Gruppe schildert die Einwirkung des Judentums, die zweite die des Heidentums auf die erste Entwicklung des kirchlichen Kults. Natürlich ist der Einfluss der Synagoge viel grösser, als der oberflächliche Blick es ahnen lässt. So kommt derselbe zur Geltung besonders in der Uebernahme des Kalenderwesens, in der Nachahmung der Festtage, in der Einteilung des Tages, der Stunden und der Woche. Die Römer hatten eine achttägige Woche, die jüdische Wocheneinteilung hat trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, sowohl wirtschaftlicher, wie auch sozialer Natur, den Sieg davon getragen. Verfasser hat aber manche Punkte, die nicht die Begleiterscheinungen, sondern das Wesen des Kults selbst betreffen, ganz übersehen. So den Ritus des Küssens als Zeichen der Eintracht und Liebe. (Vgl. Hönicke: Das Judenchristentum, pag. 259 und besonders die treffliche Schrift August Wünsches: Der Kuss in Bibel, Talmud und Midrasch. Breslau, 1910.) Den Gebrauch, die heiligen Schriften an Sabbaten und Festtagen vorzulesen, haben die ersten Christen gewiss der Synagoge abgelauscht. (Vgl. Paul Glaue: Die Vorlesung heiliger Schriften im Gottesdienste. Berlin 1907 und Bloch J. 8.: Studien zur Geschichte der Sammlung der althebr. Literatur, pag. 115 ff.) Ja sogar der altsynagogale Gesang, von dem wir so wenig wissen, soll nach Franz Leitner: Der gottesdienstliche Volksgesang im jüdischen und christlichem Altertum, Freiburg 1906, von grossem Einfluss gewesen sein. Im zweiten Teile werden die heidnischen Einwirkungen erwähnt. Das Weihnachtsfest, die Prozessionen, der Toten-, Heiligen- und Bilderkult sind gewiß vom heidnischen Geiste stark beeiiäußt, ob aber nicht trotzdem auch jüdische Sitten und Ge- . bräuche mitgewirkt haben, z. B. das Chanukkafest auf das Weih- \»achtsfest, die Umzüge an den Festtagen und Bittgängen auf die Prozession, ist immerhin fraglich (vgl. b. Sukka, 45a, b. Joma 68b, b. Taanit 15a, Midrasch Tehillim, p. 64). Diese Ähnlichkeit würde noch eine eingehendere Untersuchung verdienen, andererseits darf der Einfluß des christlichen Kults auf die Gebräuche der Synagoge auch nicht außer Acht gelassen werden. Skotschau. Dr, A. Marmorstein- „Das freie Wort“. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Karl Saenger. Herausgegeben von Max Henning. XL Jahrgang, Nr. 16. Zweites Novemberheft 1911. Inhalt: „Es nützt ja doch alles nicht.“ — Professor Dr. Martin Hartmann: Das Ultimatum des Panslawismus. — H. Treu: Graf Stürgkh oder der Bock als Gärtner. — Dr, Heinz Hanphoff: Negativer Sozialismus. — Professor Dr. Artur D r e w s: Theologische Ausflüchte. — Johannes Cordes: Volksschullehrplan. — Doktor G. L o m e r: Wege und Umwege der Jesuiten. — Walter Rauschenberger: Arthur Schopenhauer und Philipp Mainländer. — Kleine Mitteilungen. — Neuer Frankfurter Verlag G. m. b. H., Frankfurt am Main. Krirfkaste« C D. iu W. Die Behauptungen der antisemitischen Presse, daß König Georg von England den Juden gegenüber eine wesentlich kühlere Haltung beobachte als sein Vater, find bei den jüngsten jüdischen Festtagen durch das Verhalten des Königs gründlich widerlegt worden. Das Königspaar, das schon vorher dem Chef der Famlie S a s s o o n, der bekanntlich zu dem intimen Freundeskreise König Eduards gehörte, einen Besuch abgestattet hatte, erschien an einem jüdischen Halbfeiertage auch bei einer Soiree des Barons Leopold Rothschild. K I. Z. Ein Beitrag zur Naturgeschichte der arischen Rasse ist es, daß der Reichsratsabgeordnete Oskar Teufel, arischer Gurkenhandler in Zaaim und Herausgeber des Schmutzblattes „Der Mahnruf", in dem er die Juden als R ä u b e r und Mörder, als Auswurf der Menschheit hinstellt, — zu Ostern Offerten mit hebräischen Lettern an galizische Juden versendet und koscheren Weinessig sowie Gurken für Pessach anbietet! — Es geht doch nichts über arische Weitherzigkeit! Aber Juden brauchen solche Weitherzigkeit gewiß nicht gut zu heißen! L. D. Ja der Berliner antisemitischen „Staatsbürger-Zeitung" vom 36. Oktober d. I. liest man: „So zieren denn Simon Moritz Bethmauns Nachkommen nicht nur das Reichßkrnzlerpalais in Berlin, sondern auch das Bühnerfestspielhaus iu Bayreuth. Wahrlich eine peinliche Entdeckung, wohl geeignet, Franz LiSzt und Richard Wagner als Förderer des Judentums erscheinen zu lassen, mögen sie auch im guten Glauben gehandelt haben. Andererseits kann man von zwei Männern, die wie Liszt und Wagner gegen die Posaunisten von Jericho so scharf Stellung nahmen, kaum annehmen, daß sie in ihrem Privatiben so wenig auf rassig reine Wäsche gehalten haben sollten. Nichtsdestoweniger ist die Tatsache nicht aus der Welt zu schaffen, daß Liszt mit einer jüdisch bastardierten Ehebrecherin durchbrannte und mit ihr in wilder Ehe jene Dame zeugte, die nun als Witwe Cosima Wagner den musikalischen Gral Bayreuth in bewacht." In Bezug auf Siegfried Wagner sagt das biedere Organ für Raffenreinheit: „Denn wenn der schachernde Ahn in Frankfurt-Main noch mit Napoleon Bonaparte Getreidegeschäfte machte, so kann bei dem Enkel die germanische Kunstauffaffung kaum schon allzu tief sitzen" Notizen. Jüdische Bühne. Direktion Ni. Siegler. „Hotel Stefanie". II., Taborstr. 12. Ab Freitag den 17. November und täglich „M a m o n der Geldgold", Historische Operette von Lateiner, Musik von Mogulesku. Sonntag den 19. November, nachmittags halb 4 Uhr ,,M ojsche Chajet" von M. Richter. Mittwoch den 22. November: Wohltätigkeits-Vorstellung des Vereines „Wahrheit und Friede" „S u- I a m i t h" von Goldfaden. Donnerstag den 23. November : Wohltätigkeits-Vorstellung des Vereines „Der Lemberg" „Blümale" von I. Lateiner, Musik von Mogulesku. Allgemeine Depositen-Bank. Der Verwaltungsrat beehrt sich hiemit, die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositen - Bank zur außerordentlichen Generalversammlun g, welche Freitag den 24. November 1911, vormittags II Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes (I. Bezirk, Schottengasse l) stattftnden wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung auf Erhöhung des Aktienkapitals von 26 auf 33 Millionen Kronen (§ 3 der Statuten). 2. Weitere Abänderung des § 3 der Statuten in dem Sinne, daß durch künftigen Generalversammlungsbeschluß das Aktienkapital von 33 auf 40 Millionen Kronen erhöht werden kann. 3. Aufnahme von Statutenbestimmungen, nach welchen zur Ausgabe von Bankjchuldverschreibungen geschritten werden kann. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen, nach § 18*) der Gesellschaftsstatuten ihre Aktien wenigstens 8 Tage früher, d. i. bis spätestens inklusive 16. November lull, bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (1., Schottengasse 2) zu hinterlegen. Wien, 9. Nov. 1911. Der Verwrltungsrat. *) Jeder Aktionär ist in der Generalversammlung zu so vielen Stimmen berechtigt, so vielmal er 10 Aktien besitzt. Aktien, auf Grund deren in einer Generalversammlung ein Stimmrecht ausgeübt werden soll, müssen samt den noch nicht fälligen Coupons wenigstens 8 Tage vor dem Tage der Versammlung an einem vom Verwaltungsrate kundgemachten Orte deponiert werden. Zur gefälligen Beachtung! Wh'ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abonnementsgebühr im Rückstände sind, die ziir Einhebimg derselben von lins versendeten Postaufträge gefälligst honorieren zn wollen. Die Administration. Moriz Perles-Wohltätigkeits-Widmung. Anzahl der Plätze: Unbestimmt zusammen K 475. Bewerbungsberechtigt sind: Verarmte, jüdische Familien, welche durch plötzliches Ableben des Ernährers — sei es durch Schlaganfall, Gewalttat, Krieg oder Unglücksfall (Selbstmord ausgeschlossen) — aus geordneten Verhältnissen in drückende Not gestürzt wurden. Es bildet hiebei keinen Unterschied, ob der verstorbene Ernährer das Haupt oder nur ein Mitglied der Familie war. Bevorzugt sind: Bewerber, welche in direkter Linie von dem Widmungserrichter oder dessen Gattin Agnes, geb. Schiller, abstammen oder der Seitenverwandtschaft des Widmungserrichters oder dessen Gattin bis zum fünften Grade angehören. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Totenschein, Armutszeugniss, eventuell Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. November 1911. Einreichstelle: 1., Seitenstettengasse 4. II. Stock (Einreichungsprotokoll). Näheres iu den voa der Einreicl:s-e!ie unentgeltlich zu beziehenden Gesuchsbögen.