Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021974--20668-3045720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

■n n-if.aran^i, Nr. 46 Dr. Vkochs WochMchM Sette 765 und daß die pflichtgemäße Befolgung religiöser Vorschriften nie einen Keil Hilden könne, der Elaubensgenossenschaftjen und das Heil ihrer Bekenner bezweckenden Institutionen und Veranstaltungen in feindliche Lager spaltet. Glaube und Vaterlandsliebe mögen uns davor behüten. Im Laufe des Tages stattete der Bischof dem Räbbiner einen Besuch ab. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Bernhard Frankel. Aus Berlin wird uns gemeldet: Der berühmte Laryngologe Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Bernhard Fränkel ist am 12. d., nachts, im 77. Lebensjahre gestorben. Professor Bernhard Fränkel war aus Elberfeld gebürtig; er studierte in Würzburg und Berlin und war seit dem Jahre 1859 als Laryngologe, seit 1871 als Privatdozent in Berlin tätig. Er veröffentlichte eine große Reihe von Arbeiten über Kehlkopf- und Nasenkrankheiten, ferner über Tuberkulose. Sein Interesse für ärztliche Standesangelegenheiten bekundete sich in der Mitbegründung des Deutschen Aerztevereinsverbandes. Auch war Professor Fränkel ein Vierteljahrhundert lang geschäftsführender Schriftführer der Berliner Medizinischen Gesellschaft. Im Jahre 1887 übernahm er als Professor die Direktion der von ihm gegründeten Universitätspoliklinik für Hals- und Nasenkranke; im Jahre 1893 wurde er zum Direktor der neubegründeten Klinik für Hals- und Nasenkranke in der Berliner Charite ernannt. Auch war er dirigierender Arzt des Augusta-Hospitals, Herausgeber der „Zeitschrift für praktische Aerzte" und des „Archivs für Laryngologie". Große Verdienste hat sich Professor Fränkel um die Organisation der Bekämpfung der Tvberkulose erworben; er war ein-hervorragendes Mitglied der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose und seiner Initiative ist die Errichtung der Kinderheilstätte in Belzig zu verdanken. Geheimer Medizinalrat Professor Fränkel nahm an der Tuberkulosenkonferenz in Wien teil und war Delegierter des Deutschen Reiches auf dem Internationalen Laryngologenkongreffe in Wien. Vor zwei Jahren trat er vom Lehramte zurück; sein Nachfolger ist Professor Kilian aus Freiburg im Breisgau. — Aus Berlin wird uns über den Tod des Gelehrten berichtet: Fränkel ist in der Nacht zum Sonntag im 75. Lebensjahre gestorben. Geheimrat Fränkel litt schon seit Jahren an den Folgen einer; stark vorgeschrittenen Gefäßverkalkung. Er hatte deshalb vor einiger Zeit seine Stellung als akademischer Lehrer und als Leiter der. Universitätsklinik für Hals- und Nasenkranke niedergelegt. Auch zu den Sitzungen der von ihm gegründeten Laryngologischen Gesellschaft kam er nicht mehr. Zuletzt erschien er im Sommer 1911 vor der Oeffentlichkeit, als er dem Dritten internationalen Laryngologenkongreß im preußischen Herrenhause präsidierte. Am Tage vor seinem Tode hatte Geheimrat Fränkel Krankenbesuche gemacht und Sprechstunde abgehalten. Sonntag nachts bekam er einen Anfall seines alten Herzleidens, dem er erlag. Berlin. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" versendet ein Zirkular, dem wir folgendes entnehmen: Von dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums ist soeben erschienen :NeuesteGeschichtedesjüdischenVolkes von Prof. Dr. M. P h ilip p son, Band III. Dieser Band behandelt die Geschichte der Juden in Rußland und Polen von 1830 bis 1910 unter den vier Herrschern Nlkolaus I., Alexander II., Alexander III. und Nikolaus II. Es ist die erste umfassende Darstellung der neueren Geschichte der russischen Juden in deutscher Sprache. Ein alphabetisches Personenregister für alle drei Bände macht das Werk insbesondere für diejenigen unentbehrlich, welche die ersten beiden Bände der Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes bereits besitzen. Das Werk ist zum Preise von 6 und 7 M., für Mitglieder der Gesellschaft zum Preise von 4 und 5 M., ausschließlich 0.30 M. Porto, von der Buchhandlung Gustav Fock G. m. b. H., Leipzig, Postscheck- Konto Leipzig 1243, zu beziehen. Die Familie Ludwig Philippsons hat aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages am 28. Dezember d. I. eine Sammlung ausgewählter Abhandlungen aus seiner Feder der Gesellschaft in einer größeren Anzahl von Exemplaren zur Verteilung an ihre Mitglieder zur Verfügung gestellt. Diejenigen Mitglieder, welche das zweibändige Werk in vornehmem Einband zu erhalten wünschen, werden gebeten, für diesen Einband 2 M. an Herrn Dr. N. M. Nathan, Berlin N. 24, Postscheck-Konto 11776 umgehend einzusenden; der Ladenpreis beträgt 12 und 15 M. Neu hinzutretende Mitglieder erhalten das Werk ebenfalls zu gleichen Bedingungen zugesandt. Gleichfalls aus Anlaß der Zentenarfeier Ludwig Philippsons erscheint demnächst eine Biographie Philippsons von Rektor Feiner- Hamburg; ferner auch demnächst der erweiterte Vortrag über die jüdischen Katakomben vor der Porta Portese in Rom von Prof. Dr. Müller-Berlin. Die Gesellschaft besitzt noch eine Anzahl Exemplare des 2. Bandes der Gesammelten Schriften von D. Kaufmann und des Werkes: Aus Lion Gomperz nachgelassenen Schriften. Ersterer Band ist gegen Einsendung von 0.50 M. von Herrn Dr. N. M. Nathan, letzteres kostenlos von Herrn Ad. Alkalay & Sohn in P eßburg zu beziehen. Die Gesellschaft bittet endlich ihre Mltglieder um Einsendung der noch rückständigen Beiträge, sowie um etwa notwendig gewordene Berichtigung ihrer Adressen. Der Mord in Konih. Wie aus Breslau gemeldet wird, ist bei der Staatsanwaltschaft in Veuthen eine Anzeige über den Könitz er Gymnasiastenmord eingegangen. Wie erinnerlich, wurde seinerzeit in Könitz der Gymnasiast Winter ermordet und die Antisemiten benutzten dieses Verbrechen zu einer Ritualmordhetze. Besonders der jüdische Fleifchermeister Levy und sein Sohn wurden verdächtigt. Die eingeleitete Untersuchung ergab die Unschuld beider. Den Mörder zu entdecken, ist aber bis heute nicht gelungen. Die geschiedene Ehefrau eines Agenten in Siemianowitz hat nun, wie aus Breslau berichtet wird, der Staatsanwaltschaft in Beuthen angezeigt, ihr Mann habe zeitweise die Tat in allen ihren angeblichen Einzelheiten mit grauenerregender Deutlichkeit geschildert und sei alsdann immer in heftiges Schluchzen ausgebrochen. Der Gatte war nach dem Konitzer Mord nach Siemkanowitz gezogen und hatte dort eine Bäckerei eröffnet. Jetzt befaßt er sich mit Agentur- und Vermittlungsgeschäften. Ein neuer jüdischer Präfekt in Frankreich. Herr A. A. Schrameck, über dessen Ernennung zum Mitglieds des konsultativen Legislationsconseils im Justizministerium wir erst vor kurzem berichteten, wurde zum Präfekten des Departements von Bouche du Rhome ernannt. Es ist das eine der wichtigsten Präfekturen in Frankreich. Herr Schrameck ist nunmehr der dritte jüdische Präfekt in Frankreich: die andern zwei sind: M. Hendle vom Departement Calvados und M. Brisac vom Departement du Tarne. Interessant ist, daß der Pater des Präfekten Hendle gleichfalls Präfekt war. Ein wichtiger Beschluß, in der Frage des Chief-Rabbinates Letzten Dienstag fand in London eine Sitzung des Council of thr Unites Synagogues unter Beteiligung, fast sämtlicher Conseilmitglieder statt. Den wichtigsten .Beratungsgegenstand bildete die Verhandlung über zwei Anträge betreffend die Besetzung des durch das Ableben Dr. Adlers vakant gewordenen Postens eines Chief- Rabbis of England. Nach langen und erregten Debatten wurde schließlich der Antrag des königlichen Rates Iessel mit überwiegender Majorität angenommen. Der zum Beschluß erhobene Antrag lautet: Das Exekutivkomitee des United Synagogues wird beauftragt, sämtliche Körperschaften. welche zur Erhaltung des Chief-Rabbinates in England beitragen, zu einer Beratung einzuberufen und gemeinsam mit diesen Körperschaften ganz Englands Vorschläge über die Pflichten-, die Entlohnung und den Wahlmodus des anzustellenden Chief-Rabbis auszuarbeiten und dem Conseil zur Beschlußfassung vorzulegen. Mit der Annahme dieses Beschlusses wird allen Gerüchten über die Persönlichkeit des künftigen Chief-Rabbi von England ein Ziel gesetzt. In derselben Sitzung wurde für die Witwe des verstorbenen Chief-Rabbi eine Pension von 700 Pfund

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.