Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 46 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 46 Gerte 761 iuaaji^jjSSeiap’tMHHkaUKJ Dr. Bkochs Wochenschrift Rassenhygiene. Das ist das Wichtige und Bedeutsame, dadurch zeigt die Studentenschaft, daß sie auf dem Wege ist. die Mißverständnisse und Jrrtümer zu überwinden, die sich auch hier an die doppelte Bedeutung eines Namens,, eines Wortes geknüpft haben. Das Wort „Rasse" hat tatsächlich zwei Bedeutungen, Ibltie gut auseinander gehalten werden müssen. Unter Rasse kann man verstehen, die Summe der angeborenen und physiologisch vererbbaren seelischen und körperlichen Anlagen des Menschen. In diesem Sinne :st Rasse das Allerwichtigste und Wertvollste am Menschen. Man kann aber unter Rasse auch verstehen die charakteristischen Merkmale jener Anlagen, durch welche sich verschiedene Menschenstämme voneinander unterscheiden. Ich kann es mir nicht verwehren, bei dieser Gelegenheit, wo die beiden Parteien der Prager Studentenschaft vereint sind, hinzuweisen auf die Jrrtümer, auf die ich schon wiederholt und immer wieder in Publikationen und Borträgen hingewiesen habe. Ich möchte kurz behaupten, beide Parteien sind bis zu einem gewissen Grade im Rechte, und beide sind . im Unrecht. Die Germanispartei ist im Recht, wenn sie behauptet, daß Rasse im erstdesinierten Sinne das Wichtigste am Menschen ist. Die liberale Partei ist im Unrecht, wenn sie diese Erkenntnis bestreitet, wenn sie das Dogma von der Gleichwertigkeit aller Menschen aufrecht erhalten will. Aber die Eermanispartei ist im Unrecht, wenn sie meint, daß gerade die unterscheidenden Merkmale der sogenannten arischen Nassen - r-igeml'ch gibt es ja keine einheitliche arg'che Nasse - gegenüber den Merkmalen der jüd'schen Rasse so wertroll sind, daß es als höchstes Ziel angejeyea werden müsse, sie zu wahren und auf Grund dieser Annahme der anderen Rasse das Recht streitig zu machen, an der Tulfurßlleit Arbeit unseres Volkes mitzuarbeiten. Und dis liberale Partei ist im Recht, wenn sie diese -^äße bestreitet und die nötigen Konsequenzen daraus zieht." Korrespondenzen. Ans der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 5. November 1911, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr Alsred Stern. Vor Eingang in die Tagesordnung spricht der Präsident den Mitgliedern des Kultusvorstandes, welche ihn anläßlich seines achtzigsten Geburtstages in so außerordentlicher Weise geehrt haben, den wärmsten und innigsten Dank aus. Es gebe in seinem ganzen Leben wenige Momente, die ihn mit solcher Freude erfüllten, als die Kundgebungen der Sympathie, die ihm bei dieser Feier zuteil wurden und unter diesen sei es ganz besonders die Kundgebung des Vorstandes, welche ihn mit Stolz und Genugtuung erfüll-. Die Anerkennung von Männern, mit denen er seit mehr als 20 Jahren gemeinsam das Wohl der Gemeinde erstrebe, sei ihm ein Ansporn zu weiterer Tätigkeit. So lange seine Kräfte reichen und so lange er sich des Vertrauens des Vorstandes erfreut, werde es sein heißes Bemühen bleiben, sich den Aufgaben feines ehrenvollen Amtes mit aller Hingebung zu widmen. (Lebhafter Beifall.) Im Einlaufe befinden sich: Mitteilung von der Ernennung des Herrn Baron Bienerth zum Statthalter von Niederösterreich. Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Mox Z'rner für die Kondolenz oes Vorstandes anläßlich des Ablebens seiner Mutter. Dankschreiben des Vorstandsmitgliedes Moritz Edl. von Kuffner für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Schwiegervaters, des Herrn Friedrich Holitscher. Dankschreiben des Herrn Markus Bondy für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Dankschreiben des H rrn Oberlehrers Moritz Bader für die ihm gewordene Anerkennung seitens des Kultusvoritandes für die Obsorge der in Pohrlitz untergebrachten verlassenen^Kinder. Dankschreiben der Frau Betty Hammerschlag für den Beschluß des Vorstandes, das Porträt ihres sel. Mannes in der Bibliothek der Kultusgemeinde anzubringen. Der Vorsitzende gibt sodann eine kurze Ueber sicht über die wichtigeren Vorkommnisse im Laufe des Sommers. Anläßlich der Vermählung Sr. kais. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Karl Franz Josef hat das Präsidium in einem Telegramme die Glückwünsche des Vorstandes zum Ausdrucke gebracht. Hieraus ist folgendes Antworttelegramm eingelaufen: „Ihre kaiserlichen und königlichen Hoheiten Herr Erzherzog Karl und Frau Erzherzogin Zita danken herzlichst für die gütigen Glückwünsche. Im Höchsten Aufträge: Lobkowitz." Behufs Besetzung der Oberkantorstelle im Leopoldstädter Tempel haben während mehrerer Monate unter Heranziehung von Experten und Gemeindemitgliedern Probevorträge stattgefunden, auf Grund welcher der ehemalige Oberkantor der Sebastopoler Gemeinde, Joses Morgenstern, zum Oberkantor im Leopoldstädter Tempel berufen wurde. Die feit längerer Zeit vakante Stelle eines I. Kantors am Stadttempel wurde durch den früheren I. Kantor am Ottakringer Gemeindebethause Mathias Matyas besetzt, an dessen Stelle der bisherige Oberkantor des Tempels in der Geistgasse in Prag Maurice B. Kaufmann berufen wurde. Der seit vielen Jahren im großen Musikvereinssaale vom Vorstande veranstaltete Gottesdienst an den hohen Feiertagen konnte in diesem Jahre wegen der umfangreichen Adaptierungen, welchen der Mufikvereinssaal über behördlichen Auftrag unterzogen werden mußte und die bis zu den Feiertagen noch nicht vollendet waren, nicht abgehalten werden. Durch die Veranstaltung von Gottesdiensten im Sofiensaale und im Saale des ehemaligen Militärkasinos in der Strauchgasse wurde für den Entfall Ersatz geschaffen. Beide Gottesdienste waren sehr gut besucht und find überaus wirdig verlaufen. — Die Anzahl der vom Kuliusvorstande selbst, bezw. von den Bethausvorständen der Gemeinde veranstalteten temporären Gottesdienste betrug zuzüglich der beiden Genannten 13. Von Privat-Unternehmern und Vereinen wurden 38 Minjanim veranstalt. Der Fassangsraum sämtlicher temporärer Betlokale betrug 14.750, jener der ständigen Bethäuser beträgt 17.785, so daß in diesem Jahre an den hohen Feiertagen 32.535 Betfitz? zur Verfügung standen, von welchen ein namhafter Teil an Unbemittelte gratis abgegeben wurde. Am 2. Mai d. I. wurde die von der Gemeinde errichtete M i k W a h eröffnet. Sie wird von allen in Betracht kommenden Kreisen in Anspruch genommen, der Betrieb geht ungestört vor sich und hat bisher auch finanziell nicht ungünstige Ergebniffe geliefert. — Dem Obmanne des Mlkwah-Komitees, Herrn kars. Rat K a u d e r s. sowie dem Eyrendamenkomiree, insbesondere aber der Vorsitzenden desselben, Frau Oberrabbiner Dr. Güdemann, wird für die entfaltete sehr ersprießliche Tätigkeit der Dank votiert. JnSchul-undUnterrichtsangelegenheiteu wurden im Laufe des Sommers mehrere Eingaben bezw. Beschwerden an die Behörden gerichtet. An das k. u. k. Reichskriegsministerium erging eine Eingabe des Kultusvorstandes mit dem Ersuchen, bei der Behandlung des neuen Wehrgesetzes die Frage der Wehrpflichtbegünstigung der israelitischen Religionslehrer zu berücksichtigen bezw. im positiven Sinne zu erledigen. In Konsequenz der im Sinne der Beschwerde der Kultusgemeinde erfolgten Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes vom 24. November 1910 in Angelegenheit der O b e r l e hr e rstelle an der Werder thorschule erging am 24, Jänner 1911 seitens des Ministeriums an den Landesschulrat und von diesem am 7. März 1911 an den Bezirksschulrat die Weisung, die Ausschreibung der gegenständlichen Oberlehrerstelle im Sinne der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes vorzunehmen. Da diese Ausschreibung bisher nicht erfolgte, hat das Präsidium in einer Eingabe an den Unterrichtsminister Beschwerde geführt. In derselben Eingabe wurde auch dagegen Protest erhoben, daß an zwei Schulen des II. Bezirkes, deren Oberlehrerstellen derzeit unbesetzt find trotz jüdischer Schüler-