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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Säte 760 Betätigung hat, wie z. B. der Mediziner an der Klinik. Dieser Misere unserer Sludienordnung soll nun durch einen Fachoerein abgeholfen werden. Aus all diesen Gründen glauben wir, daß der ergebenst gefertigte Verein auf die Billigung uud Förderung seiner Z eie von Seiten der jüdischen Juristenschaft sicher rechnen kann, umsomehr, als z. B der demsch-akadem. Juristenverein von Seiten der deutsch-arrschen Advokaten und Richter in jeder Weise unterstützt wird. Wir richten daher an die jüdische Juristenschaft die dringende Aufforderung: dem Verein beizutreten, sowie denselben durch Rat und Tat zu unterstützen. Insbesondere bitten wir um Ueberlaffung von Büchern. Gesetzesausgaben (eo. altere Jahrgänge), oder Abhaltung von wissenschaftlichen Vorträgen und Referaten. Zuschriften und Beiträge werden zuHanden deL Präsidenten erbeten! Für den Vorstand: Der Schriftführer: Der Präses: zur. Wilhelm Lederer I.U. C. O<kar T r n k a IX. Hernalsergüitel 30. Zur gefl. Beachtung! Der Verein empfiehlt auch tüchtige und gewiffenhafte Kollegen als Kanzlisten, Stenotypisten rc. und ersuchen wir im Bedarfsfälle um gütige Verständigung. Ern entlarvter antisemitischer Erpresser. Der in Bukarest erscheinende „Adeverul" berichtet: Vor einigen Monaten erstattete der Gewerbetreibende Pack die Anzeige, daß der jüdische Kaufmann Finkelstein' Nen sechsjährigen Sohn Packs zu sich gelockt habe, und ihm zu rituellen Zwecken Blut abgezapft habe ohne ihm jedoch sonst ein Leid anzutun. Auf Grund der Anzeige leitete die Staatsanwaltschaft gegen Finkelstein ein gerichtliches Verfahren ein, welches die Haltlosigkeit der Anzeige ergab. Der Advokat Packs, Dr. Nikolaus Schartzan, verlangte jedoch auf Grund neu zutage getretener Momente die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Finkelstein. Gleichzeitig richtete er in den Buka- ^ester Blättern heftige Angriffe gegen diesen und gegen die Juden und beschuldigte die Juden, Blut zu rituellen Zwecken' gu verwenden. Nunmehr ist in dieser Affäre eine sensationelle Wendung eingetreten. Dr. Schartzan wurde auf Grund der Anzeige eines Klienten und Finkelsteins, von dem er tausend Francs zu erpressen suchte, verhaftet. Gleichzeitig wurde auch sein Mitarbeiter ebenfalls unter der Beschuldigung der versuchten Erpressung in Haft genommen. Die beiden haben bereits eingestanden, die ganze Affäre nur zu dem Zwecke angezettelt zu haben, um von Finkelstein Geld zu erpressen. _ . Davoud Effendi Molho. (Abschluß einer glänzenden Karriere.) In Konstantinopel wurde vorige Woche der pensionierte Chef des Uebersetzungsbureaus des kaiserlichen Divans, Davoud Effendi Molho, unter überaus zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Hiermit hat eine der glänzendsten Karrieren eines Juden in der Türkei ihren Abschluß gefunden. Die Lebensgeschichte des Verstorbenen ist auch für orientalische Verhältnisse eine interessante. Davoud Effendi war früh verwaist und fand sehr früh Aufnahme in die sogenannte Camondo-Schule m Konstantinopel — eine Allianze-Schule existierte damals noch nicht in Konstantinopel — und verließ die Schule im Alter von 16 Jahren. Seine Karriere begann auf ganz merkwürdige Weise. Im Alter von 18 Jahren erhielt er im Telegraphenbureau in Konstantinopel eine kleine Anstellung. Er war kaum 6 Monate in dieser Stellung, als der damalige Großvezir, der berühmte Aali Pascha, um Mitternacht ins Bureau kam und persönliche eine Depesche zur Beförderung überbrachte. Die Depesche war in türkischer Sprache abgefäßt und sollte, da sie nach Rußland bestimmt war, ins diplomatische Französisch übersetzt werden. Aali Pascha setzung nicht fertig. Da trat der junge Davoud Molho an den Großvezir heran und bat ihn, die Uebersetzung machen zu dürfen. Der Großvezir stimmte zu und in wenigen Minuten war die schwierige Arbeit getan. Nachdem das Telegramm expediert war, wandte sich Aali Pascha an Davoud: „Junger Mann! Sie sind hier nicht auf Ihrem richtigen Platze, besuchen Sie mich morgen auf der Hohen Pforte!" , ' \ Am folgenden Tage verließ Davoud Molho die Hohe Pforte mit der Ernennung zum Uebersetzer des kaiserlichen Divan und seine Karriere war gemacht. Wiederholt war Davoud Molho für höhere Missionen in Aussicht genommen. Hilmi Pascha wollte ihn zum Senator ernennen und Hakki Pascha bot ihm einen Botschafterposten an, aber Davoud Effendi lehnte jedesmal bescheiden ab, er wollte das Amt nicht verlassen, das ihm während seiner vierzigjährigen Dienstzeit so lieb geworden. Es ist für die Tüchtigkeit und Verläßilichkeit dieses Beamten bezeichnend, daß er im Laufe der vierzigjährigen Amtstätigkeit bei allen Eroßvezieren, die in dieser langen Zeitperiode in. bunter Reihenfolge kamen und gingen in gleich hohem Ansehen stand. Der Verstorbene war Besitzer der höchsten ottomanischen Orden und zahlreicher ausländischer und auch preußischer, österreichischer, russischer, rumänischer usw. Orden. Auch die französische Regierung ernannte ihn zum Kommandeur der Ehrenlegion. Dem Sarge des Verblichenen folgten seine zwei Söhne Tewfik Molho Vey, Sekretär der türkischen Botschaft ln Wien, und Said Molho Bey, Dolmetsch-Sekretär des Großvezierats ferner sämtliche Minister, Botschafter, Konsulate, zahlreiche Abgeordnete und Senatoren. Den Nachruf hielt der Größrabbiner der Türkei, Rabbi Chaim Nahum. Der Einfluß der Trennung des Staates von der Kirche auf die einzelnen Kulte. Die „Schule für höhere soziale Studien" in Paris hat dieser Tage einen interessanten Beschluß gefaßt. Das Kuratorium dieser Anstalt, in welcher alljährlich allgemein zugängliche wissenschaftliche Kurse abgehalten werden, beschloß im laufenden Winter einen Kurs über die Wirkungen des Gesetzes betreffend die Trennung von Staat und Kirche zu veranstalten. Die hervorragendsten Vertreter der einzelnen Kulte werden die Frage vom Gesichtspunkte ihrer Religion beleuchten. Als Vertreter der jüdischen Religion wird die Frage der Sekretär des Zentralkonsfftoriums von Frankreich, Rens Dreyfus behandeln. Professor Baron Dr. Christian von Ehrenfeld über das Rassenproblem. Vorige Woche fand in Prag die Gründung des akademischen Vereins „Für Sexualhygiene" statt. Die Festrede hielt der Professor Christian von Ehrenfeld> der die Frage zunächst vom hygienischen Standpunkte aus beleuchtete und dann folgendermaßen fortfuhr: „Nun gibt?es aber noch einen zweiten Punkt, von dem aus gesehen die Gründung des heutigen Vereines mit besonderer Freude begrüßt werden mutz. Die sexuelle Hygiene ist nämlich einer der wichtigsten Zweige der Rassenhygiene. Und ich möchte hierbei auf ein Moment Hinweisen, welches mir als ganz besonders erfreu- Nch erscheint. Wir wissen, haß die Studentenschaft schon Heit langem in zwei Heerlager geteilt ist> welche den Grund ihrer Verschiedenheit gerade in dem Rassengedanken sehen. Und wir sehen heute diese Verschiedenheit .schwinden in der praktischen Durchführung gerade der Dr. Blochs Wochenschrift Nr 46 machte verschiedene Versuche und brachte die' Ueber-

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