Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 iiÄv.-'‘•rrääW'.'/••-* <:«i’t:;; 3«ra»aÄ-wi-H.!*t-. Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 729 Khans der Chasaren, stammt in gerader Linie auf dem Wege Kaiser von Byzanz, Arpaden, Pczemysliden, Luxemburger, Habsburger, Jagellonen die Gattin Kaiser Ferdinands I., Anna von Ungarn, von welchem Ehepaar alle heutigen Regentenhauser abstammen. Auch Theodora, die Gattin des Bulgarenzars Johann Äsen, ist unzweifelhaft jüdischer Abstammung. Ferner erscheinen, gleichfalls durch die Jagellonen und deren russische Aszendenz und Anna von Ungarn vermittelt, mehrfach Töchter der Chasarenlhang als fürstliche Ahnen. Ein letzter Weg, aus dem man zu jüdischen Ahnen der heutigen Regenten gelangt, geht über die Lufignans, Könige von Zypern (deren Erbtochter ins Haus Savoyen heiratete), über die alten Könige von Rumänien auf die Bagratlden. Diese Herrscherdynastie, sicher jüdischen Ursprungs, behauptete nun, von alten jüdischen Königen abzustammen. Würde man dieser Hypothese, die nicht erwiesen und nicht widerlegt ist, glauben, so könnte man auf diese Weise zu David gelangen. Zum Schluß sei noch die Bemerkung gestattet, daß die Erzählung vom jüdischen Ursprung Bernadottes gleichfalls unglaubhaft ist, wie jedermann dem berühmten Ahnentafelatlas Kekules v. Stradonitz entnehmen kann, der aus Kirchenbüchern Nachrichten über die bürgerliche Aszendenz des schwedischen Königshauses bringt. O. F. Der jüdische Typus in Mischehen. Unter dem Titel „Heredity and'the Jew“ hat der Londoner Anthropologe Dr. Redcliffe Salaman eine lehrreiche Broschüre erscheinen lassen. Der Autor weist auf die Schwierigkeiten hin, welche dem Anthropologen in den Weg treten, wenn er den Juden behandeln will, da es eigentlich keinen einheitlichen jüdischen Typus gibt. Nichtsdestoweniger geben sämtliche Anthropologen zu, daß das jüdische Gesicht leicht erkennbar sei. Dr. Salaman wählte für seine Studien 136 Familien, in denen entweder der Vater oder die Mutter Nichtjuden waren. Seine Eifahrungen bestätigen die Mendel'sche Theorie, wonach der jüdische Typus bei Mischehen gegenüber dem anderen Typus, mit welchem er sich vermischt, der schwächere ist, so daß er bei forzierten Mischehen allmählich verschwinden müßte. ' Eine jüdische Musikerfamilie. In Warschau konzertiert jetzt der 10jährige Wundergeiger Josef Chefez. Die „Philharmonie", in deren Saal die Konzerte stattfinden, find jedesmal überfüllt und das Publikum zollt dem Wunderknaben enthusiastischen Beifall. Josef Chefez stammt aus einer bekannten jüdischen Musikerfamilie in Wilna. Sein Vater Rüben Chefez war ein vielgesuchter Musiklehrer in Wilna und sein Onkel Nissan Chefez ist Direktor einer Lehranstalt für Musik in Warschau. Josef Chefez hat trotz seiner 10 Jahre bereits eine wunderbare Künstlerkarriere hinter sich. Schon mit drei Jahren nahm er bei seinem Vater den ersten Musikunterricht und zwei Jahre später besuchte er schon die Wilnaer Musikschule. Im Alter von h1^ Jahren trat der kleine geniale Junge in einem öffentlichen Konzert auf. Hierauf besuchte er das Petersburger Konservatorium, wo er mit seinem Talente dermaßen auffiel, daß die Direktion der Anstalt zu Ehren des Knaben ein Konzert veranstaltete, das glänzend verlief. Die hierauf folgenden Konzerte in Moskau, Odessa und anderen Städten wurden von der Kritik äußerst lobend besprochen. Josef Chefez macht seine Tournee in Begleitung seiner Eltern, die bereits Einladungen nach Berlin, Wien und anderen europäischen Städten erhalten haben. _ Jüdische Adelige. Einem Aufsatze m einem englischen Blatte entnehmen wir die folgenden Notizen: 1783 erhob Kaiser Joseph II. von Oesterreich den Wiener Bankier Joseph Michael Arnstein in den Reichsritterstand. Arnstein war der österr. Rothschild seiner Zeit, seine Verdienste erstreckten sich allerdings nicht über sein Kontor hinaus. Zu gleicher Zeit lebte in Frankreich der Baron von Calmer, ein Jude, der seinen Adel seinem Grundbesitz zu verdanken hatte. Liepmann Calmer nannte sich hebräisch Moses Mieser Liepmann ben Kalonymos und ist auf seinem Grabstein in der jüd. Abteilung des Pere Lachaise als „Bidane d'Amiens, Herr zu Vignacour und anderen Orten" bezeichnet. Er war ein Hannoveraner, hatte lange Zeit in Holland gelebt und sich endlich in Frankreich niedergelassen, wo er das Haupt der aschkenafischen Juden wurde. Im Jahre 1774 kaufte er den Grundbesitz des Herzogs von Choulnes, eines der größten französischen Thronlehen mit 1800 Vasallen, für 1,500.000 Livres, geriet in Streitigkeiten mit der Kirche, aus denen er aber siegreich hervorging. Die Familie verschwand bei Ausbruch der Revolution von 1789. Aus dem 17. Jahrhundert und dem Beginn des 18. find in Oesterreich noch zwei Nobilitierungen bekannt. Die eine betrifft Moses Lopez P e r e i r a, der nach wechselvollem Leben in London als Baron d'Aguilar starb. Er war als Maranne geboren und entfloh heimlich aus Spanien nach Holland, wo er sich offen zum Judentume bekannte. Im Jahre 1722 ließ er sich in London nieder, ging aber bald nach Wien, wo er eine portugiesische Gemeinde gründete, die Einkünfte aus dem Rauch- und Schnupftabak pachtete, ein Günstling der Kaiserin und endlich deren Schatzmeister wurde. Kaiser Karl IV. machte ihn zum Freiherrn. Zuletzt zog er wieder nach London, wo er im Jahre 1759 in hohen Ehren starb. Sein Titel ging auf seinen Sohn Ephraim über und erlosch mit diesem. Die andere österreichische Nobilitierung ist die Jacob Bassevi S ch m i e l e s', eines reichen, sehr frommen Juden aus Prag, der Hofjude, dann Schatzmeister des Kaisers war und wegen seiner wirklich großen Verdienste zu Beginn des dreißigjährigen Krieges unter dem Namen Bassevi von Trennung in den Adelsstand des heiligen römischen Reiches erhoben wurde. Die Ketriiigung der I«de« am Kreischen Welthandel im Altertnm. (Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Es dürfte aber nicht uninteressant sein, an der Hand dieses einmal anfgenommenen Ariadnefadens den Gang durch die Jrrgänge des Labyrinthes dieser abstrusen alten Geschichtspartien auch nach anderer Richtung fortzusetzen. Hiebei erreichen wir mitunter Punkte, die freie Aussicht gewähren und die Wahrnehmung des Kausalnexus zwischen Begebenheiten, die auf den ersten Blick in keinem tatsächlichen Zusammenhang zu stehen scheinen, ermöglichen. Da muß jede Gelegenheit, solchen Geschichtsfäden nachzuspüren, die uns unserem Ziele näher bringen können, um so eher ergriffen werden, als uns die bisher in der jüdischen Geschichtsschreibung angewandte Methode auf diesem Gebiete hier fast gänzlich im Stiche läßt, ohne der Juden im Nordosten auch nur mit einem Sterbensworte zu erwähnen und auch die allgemeine Weltgeschichte diese Partie nur sehr stiefmütterlich behandelt, indem wichtige Zeitepochen nur mit wenigen Worten abgetan werden, die im Grunde genommen mehr Dunkelheit als Licht verbreiten. Auf unser Thema zurückkommend, sehen wir bei näherer Verfolgung desselben, daß die mit „Edom" bezeichnete Gegend auch mit dem synonymen Epitheton LV oder belegt wurde *). Dieses bis heute unerklärte Wort findet 0 Man darf das hier erwähnte Scham oder Ascham n cht mit dem von den Arabern späterer Zeit für ganz Palästina und Syrien gebrauchten gleichen Namen verwechseln. Früher verstanden auch sie unter Ascham nur die nördliche Gegend von Palästina, wie zum Beispiel Abulfarag Hist. Dynast, p. 17 unter den Ländern neben Palästina auch Ascham aufzählt. Dieses Wort diente aber auch nicht als Bezeichnung des Nordens, welche Bedeutung man ihm heute unterlegen möchte, da schon Abulfeda in den von Reiske edierten Tab. Syriae in Verlegenheit ist, das Wort Ascham zu erklären und zwischen verschiedenen Erklärungen schwankt. Der Name Ascham ist später auch auf