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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 718 Dr. Bkochs WochMschrift Nr. 43 deren Ansehen, das sie in ihrer Gemeinde genießen, zu überzeugen. Zu diesem Behufe wurden zwei Mitglieder des Vorstandes und zwar der Kassier Mark Moses und der Schristführer I. E. Blank beauftragt, diese Nachforschungen auf dem Kontinent persönlich anzustellen und dem Plenum Bericht zu erstatten. Die beiden genannten Herren sind bereits unterwegs nach Deutschland und Oesterreich. Die Einwanderung russischer Inden nach Cypern. Die Zahl der eingewanderten russischen Juden in Cypern ist in den letzten zwei Jahren verhältnismäßig stark angewachsen. Zu Beginn dieses Jahres wurden bereits 110 jüdische Kolonisten gezählt, die alle aus Rußland eingewandert sind. In Margo gibt es 10 jüdische Kolonisten und 15 Pächter und nur einen eingeborenen Guts Pächter. Ebenso haben sich in Cholmakebi und Konklia jüdische Kolonisten angesiedelt, die sich ausschließlich mit Ackerbau beschäftigten. Die von den Kolonisten bebaute Fläche beträgt 1078 Hektar. Die Bearbeitung der Felder bereitet den Kolonisten mitunter große technische Schwierigkeiten, die jedoch von den russischen Juden mit bewunderungswürdiger Ausdauer allmählich überwunden werden. In Margo besteht eine von der „Sca* erhaltene jüdische Schule, die von 30 jüdischen Kolonistenkindern besucht wird. Arbeitsgelegenheit in Argentinien. Aus Argentinien kommt die Nachricht, daß dort sitzt großer Arbeitermangel herrsche. Infolge des zwischen Italien und Argentinien entstandenen wirtschaftlichen Konfliktes hat die italienische Regierung bekanntlich die Auswanderung nach Argentinien untersagt. Dazu kommt noch, daß die Ernte in Argentinien heuer eine überaus gute ist, so daß tüchtige Feldarbeiter jetzt dort sehr günstige Arbeitsgelegenheit finden könnten. vermiscbtes. Trauerfeier für Oberkatttor Bela Guttmann. Die große Beliebtheit, deren sich der am 8. September verstorbene Oberkantor Bela Guttmann in allen Kreisen der Wiener Kultusgemeinde erfreute, kam in der imposanten Trauerfeier zum Ausdrucke, welche die Leopoldstädter Gemeinde- Mitglieder auf Initiative des Vorstandsmitgliedes der Chewra- Kadischa Herrn Jakob Kann dem Andenken des unvergeßlichen Oberkantors am 19. d. M. an der Wirkungsstätte des Verblichenen, im großen Leopoldstädter Tempel, widmeten. Die große Synagoge war in allen ihren Teilen bis aufs letzte Plätzchen mit Trauergästen gefüllt. Unter den Anwesenden befanden sich außer der Witwe und der Familie des Heimgegangenen der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Kultusvorstande und den Mitgliedern des Bethausvorstandes, ferner der Präsident der Chewra-Kadischa Salo Cohn mit den Vorstandsmitgliedern, die Bezirkskommission für den II. und XX. Bezirk, Erster Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Doktor Adler, Delegierte zahlreicher Vereine u. a. m. Die Kantoren Wiens, sowie der Vorstand des Oesterr.-ungarischen Kantorcnvereines waren unter Führung des Vizepräsidenten Oberkantor Bauer korporativ erschienen. Das Requiem wurde vom Nachfolger Guttmanns, Oberkantor M o r g e n st e r n, mit der weihevollen Rezitation des S u l z e r'schen Ps. 49, begleitet vom verstärkten Chor unter der persönlichen Leitung des Meister Joseph S u l z e r, eingeleitet. Das erhebendste Moment der Trauerfeier war die Gedenkrede des Gemeinderabbiners Dr. Max Grunw a l d. Der Redner hat nicht nur dem tiefbetrauerten Oberkantor den verdienten Tribut des Dankes und der Anerkennung gezollt, sondern ein dichterisches Bild des Synagogengesanges gezeichnet und die Poesie unserer Liturgie überhaupt in Farben und Tönen gemalt, die auf die Anwesenden einen mächtigen Eindruck übten und in einer Gemeinde, die nach einem Salomon Sulz er und nach einem Josef Gold stein nun einen Guttmann zu beklagen hat, einen lebhaften Widerhall wecken mußte. Nachdem Oberkantor Morgen st ern das El mole rachamim rezitiert, der Chor Sulzers „Schiwisi" überaus wirkungsvoll gesungen hatte und das Kadischgebet verrichtet wurde, schloß die erhebende Feier. Wien. (Leichenbegängnis.) Donnerstag, den 19. d., wurde hier Frau Z i r n e r, die Mutter des Kultusvorstehers Herrn k. k. Kammerlieferanten Max Zirner, unter ungewöhnlich starker Beteiligung der besten Kreise unserer jüdischen Gesellschaft zu Grabe getragen. Nach einer kurzen Trauerfeier im Hause der Verblichenen begleitete ein schier endloser Wagenzug die Leiche nach dem Zentralfriedhofe, wo nach den üblichen Trauergesängen, vom Ersten Kantor Herrn Schleifer und dem Chor des Fünfhauser Tempels vorgeträgen, Herr Rabbiner Dr^ G r u n w a l d ein lebenswahres Bild der in weiten Kreisen hochgeschätzten Matrone entwarf und zum Schluß den humanitären Bestrebungen Lob spendete, die von der Familie der Verstorbenen in hervorragendem Maße gepflegt werden. Unter den Trauergästen bemerkten wir u. a. die Herren Kultusvorsteher Carl Lemberger, Bezirksschulrat Dr. Marcus Spitzer, S. Steiner, Herrn kaiserl. Rat Dr. Liebe n, die Herren Amtsleiter F r e i st a d t, Kraus, den gesamten Bethausvorstand des XIII. Bezirkes unter der Führung des Obmannes Dir. Dr. K r e n b e r g e r, Herrn Obmann der Bezirkskommission XII.—XV. Sam. Mohr und die Damen des Hietzinger Frauenvereines. Wien. (Todesfall.) Am Simchathoratage starb im Alter von 71 Jahren der Tempelinspizient der Wiener Kultusgemeinde Jakob Saal. Der Verstorbene stand seit fast vierzig Jähren im Dienste der Kultusgemeinde und hat sich wegen seiner peinlichen Genauigkeit in den verschiedensten ihm anvertrauten Dienstleistungen die Anerkennung und Sympathie des Vorstandes und der zahlreichen Gemeindemitglieder, mit denen er in Berührung kam, erworben. Auch als Mensch war er von besonderer Herzensgüte. Da seine Ehe kinderlos geblieben, nahmen er und seine nunmehr tiefgebeugte Gattin sich zweier armer Kinder an, denen sie die beste Erziehung gaben und verheirateten. Das Leichenbegängnis, das den 17. d. M. vom Trauerhause I. Seitenslettengasse 4, stattfand, versammelte eine überaus große Trauergemeinde. Unter den Trauergästen befanden sich der Präsident der Kultus gemeinde Dr. Alfred Stern, der Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, viele Mitglieder des Kultus- und Bethausvorstandes, der Präsident der Chewra-Kadischa Herr Salo Cohn und viele Vorstandsmitglieder, Erster Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler mit dem Beamtenkörper, sämtliche Tempeldiener und viele andere. Die kantoralen Funktionen im Hause und am Friedhofe versahen Oberkantor Don Fuchs und Erster Kantor Matyas mit Chor, in erhebender Weise und an der Bahre hielt Oberrabbiner Dr. Güdemänn dem Heimgegangenen, dessen Diensttreue, Pflichttreue und Ehrenhaftigkeit er würdigte, sowie sein überaus glückliches Eheleben pries, einen warmen Nachruf. Wien. Der Oberkantor der Schiffschul, Jecheskel Wittmann ist um seine Pensionierung eingeschritten. Witt mann wurde im Jahre 1848 in Grodek geboren, widmete sich frühzeitig dem synagogalen Gesang. Im Jahre 1871 wurde er als sin in Gyöngyes, im Jahre 1875 in der ersten orth. Synagoge, Orczy'sche Schul genannt, in Budapest ausgenommen. Im Jahre 1883 wurde er in die Schiffschul berufen. Seither gilt er in Wien als der hervorragendste Repräsentant der altjüdischen Chasonem. Nach 40 jähriger Tätigkeit will er sich zurückziehen. Es wird schwer sein, für ihn einen ebenbürtigen Ersatz zu finden. Wien. (Oberkantor Fuchs als Schachmatador.) Im Simultanspiel des großen amerikanischen Schachkünstlers Capablanca im Wiener Schachklub ging aus dem Schachtvürnier — wie die Tagesblätter melden — Oberkantor Herr Don Fuchs als Sieger hervor. Herr Don Fuchs erweist sich nicht nur als Gesangs-, sondern auch als Schachkünstler. Wien. (25jähriges Amtsjubiläum.)' Am 1. November d. I. begeht der Sekretär des Mariahilfer Tempelvereines Herr Heinrich B o n d i sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Herr B o ndi erfreut sich in allen Kreisen dieses Vereines einer ausgezeichneten Wertschätzung und sind ihm aus Anlaß seiner Jubiläumsfeier zahlreiche Zeichen der Sympathie von Seiten seiner vielen Freunde zugedacht.

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