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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sk. 43 Geile 723!*E.*Sw..jä, ^£3StK4i.J.7'l*PSVF»^gfcÄt «.’v'T'ÄiiP* w>:i *SLr.„.i T>t. &ms WocheWWst Wunder daher, daß sein Tod das ganze Land in tiefste Trauer versetzt; daß an seiner Bahre das ganze Judentum Hollands tieftrauernd und in heißer Dankbarkeit steht. Fürwahr, ein Fürst, ein Großer in Israel ist dahingegangen. Seinewissenschaftlichen Werke sind in den Fachkreisen so bekannt, daß es überflüssig erscheint, sie zu nennen. Seine klassischen, talmudischen Werke füllen viele Bände. Ist es nötig, ihn einen Gaon zu nennen? Er war es im echtesten Sinne des Wortes. Viel gewaltiger aber als sein Wissen ist sein Werk. Er war eine hervorragende Säule des strenggläubigen Judentums, des Judentums überhaupt. In ihm paarte sich Religion und Wissenschaft zu einer wunderbaren Harmonie. Ein Ideal eines Menschen und Rabbi. — Er starb satt an Jahren und an Arbeit im achtzigsten Jahre seines gottgesegneten Lebens, das er dem Heile und Wohle seines Glaubens und Volkes geweiht, in einer Weise geweiht, so daß jede Regung seines Herzens, jeder Schritt seines Fußes, jedes Wort seines Mundes ausschließlich diesem Zwecke dienten. An seiner Bahre kam die Verehrung, beinahe Anbetung des Meisters nach den Schilderungen der Zeitungen in tiefergreifender Weise zum Ausdrucke. Die große ehrwürdige Gemeinde Amsterdam hat ihn im Leben und Tode die höchsten Ehren erwiesen. Zwei Königinnen haben seine Größe erkannt und ausgezeichnet. Das Werk lobte den Meister. Tausende und Tausende' trauern im Lande. Alle Rabbiner Hollands waren versammelt und auch die Portugiesen, die in ihm den überragenden Meister verehrten, verkündeten durch ihr geistliches Oberhaupt ihre Bewunderung und ihren Schmerz. Daß es in diesem Leben eines Großen an Kämpfen nicht gefehlt, wen wird es wundern. Wer unerschrocken und unbestechlich selbst den Größten gegenüber ist, muß Feinde haben. Und er hatte erbitterte. Aber auch diese konnten ihre Ehrfurcht nicht verbergen und beugten sich schließlich vor der ragenden und doch schlichten Größe des Mannes. Seine Demut und Bescheidenheit, seine beispiellose Frömmigkeit ünd Herzensreinheit bezwangen alles und brachten alle zum Schweigen. Tausende liebten ihn, liebten ihn bis zur Begeisterung; und die ihn nicht liebten, mußten ihn bewundern. In allen Synagogen und Schulen des Landes hat er sich ein unvergängliches Denkmal errichtet. Denn sie sind in ihrer Formung und Einrichtung mittelbar sein Werk; überall wo das Gotteswort erklingt, ist es ein Wiederhall seiner herrlichen Rede, wo Thora gelernt wird, ein Nachhall seiner Weisheit. Seine Hand ist überall fühlbar, der Pulsschlag seines großen Herzens pocht im letzten Aederchen des ganzen jüdischen Landeskörpers. Er wird unvergessen bleiben. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet. Dr.Leopoid Herzel. Ein Veteran der Kultur in Galizien ist dahingegangen. Am 25. d. M. wurde in Brody, der Stätte seiner mehr als vierzigjährigen segensreichen Tätigkeit, der frühere Direktor der dortigen israelitischen Hauptschule und k. k. Religionsprofessor am dortigen Gymafium zu Grabe getragen. Der Verblichene erreichte ein Alter von 78 Jahren und ist seinem Berufe bis zur Schwelle des 77. Lebensjahre treu geblieben. Nur schwere Krankheit vermochte den unermüdlichen Greis zum Rücktritte von der Leitung der von ihm zu hoher Blüte gebrachten Anstalt zu zwingen und ihn zu veranlassen, diese, die er durch manche Fährlichkeiten geführt, jüngeren, in seiner Tradition erzogenen Kräften zu überlassen. Bangen Herzens zog er sich vom Schauplatze seiner Wirksamkeit zurück, um seinen Lebensabend an der Seite seiner in Czortkow wohnenden Tochter zu beschließen. Nicht lange war ihm der Genuß der so wohlverdienten Muße gegönnt. Dr. Herzel war nicht nur ein hervorragender Schulmann, sondern auch ein Pionnier des Fortschrittes im besten Sinne des Wortes, der Generationen von Schülern zu tüchtigen Gliedern der menschlichen Gesellschaft herangebildet, geistig gefördert und sittlich gefestigt hat. Von einer Beredsamkeit, wie sie die besten Kanzelredner ziert, verstand er es, das Wort Gottes den empfänglichen Gemütern der Jugend tief ins Herz zu prägen. Seine pädagogische Wirksamkeit erschöpfte sein Wirken noch lange nicht. Ec war nicht nur der Erzieher der Jugend, sondern auch ihr Ratgeber und in vielfacher Beziehung ihr Helfer. Sein scharfer Blick und seine Menschenkenntnis befähigten ihn, die Anlagen seiner Schüler, denen er stets ein väterlicher Freund war und blieb, auf das Richtigste einzuschätzen und ihnen bei der Berufswahl die nötige Direktive zu geben. So findet man in der ganzen Welt zahlreiche Schüler Dr. Herzel's, die bis in das reifste Alter stets seine Verehrer geblieben, in den verschiedensten, geistigen und gewerblichen Berufen tätig. Ueberall bewahrten ihm seine Jünger ein dankbares Andenken. Einmal jährlich pflegte Dr. Herzel nach Wien zu kommen. Da verbreitete sich gewöhnlich wie ein Lauffeuer die Nachricht unter seinen Zöglingen, daß er hier sei, und er wurde förmlich von diesen bestürmt, denen es ein Herzensbedürfnis war, ihm liebevoll die Hand zu drücken. Anfangs September' dieses Jahres sprach ich ihn bei feinem Sohne in Floridsdorf. Das Zimmer war von Besuchern voll und man sah ihm die Anstrengung an, die es ihn kostete, Jedem in gewohnter Weise einige freundliche Worte zu widmen. Mich zog er in ein längeres Gespräch, um mich mit jugendlichem Feuereifer, wie er ihn stets beseelte, wenn es sich um Förderung kultureller Bestrebungen in Galizien handelte, von der Notwendigkeit und der hohen Bedeutung der Gründung einer Schule in Czortkow zu überzeugen. Für diese wollte er sich bei der hiesigen Israelitischen Allianz auf's Wärmste verwenden. Hoffentlich geht dieser sein letzter Wunsch auch bald in Erfüllung. Sein Schmerzenskind aber blieb die Schule in Brody, die er zwar nicht gegründet, aber in Liebe gehegt und gepflegt hat. Seinem unermüdlichen Eifer ist es zu danken, daß diese Doppelschule für Knaben und Mädchen über zwei eigene hygienische Schulhauser verfügt, daß ihr finanzieller Bestand halbwegs gesichert ist und daß sie einen ansehnlichen Penfionsfond besitzt, der seiner Initiative entsprang. Das schwierigste Problem aber hat er gelöst, als es galt, die ursprünglich deutsche Schule in eine utraquistische umzuwandeln und die Schüler und Schülerinnen zu befähigen, sich sowohl in deutschen als auch in polnischen Lehranstalten zu behaupten. Dr. Herzel wurde für seine Verdienste um das Schulwesen von Sr. Majestät durch Verleihung des goldenen Berdienstkreuzes ausgezeichnet. Sein Andenken wird nicht nur in Brody, sondern überall, wo Schüler von ihm leben und wirken, stets unvergessen bleiben. Chawal al deabdun welau mischtakchun. Wien, den 26. Oktober 1911. Leo Wolfram. Vom Aabrinarkt des Lebens. Hungernde jüdische Schulkinder. 24. Oktober 1911. Löbliche Redaktion! Bezugnehmend auf den Artikel in der letzten Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes „Hungernde, jüdische Schulkinder" wäre ich Ihnen für die Aufnahme folgender Zeilen sehr verbunden. Wir, die Sektion Verköstigung des Elternvereines „Pestalozzi", verteilen täglich 100 Paar Würstel an bedürftige, jüdische Schulkinder. Die würdigeren davon erhalten auch das Mittagessen in Privathäusern. Zu Anfang des Schuljahres nun haben wir uns an die Herren israelitischen Religionslehrer von 62 Volks- und Bürgerschulen des II., IX. und XX. Bezirkes mit der Bitte gewandt, den Kindern vom Einschreibungstermin Mitteilung zu machen. Der Erfolg war der, daß von diesen 62 Schulen 5 Herren

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