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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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, ä? c-.ixb.rj:. Nr. 43 Dr. DWKs WochÄlschrrst Seüe 711 Eines erwähnen wir, daß in der großen französischen Ausstellung die Z e h n m i l l i o n e n-S p e n d e des Pariser Hauses Rothschild für die „H y g i e n e d e r a r b e i t ende n K l a s s e" — in Wort und Bild — besondere Bewunderung allgemein erregte. Zum Schluffe können wir als Fazit hinstellen: „Wer die diesjährige große Dresdner Hygienische Ausstellung besuchte, kam auf seine Rechnung, der jüdische Besucher war doppelt befriedigt und konnte die Ueberzeugung mitnehmen, daß unser uraltes, geheiligtes Gesetz und unsere Glaubensbrüder in der Vergangenheit und Gegenwart viel, s e h r v i e l zur allgemeinen Hygiene, dem größten Schatz der Menschheit, beigetragen haben. Moritz A n t s ch e r l. * * * Die „Historische Abteilung" der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 gibt auf zahlreiche Anfragen bekannt, daß das in ihrem Verlag erscheinende, von Dr. Max G r u n w a l d - Wien, herausgegebene Buch „Hygiene der Juden" bis zum 1. November d. I. zum Subskriptionspreise von Mk. 12.— durch sie, von da au. für Mk. 15.— durch öeit Buchhandel bezw. direkt vom Verlag zu beziehen ist. Uerein fit* Abwehr des Antisemitismus in Deutschland. Frankfurt am Main, den 23. Oktober 1911. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt gestern Abends im Saale der Frankfurter-Loge seine stark besuchte Generalversammlung ab. Am Vorstandstisch befanden sich u. a. Pfarrer Battenberg, Dr. Baerwald, Stadtverordneter v. Lasaulx- Frankfurt, Justizrat Gallus-Darmstadt,Landtagsabg. Reh-Alsfeld, Geheimrat Benoit-Karlsruhe. Der erste Vorsitzende des Vereins Reichstagsabg. Bergrat Gothein eröffnete die Versammlung mit dem Bekenntnis, daß die Tätigkeit des Vereines noch sehr notwendig sei, wenn auch der Antisemitismus in seinen gröbsten Formen abgewirtschaftet habe. Auch die heutige Versammlung solle zur Bekämpfung der antisemitischen Tendenzen beitragen. Der Redner gedachte zum Schluß der Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr aus dem Leben abberufen worden sind, ehe noch die Ziele des Vereines erreicht werden konnten, und erwähnte besonders das in Darmstadt dahingeschiedene Vorstandsmitglied Kommerzienrat Langenbach. An den Geschäftsbericht schloß sich das Referat.des Abg. Gothem über offenen und versteckten Antisemitismus. Je politisch rückständiger ein Volk ist, desto stärker zeigen sich die konfessionellen Gegensätze, meinte der Redner. Wenn in England und Amerika konfessionelle Gegensätze nicht mehr bestehen, so ist das doch erst die Folge langwährender Glaubenskämpfe, besonders in England. Wo sich die Gegensätze noch durch Stammesgegensätze verschärflen, wie in Irland, waren die Verhältnisse natürlich noch schtrmmer als bei einer national einheitlichen Bevölkerung. Das nur im kulturell fortgeschrittenen Staat geltende Recht der Persönlichkeit ist es, das zur Duldsamkeit in nationaler und konfessioneller Hinsicht führt. Deshalb itt die Judenfrage für alle kulturell rückständigen Völker eine sehr schwierige und war es auch für Deutschland lange Zeit. Umso mehr, als das Judentum lange ein für sich abgeschlossenes Volk im Staat sein wollte. Das Verhältnis war aber trotzdem ein erträgliches, bis durch die Kreuzzüge die konfessionelle Leidenschaft auch im deutschen Volk so stark wurde, daß man die Juden verfolgte und ins Ghetto verbannte. Die Juden wurden ausgeschloffen vom Handwerk und Ackerbau und so geradezu zum Geldgeschäft und Handel gedrängt, wodurch wieder ein neuer wirtschaftlicher Gegensatz geschaffen wurde; denn wer Geld hat, hat auch einen großen wirtschaftlichen Einfluß und erregt den Neid der weniger Besitzenden. Jetzt ist ja wohl der Ackerbau den Juden in Deutschland gestattet, aber gehen Sie einmal nach Ostelbien und sehen Sie, wie dort ein jüdischer Grundbesitzer gesellschaftlich boykottiert und von allen Ehrenämtern ausgeschlossen wird. Auch von vielen Beamtenstellen ist das Judentum ausgeschlossen und so auch heute noch zum Gelderwerb , durch Handel und Börsengeschäfte gedrängt. Dadurch steigert sich in den jüdischen Familien das Kapital von Generation zu Generation und damit steigt der Neid des weniger Begüterten. Das Judentum will jetzt nicht mehr ein eigenes Volk im Staate bilden, nicht mehr ein anserwähltes Volk sein, sondern beansprucht das Recht des gleichberechtigten Staatsbürgers. So weit die Pflichten gegenüber dem Staat in Frage kommen, hat man den Juden auch Gleichheit zngebilli'gt, nicht aber in Bezug auf die Staatsbürgerrechte. Die Entrechtung, die jetzt die Antisemiten für das Judentum verlangen, haben in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Konservativen als Partei noch gefordert, wenn auch nicht in der gehässigen Form, wie die jetzigen Antisemiten. Jetzt haben es die Konservativen nicht mehr nötig, Verfassungsänderungen zum Nachteil der Juden zu erstreben, das besorgt unsere Verwaltung schon so. Man betrachte sich unsere Verwaltungszweige darauf hin, wie viele Juden in ihnen sind! Man will die Stellen des höheren Beamtentums gewissen Ständen Vorbehalten; vor allem dem Adel die Diplomatie, die besseren -Beamtenu»d Offiziers stellen, daneben kommen höchstens noch die Söhne von Beamten und reichen Industriellen in Frage. Man will den Wettbewerb um diese Stellen nicht durch jüdische Mitbewerber verschärfen, da diese durch ihren Arbeitseifer und ihre Intelligenz eine recht unangenehme Konkurrenz bilden würden. Besonders schlimm liegen die Verhältnisse bei der Armee und Marine. Seit 1880 wurde kein Jude mehr zum Neselveoffizier in der preußischen Armee befördert und alle nufere Beschwerden im Reichstag haben nichts genützt, obwohl die Kriegsminister die Verfassungswidrigkeit dieses Zustandes anerkannten. Die Macht der Minister ist eben geringer als die der konservativen Machthaber. Auch die Tätigkeit der Juden in der Politik wird durch den Antisemitismus ungeheuer erschwert, da es nicht leicht möglich ist, jüdische Kandidaten für die Wahlen aufzustellen, und zwar zum Schaden des deutschen Volkes. Man braucht nur daraus hinzuweifen, was Parlamentarier wie Simson, Lasker, Bamberger in der Politik geleistet haben. Weit gefährlicher als der offene ist der versteckte Antisemitismus, wie er sich seit der Ablösung der liberalen Aera im Deutschen Reich durch die Reaktion praktisch betätigt. Eine Besserung der Verhältnisse und eine Verwirklichung unseres liberalen Verfaffungsideals ist nur möglich, wenn wieder eine freiheitliche Mehrheit im Reichstag sitzt. Wem es ernst damit ist, daß Deutschland ein Kulturstaat sein soll, wer der Meinung ist, daß die Gerechtigkeit die Grundlage aller Staaten ist, der arbeite mit uns daran, daß der Antisemitismus, diese Schmach des Jahrhunderts verschwinde und die Verfassung nicht ein Stück Papier bleibe, sondern in die Tat umgesetzt werde. (Langandauernder, lebhafter Beifall.) Stadtverordneter v. L a s a u l x dankte dem Redner für seinen Vortrag und für die Leitung der Geschäfte während des abgelaufenen Geschäftsjahres. Dann erörterte Landtagsabgeordneter F u n ck - Frankfurt a. M. die Bedeutung des Judentums im Kultur- «ud Wirtschaftsleben Deutschlands. Ec untersuchte zunächst die Angriffe, die gegen das Judentum gerichtet werden. Im wirtschaftlichen Leben zeigt es sich, so führte der Redner aus, daß alle Juden eine besondere Veranlagung zur geschäftlichen Betätigung haben. Ob es richtig ist, daß das, wie Sombart behauptet, auf religiösen Motiven beruht, kann ich nicht nachprüfen; Sombart allerdings ist von der Richtigkeit ferner Beweisführung überzeugt. Das ist aber sicher, daß man die geschäftliche Tüchtigkeit des Judentums an maßgebenden Stellen vielfach schon in früheren Jahrhunderten. so in Hamburg und Leipzig, zu schätzen wußte und ihnen in diesen Städten deshalb besonderen Schutz angedeihen ließ. Auch an den Fürstenhöfen spielten die Juden eine große Rolle für die Geldbeschaffung. Der Redner würdigte im Anschluß daran besonders die Tätigkeit der Familie Rothschild, die auch eine wichtige Rolle bei der Neugestaltung des staatlichen Finanzwesens im Anfang des 19. Jahrhunderts spielte. Später entwickelten sich dann die Börsen und Großbanken, an denen jüdisches Kapital und jüdische Intelligenz hervorragend beteiligt waren und die dann den ganzen internationalen Geldverkehr in die Hand nahmen. Im Anschluß daran hat sich unsere Industrie in großartiger Weise entwickelt, wo in leitenden Stellen ein starker Perzentsatz von Juden tätig ist. Dabei ist es natürlich, daß Klagen über die jüdische Konkurrenz entstehen, wie das auch in früheren Jahrhunderten der Fall war. Wer als Kaufmann tätig ist, kommt allerdings zu der Ueberzeugung, daß dem Judentum eine gewisse lieberlegenheit im kaufmännischen Beruf eigen ist. Es hat fördernd und belebend auf Handel und Verkehr gewirkt, und hat am Aufschwung des Deutschen Reiches einen großen Anteil. Die Bekämpfung des Judentums durch den Antisemitismus aber schädigt unsere Entwicklung und deshalb ist zu wünschen, daß der Kampf abflaut. Von ihren reichen Mitteln haben die Juden einen guten Gebrauch gemacht. Ihre Opferwilligkeit für unsere kulturellen Bestrebungen ist vorbildlich. In Frankfurt allein wurden in den letzten 50 Jahren jüdische Stiftungen im Gesamtbetrag von zwanzig Millionen Mark gemacht, von denen acht Millionen für wissenschaftliche Zwecke gegeben wurden. Besonders auf dem Gebiet der Sozialpolitik hat Frankfurt eine Ent» Wicklung zu verzeichnen, wie kaum eine andere Stadt. Hier steht das jüdische Kapital an der Spitze. Ich brauche nur Namen wie Hallgarten, Speyer, Stern zu nennen. Unter den großen Aufwendungen für Bildungszwecke ist vielleicht an erster Stelle Konsul Simon-Hannover, der Gründer der Erziehungsanstalt Ahlem, zu nennen. Das Judentum hat Preußen auch zwei Miurster, Friedberg und Friedenthal, gegeben; der badische Finanzminister Ellstädter und Dernburg waren, gleichfalls jüdischer Abstammung. Die Sozialdemokratie aber fußt auf den jüdischen Politikern Marx und Laffalle. Auch heute noch haben die Juden ein reges Interesse für die Politik und es wäre zu wünschen, daß das bei den Christen ebenso

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