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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-20 · 42 (20.10.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
42 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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©eite 704 Nr. 42 Dr. Bkochs WochMchrfft der modernen Operette gehören auch zumeist dem Judentum an, und daher tut man diesen kaum ein Unrecht, wenn man die Entartung einer ehemals so zu künstlerischer Höhe gebrachten Musikgattung aus ihr Schuldkonto setzt. Von einigen andern, größtenteils ausländischen sogenannten Komponisten jüdischen Ursprungs wollen wir lieber erst gar nicht reden; sie haben mehr Unheil angerichtet als die Kunst bereichert. Doch dasselbe Oesterreich, das uns mit jenen jüdischen Operettenkomponisten beglückt hat, entwickelte aus derselben Rassenwurzel auch zwei andere Musiker, einander nicht ganz gleichwertig, aber doch beide bedeutsame und eigene Persönlichkeiten. Karl Goldmarks Musik mutet entschieden orientalisch-sinnlich an, sie schwelgt in Farben und ist überhaupt etwas äußerlich, birgt aber auch soviel Melodie und Wohlklang in sich, daß wir sie nur ungern vermissen möchten. Ihr krassester Gegensatz ist die musikalische Schaffenswelt Gustav Mahlers, der ebenfalls jüdischer Herkunft und, den Juden in seiner Musik nicht verleugnend, unbestreitbar als Bereicherer unserer musikalischen Literatur zu gelten hat. Namentlich aber war und blieb er Jude insofern, als bei ihm jene Seite der künstlerischen Betätigung zur höchsten Ausbildung kam, die dem Judentum stets vornehmlich zu eigen gewesen ist: die Vermittlung, die Umformung des Kunstwerks. Mahler war sicher als Dirigent viel stärker denn als Komponist, und als einer der bedeutendsten musikalischen Ausdeuter erkannten ihn auch die an, die von seinen eigenen Sinfonien nichts wissen wollten; sein Tod hat hier eine Lücke gerissen, die an der langjährigen Stätte seines Wirkens bisher noch nicht ausgefüllt worden ist. Es hieße eine sehr unvollständige Vorstellung von dem Weg haben, den das musikalische Kunstwerk, technisch gesprochen, vom Produktionsort bis zum Konsumenten zurückzulegen hat, wollte man die richtige Aufgabe des Kunstvermittlers, also des Dirigenten oder des ausübenden Künstlers im Vergleich zu der des Urschöpfers gering bewerten. Viele von den letzten sind heute doch allzu mittelmäßige Orchesterleiter oder Pianisten, als daß sie ihre eigenen musikalischen Gedanken der großen Masse derer, an die sie sich schließlich doch wenden müssen, selbst einigermaßen vollkommen zum Verständnis bringen können. Die meisten von ihnen brauchen, um zum Publikum reden zu können, die Vermittlung des nachschaffeudeu Künstlers, der mit hoher musikalischer Intelligenz und Anpassungsfähigkeit die Technik mühe- und schlackenloser Darstellung vereint. Gerade die Jetztzeit hat hohes Verständnis für die Bedeutung dieses Amtes, das den Komponisten und seine Gemeinde überhaupt erst zusammenbringt; ja mau darf sagen, daß sich dieses Verständnis schon manchmal in einer Intensität äußert, die von einer Ueberschätzung des nachschaffenden Künstlers auf Kosten des Urschöpfers nicht mehr weit, entfernt ist. Sehen wir uns nun auf diesem für das musikalische Leben der Gegenwart so bedeutsamen Gebiet um, so finden wir, genau so wie bei der Verbreitung des literarischen Kunstwerks, eine sehr starke und erfolgreiche Beteiligung des Judentums. Nur einige wenige Namen: In der dahingegangenen Generation großer Dirigenten darf der Name Hermann Levi nicht vergessen werden, da er mit der Verbreitung Wagnerscher Kunst untrennbar verbunden ist. In den Vereinigten Staaten setzt heute Wilhelm Hertz sein Werk mit all dem Idealismus, wie er sich im Lande des Dollars nur bewahren läßt, fort. Von Mahler sprachen wir schon; in Berlin würde die Dirigentenkunst Oskar Frieds und Siegfried Ochs nur schwer entbehrt werden können, und auch der Leiter der Königlichen Oper wußte wohl, was er seinerzeit in Leo Blech für sein Institut aus Prag herauholte. Daß Blech sich auch produktiv mit sehr schönem Erfolg betätigt hat, sei nur nebenbei erwähnt. Von der großen Zahl der Musikschriftsteller und Kritiker soll ebensowenig die Rede sein, wie von den ausübenden Musikern jüdischer Abstammung; jeder einigermaßen fleißige Kouzertbesucher weiß, daß die Juden unter unfern Klavier- und Geigenkünstlern ein großes Kontingent stellen, das für den an sich hochmusikalischen Sinn der jüdischen Rasse zeugt. Wenn schließlich auch hier ein Name genannt werden soll, so genügt es, auf den Namen Joseph Joachim hinzuweisen. Sollte sich für die Musikgeschichte etwa einmal ein zweiter Bartels auftun, so könnte er wahrscheinlich noch viel mehr Zusammenhänge zwischen dem Judentum und der Musik aufdecken, von denen sich aber vielleicht Herausstellen dürfte, daß sie die Qualität des betreffenden Künstlers nicht gerade in ungünstigem Sinne beeinflussen. ptawfat*. Hebräische Lesebücher. Herr Dr. Feder hat sich auf meine Rezension seines hebräischen Lehrbuches eine Antwort geleistet, die ihm wohl als gewandten Polemiker und schneidigen Debatter alle Ehren macht, sein Lehrbuch aber, fürchte ich, ist aus dieser Antwort noch schlechter weggekommen als aus meiner Kritik. Wollen wir nun diese Antwort näher besehen. Ich behauptete, die Verwendung von Wörtern aus der Muttersprache des Kindes beim Anfangsstadium des hebräischen Leseunterrichtes sei wohl nach dem methodischen Satze «Vom Bekannten zum Unbekannten" zu rechtfertigen, nur sei Juno und Ninive, Zitat und Miliz weder deutsch noch bekannt. Das ist doch klart Herr Dr. Feder aber antwortet mit einer überlegenen Rethorengebärde: „Verworrenheit und Ratlosigkeit finde ich nur bei den Lehrern, die mit den Wörtern Juno und Ninive nichts anzufangen wissen". Da hat der Debatter den Methodiker erschlagen. Und das ist schade! Denn dieserhätte uns armen Lehrern doch einige Winke geben sollen, was wir bei 6jährigen Kindern mit der griechischen „Juno" und dem deutschen „Zitat" und dergleichen Wörtern anfangen sollen. Die Verwendung fremdartiger unbekannter Wörter im hebr. Teile seines Lehrbuches erklärt der Autor mit folgenden Worten: „Ich habe aber absichtlich einige solche Wörter gebracht, weil ich die andern Fibeln nicht abschreiben wollte. Ich bürge dafür, daß kein einziges Kind daran ersticken und kein Lehrer sich die Zunge brechen wird." Ist das die Sprache eines Lehrers und Methodikers, der sich in die Seele des Kindes liebend versenken und mit ihm selbst zum Kinde werden muß, um so die Schätze seiner Seele an den Tag zu fördern? Müssen wir nicht vielmehr mit Graser kämpfen „gegen die widernatürliche Mißhandlung der Kinder, welche wochenlang (bei uns jahrelang) zwangsmäßig im Sinnlosen geübt und geflissentlich zur Gedankenlosigkeit gewöhnt werden?" Vieles ist seit Graser anders worden, nur bei uns soll es beim Alten bleiben, beim alten russischen Despotismus „Der Bienn' muß!?" Wem blos die Wahl freisteht zwischen Abschreiben und „Nicht-besser-machen", für den gibt es nur noch ein Drittes ntPtfn btti StP« — Wir Juden hassen den Despotismus im Leben wie in der Schule. Wohin aber viele unserer Kinder sich vor dem Zwange beim Religionsunterrichte flüchten, wissen wir alle leider zu gut! Gegenüber Herders Verlangen nach einem Lesen mit Verstand und Herz behauptet F.. das sei beim Lesestoff einer hebräischen Fibel unanwendbar. Wie? Was bei jeder anderen Sprache oberster Grundsatz ist, soll bei unserer herrlichen, klangreichen Sprache unmöglich sein? Nur bei uns soll Vernunft Unsinn, Wohllaut und Wohlklang Plage sein? Sind nicht sehr viele biblische Namen jedem Kinde schon im ersten Schuljahre bekannt? Wohnt nicht den Namsn unserer Feste wie Peßach, Seder u. dgl. ein ganz besonderer Zauber inne? Wozu also in die Ferne schweifen? Welch herrlicher Wohlklang liegt nicht zum Beispiel in dem Rufe '"os'pfc iz-28« sich der viel leichter übersetzen läßt als manch gleichgiltiger Satz! Was aber das Schreiben der hebräischen Quadratschrift in den ersten Klassen betrifft, so mag es wohl sein, daß den Kindern auf dem Lande für den Religionsunterricht mehr Zeit zur Verfügung steht als unfern Kindern. Jnsolange wir bloß eine einzige Stunde wöchentlich für den Religionsunterricht haben, muß das Schreiben dem Lehrer überlassen werden, das Mitschreiben der Kinder während der Unterrichtsstunde ist unmöglich. Ich bin nun mit meinen Ausführungen zu Ende. Sollte Herr Dr. Feder den Ehrgeiz haben, mich wieder mit einer schneidigen Abfuhr zu beehren, so möge er vorerst den ehrlichen Mut aufbringen, zu gestehen, daß „Nibbel" und „Mimah" kein Hebräisch sei und daß die andern in meiner Rezension erwähnten unorthographischen Wörter bloß Druckfehler wären. Solange Herr F. sich darüber ausschweigt, will ich ebenfalls schweigen. M. Stengel. kevlams Universsl-kibüolkek, Leipzig, Nr. 5340. Josef Willomitzer, Eine Nacht im Mittelalter and andere Geschichten. Mit dem Bildnis des Verfassers und einer Einleitung von Doktor Robert Reinhard. — Inhalt: Josef Willomitzer. — Eine Nacht im Mittelalter. — Der schwarze Fisch. — Herr Lilienstengel. — Goldene Herzen. — In der Sturmnacht. Philipp Reclam zun., Verlagsbuchhandlung, Leipzig Inselstrasse 22.

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