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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-20 · 42 (20.10.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
42 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 700 / Nr. 42 Dr. MMs ZWMnWW aufgefordert wird, sich über die hier geplante Gewerbe- und Industrieausstellung zu äußern. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf die eventuelle Veranstaltung einer Spezialausstellung der jüdischen Handwerker und Gewerbetreibenden. Der Referent betonte, daß dies die beste Gelegenheit sei, um im kleinen Rahmen zu zeigen, daß das jüdische Handwerk auch in Hamburg noch leistungsfähig sei. In der Debatte wurde von verschiedenen Seiten die Ausführbarkeit des Projektes bezweifelt, indem auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen wurde. Dann wurde die Angelegenheit einer sechsgliedrigen Kommission zur weiteren Beratung überwiesen. Bou de« Kougressen in Turin. Am 28. September wurde in Turin in Gegenwart des Königs von Italien der erste nationale Schiffahrtskongreß eröffnet. Im Festsaale des Polytechnikums, wo die Festlichkeit stattfand, nahmen am Honoratiorentisch unter Anderen der Präsident der Sektion für Binnenschiffahrt On. Romain Jacur und der Präsident der Wafferrechts-Sektion Comm. Rava aus Venedig Platz. In seiner Eröffnungsrede zollte Minister Sacchi der Tätigkeit Romain Jacurs, unserem Glaubensgenossen, der die Seele des ganzen Kongresses ist, außerordentliche Anerkennung, die von der ganzen Versammlung mit rauschenden Beifallskundgebuugen zugestimmt wurde. Aus diesem Anlasse sei auch das peinliche Aufsehen erwähnt, das in jüdischen Kreisen dadurch hervorgerufen wurde, daß der internationale Kongreß für Pathologie, trotzdem sein Präsident Senator Pio Foa ein Jude ist, und dem Kongresse zahlreiche angesehene Juden des In- und Auslandes angehören, gerade am 2. Oktober, dem Versöhnungstage der Juden, eröffnet wurde Tolmatschow als Beschützer der Frömmigkeit bei de« Juden. Der berüchtigte Polizeihauptmann von Odeffa, General Tolmatschow, der schon einmal durch seine Strafedikte an alle jüdischen Fleischhauer und Restaurateure, welche nicht streng rituelles Fleisch verkaufen, von sich reden machte, hat nun, wie aus Odeffa berichtet wird, abermals eine ähnliche Laune. Er erklärte, daß bei der demnächst stattfindenden Wahl eines Rabbiners nur diejenigen Juden stimmberechtigt sein werden, welche die Synagogen und Bethäuser regelmäßig besuchen. Diejenigen, welche bloß einen Betfitz haben, aber nicht zum Gottesdienst gehen, find von dem Wahlrechte ausgeschlossen. Die Polizei wurde bereits augewiesen, die Liste der Betenden sestzustcllen. Erpressungsversuch mit einem antisemitische« Preßprodukt. Der Postbeamte Gregorowitsch aus Czernowitz wandte sich dieser Tage an das Rabbinat in Bukarest mit einem Schreiben, in welchem der Postbeamte Folgendes bekannt gibt: „ Unter den Büchern, die ich von meinem Großvater geerbt habe, befindet sich ein Buch unter dem Titel: „Edath be Israel“ (Zeugenschaft über Israel), welches die jüdischen Gesetze und Gebräuche auseinandersetzt. Dieses Buch wurde im Jahre 1803 in Jassy auf Kosten des damaligen Metropoliten der Moldau gedruckt. Der Verfasser ist ein getaufter Jude, der ftüher einmal Rabbiner war. Wie es heißt, haben die Juden damals die ganze Auflage dieses Buches aufgekaust und vernichtet, weil dessen Inhalt für sie gefährlich war. Nun hat sich hier in Czernowitz eine Vereinigung gebildet, die das Buch, deffen einziges Exemplar sich in meinem Besitze befindet, neu auflegen und in Tausenden Exemplaren, in alle Sprachen übersetzt, verbreiten will. Da ich glaube, daß dies nicht im Jntereffe Ihrer Glaubensgenossen liegt, namentlich nicht derjenigen Rumäniens, wo die Bevölkerung durch den Inhalt dieses Buches noch mehr'" gegen die Juden aufgebracht würde, biete ich Ihnen das einzige Exemplar an, bevor an deffen Vervielfältigung geschritten wird. Natürlich ist dafür die gebührende Summe' an mich zu entrichten. Wollen Sie mich also daher verständigen, ob Sie das Buch kaufen wollen/ Der Erpressungsversuch des wackeren Postbeamten ist vollständig mißlungen. Das in Rede stehende Buch, in welchem die alte Lüge aufgestellt wird, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchten, wurde von dem Namen „Noah meschumed“ verfaßt. Ec war niemals Rabbiner, sondern ein „Belfer", Gehilfe eines Lehrers. Als er wegen sittlicher Vergehen seines kleines Amtes enthoben wurde, ließ er sich taufen und schrieb aus Rache das erwähnte Buch, das von bewußten Unwahrheiten strotzt. Uebrigens ist dieses Buch gar nicht so selten und ist, wie uns aus Bukarest gemeldet wird, in den Antiquar- Buchhandlungen Rumäniens um eine Kleinigkeit zu haben und wurde von den Rumänen wiederholt bei ihren Schmähungen gegen die Juden als Quelle benützt. Die Juden in der Petersburger Kunstakademie. In der Petersburger Kunstakademie wurden für das soeben begonnene Schuljahr bloß ein Jude in die Architektur und 5 Juden in die Abteilung für Malkunst ausgenommen. Die Letzteren wurden bloß „auf Probe" bis Neujahr zugelassen. Was die Perzentnorm in dieser Akademie betrifft, so hat sich der Minister am kaiserlichen Hofe im Vorjahre an die Direktion der Akademie mit der Anfrage gewendet, ob es nicht im Interesse dieser Kunstanstalt gelegen wäre, die bisher bestehende Norm von 3 % Juden auf 10 % zu erhöhen. Der Direktor der Akademie ließ jedoch diese Frage bisher unbeantwortet, da er der festen Ueberzeugnng ist, daß sich in den maßgebenden Kreisen bald die Üeberzeugung werde festsetzen müssen, daß die Kunstakademie überhaupt jede Beschränkung den Juden gegenüber aufgeben müsse. Für dieses Jahr allerdings bleiben wegen dieser Haltung der Direktion die 3 % aufrecht In nächster Zeit finden an dieser Akademie die Wahlen neuer Ehrenmitglieder statt, und wie uns aus Petersburg berichtet wird, befindet sich unter den offiziellen Kandidaten auch der bekannte jüdische Bildhauer Elijahu Giusburg. Der Pogrom in Osch. Viele Juden getötet. Aus Taschkend werden entsetzliche Einzelheiten über den Pogrom in Osch in Turkestan gemeldet. Nach dem Attentat in Kiew begannen die echt russischen Leute eine heftige Agitation in der Stadt. Sie verbreiteten das Gerücht, daß die Juden einen Sartenknaben gestohlen und an ihm einen Ritualmord verübt hätten. Daraufhin gerieten die Sarten in furchtbare Aufregung, drangen in die Häuser der Juden und begannen einen Pogrom. Die Polizei war der fanatischen Menge gegenüber machtlos. Die Sarten umzingelten viele Häuser der jüdischen Bevölkerung, brandschatzten sie und schlugen auf die Fliehenden mit Knütteln ein. Die Ruhe wurde erst hergestellt, als Militär mit Waffengewalt einschritt. Eine Anzahl Juden wurde getötet, viele schwer verwundet. Einige verbrannten in den Häusern, die von der Menge angezündet wurden. Zur Chief Rabbi-Frage in England. Aus London wird der „N. I. K." geschrieben: Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Chief Rabbi gilt neben dem Dajan Rev. Hyamson, der in nächster Zeit zum Doktor der Philosophie promovieren soll, Rev. Dr. Abrahams aus Sydney, ein Bruder des bekannten jüdischen Gelehrten Israel Abrahams. Rev. Abrahams bekleidet gegenwärtig das Amt eines Oberrabbiners für die jüdischen Gemeinden Australiens und hätte seinerzeit zum Chacham der portugiesischen Gemeinde in London berufen werden sollen, ehe Dr. Gaster dieses Amt annahm. Diese Berufung scheiterte damals an den Bedingungen, die der portugiesische Gemeindevorstand an die Uebertragung der Chachamftelle knüpfte und die Rev. Abrahams für seine Person ablehnte. Rev. Abrahams ist ein Schüler Israel Hildesheimers und hat das von diesem begründete Rabbinerseminar in Berlin absolviert.

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