Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 42 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SltiSEfSniM- -feV-. ^ftt; 42 Dr. Blochs tag. Der Jubilar hat sich durch seine fruchtbringende und ersprießliche Kulturarbeit in den Annalen der Kulturgeschichte der Juden Galiziens und Rußlands ein Ruhmesblatt geschaffen. Als Sekretär der „Israelitischen Allianz zu Wien" und Vertrauensmann des Philantropen Baron Moritz de Hirsch hat er sich in den russischen Judenpogromjahren 1881—82 bei der großen Hlfsaktion zugunsten der Auswanderung der unglücklichen russischen Glaubensgenossen — wobei Dr. Friedländer gemeinsam mit Herrn Dr. Alfred Stern, gegenwärtigen Präsidenten d-r israelitischen Kultusgemeinde in Wien, und Dr. Schafir als Delegierte der „Israelitischen Allianz zu Wien", Baronet Samuel Montague und Sir Olifont als Delegierte der „Londoner Allianz" eine segensreiche Hilfstätigkeit entfaltete — viel verdient gemacht. Was der Jubilar damals in Brody. wo Tausende und Abertausende der unglücklichen russischen Juden sich ansammelten und demzufolge die Hilfsaktion der Pariser, Wiener .und Londoner Allianz und besonders die des Baron Hirsch sich konzentrierte, gewirkt hat, schilderte er später in seinen Schriften: „Verfallen wie in Brody" und „Sieben Wochen in Galizien". Als die. „Israelitische Allianz zu Wien" die galizischjüdische Jugend dem Schulbesuche, Handwerk und Ackerbau zuzuführen .unternommen und zu diesem Zwecke jüdische Volks-, Handwerks- und Ackerbauschulen gründete, war der Sekretär der Allianz Schöpfer und Organisator dieser Lehr-, Bildungs¬ und. Erziehungsanstalten, welche ein Hauptfaktor der galizischjüdischen Kultur wurden. Im Jahre 1890,' als Baron Hirsch bei seinem humanitären Wirken sein.Augenmerk den galizischen Juden zuwendete und die galizische Schulstiftung ins Leben rief, berief er Dr. Friedländer als Generalsekretär der Baron Hirsch-Schulstiftung. Als einziger fachmännischer Organisator der Stiftungsschulen mußte er alle weltvergessenen, entlegensten Krähwinkel Galiziens aufsuchen, in die zu gelangen bei Herbst¬ und Winterszeit in unwirtlichen Gegenden und aus gefährlichem galizischen Landfahrwege es eine wahre Lebensgefahr war. Wie oft verschlug die heilige Mission den Jubilar in solche Ortschaften, wo .er nicht einmal ein Gasthaus zum Essen und Schlafen fand und hungernd und schlaflos seine Mission erfüllte. Nicht selten mußte er im Koth und Schnee zu Fuß waten, da sein gemietetes Fahrzeug den berühmten galizischen Kot und Schnee auf den schlechten Fahrwegen nicht überwältigen konnte und den Dienst versagte. Und wenn er schon hungrig, schläfrig und zu Tode erschöpft sein Reiseziel erreichte, da gab es erst einen harten Kampf mit einer bildungsscheuen Bevölkerung aufzunehmen; aber Herrn Dr. Friedländer gelang es. alle Schwierigkeiten und Hindern,sse zu überwinden, und so arbeitete und kämpfte er, bis er die Stiftungsschulen, die mit Recht sein „Schöpfungswerk" und „Schmerzenskind" genannt werden können, zur Höhe chrer Aufgabe brachte. Was der Jubilar dem Judentum auf dem Gebiete der Literatur und Wissenschaft bedeutet, ist hier zu erwähnen überflüssig und zu zeichnen nicht der Ort. Möge es dem geehrten Jubilar gegönnt sein, noch lange auf sein an Taten, Arbeit und Erfolgen reiches Leben zurückbl'cken zu können und im Namen der Baron Hirsch - Stistungslehrer, die in ihm noch immer ihren Wohltäter, Freund und Gönner verehren, rufe ich ihm einen recht herzlichen Glück ounsch zu. Juda L a b i n e r. Steuer auf den Frredhofsbesuch in Stockerau. Sehr geehrter Herr R-dakteur! Vielleicht dürfte Ihnen noch meine Zuschrift, welche ich über den Friedhofsbesuch in Stockerau an Ihr hochgeschätztes Blatt gerichtet habe, in Erinnerung sein. Die löbliche Kultusgemeinde in Stockerau, die sich, wie es scheint, über jene Zeilen irritiert fühlte, hat eS für gut befunden, als Revanche dafür meine verstorbenen Verwandten, welche sich. Haas genannt haben, aus dem sogenannten Mäskirbuch auszustreichen, so daß der pietätvolle Akt des Maskierseins diesmal, und wie auch mehrere Funktionäre der dortigen Kultusgemeinde ankündigen, auch für fernerhin nicht mehr stattstnden wird. Wochenschrift 699 Es muß doch einen rechtgläubigen Juden merkwürdig berühren, Familien, die sich um das Wohl und Wehe der jüdischen Gemeinde verdient gemacht haben, die auch Tempel- und Friedhofsgründer gewesen find, so willkürlich für die Oeffentlichkeit aus dem Seelengedächtnis zu streichen, trotz alledem, daß ich für das Maskirsein honoriert habe. Ich bitte um Aufnahme dieser Zeilen in Ihrem sehr geschätzten Blatte und zeichne ich Ihr ergebener Wien. Rudolf Haas. Neudorf. Sehr geehrte Redaktion! Ich ersuche Sie ergebenst, die nachstehenden Zeilen in Ihrem gesch. Blatte gefl. veröffentlichen zu wollen, und empfangen Sie für dieses Entgegenkommen im Voraus besten Dank. — Auf der Durchreise am 1. d. M. erlebte ich am Bahnhofe Oderberg nachstehenden Fall. Fräulein Fischbein, welche in der Oderberger Bahnhofs-Restauration III. Kl. Trafikverkäuserin ist, bat am 1. d. M., also am Erev-Jomk ppur, bei der Wirtschafterin der Bahnhofs-Restauration Frau Rosa Ader für den Sonntag nachmittag, d. i. Erev-Jomk'ppur. sowie für den ganzen Tag Jomkippur um dienstfrei. Frau Rosa Ader, Tochter des Herrn David Hausmann, schrie Fräulein Fischbein an, was sie denn eigentlich glaubt, wozu denn sie da ist. es gibt kein dienstfrei; wenn sie nicht in den Dienst kommt, so braucht sie überhaupt nicht mehr zu kommen. Unter Anderem sagte Frau Ader dem Fräulein Fischbein: „Ich kenne schon diese jüdischen Drehereien!" und beschimpfte das Fräulein Fischbein, Tochter des Tempeldieners Herrn Fischbein, in der gröbsten Weise, so daß dieselbe bitterlich weinte. Dieser Vorfall spielte sich in der Bahnhof-Restauration III. Kl. ab,- wo zahlreiche Reisende und Bahnbedienstete anwesend waren und die über das Vorgehen dieser jüdischen Antisemitin sehr entrüstet waren. Schließlich sei noch bemerkt, daß Fräulein Fischbein tatsächlich gekündigt wurde und ihren Posten verlaffen muß, weil sie am Jomkippur frei haben wollte. Frau Rosa Ader ist die Tochter des Herrn David Hausmann. Herr Hausmann ist ein sehr frommer Mann und verbringt die hohen Feiertage gewöhnlich in Oswiec m, aber seine Tochter, die gibt einem jüdischen Mädchen nicht einmal für Jomkippur frei! Hochachtungsvoll ergebenst Josef B l e y e r, Neudorf. Berlin. (Tierquälerei und Schächten? Wie bereits gemeldet, soll die Herbsttagung des Reichstages die kleine JustiznovEe erledigen. In dieser Novelle soll der Begriff der Trerquälerei bestimmter in das Strafgesetz eingefügt werden. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, werden sofort nach dem Zusammentritt des Reichstages Mitglieder der Zentrumspariei und der Linken unter Führung der Abgeordneten Gröber und Müller-Meiningen eine Sitzung abhalten, um dem Antrag Gröber, der das Schächten reichsqesetzlich nicht als Tierquälerei angesehen wissen will, eine Fassung zu geben, die die staatsrechtlichen Bedenken des Staatssekretärs Dr. Lisco und einer Anzahl von Reichsratsabgeordneten beseitigt. Breslau. (Minjanleute für Kleingemeind e n.) Eine löbliche Einrichtung hat der Breslau-Liegnitzer Gemeinde-Verband für seine Bezirksgemeinden getroffen und damit den Kreis seiner Ausgaben wiederum erweitert. Während sich die Tätigkeit des Verbandes bisher im Wesenil'chen darauf erstreckt, den Gemeinden einerseits die Anstellung und Erhaltung der Beamten durch Zuschüsse zu ermöglichen, andererseits die religiösen Einrichtungen der Gemeinde zu stärken durch Entsendung von Predigern und Kantoren zu den hohen Feiertagen, hat sich der Verband in diesem Jahre schon genötigt gesehen, auf Ansuchen von Gemeinden, um überhaupt die Abhaltung eines Gottesdienstes an den hohen Feiertagen zu erzielen, eine Anzahl von Minjanleuten zur Erhaltung des Minjan zu entsenden. Die Leute erhielten freie Fahrt, Ve pflegung und 20 Mark Vergütung. Hamburg. (Eine Ausstellung jüdischer Gewerbetreibender.) Im hiesigen Verein selbständiger jüd. Handwerker und Gewerbetreibender gab der Vorsitzende B. Heinemann Kenntnis von einem Schreiben, in dem der Verein