Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 42 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 42 Seite 697 Dr. 8AMs WochMWrift Deslys werden jetzt keine Grafentitel zu bekommen sein. Ferner sei bemerkt, daß die Vertreibung der Juden aus Portugal nicht unter Johann II., sondern unter Manuel siattfand. Zum Schlüsse möchte ich darauf Hinweisen, daß die Familie Bassevi, von der Sie in derselben Nummer (S. 622) sprechen, auch in England vorkommt. Die Mutter Lord Beaconsfields war Maria Bassevi. Einiges über die Familie findet sich in William F. Monypenny's: Lüe Life of Benjamin Disraeli, Earl of Beaconsfield. London, 1910. Hochachtungsvoll Gotthard Deutsch. Cincinnati, 29. September 1911. Eine große jüdische Ackerbaukolorrie in Amerika. Die Agrikulturbewegung findet unter den amerikanischen Juden erfreulicherweise immer mehr Anklang. Sie wurde zum Gegenstände eingehender Studien gemacht, die, von der über ganz Amerika verbreiteten „Jüdischen Agrikultur und Kolonisationsgesellschaft" ausgehend, auch neue moderne Formen für das Kolonisationswesen gezeitigt haben. Die genannte Gesellschaft hat nun wieder im Staate Utah 6000 Acker Land angekauft, um es allmählich mit jüdischen Kolonisten zu besiedeln. In diese Kolonie werden ausschließlich vermögende, arbeitsfähige verheiratete Männer aus den größeren Städten Amerikas geschickt, die in der Lage sind, den Boden selbst zu bezahlen. Zunächst wurden zwölf Familien als Pioniere dahingeschickt. Es find das lauter tüchtige Ackerbauer, welche die Aufgabe haben, vorläufig 2000 Acker Land." mit Weizen zu besäen und für weitere 25 Familien Wohnungen rc. vorzubereiten, welche schon im kommenden Jahre bezogen werden sollen. Diese Pionipre erhalten von der Gesellschaft pro Kopf und Arbeitstag 2.50 Dollar und sind überdies mit 30"/g an dem Reinerträgnisse des durch sie gebauten Weizens beteiligt. Bisher haben sich 200 jüdische Familien als Kolonisten nach Utah gemeldet. Das Land soll nach fachmännischem Gutachten sehr fruchtbar sein. Die Bewässerung besorgt der Staat selbst. Am 26. November wird die dritte Tagung des Verbandes der jüdischen Farmer in Amerika stattfinden, in welcher auch über die neue Kolonie und die neuen Gesichtspunkte bei Gründung derselben ein ausführliches Referat erstattet werden wird. „Groß' -Wien und „Klein"-Wien im Zeichen der Teuerung. Hungernde jüdische Schulkinder. „Schule und Haus müssen Hand in Hand gehen". So lautet ein bewährter pädagogischer Grundsatz, der lagen will, daß die Kinder im Ellernhause durch sittlich-moraluche Erziehung für die Schule präpariert werde« müssen, soll der Lehrer imstande lein, das geistige Niveau derselben aufzubauen und in die Höhe zu bringen. Aber auch noch eine andere Pflicht haben die Eltern der Schule gegenüber zu erfüllen» die darin besteht, für das physische Gedeihen des Kindes Sorge zu tragen. Es körperlich pflegen und hegen, auf daß es den geistigen Anforderungen, die die Stätte der Belehrung und Bildung an die Jugend stellt, voll und ganz gewachsen sei. Daß vornehmlich jüdische Eltern in diesem Punkte gewissenhaft, ja mit Opferwilligkeit ihrer Pflicht Nachkommen, braucht nicht erst betont und hervorgehoben zu werden, dafür spricht ja schon der vererbte ideale Familiensinn, der dem Judentum nachgerühmt und selbst von seinen Gegnern nicht in Abrede gestellt wird. Allein, es gibt Zeitepochen und Situationen, woselbst das in jüdischen Elternherzen tief wurzelnde Rachmonus notgedrungen nachzulassen und zu versagen beginnt. Und in einer solchen Zeitepoche befinden wir uns gegenwärtig. Die intensive Teuerung, die ins Land gezogen und mit jedem Tage größere Dimensionen annimmt, hat es nicht allein den „Großen", sondern auch den „Kleinen", unseren Kindern angetan, und da sind es vorwiegend die Kinder der Armen, die noch die Schule besuchen, die unter der Wucht der unerschwinglichen Lebensmittelpreise empfindlich leiden, ja nicht selten buchstäblich dem Hunger preisgegeben sind. Hungernde Schulkinder! Welch tragischer Inhalt liegt in diesen zwei Worten! Welch' jüdisches Herz kann ungerührt und teilnahmslos bleiben, bei dem Gedanken, daß es unter den Glaubensgenossen brave, fleißige Schulkinder gibt, die gegen Not und Elend zu kämpfen habend Und daß dieser schaurige Gedanke Wirklichkeit geworden und konkrete Formen angenommen hat, davon kann sich jeder überzeugen, der vor Beginn des Unterrichtes oder nach Schluß desselben bei der Eingangspforte einer jener Schulen halt macht, die sich in den äußeren Bezirken des Wiener Stadtgebietes befinden und zumeist nur von den Kindern der ärmeren Schichten frequentiert werden. Blasse, fahle und abgehärmte Gesichter und schwächliche, unentwickelte und zurückgebliebene Gestalten, die unverkennbaren Symptome der Unterernährung, das ist das Schreckensbild, das sich hier vor den Augen des Beschauers entrollt. Und doch sollte den Kindern der Armen» die ja doch ohnhin ein hartes Los zu tragen haben, in so schweren Zeiten, wie die gegenwärtige, in höherem Maße unsere Teilnahme sich zuwenden. mm Karn D.1ÖP 2rm mm sagen unsere Weisen „Berücksichtiget in der Wohtläcigkeit mstnsanders die Kinder der Armen, weil von ihnen die Thora ausgeht, die dann Verbreitung findet.^ Daraus sollen wir die Lehre ziehen, daß es in der Regel der jugendliche Nachwuchs der Unbemittelten und Armen ist, der infolge seines frühen Lebenskampfes und seiner vorzeitigen ernsten Lebensauffassung ein hervorragendes Interesse für das Studium der Thora, der Religion und ihrer Wissenschaften an den Tag legt und mit diesem Beispiel anregend und anspornend auf die Kinder der Bemittelten und Wohlhabenden einwirkt. Wien genießt den Weltruf, im Wohltun ein goldenes Herz zu besitzen, einen Ruf. an dem auch die jüdische Bewohnerschaft in hohem Maße partizipiert, und da es sich in diesem Falle um das Wohltun für das „Kind", um ein Liebeswerk für arme, hilfsbedürftige jüdische Schulkinder handelt, wird unsere Anregung hoffentlich bei unseren Glaubensgenossen auf fruchtbarem Boden fallen und die erwünschten Früchte tragen. Daniel S k u t e z k y, Religionslehrer. Eine Expedition zur Aufdeckung der Königsgräber in Jerusalem. Aus London ist' dieser Tage eine archäologische Expedition nach Jerusalem gegangen, die sich zur Aufgabe gestellt hat, die Grabungen an jener Stelle, wo einst Zion stand, wieder dort aufzunehmen, wo sie vor zwei Jahren unterbrochen wurden. Das Endziel der Grabungen ist die Freilegung der Gräber Davids und Salomos. Der Leiter der Expedition ist Kapitän Parkev, ein Bruder des Lord Morley. in seiner Begleitung befinden sich Clarence Wilson und vier in solchen Arbeiten bewanderte Arbeiter. Die Expedition wird gleich nach Ankunft in der heiligen Stadt an die Arbeit schreiten. Die Grabuugsstelle befindet sich am Fuße des Ophelberges, wo sich heute die Gemüsegärten von Jerusalem befinden, aber einst die Mauern Zions standen. Das Hauptlager wird neben dem Litva-Teiche ausgeschlagen werden, von wo aus die Arbeiten dirigiert werden, die unter der Kontrolle eines von der türkischen Regierung zu diesem Zwecke entsendeten Direktors stehen. Es ist das dieselbe Expedition. wegen welcher es vor kurzem in Jerusalem beinahe zu einem Aufstande gekommen wäre. Schwarze nnd weiße Inden Indiens. Unter den verschiedenen Rassen und Völkern, die im Laufe der Jahrtausende an der Westküste Indiens aus dem Seewege eingewandert find und hier eine zweite Heimat gesunden haben, find wohl die Juden in Cochin besonders bemerkenswert. Man unterscheidet weiße und schwarze Juden. Die weißen Juden find nach der zweiten Zerstörung Jerusalems (68 n. Chr.) eingewandert. Sie haben sich vollständig rein erhalten und merkwürdig berührt der Anblick dieser „weißen Eingebornen", die teiweise hellblondes Haar und hellblaue Augen aufweisen. Ihre Hautfarbe ist, wie der Forschungsreisende Oskar Kauffmann mitteilt, trotz der jahrhundertelangen Einwirkung der südindischen Sonne hell geblieben, so daß einzelne sich eines rein germanischen Aussehens erfreuen. Sie leben in guten Verhältnissen und tragen einen Stolz, der sich schon darin kundgibt, daß sie sich sehr ungern photographieren lasten. Merkwürdigerweise scheinen Folgen der Inzucht - sie leben abgeschloffen für sich — innerhalb der kleinen Kolonie im Laufe der Jahrtausende gar nicht zu existieren. Sie machen ganz den Eindruck einer gesunden und kräftig gebauten Raffe. Jntereffant ist es ferner, daß sie vom Sonnenstich nicht getroffen werden. Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß die Europäer der Sonnenstichgefahr ausgesetzt find, weil ihnen das schwarze Pigment in der Haut fehlt. Diesen Menschen fehlt es auch; trotzdem können