Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 41 Sette 887 Dr. Blocks WochMchrift Leichenbegängniffe. Von Nah und Hern kamen seine einstmaligen Schüler, um ihrem hochgeschätzten, geliebten Lehrer das letzte Geleite zu geben. Auch von Tachau selbst war die Beteiligung eine riesige, denn in der kurzen Zeit seines Hierseins erwarb er sich einen großen Freundeskreis, denn wer kannte nicht den freundlichen alten Herrn, der für jeden einige liebenswürdige Worte hatte. Herr Rabbiner Dr. Moritz Wohl verlieh auch seinem Schmerze Ausdruck, da er an dem Hingeschredennen einen Freund besaß, mit dem er sich in religiös-wissenschaftliche Fragen unterhalten konnte. Freiwaldau. Am Rüsttage zum Versöhnungsfeste ist Doktor Siegfried Glaser einem Schlaganfalle erlegen und wurde am 4. d. M. unter starker Beteiligung aller Gesellschaftsklasien beerdigt. Der Verstorbene erfreute sich durch seinen biederen Charakter und edlen Wohltatigkeitssinn großer Beliebtheit, wie dies auch am Tage der Beerdigung zum Ausdruck kam. Es erschienen der k. u. k. Bezirkshauptmann Baron v. Welchs, der Bürgermeister Dr. Hank an der Spitze der Gemelndevertretung. fürstbischöflicher Kommissär Erzpriester und Stadtpfarrer I. Neugebauer, die evangelische Geistlichkeit, die städtische Sparkasss-Direktion, Abordnungen der Feuerwehr, Veteranen, Schützen u. a. m. Dr. Glaser war der I. Kultusvorsteher der hiesigen Kultusgemeinde und hat durch 15 Jahre ununterbrochen dem Kultusausschusse angehört, obwohl er auch im öffentlichen Leben als Mitglied des städtischen Gemeindeausschusses, der städtischen Sparkassadirektion, des Ortsschulrates sehr in Anspruch genommen war. Die Kultusgemeinde verliert in ihm eines ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. David Rudolfer aus Jägerndorf hielt am Grabe eine ergreifende Trauerrede, auch Herr Bürgerschuldirektor Seibert widmete dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf und hat auch Herr Kantor Jelenko die üblichen Trauergesänge sehr wirkungsvoll rezitiert. S. B. August Michel-Levy. Vorige Woche starb in Paris das Mitglied des „Institut" „Akademie der Wissenschaften" August Michel-Levy im 68. Lebensjahre. Der Verstorbene, ein langjähriges Mitglied des israelitischen Konfistoriums von Paris, war Offizier der Ehrenlegion. Er war ein Sohn des berühmten Mediziners Michel- Levy. August Michel-Levy selbst war ein anerkannter Geologe, Professor am College de France und Generalinspektor der staatlichen Minen. Ein Feind des Schofarblasens. In Hüll in England hat sich der merkwürdige Fall zugetragen: In der Nachbarschaft der dortigen Hauptsynagoge wohnt ein Christ, der ein ausgesprochener Feind des Schofarblasens ist. Da er es nicht zu verhindern vermochte, daß die Juden während des ganzen Elulmonates beim Morgengottesdienst Schofar blasen, faßte er einen merkwürdigen Plan. Als die Synagoge mit Betenden gefüllt und der Schofar ertönte, begann er aus einer Feuerspritze die Synagoge mit riesigen Wasserstrahlen zu überströmen. Die in der Synagoge Versammelten waren der Meinung, daß das Spritzen deshalb erfolge, weil die Synagoge brennt. Alles flüchtete aus der Synagoge. Nun richtete der Schofarfeind den Schlauch gegen die Fliehenden, von denen Mehrere durch die Wucht der Wasierstrahlen zu Boden geschleudert wurden. Der saubere Synagogennachbar hatte, vom Gericht verurteilt, seine seltsame Jdionsynkrafie mit einer hohen Geldstrafe zu büßen. Die „Banco di Roma“ in Tripolis. Die „Settimana Israelitica“ schreibt: Jetzt, da Italien sich anschickt, nach Tripolis zu gehen, lenken wir die öffentliche Aufmerksamkeit auf die folgende Tatsache: Leute, die Gelegenheit hatten, mit tripolitanischen Juden in Berührung zu kommen, erklären, daß unter den dortigen Juden eine große Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der Laoeo äi Roma empfinden. Dieses Institut, das bekanntlich eine Gründung der römischen klerikalen Partei ist, scheint fich auch in Tripolis von konfeffionellen Eingebungen leiten zu lasten, um auf diese Weise den Handel unserer Glaubensbrüder zu unterbinden. In diesem Moment der entscheidenden Schritte Italiens in Nordafrika wird es wohl Keinen geben, der nicht die große Wichtigkeit, welche eine Kooperation unserer tripolitanischen Glaubensbrüder für Italien haben könnte, anerkennen würde. Es liegt daher an der Regierung, der Banco di Roma eine größere Diskretion in der Ausübung ihres katholischen Geschäftsgeistes öeizubringen. Senatspräsident Dr. Isidor Baumgarten. Das ungarische Amtsblatt verlautbart die Ernennung des Kronanwalt-Substituten Dr. Isidor Baumgarten zum Senats- Präsidenten an der königlichen Kurie, dem Obersten Gerichtshöfe in Ungarn. Aus der Advokatur hervorgegangen, hat Dr. Baumgarten gleich bei seinem Erscheinen in der Staatsanwaltschaft als der Vertreter der Anklagebehörde in berühmten Kriminalprozesien durch die Tiefe seines psychologischen Blickes, durch die Schärfe seines juristischen Urteils und durch die Wucht seiner Rede allgemeine Aufmerksamkeit erweckt. Diese Qualitäten kamen auch in einer reichen und interessanten schriftstellerischen Tätigkeit zum Ausdrucke. Antisemitische Ansschreitnngen in Sofia? „RrvFrös de Salonique“ erhielt aus Sofia die folgende Depesche: „Hier fanden am ersten Rosch-Haschonohtage antisemitische Kundgebungen statt." Die kaiserlich-ottomanische Bank nnd die jüdischen Feiertage. Sämtliche Bureaux der Banque Imperiale Ottomanic waren am jüdischen Neujahrsfeste und am Jomkippur geschloffen, ebenso an den Sukkostagen. Die offiziellen Rosch - Haschonoh - Gratnlationen in der Türkei. Anläßlich des Rosch - Haschonohfestes empfing der Großrabbiner Chaim Nahum die teils persönlichen, teils schriftlichen Glückwünsche des ökumenischen Patriarchats, des bulgarischen Exarchats, des armenisch-katholischen Patriarchats, des englischen Botschafters und zahlreicher anderer hochgestellter Persönlichkeiten. Ein nener Grostrabbiner sür Großbritannien. Aus London wird uns gemeldet: Die seit dem vor einigen Monaten erfolgten Tode des Oberrabbiners von England Dr. Adler geplante Stelle eines Oberrabbiners von Großbritannien wird demnächst wieder besetzt werden; wie verlautet, wird der bisherige Großrabbi von Frankreich Israel Levy der Nachfolger Dr. Adlers sein. Wie es heißt, ist die Wahl des großen Synagogenrates auf den Genannten gefallen; er dürste bald sein Amt in England antreten. Rabbi Levi steht gegenwärtig im 52. Lebensjahre und erfreut fich in Frankreich nicht blos als Gelehrter und Autor, sondern auch als Prediger und Seelsorger großer Wertschätzung. Levy ist der Verfaffer zahlreicher historischer Schriften und hat die hebräische Literatur um viele wertvolle Werke bereichert. Feuilleton. Cyrrnaika in der jüdische« Geschichte. Angesichts des italienisch-türkischen Konfliktes, bei dem es sich ja nicht nur um das eigentliche Tripolitanien, sondern auch um die türkische Nachbarprovinz Cyrenaika (auch Benghasi oder Barka genannt) handelt, ist es von höchstem Interesse, welche außerordentliche Rolle jenes Land in der alten jüdischen Geschichte gespielt hat. Auch das ist merkwürdig genug, daß wir eine schöne Zusammenstellung der alten historischen Fakten einer ganz neuen auf die Kolonisation von Cyrenaika gerichteten Bestrebung verdanken, nämlich dem vor einigen Jahren aufgetauchten Projekt Mr. Zangwills. Es ist nicht zu verstehen, wenn man den vorzüglichen Bericht, der seitens der von der Jto entsandten Forschungskommission erstattet wurde, liest, weshalb aus der geplanten Kolonisation nichts geworden ist. Und noch heute wäre es