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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-13 · 41 (13.10.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite H86 Dr. Blocks WochMchrlst Juden zur Ruhe gemahnt wurden, arteten die Exzedenten in Tätlichkeiten aus, schlugen die Betenden und demolierten die zwischen den Frauen und Männern errichtete Wand. Der Gottesdienst mußte unterbrochen werden. Leutnant Frank Blum. Man erinnert sich nochI des großen Aufsehens, das die Affäre des jüdischen Soldaten Frank Blum in Amerika verursachte. Blum wurde beim Offiziersexamen reprobiert und als es sich herausstellte, daß der PrüfungSkommissär Garard die Reprobation nur deshalb aussprach, weil Blum Jude ist, wurde dem antisemitischen General vom Präsidenten Taft eine scharfe Rüge erteilt und Blum zur neuerlichen Prüfung an eine andere Kommission gewiesen. Nun hat Frank Blum, wie aus New-Aork gemeldet wird, die Offiziersprüfung zum zweiten Male glänzend bestanden. Blum ist der Sohn eines Militärschneiders. Auszeichnung des Direktors des Rockefeller- Jnstitutes. Der Direktor des Rockefeller-Jnstitutes für medizinische Forschungen in Amerika, Dr. Simon Flexner, wurde von der Edinburger Universität mit dem Cameron-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird auf fünf Jahre Demjenigen zuerkannt, der in den abgelaufenen fünf Jahren auf dem Gebiete der praktischen Therapeutik Bedeutendes geleistet hat, Dr. Flexner erhielt den Preis für seine Forschungen über die epidemische Cerebro-Spinal-Meningitis und deren Serumbehavdlung. Der Senat der Edinburger Universität lud Doktor Flexner überdies ein, Vorlesungen über seine Forschungen zu halten. _ Vermischtes. Trauerfeier für Oberkantor Bola Gnttmann. Eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern ist an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Ersuchen herangetreten, die Abhaltung einer Trauerfeier für den allzufrüh dahiugeschiedenen Oberkantor B6la Guttmann an der Stätte seiner hervorragenden Wirksamkeit, im Leopoldstädter Tempel zu gestatten. Der Vorstand hat diesem Ansuchen bereitwilligst Folge gegeben. Die Trauerfeier, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d die Gedenkrede halten und Herr Oberkantor Morgenstern die kantoralen Funktionen versehen wird, findet Donnerstag den 19. Oktober 1911, 7 Uhr abends, im Leopoldstädter Tempel statt. Besondere Einladungen zu dieser Trauerfeier ergehen nicht. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Studierende werden auf die in Nr. 220 vom 26. September, Nr. 225 vom 1. Oktober, Nr. 227 vom 4. Oktober und Nr. 226 vom 5. Oktober l. I. der „Wiener Zeitung" zur Verlautbarung gebrachten zahlreichen interkonfessionellen Stipendien verschiedenster Kategorie aufmerksam gemacht. Der Erste Sekretär: Dr. Lieben. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, IX., Müllnergasse 35. Die am 27. September 1911 stattgefundene Ausschußwahl hatte folgendes Ergebnis: Präses: J. U. D. Robert Friedländer; I. Vrzepräses: cand. arch. Haus Sobelsohn; II. Vizepräses: 3. U. C. Oskar Mannheimer; I. Schriftführer: jur. Oswald Gloga«; II. Schriftführer: J. U. 6. Erich Saxl; I. Kassier: jur. Hermann Klapper; II. Kassier: phil. Oskar Grüubaum; Hausbertoefer: jur. Edgar Schick; Zeitungsverweser: phil. Ludwig Weiner; Bibliothekar: jur. Oskar Lorbeer. Wie». (Laub Hütten fest.) Interessant wäre, in der Großstadt die „Sukkot" in Augenschein zu nehmen, namentlich die größeren, denen man besonders im 2. Bezirke begegnet. Und nicht genug kann es besonders unseren gutsituierten Familien ans Herz gelegt werden, solche in ihren Häusern zu errichten oder zum mindesten ihren Kindern die Best htigung einer Sukka zu ermöglichen. So sahen wir am 1. Sukkot- Nachmittag eine stattliche Schar Kinder mit ihren Müttern in der Stadttempel-Sukka. Und das kleine „Barches", das die Kinder mit einer „Brocho" weihten, wie mundete das! Ebenso drängte sich alles um die schöne Leopoldstädter Tempel-„Sukka", deren Fenster und Glastüren von jedem Vorhang frei den Kindern den Einblick zu jeder Zeit ermöglichen sollten, auch wenn die Laubhütte geschlossen ist. — Eine Riesen-Sukka errichtete in der Malzgasse der Verein „Einheit", eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Hunderte von Gästen speisen hier täglich rein, gut und billig. Auch viele Private errichteten sich heuer schöne „Hütten" für das Fest. Ein renommierter Arzt in der Taborstraße hat am Balkon eine elektrisch beleuchtete „Hütte". Mancher Passant bewundert im Vorbeigehen die Laube und. die schönen hebr. Gesänge in derselben« Anerkennung verdienen ^ille, die dieses alte, heilige Gebot in Ehren halten — auch im Getriebe der Großstadt. Austritte aus dem Judentum Vom 1. Oktober bis inkl. 7. Oktober 1911. Ehrlich Eduard, Student, geb. 22. Februar 1893, Wien, VI., Stumpergasse 53—55. Ehrmann Fritz, Realschüler, geb. 22« Juli 1894, Wien, VII., Kaiserstrasse 76. Einörl Alexander, Realschüler, geb. 23. Februar 1897, Wien, II., Nordbahnstrasse 64. Freund Hedwig Itha geb. Berger, Adv.-Gattin, geb. 24. Juli 1872, Wien, XIX., Armbrustergasse 10. Freund Renate Marie, geb. 29. Oktober 1904, Wien, XIX., Armbrustergasse 10. Freund Hedwig Lisbeth, geb, 5. Dezember 1906, Wien, XIX., Armbrustergasse 10. Karnitzer Paul, ledig, geb. 22. April 1893, Wien, II., Rueppg. 9, Karnitzer Samuel, Journalist, verh., geb. 26. November 1859, Gewitscb, II., Rueppgasse 9. Kramer Josef, ledig, geb. 13. August 1885, Misslitz, X, Kolumbusgasse 2. Budapest. Leopold Kronberger, Generaldirektor der Ungar. Allgem. Sparkasse und Albert Frankfurter, Generaldirektor des Oesterr. Lloyd, erhielten den Titel Hoftat. Ba«. Dieser Tage beherbergte der hiesige Wahlbezirksort seinen Abgeordneten, den gewesenen Justizminister, wirklichen Geheimrat, Alexander v. Erdely, dem bei dieser Gelegenheit ein solenner Empfang bereitet wurde. Der hiesige Ort, der durch die in den Siebziger-Jahren neuentstandenen Verkehrsadern, der zu beiden Seiten sich hinziehenden Waag- und Neutratalbahn viel von seiner früheren Bedeutung verloren hatte, zeigt, seitdem vor zehn Jahren diese beide Hauptlinien durch eine Zweigahn mit hier als Mittelpunkt verbunden wurde, eine neuere, regere Entwicklung. Dem Herrn Geheimrat A. v. Erdely ist es nun zu verdanken, daß hier in diesem Jahre vom Staate eine Knaben- und Mädchenbürgerschule mit je vier Klassen eröffnet wurde, welche sofort eine Anzahl von mehr als zweihundert Schüler und Schülerinnen zeigt und zur kulturellen und die jüdischen Kinder betreffend, die nun bis zum reifen Alter unter bewährter Leitung Md elterlicher Aufsicht verbleiben können, hoffentlich auch zur religiösen Besserentwicklung führen dürfte. Dies veranlaßte, daß die erschienenen Deputationen dem Abgeordneten den wärmsten Dank aussprachen. Auch die Bauer autonome, orthodoxe, israelitische Bezirksgemeinde verdolmetschte durch Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Moriz Reich die Gefühle des Dankes und der Liebe zu den illustren Abgeordneten, der den hiesigen Bezirk schon vor der sogenannten „Koalition" vertrat, und bemerkte in seiner Ansprache, daß Herr Geheimrat A. v. Erdely zu jenen hochsinnigen Männern der altliberalen Partei gehöre, welche nicht nur versprachen, sondern ihre Versprechungen auch voll und ganz einlösten. Herr Geheimrat Erdely dankte wiederholt und herzlich für die ihm dargebrachte Ovation mit dem Bemerken, daß ihm dieselbe besondere Freude und Genugtuung verursachte. Der Deputation hatten sich auch die Herren Bezirksarzt, Honorarphysikus Dr. Freund, Rechtsanwalt Dr. Lakos, Fabriksdirektor Milch u. m. A. angeschlossen. Tachau. (Todesfall.) Am Jom Kippur verschied hier der allgemein geachtete emeritierte Rabbiner Herr Hermann Körper im 75. Lebensjahre. Ec machte sich erbötig, das Mncba-Gebet vorbeten zu dürfen und begann auch, diese Funktion auszuüben, vor Wiederholung der Tefilali öffnete er sich noch selbst die Bundeslade und ging zum Vorbetertisch, begann das Schemonoh Fsre-Gebet, wiederholte noch den Schlußvers i&n -2 1333» 13b Niv-N 13-8LN2 Hb als ihn die Kräfte verließen und die Stimme versagte, worauf der Herr Tempelvorsteher Josef Klein und Here Alfred Steiner ihn umfingen und laben wollten, er weigerte sich jedoch, das geringste zu nehmen, mit den Worten -,i&3 LI', verlor er das Bewußtsein. Man trug ihn in seine in der Nähe des Betlokales befindliche Wohnung und gerade als die erschütterte Gemeinde andächtig ausrief JiJ)3 1J7 HflS DV J1JQ '2 nS'Jtt hauchte er seine reine Seele aus. Erwär m mehreren Gemeinden, zuletzt über 15 Jahre in Theustng als Rabbiner tätig, von wo er sich im Vorjahre in Tachau zur Ruhe setzte. Ueberall, wo er wirkte, erfreute er sich besonderer Wertschätzung und Beliebtheit. Er hat nirgends Feinde, nur Freunde hinterlassen. Dies bewies die große Teilnahme bei seinem am Donnerstag den 5. d. M. stattgefundenen

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