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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-13 · 41 (13.10.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 688 Dr. Vlochs WochMschrift Str. 41 ein durchaus wünschenswertes Ziel, solche jüdischen Kreise und Organisationen, die für eine direktere Palästmaarbeit nicht zu haben sind, für eine großzügige Ausiedlungstätigkeit in diesem türkischen Gebiet zu gewinnen, dessen natürliche Verhältnisse und nahe Erreichbarkeit außerordentlich günstig sind. Wir lassen den folgenden Geschichtsabriß folgen, den Professor Slousch dem Jto-Berichte beigefügt hat. Cyrenaika, das Josephus als eine „Verlängerung Palästinas jenseits des Nils" bezeichnet, hat zu allen Zeiten den Juden als ein Kolonisationszentrum gedient. Kein Land der Diaspora, vielleicht mit der einen Ausnahme Mesopotamiens, hat in der Geschichte des Volkes Israel eine solch führende Rolle gespielt. Man kann geradezu sagen, daß in keinem Lande außerhalb Judäas das Judentum in sozialer und politischer Hinsicht einen jo dominierenden Einfluß hatte wie in Cyrenaika. Dieser jüdische Einfluß hat auch dazu beigetragen, in unserer Zeit wieder diesem Lande Aufmerksamkeit zuzuwenden, insofern als schon zur Zeit des jüdischen Staates es den Juden gelungen war, in Cyrenaika eine der blühendsten und loyalsten Kolonien der Diaspora zu schaffen. Die jüdische Kolonisation dieses Landes beginnt zur phöuizischen Epoche. In der Bibel ist das Land meist mit Libyen bezeichnet, und es ist das Gebiet, das der Prophet Obadja Sepharad (von der Griechenstadt Hesperis) bezeichnet, so daß die allgemeine Bezeichnung der „sephardischen" Juden auf diese größte Kolonie im Westen zurückgeht. Im Jahre 320 vyr unserer Zeitrechnung errichtete Ptolemäus I. an strategisch wichtigen Punkten von Cyrenaika Militärstützpunkte, deren Mannschaft aus den von Palästina gebrachten jüdischen Gefangenen bestand. Diese jüdischen Garnisonen erfreuten sich im Laufe der Zeit einer vollständigen Autonomie; politisch verteidigten sie die Sache der Ptolemäer gegen die Griechen der Pentapolis (so genannt nach den fünf wichtigsten Städten des Landes), in religiöser Hinsicht unterstanden sie dem Oniastempel in Egypten. Zu jener Zeit wandten sich auch große Kolonien jüdischer Handwerker und Kaufleute nach den Städten der Pentapolis, und zur Zeit der Verfolgungen unter Antiochus wandten sich viele Pharisäer ebenfalls von Palästina nach Cyrene. Ein dortiger Autor, Jason von Cyrene, schrieb ein großes Werk über den Aufstand der Makkabäer. Das zweite Makkabäerbuch ist nur ein Auszug aus diesem Werke. Strabo, der Cappodizier, ein Autor, der vor der christlichen Aera lebte, sagt, daß in Cyrene die Juden eine besondere Bevölkerungsschichte bildeten und daß in Egypten sowohl wie jn Cyrenaika die anderen Nationalitäten vielfach die Sitten und Gebräuche der Juden annahmen. Im Jahre 74 vor unserer Zeitrechnung fühlten sich die Juden von Cyrenaika stark genug, um mit bewaffneter Hand der Besetzung des Landes durch die Römer zu widerstehen. Seit der Zeit Philos bildeten die Juden in Cyrenaika die Mehrheit der Bevölkerung. Zur Zeit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch Titus finden wir den Hohepriester Jsmael auf der Flucht nach Cyrenaika. Cyrenische Juden nahmen auch an der Verteidigung Jerusalems teil. Ueberhaupt waren die Juden damals in diesen Ländern vom kriegerischen Geiste beseelt. — Nun aber wandten sich Griechen und Römer gegen die jüdische Bevölkerung, und als Rabbi Akiba aufstaud, um die ganze jüdische Welt gegen Rom in Aufruhr zu bringen, waren die cyrenischen Juden mit die ersten, die sich anschloss-u. Nach Dio Cassius wurden damals von den Juden 220.000 Griechen niedergemacht. Gleichzeitig freilich wurden in Alexandria die Juden von den Griechen fast ausgerottet. Der Jndenaufstand in Cyrenaika wurde von den Römern blutig unterdrückt, und die ganze jüdische Bevölkerung wurde vernichtet. Seit jener Zeit ist das Land so gut wie unbevölkert geblieben, da nach der Ausrottung der Griechen durch die Juden und der der Juden durch die Römer kein neues Bevölkerungselement von nennenswerter Zahl ins Land kam. Aber ein Teil des jüdischen Heeres entkam und rückte unter dem Befehl Bar-Deromas nach Palästina, ergriff dort Besitz von Ländereien im Gebiet von Ephraim und hielt sich in den dortigen Bergfesten bis zur Zeit Bar-Kochbas. Auf diese Weise nahmen die Juden von Cyrene mit an der Befreiung des palästinensischen Mutterlandes teil. Zahlreiche Flüchtlinge wandten sich ins Innere des Landes zu ihren berberischen Nachbarn. Und sie waren es, die die Berberstämme des Innern in ihrem Jahrhunderte langen Widerstand gegen Rom bestärkten. Uebrigens haben auch in den von den Römern wieder aufgebauten Küstenstädten jüdische Gemeinden sich in. der Folge wieder niedergelassen, und der Bischof Synesius erwähnt ums Jahr 320 jüdische Schiffsführer und Seeleute von Cyrene. Noch heute findet man überall im Lande Spuren dieser alten jüdischen Militärlager und Kolonien: jüdische Begräbnisplätze, Ruinen von Städten, griechische und hebräische Inschriften. Die vom Küstengebiet vertriebenen jüdischen Krieger spielten im Innern Lybiens die Rolle von Eroberern. Ihre Führer sammelten Juden und Berber gegen die Römer und ihre Priester wurden auch von der eingeborenen Bevölkerung verehrt. Der jüdische Einfluß breitete sich überall im Atlasgebiet, in Aethivpien ' und im Sudan aus, wo die Abkömmlinge der cyrenischen Juden große Reiche gründeten, die Eingebornen judaisierten und dem Lande Zivilisation brachten. Zur Zeit der Vandalen wandten sich die Juden wieder der Seeküste zu, um jenen gegen die Byzantiner beizustehen; damals hielten die berberischen Juden mehrere Hafenplätze besetzt. — Die Nefoussa, ein jüdischer Stamm, beherrschten lange Zeit hindurch den Süden Cyrenaikas, die Mediuna, ein anderer jüdischer Stamm besetzten Oran und den Osten Marokkos. Die Riata dominierten im Rifgebiet. Bis in das Mittelalter hinein war Ptolemais, das heutige Tolmetta, eine jüdische Stadt. Die große arabische Invasion fand die Juden als Herren eines großen Teiles von Nordafrika. Die Kämpfe zwischen den Juden und judaisierten Berbern mit den eindringenden Moslems dauerten Generationen hindurch, und seit der Vernichtung oder dem Verschwinden der ersteren sind die bereits vorher fast entvölkerten Gebiete ganz und gar heruntergekommen. Der Bericht, dem wir hier im groß-n und ganzen gefolgt sind, schließt mit den Worten: Es ist, als ob das Land auf die Nachkommen des Volkes wartete, dem es seine letzte Blütezeit verdankt hat. „Jüd. Rundschau". Literat»«. Der tote Wille. (Mutter — Kunst — Träumer.) Drei Einakter von Friedrich Porges. (Verlag des Bureau Karl Fischer, Berlin- Friedenau, Sponholzstrasse 10.) Preis broseb. 2 Mk. Mit Recht hat Friedrich Porges seinen drei Einaktern „Mutter „Kunst“ und „Träumer“ den gemeinsamen Titel „Der tote Wille“ gegeben. Alle drei zeigen in starken Handlungen den Untergang des eigenen Willens gegenüber dem Lebensschicksal. In „Mutter“ bricht das Geschick den Willen zweier junger Seelen, den der harrenden Braut und den des heimkehrenden Sohnes. Wie sich der Wille zum realen Leben in der Ekstase des künstlerischen Schaffens verliert, das zeigt Porges in dem Einakter „Kunst“. In „Träumer“ wird ein willensstarker Idealist durch den Kampf mit der Wirklichkeit zum Willenlosen gemacht. Straff geführte wirkungsvolle Handlungen und an Spannungen reiche Dialoge zeichnen dieses Bühnenwerk aus, da^ von dem starken dramatischen Talent des Autors Zeugnis gibt. „Die Hilfe'4. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 40. 5. Oktober 1911. Aus dem Inhalt: Ernst Jäckh: Der Prestigekrieg um Tripolis. — Friedrich Naumann: Hannover und Dänemark. — Axel Schmidt: Stolypin’s Werk. — Erich Euck: Anwaltssbrgen. — Unsere Bewegung.. — Soziale Bewegung. — Ernst Schnitze, Hamburg: Kultur und Talent I. — Gurt B lass: Reserveregiment. — Paul Zs ch.orli ch : Oestliches Tagebuch: Bukarest. — Paul R o h r b a c h: Palästina V. — Theodor H e u s s : Glasmalerei. — Büchertisch. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin-Schöneberg.

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