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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-13 · 41 (13.10.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 684 De. Blochs WochMschrist Nr. 41 Jüdische Legionen für oder gegen die Türkei? Von Moritz Frühling.*) Von zwei mir befreundeten, aktiv dienenden jüdischen Offizieren, der eine in Bosnien, der zweite in Galizien in Garnison, kam mir je ein Schreiben zu, beide charakteristisch und von der gegenwärtigen politischen Lage beeinflußt. Beide geben eine beachtenswerte, in den Grundzügen sich deckende Anregung, die nur bezüglich der Sympathierichtung auseinandergeht. Beide proponieren die Anwerbung jüdischer Freiwilligen und Aufstellung jüdischer Legionen, der eine für die Türkei, der andere für Italien. Der Türkenfreund, jüdisch-national fühlend, führt das jüdische Interesse für die Konsolidierung und Stärkung des Osmanenreiches an, von dem er sich verspricht, wir dürften früher oder später, im eigenen Lande, doch einen Teil dieses Reiches bilden. Der Jtalianophile hingegen beruft sich auf historisch begründete Sympathien für das ritterliche und liberale Italien, in welchem vollständige Gleichberechtigung herrsche und — was ihm sehr imponiert — die Juden bis zur totalen Jtalianifierung assimiliert seien. Beide Enthusiasten meinen es mit ihren Vorschlägen ernst, würden als erste in die Reihen dieser Legionen eintreten, zu welchem Zwecke sie von der Militärbehörde Urlaube erbitten und nötigenfalls auch Abschiede nehmen würden. Möge man in jüdischen Kreisen diese Herren als Phantasten belächeln — ganz kurios sind ihre Anregungen doch nicht. Sie dürsten mit ihren Wünschen auch kaum vereinzelt dastehen. So edel diese Abfichten auch sind, antwortete ich den Herren, wir haben gar keinen Anlaß, für den einen oder den andern Staat unsere Haut zu Markte zu tragen. Ein Aufruf zugunsten der Türkei würde in den Herzen der jüdischen Jugend aller Länder zweifelsohne mächtigen Widerhall finden. Aber unvergesien leben noch in der Erinnerung jener, die sonst gerne hingehen würden, die jüngsten Kundgebungen der jungtürkischen Minister, die sich allen jüdischen Bestrebungen in Palästina widersetzen. Kein vernünftiger, auf führendem Posten stehender Jude würde unter den heutigen Verhältnissen einen derartigen Austuf unterschreiben. Heute ist uns die Türkei — um einen bekannten Ausspruch zu varriieren — noch nicht die Knochen eines einzigen jüdischen Soldaten wert. Italien hingegen kann auf die Sympathien der Juden, die nur dort zu finden sind, wo für Freiheit und Unabhängigkeit gekämpft wird, in diesem Kampfe nicht rechnen. Eine Geschichte, die zwei Seiten hat. Von Karlsbad aus wird von einer Seite, die zu den dortigen städtifchenPreßkreisenin nahen Beziehungen steht, folgende Notiz in die Blätter lanciert: Lins llsrrogin als LekaobspivlerLn. Vor einigen Tagen verliess Herzogin Paul von Mecklenburg-Schwerin Karlsbad. Die Herzogin, die eine eifrige Schachspielerin ist, lud während des Schachturniers wiederholt einen oder den anderen Matador Dach Schluss des Preisspieles zu sich, um mit den Meistern ein Spielchen zu wagen, das sich dann oft bis spät in die Nacht hinein ausdehnte. Die Matadoren scheinea aber diese Auszeichnung nicht sonderlich gewürdigt zu haben, denn sie betrachteten ihre Teilnahme an dem Privatschachturnier keineswegs als Vergnügen, sondern als Unterricht und überreichten der hohen Frau ungeniert die Eechnung, die bei einem der Meister nicht weniger als 500 Kronen betrug. Die Herzogin wird nicht wenig überrascht gewesen sein, als sie ihren Enthusiasmus für das Schachspiel durch den nackten Materialismus entheiligt sah. Wie wir nun hören, hat diese Sache noch eine andere Seite. In Karlsbad fand ein' Schachtournier statt, und da ein Mitglied des Rates der Stadt namens Dietze Obmann des dortigen Schachklubs ist, so bewilligte die Gemeinde für dieses Tournier eine Subvention von 15.000 Kronen, „weil hiedurch für den Kurort eine große Reklame umsonst entstand", wie die dortigen Blätter besonders hervorhoben. Es kamen etwa 26 *) Durch ein unliebsames Versehen wurde dieser für die vorwöchige Nummer bestimmt gewesene Aufsatz nur teilweise abgedruckt; Wir bringen ihn jetzt nochmals ganz zum Abdruck. professionelle Schachspieler nach Karlsbad, um etwas zu verdienen und sie spielten nahezu 5 Wochen, dann verteilte man „die Preise". Neun davon erhielten je 100 Kronen (für ein fünfwöchentliches Spiel!) einige 125, einige 100 Kronen usw. Der erste Preis war 3000 Kronen, der zweite 2400 Kronen usw. Der Berliner Sportschriststeller von Bardeleben zog scharf über dieses Tournier her und auch in Karlsbad wurde darüber gesprochen. Schon der Gewinner des zweiten Preises verdiente nicht genug, um die Kosten seines fünfwöchentlichen Aufenthaltes in Karlsbad zu decken, und die andern mußten wenigstens je 1000 Kronen für das Vergnügen bezahlen, in Karlsbad gespielt zu haben. Die Wahrheit scheint die zn sein, daß man in Karlsbad eine billige Reklame für den Kurort brauchte und sich einige vermögenslose jüdische Schachspieler ausgeborgt hat, damit dieselben auf ihre eigenen Kosten der reichen Stadt zu dieser billigen Reklame verhelfen. Nachträglich wird nun noch eine Schandnotiz über die Leute in die Blätter lanciert, um noch einen Stein auf sie zu werfen. Geheimrat Dr. Wilhelm Freund achtzigster Geburtstag. Die „Breslauer Zeitung" schreibt: Vor einigen Tagen feierte einer der angesehensten Bürger unserer Stadt, einer der wenigen Ehrenbürger Breslaus, Geheimrat Dr. Wilhelm Freund, seinen achtzigsten Geburtstag. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich in einem gewissen Alter die Jubiläen drängen. So konnte Geheimrat Freund vor wenigen Monaten sein sechzigjähriges Dienstjubiläum feiern, in wenigen Monaten wird es fünfundzwanzig Jahre sein, daß er Stadtverordnetenvorsteher ist, und am heutigen Tage begeht er, wie schon erwähnt, ein mehr familiäres Fest, den achtzigsten Geburtstag. Wir möchten unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß es ihm an diesem Tage vergönnt ist, in voller Rüstigkeit auf ein langes Leben, reich an Arbeit und Erfolgen, zurückzublicken, auf ein Leben frei von Stürmen, voll innerer Harmonie. Wir möchten keine biographischen Daten aufzählen, wir möchten nur daran erinnern, wie er, fast überall, wo er sich betätigen durste, die höchsten erreichbaren Ehren erlangt hat. Seit fast einem Menschenalter ist er Vorsitzender des Vorstandes der schlesischen Anwaltskammer, seit vier Jahrzehnten Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung und seit einem Vierteljahrhundert deren Leiter, im Repräsentanten-Kollegium der hiesigen Synagogen-Gemeinde führt er gleichfalls feit langen Jahren den Vorsitz, die Dtadt Breslau hat ihn zu ihrem Ehrenbürger, die Universität Breslau zum Ehrendoktor ernannt. In der zweiten Hälfte der Siebziger-Jahre, in der Zeit also, in der die Liberalen noch über die Breslauer Mandate verfügen konnten, hat er die Stadt Breslau im Reichstag und Landtag vertreten. Daß es ihm auch an rein äußeren Auszeichnungen nicht gefehlt hat, ist selbstverständlich; so erhielt er vor nicht allzu langer Zeit die bei einem Anwalt immerhin ungewöhnliche Auszeichnung des Roten Adlerordens zweiter Klasse. Auch der heutige Tag wird ihm wieder eine Fülle von Glückwünschen und Ehrungen bringen; er darf sie in dem Bewußtsein entgegennehmen, daß sich die weitesten Kreise der Bürgerschaft und der Behörden mit ihm des festlichen Tages freuen. Horazdiowitz. In letzter Zeit haben sich die politischen Behörden sehr energisch dafür eingesetzt, daß die Kultusgemeinden ihren Funktionären die Gehalte erhöhen und diese auf Lebensdauer aufnehmen. Wie aber die Gemeinden unterstützt werden, um ihren Verpflichtungen Nachkommen zu können, erhellt aus Nachstehendem. Im Jahre 1909 wurde behufs Eintreibung der dem Herrn M. L., Viehhändler in Schlau, für das Verwaltungsjahr 1908/1909 vorgeschriebenen Gemeindesteuer die Exekution bewilligt. Mit Beschluß der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Rakonitz vom 28. Jänner 1910 wurde der Vorstand davon verständigt, daß dem Ansuchen des Schuldners um Einstellung der Exekution nicht stattgegeben werden könne, weil die Steuer in gesetzlicher Weise laut Statuten vorgeschrieben wurde. Hiezu wurde bemerkt, daß ein eventueller Rekurs gegen obigen Beschluß keine Aufschiebung der Exekution zur Folge haben würde und daß sofort die Exekution fortgesetzt werden wird. Seitdem find

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