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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-13 · 41 (13.10.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Blochs WochÄtschrifl Sette 681 Antisemitische Kunst. In der Petersburger Kunstausstellung, die vor einigen Tagen eröffnet wurde, meldete der russische Maler Zlotnikoff einige „Kunstwerke" an: ein Porträt Stolypins mit der Ueberschrist: „Das Opfer jüdischer Menschenfeindlichkeit." Die anderen Beiträge waren lauter aufreizende Karikaturen von Juden und jüdischen Festen. Die Zensur verbot die Ausstellung dieser Karikaturen und verordnete die Streichung des Zlotnikoff'schen Stolypin-Bildes aus dem Katalog. Zlotnikoff haufiert schon seit einigen Jahren mit seinen antisemitischen Kunstartikeln bei verschiedenen Ausstellungen herum, konnte aber bisher selbst in Rußland nirgends Obdach finden. Die „Königin vom Nil". In Kairo wird alljährlich um diese Zeit ein Volksfest veranstaltet, das dem Nil geweiht ist. Das Fest ist mit einer Schönheitskonkurrenz verbunden. Die Siegerin erhält außer einem wertvollen Preise auch den Titel „Königin von Nil". Die Krönung der Königin vollzieht sich mit allem Pomp, den orientalische Phantasie zu entwickeln vermag. Die diesjährige Schönheitskonkurrenz endete, wie aus Kairo gemeldet wird, mit dem Siege eines jüdischen Mädchens, des Fräuleins Berta Kessel, die ein Jahr lang den stolzen Titel „Königin von Nil" führen darf. _ Die Bibel in Esperanto. Die vom russischen Arzte Dr. L. L. Zamenhof erdachte und auf dem ganzen Erdenrur.de verbreitete Esperautosprache besitzt schon eine ansehnliche Literatur.. Zu den hervorragendsten Werken gehören Uebersetzungen aus der klassischen Weltliteratur, die der Meister selbst, ein Sprachgenie seltenster Art, geschaffen hat. Wir nennen nur „Jfigenio en Taurido“ (Goethe), „Hamleto“ (Shakespeare) , „La Rabistoj“ (Schiller), Georgo Dandin“ (Moliere), „La Revizoro“ (Gogol), wahre Meisterwerke der Uebersetzungskunst. Zamenhof bat früher schon Teile aus der Bibel übersetzt und unter dem Titel „La Riedikanto“, „Psalmaro“ und „La Sentencoj de Salomono“ in Einzelheften veröffentlicht. Vor etwa zwei Jahren trat der unermüdliche Meister an die Aufgabe heran, das alte Testament in Esperanto zu übersetzen. Bis jetzt ist das erste Buch *) erschienen, dem sehr bald das zweite folgen wird. Zamenhof besorgt die Uebersitzmrg aus dem hebräischen Urtext, dessen gründlicher Kenner er ist, und so kann diese Uebersetzung in die von ihm geschaffene und daher glänzend beherrschte Esperantosprache als eine einwandfreie Arbeit bezeichnet werden. Die Beweggründe, die Zamenhof zur Bewältigung dieser gigantischen Arbeit veranlaßt haben, erklärt er im Vorwort des Buches, dem wir folgendes entnehmen: „Ich meine, daß es am notwendigsten ist, daß wir so bald als möglich eine gute Uebersetzung**) her ganzen Bibel besitzen. Kein Buch ist in der zivilisierten Welt so bekannt — keines hat in der zivilisierten Welt so viele Verehrer — kein Buch hat in der Geschichte der Menschheit eine so mächtige Bedeutung wie die Bibel, weshalb sie jeden Menschen vom geschichtlichen und sozialen Gesichtspunkte aus interessieren muß." Zamenhof meint — vielleicht ganz mit Recht — daß Viele, die die Bibel in der Nationalsprache nicht gelesen haben, dies in Esperanto tun werden. Die Esperanto-Üebersetzung der Bibel hat jedoch auch einen anderen Kulturwert. Trotzdem daß die Bibel in mehr als dreißig Sprachen übersetzt ist, ist sie doch nicht allen Nationen in ihrer eigenen Sprache zugänglich. Da nicht Jedermann eine oder die andere der schweren, lebenden Sprachen gründlich erlernen kann, so ist für ihn das Lesen der Bibel unmöglich. Durch die leichte Erlernbarkeit des . *) Genezo , la Biblio nnua libro, el la orieinalo tradukis Pro. L. L. Zamenhof. Paris. Librairie Hachette & Co. **) In Esperanto. Esperanto kann diesem Uebelstande abgeholfen werden. Ein Vorteil liegt auch darin, daß durch den Vergleich der Esperanto- Uebersetzung mit den nationalen Bibeltexten manche Mängel, die in diesen enthalten sind, verbessert werden können. Es ist hier nicht angebracht von den sonstigen großen Vorteilen zu sprechen, die die Erlernung der Esperantosprache bietet. Der Umstand allein, daß diese Sprache die Fähigkeit besitzt, der ganzen Welt den Inhalt unseres Alten Testamentes zu vermitteln, muß dem Esperanto, dieser genialen Schöpfung Zamenhof's, bei allen Kulturmenschen Freunde und Anhänger gewinnen. E. 8. Professor Giaeobbe Rava. In Mailand starb im Alter von 73 Jahren der Profeffor der Ophthalmologie Giacobbe Rava. Der Verstorbene war seit 1864 Professor und einmal Dekan, vor einigen Jahren Rektor der Mailänder Univerfiität. Gmannel Kirschners neue Gesänge Me Sabbat- und Festtage.*) Besprochen von Eugen Dawisou,*) Obeikantor, Teplitz. Emanuel K i r s ch n e r, Oberkantor (München) gehört zu den wenigen jüdischen schaffenden Musikern, der in den musikalisch verweichlichten Ton nicht einstlmmt, weil er erstens zu viel Esprit besitzt, um nichtssagende Sentimentalität mit ausdrucksvoller Gemütsregung zu verwechseln, ad 2 aber wie jeder gläubige Jude wirklich Optimist ist, nicht bloß „fürs Gewesene" sich begeistert, sondern auch hofft, daß die Sonne dem Judentum der Gegenwart und der Zukunft leuchten wird. Die Dur- Stimmung bleibt deshalb sein Element, die Dur-Stimmung der Lebensbejahung. Mit dem Schluchzen an den Strömen Babylons wurde etwas Verlorenes nicht zurückbehauptet, dagegen erklomm der Opfermut und der stürmische Tatendrang der Makkabäer-Helden die Siegeshöhe! Und diese Siegeszuversicht, die vertrauensvoll hingebende, zur Ueberzeugung gefestigte Voraussetzung von dem Walten einer ausgleichenden Gerechtigkeit überall und an jedem Orte „boruch k’w od adonoj mimk om o“ bleibt der mehr bekenntnisfrohe, innige Gebetston der K i r s ch n e r'schen neuen Gesänge für Sabbat und Festtage. Die Wahrheit der Empfindung geht ihm wie gesagt über alles. „Wie schön find deine Zelte, ma towu oholecho, also bald der Eingangschor zeigt die Frische innerer Teilnahme an der Bewegung der Mittelstimmen, während die Oberstimmen i n breiteren Noten gleichsam als Heiligungsstimmung des gottgeweihten Raumes den Grundcharakter der Anbetnngsmelodie empvrträgt. Sofort bekommt man die kräftige Nuance des gestaltenden Künstlers zu hören, wenn an der Stelle „owo wessecho“, ich betrete dein Haus, eben die vier Stimmen gesondert einsetzen, d. h. das Kommen veranschaulichen und im inbrünstigen Zusammenklang auf dem Orgelpunkt schließen. Wie ein Ruf hinauf zur Gottheit wirkt es, wenn mit dem adonoj eine Terz höher als der Chor schließt, der Kantor beginnt und sofort im Gefühl der Demut nach dem Anruf „adonoj“ sich scharf zur unteren Oktave wendet, immer mehr die Energie des Ausdruckes abschwächt, je mehr von seinem bescheidenen Ich Gott gegenüber die Rede ist; waani eschtachawe, ich bücke, ich beuge mich, nur im Flüsterton pp. vom Kantor Parlandomäßig hingehaucht, vom Chore ebenso kaum vernehmbar nachgesprochen, wirkt in seiner weltentrückten Stimmung wie ein Mysterium. Interessiert im ma towu der geistreiche Musiker, so lernen wir in den drei verschiedenen l'ebo dodi’s in Kirschner Verlagsbuchhanilung I. Kau ff mann, Frankfurt a. M. *> Wir bringen beifolgende Besprechung aus der Feder deS Musikschrisiftellers Eugen Dawifon, Teplitz, dessen Oper „Erda Diösy" im vergangenen Winter mit bedeutendem Erfolg aufgeführt wurde.

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