Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 672 Dr. Blochs den Kindern nur zwei Mitlaute j und w bekannt find. Diese Formen find grammatisch richtig und zuläsfig. — Darüber sagt der Herr Rezensent, das sei „eine Sünde gegen den Geist der hebräischen Sprache", das sei „eine Profanation der heiligen Sprache", denn Strack bringt in seiner Grammatik nur solche Formen, die fich in der Bibel vorfinden, er selbst bildet keine. — Zwischen einer wissenschaftlichen Grammatik und einer einfachen Schulübung ist eben ein großer Unterschied. Nebstdem ist für Strack Hebräisch eine tote Sprache, für mich aber nicht. Denkt Herr St., unsere Väter hätten von dem Worte 11 und unzähligen anderen nur die Formen, die fich uns zufälligerweise in der Bibel erhalten haben, verwendet, dann irrt er. 2. Ich übe die hebräischen Buchstaben, die doch von den deutschen und lateinischen gar so verschieden sind, zuerst an deutschen und dann erst an hebräischen Wörtern ein, weil die Kinder lieber und geläufiger einen Text lesen, den sie verstehen, als etwas, das ihnen fremd und unverständlich ist. Wie ich zu dieser praktischen Neuerung gekommen bin, ist nebensächlich, ich habe jedenfalls niemanden nachgeahmt. — Darüber urteilt Herr St. also: „Wie tot müßte aber unsere heilige Sprache schon sein, wenn es der Verfasser für nötig findet, jede Leseübung vorerst mit einigen Wörtern aus der Muttersprache des Schülers einzuleiten, um so unserer heiligen Sprache den Geist des Lebens emzuhauchen." — Wie hängt das zusammen? Hier handelt es fich um die hebräischen Buchstaben und nicht um den Geist der Sprache. Ich will doch nur, daß das Erlernen des Lesens erleichtert werde, nichts anderes. 3. Mit der Auswahl der Wörter in den hebräischen Leseübungen ist der Herr Rezensent ebenfalls unzufrieden, denn obwohl ich nur biblischen Wortschatz bringe, so find manche seltene Ausdrücke darunter. „Was sollen Lehrer und Kinder mit solchen Wörtern beginnen?" Das find doch Leseübungen, zum Einüben des Alphabets bestimmt, die werden nicht übersetzt und das Kind hat denselben Nutzen, ob es diese oder jene Wörter liest, denn es merkt fich dieselben nicht. Ich habe aber absichtlich einige solche Wörter gebracht, weil ich die anderen Fibeln nicht abschreiben wollte und weil ich der Anficht bin, daß das Kind eiueu jeden deutlichen Text lesen können muß und nicht bloß einige Gebetstücke. Ich bürge dafür, daß kein einziges Kind daran ersticken und daß sich kein einziger Lehrer daran die Zange brechen wird. 4. Herr St. schreibt: „Und doch soll und muß jede Tätigkeit iu der Schule nutzbringend sein, jedes Wort der heiligen Sprache, der Sprache unseres Gottesdienstes, das wir dem Kinde beibringen, darf deshalb nur dem Bereiche unserer Liturgie und den bekannten ethischen Lehren der heiligen Schrift entnommen werden, so daß der Schüler nach Jahren sich mit Freude an den Lesestoff der Fibel erinnern soll." Zu dieser Ansicht muß ich gratulieren, auf die kann der Herr Kritiker stolz sein. Er führe mir aber nur ein einziges Kind aus der großen jüdischen Gemeinde in Wien vor, das fich nach Jahren mit Freude an den Lesestoff der hebräischen Fibel erinnert! Das Kind wird wissen, die Fibel hatte einen blauen Umschlag, große Lettern, hat 40 Heller gekostet, war sehr dünn, aber nichts mehr. Kann man denn die hebräische Fibel mit der deutschen vergleichen? Ist es möglich, daß ein Schüler den hebräischen Lesestoff im Gedächtnisse behalte? 5. Herder sagt: „Für die Kunst, seine Sprache zu gebrauchen, gibt es eine vortreffliche Uebung — Lesen heißt diese Uebung, aber Lesen mit Verstand und Herz." Kann das an eine hebräische Fibel angewendet werden, wie es St. tut? Man zeige mir eine solche, in welcher das Kind mit Verstand und Herz lesen kann, und ich verbrenne sofort alle Exemplare meines Lehrbuches. Dies wird man sicherlich auch von der neuen Fibel, welche demnächst der Wiener Religionslehrer — ich will nichts verraten — herausgeben wird, nicht sagen können. Gerade so schlecht ist auch das Zitat von Pestalozzi angebracht. Aber direkt verdreht find die Zitate aus meiner „Methode des hebräischen Unterrichtes". WochMchrift Nr. 40 6. Der Herr Rezensent hätte bewundern können, wie viel verschiedene Sätze mit Hilfe der paar Vokabeln in meinem Lehrbuche gebildet werden, statt dessen greift er zwei weniger gelungene heraus, um schlechte Witze zu machen. 7. Ueber das Ueben der hebräischen Schrift bin ich einer anderen Ansicht als der Herr Rezensent. Er achtet nicht auf meine Schreibtafel, er sieht nicht, daß in der vorgeschlagenen Form ein jedes Kind in der zweiten Klasse spielend die hebräische Quadratschrift erlernen muß, er bedauert die armen Kinder, denen man so was zumutet. Ich dagegen bedauere nur diejenigen Kinder, die von unfähigen Lehrern unterrichtet werden. 8. In meinem Buche ist keine „Verworrenheit und Ratlosigkeit", sondern ein streng durchgeführtes System, aber freilich geschieht es oft, daß man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Verworrenheit und Ratlosigkeit finde ich nur bei Lehrern, die mit dem Worte „Juno" und „Ninive" nichts anzufangen wissen. Zu meinem Tröste sind aber nicht alle Lehrer der Ansicht des Herrn Stengel. Ich könnte hier Urteile von Rabbinern Oberrabbinern, Universitätsprofessoren über mein Buch reproduzieren, aber ich will mir keine Reklame machen. Nur die Worte eines praktischen Religionslehrers, welcher in der Hauptstadt eines unserer Kronländer wirkt und mein Buch noch vor der Approbation eingeführt hat, sollen hier zitiert werden: „Mit Freuden konstatiere ich, daß Ihre Bücher für den Religionsunterricht sehr empfehlenswert sind, denn die Methode ist leichtfaßlich und der Unterricht anregend und nicht geistestötend wie nach der unglückseligen Fuchsschen Methode. Ich nenne sie so, weil nur durch Anwendung dieser der jüdische Religionsunterricht so herabgesunken ist. Ich benütze jetzt seit Beginn der Schule Ihre Bücher und sehe nun die Erfolge in dieser kurzen Zeit; es ist geradezu erstaunlich. Und mit welcher Lust und welchen Eifer Ihre Schüler lernen, ist wahrlich eine Freude. Von jedem gewissenhaften Lehrer mutz Ihre Methode als die beste anerkannt werden; nur die bequemen Herren oder die den Religionsunterricht als Geschäftssache betrachten, werden den Kopf schütteln." Durch diesen Brief ist auch die Behauptung des Rezensenten, „solche Bücher machen jede Leistung unmöglich", entkräftet. . Damit find alle Anklagepunkte St.'s widerlegt. Es bleibt nur zu entscheiden, ob man sagt, „wir nehmen die Uebung durch" oder „vor", aber das ist so kleinlich, wie alle Ansichten des Herrn Stengel. Raudnitz a. E. Rabbiner Dr. Richard Feder. Das palästinische Arabisch, die Dialekte des Städters und der F.llachen. Grammatlk, Uebungen und Chrestomathie, dargestellt von Leonhard Bauer. Zweite,-vollständig umgearbeitete Auflage. Leipsig, I- C. Hlnrichs'sche Buchhandlung. Preis brosch. Mk. 6.—, geb. M. 7.—. Dieses Buch muß neben dem Bädecker als ein unentbehrliches Vademekum für alle Palästinabesucher betrachtet werden, deren Zahl mit jedem Jahre in wachsender Steigung begriffen ist. Wer schon einmal in einem fremden Lande gereist ist, ohne der Landessprache ganz oder wenigstens teilweise mächtig zu sein, der weiß, wie viel ihm zu einem vollen geistigen, genußreichen und angenehmen Ertrag der Reise gefehlt hat. Ohne Kenntnis der Landessprach: ist er auf Gnade oder Ungnade vollständig rat- und willenlos seiner Umgebung ausgeliefert und es bleibt ihm absolut unmöglich, mit der Seele, dem Denken und Fühlen, den Sitten und Gewohnheiten der eingeborenen Bevölkerung in nähere Berührung zu kommen, was doch eigentlich für den Reisenden, der nicht bloß für alte Ruinen, Tempel, Mauern, Inschriften, verwitterte, moosbedeckte und verblichene Baue, Denkmäler, Gemälde usw. einen Sinn hat, sondern wie zu Hause so auch auf der Reise nach Leben dürstet, schließlich die Hauptsache bildet. Ohne genügende Sprachkenntnisse ist der Reisende wie ein kleines hilfloses Kind ohne Unterlaß bei jedem Schritt und Tritt an das Gängelband des „ReisemarschallS" oder seines Führers gebunden, er sieht sich genötigt, überall die teuersten Hotels aufzusuchen, wo man eine ihm geläufige Sprache spricht, er wird bei allen geschäftlichen Abwicklungen viel leichter übers Ohr gehauen, muß seinem Geldbeutel stärker Ader lassen und hat mit einem Mort im fremden Lande wenig Genuß, statt dessen aber viel Verdruß. Allerdings der Aneignung nnd Beherrschung einer fremden Sprache stellen sich oft nicht geringe Schwierigkeiten entgegen, welche in der Konstruktion und dem ganzen Aufbau und Geiste derselben ge-