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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-06 · 40 (6.10.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Blochs WschMchrift Geile 669 Geburtstage feierten, unseres allaeliebten Monarchen Kaiser Franz Joseph I., der den 81., des Nestors unserer Seelenhirten, des ehrwürdigen Rabbiners Herrn Dr. Adolf Schmied!, der den 90. und unseres allverehrten Kultuspräsidenten Herrn Dr. Alfred Ster«, der seinen 80. Geburtstag erst vor Kurzem feierte, den Segen des Allvaters für diese gefeierten Jubilare herabflehend. Mit lautem Amen fielen die greisen Beter und Beterinnen, die sich ehrfurchtsvoll erhoben hatten, in das Schlußwort des Segens eln, es war eine wahrhaft ergreifende Huldigung der Alten. Wien. (Po a lej - Z ion.) Samstag den 7. d. M. findet im »Cafe Stephanie", II.. Stephaniestroße 3, eine Parteiversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Aufgaben unserer Organisation. Referent: Kaplanski. 2. Diskuffion. 3. Wahl eines Lokalkomitees. Beginn präzise halb 8 Uhr abends. Unbedingtes Erscheinen aller Parteigenosien Pflicht! Wien. Mit Bewilligung des k. u. k. Korpskommandos in Wien fand wie alljährlich, so auch Heuer auf Ansuchen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde während der hohen Festtage in der Rossouer Kaserne für die Mannschaft jüdischen Glaubens unter Leitung des Oberoffizials Herrn Jakob Stein ein feierlicher Gottesdienst statt, dessen Weihe durch eine am Versöhnungstage gehaltene Predigt des Herrn Feldrabbiners Dr. Armin Abeles noch erhöht wurde. Es wurden an beiden Neujahrstagen wie auch nach Schluß des Versöhnungstages nahezu an 600 Mann seitens des Vorstandes der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde verköstigt. Wien. Die bekannte Pianistin und Klavierpädagogin Manja May-Svedrofsky. II., Adambergergaffe 13, hat ihre Unterrichtstätigkeit wieder ausgenommen; Ausbildung bis zur künstlerischen Reife auch mittels russischer und polnischer Konversation. Aastritte aas dem Judentum Vom 24. September bis inkl. 30. September 1911. Anhalzer Sophie geb. Polinski geschiedene Gorely, Rentnerin, geb. 1. Juni 1866, Elisabethgrad. Axelrad Hermann, geb. 13. Mai 1886, Czernowitz, Bukowina, III.. Paraselsiusgasse 8. Brussin Leonin, Opernsängerin,geb.l2.Februar 1881, Nischny Novgorod, Russland, IX., Spitalgasse 1 a. Fleischmann Mathilde, geb. 2. März 1893, Wien XIX., Gymnasiumstrasse 56. Fried Max, Handelsagent, geb. 23. März 1884, II., Am Tabor 22. Hoffenreich geb. Horn Anna, geb. 24. Juni 1883, Leitmeritz, VIII.. Pfeilgasse 34. Kauders Helene, geb. 22. September 1889, Wien, Strassberg. Kraus Cacilia, geb. 21. Nov. Ic87, Biala, Galiz.III., Arenbergring 14. Leures Karl, geb. 30. März 1890, Wien, III., Kolonitzgasse 10. Moser Hanns, Reisender, geb. 18. Juni 1887, Wien, IX., Seeg. 28. Patzovsky Rudolf, Kaufmann, geh. 26. Februar 1878, Wien. IX, Tendiergasse 3. Singer Walter Ernst, geb. 4. April 1905, röm. kath. Steiner Alfred, geb. 26 Februar 1893, II., Castellezgasse 34. Unger Laura, geb. 17. Oktober 1888, Ullo, Ungarn, V. Rainerg. 36. Weil Sigismund Albert, Kaufmann, geb, 23. Jänner 1859, Antwerpen, IX.. Rufgasse 2. Weiner Johann, geb. 4. Februar 1878, Wien, XVII., Wichtelgasse 55. WeiSz Richard Dr. Jur. 11. November 1870, Pardubitz, Böhmen. Brünn. (Gold ene Hochzeit.) Am 15. Oktober l. I. feiern der in Brünn allseits bekannte 72 jährige Herr Moritz Klein, Schächter der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, und seine 76 jährige Ehegattin Julie, beide in voller körperlicher und geistiger Frische, im Kreise ihrer 5 Kinder und 19 Enkel die Wiederkehr ihres 50. Hochzeitstages. Das greise Ehepaar, das sich allgemeiner Sympathien erfreut, wird voraussichtlich an seinem Jubeltage Gegenstand zahlreicher Ehrungen sein. Breslau. (AuszeichnungeinesRabbiners.) Herr Rabbiner Dr. G u t t m a n n in Breslau, welchem die Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie hervorragende Werke verdankt, wurde von der preußischen Negierung mit dem Titel eines Professors ausgezeichnet. Feuilleton. Der Herzog von Maros. Die Karriere eines Juden. Dr. E. Schulz veröffentlicht in der „Frankfurter Zeitung" eine hochinteressante Studie über die Stellung der Juden am alttürtischen Hofe. Wie ein spannender Roman lieft sich die nachfolgende Lebensgeschichte eines spanischen Juden Don Miquez. Sie lautet: Das 16. Jahrhundert kann man als Zeitalter des Glanzes für die Juden in der Türkei bezeichnen: es zeitigt das Dreigestirn der Hamon, des berühmten Grohjuden Don Miquez und der Jüdin Chierra, auch Kirra genannt. Die Sultane und türkischen Staatsmänner schätzten die Sprachenkenntnisse der Juden, deren Vertrautheit mit der Lage, den Einrichtungen und Zuständen in fremden Ländern, über die sie zufolge der Verbindungen mit ausländischen Iudengemeinden aufs trefflichste unterrichtet waren, ganz besonders. Dazu kam. daß die Sephardim sich als sehr zuverlässig und geschickt in allem erwiesen. Unter Selims Sohn und grobem Nachfolger taucht in Konstantinoyel ein Moräne Don Miquez aus Spanien ajuf. Er war vor der Inquisition zunächst nach Antwerpen entflohen. Dort entführte er eine sehr reiche Jüdin, der zu Liebe er zum Glauben seiner Väter zurückkehrte. Da Venedig ihm ein Gesuch zur Niederlassung abschlug, begab er sich in die Türkei. Durch seine Bildung, seine Klugheit und sein schönes Aeuhere zog er die Aufmerksamkeit des Thronfolgers auf sich, des späteren Selim des Zweiten. Bei diesem stieg er so in Gunst, dab er sämtliche Nebenbuhler bald aus dem Felde schlug. Seinen spanischen Namen legte er ab und nannte sich Josef Nassy und unter dem Namen des „Grobjuden Josef" lebt er in der türkischen Geschichte fort. Dem Thronfolger wurde er einfach unentbehrlich, da er ihm nicht nur Darlehen gewährte und Juwelen verkaufte, sondern vor allem edlen Cyperwein besorgte, den Selim bald leidenschaftlich liebte, obwohl der Koran den Weingenuh streng verpönt. Diese Schwäche für Cyperwein benutzend, drängte Josef beständig zur Eroberung der Insel Aphroditens. Im Rausche war es, als Selim einst den drängenden Josef umarmte mit dem Ausruf: „Fürwahr, werde ich Sultan unsd erobere ich Cypern, so sollst du König von Cypern werden!" Voll Glück ging Josef heim und lieh in seinem Hause das gemalte Wappen Cyperns aufhängen mit der Unterschrift: Josef. König von Cypern. Als Soliman der Große vor den Mauern des von Zriny heldenmütig verteidigten Sigeth verstorben war und Selim den Thron bestieg, vergab er seinen alten Vertrauten nicht. Er verlieh den jetzt mit seinem Bruder zum Islam übergetretenen Josef den Rang eines Defterdars, ihm damit unter die „vier Säulen" einreihend, die das türkische Staatsgebäude trugen. Auf der Rückkehr von Belgrad ging Josef seinem alten Gönner entgegen, ihm durch Fuhfall huldigend. Selim hob ihn freundlich auf und machte ihn zum Herzog von Naros und der zwölf Cykladen. Als Tribut hatte der neue Herzog 14.000 Dukaten zu entrichten und für den Weinzehnt, den ihm Selim dazu verlieh, gar nur 2000. So ist es kein Wunder, daß Josef, jetzt Herzog von Naros, ungeheuere Reichtümer sammeln konnte. Indes Cypern. das Selim eroberte, wurde Josef trotz alten Versprechens nicht zum Lehen übergeben. Die Einkünfte dieser neuen Besitzung erhielt die jeweilige Sultanin- Walsiide (Mutter). Die Groben des Reiches murrten über die Stellung dieses Juden und die unerhörten Vergünstigungen. Selim verschanzte sich hinter der Ausrede, sein grober Vater habe alles so gewünscht und er führe nur dessen Befehle aus. So war und blieb Josef der mächtigste Mann im Staate Mchst dem Sultan. Alle Versuche, ihn zu stürzen, schlugen fehl: selbst der gröhte Vezier, den die oltomanische Geschichte kennt, Sokolli, der eine Machtfülle besah, wie sie in unserer Zeit Bismarck und in vergangener vielleicht Richelieu gehabt haben, vermochte nichts gegen den Emporkömmling auszurichten. Wie gewaltig des Grohjuden Einfluh war. möge

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