Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 40 (6.10.1911)
- Date
- 1911-10-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 668 Nr. 40 Die neue Diamantenbörse in Amsterdam. Vorigen Montag wurde in Amsterdam die neue Diamäntenbörse eröffnet. Nahezu sämtliche 1300 Mitglieder der Börse sind Juden, in deren Händen sich die Diamantenindustrie, sowie der Handel mit Diamanten liegt.. Interessant ist, daß die Börse, sowie das Post- und Telegraphenamt, das sich in dem Börsengebäude befindet, am Samstag und an den jüdischen Feiertagen geschloffen bleiben wird. Das erste Telegramm, das von diesem Amte ausging, war ein Huldigungstelegramm an die Königin. Eine Katastrophe beim „Taschlich". Aus Jaroslau in Galizien wird uns geschrieben: Die jüdische Bevölkerung begab sich wie alljährlich am Roschhaschanahseste zum Fluße Saa, um dort das Taschlich-Gebet zu verrichten. Der Zugang zum Fluffe führt über eine Brücke, auf welcher das Gebet verrichtet wurde. In diesem Jahre gab es aus dieser Brücke ein solches Gedränge, daß dieselbe mitten im Gebete einstürzte, so daß nahezu 100 Personen in das allerdings nicht sehr tiefe Waffer fielen. Die am Ufer Stehenden eilten den Verunglückten zu Hilfe, und es gelang, sämtliche ans Land zu retten. Doch erlitten viele von ihnen mehr oder minder schwere Verletzungen, besonders die Frauen erlitten schwere Nervenschoks, aus denen fie sich erst nach einigen Tagen erholten. Der Unwille der Bevölkerung richtet sich nunmehr gegen die Behörde, welche wohl Kenntnis davon hatte, daß die religiösen Juden aus Anlaß des Neujahrsfestes in Massen die Brücke betreten werden, doch nichts unternahm, um die Brücke entweder zu sichern oder deren Betreten in größeren Maffen zu verbieten. Die Ueberfiedlurrg des englischen Chief Rabbinates nach dem East End. Sämtliche Bureaux des Chief-Rabbinates wurden — wie uns aus London gemeldet wird — von 22 Finsbury-Square in die Lokalitäten des Beth-Hamidrasch in Mulbery Street Commercial Road E, dem Zentrum des Londoner Ghetto, öertegt' Eine bemerkenswerte Spitalsstiftung in Aneona. Dieser Tage wurde in Rom das Testament des jüngst verstorbenen Jsacco Sinigaglia eröffnet. Der Verstorbene errichtet darin ein Legat zu Gunsten des Zivilspitals Umberto I. 150.000 Frcs. mit der Bedingung, daß in dem genannten Krankenhause eine jüdische Abteilung errichtet werde, in welcher alle Vorschriften genau beobachtet werden. Eia gemeinsames Borgeheu der uichtislawitischen Konfessionen gegen das Wegtaufe». Wie die Konstantinopler „Aurore" unterrichtet ist, hat der Großrabbiner der Türkei, Rabbi Chaim Nahum, mit den Patriarchaten der christlichen Konfcffionen Fühlung genommen, um fie zu einer gemeinsamen Aktion zur Verhinderung der in jüngster Zeit überhandnehmenden Wegtaufen zum Jslamismus zu veranlaffen. Das ökumenische und das bulgarische Patriarchat haben dem Vorschläge bereits zugestimmt und da zwischen diesen beiden Patriarchaten seit einiger Zeit die Beziehungen abgebrochen find, beschloffen, daß ihre Delegierten zur Behandlung dieser Frage ihre Beratungen in den Büros des GÄ»ßrabbinates, als dem neutralen Gebiete abhaltcn sollen. Solcher Sitzungen gab es bereits mehrere. Laut dem vom Großrabbiner ausgearbeiteten Projekte soll zwischen den verschiedenen Kulten eine gegenseitige vorherige Auzeigepflicht eines jeden vorkommenden Uebertrittsfalles vereinbart werden. Russische Wohnrechtsabsurditäten. Die komplizierten Gesetze über das Wohnrecht der Juden in Rußland werden oft durch die Praxis ad absurdum geführt. So ereignete sich erst vor Kurzem der folgende tragikomische Fall. Die jüdische Bauernkolonie Lwowo im Chersoner Gouvernement liegt so nahe an dem Dorfe Kortschanowo, daß es heute bereits schwer fällt, festzustellen, wo die Kolonie endet und das Dorf beginnt. Ein jüdischer Schneider wohnt seit Jahrzehnten in einem Hause, das bisher immer als zur jüdsichen Kolonie, also zum Ansiedlungsgebiete gehörig angesehen wurde. Plötzlich entdeckte die Bureaukratie, daß das Haus auf dem Gebiete des Dorfes stehe und befahl dem armen Schneider, binnen 24 Stunden das verbotene Gebiet zu verlassen. Der Schneider kam dem Befehle nach, in dem er sich in einem Hause, das eine Klafter von seiner bisherigen Wohnung liegt, einmietete. AnalphadsiM unter den Immigranten. Laut den amtlichen statistischen Daten sind im Jahre 1910 insgesamt 1,041.570 Personen nach Amerika eingewandert, darunter 183.439 Männer und 65.130 Frauen, die in keiner Sprache lesen oder schreiben konnten. Von den 34.260 eingewanderten waren 7593 Männer und 10.370 Frauen als Analphabeten bezeichnet, wobei jedoch bemerkt werden mutz, datz die Kenntnis der jüdischen oder hebräischen Schrift nicht immer hinreichte, die Betreffenden davor zu schützen, unter die Analphabeten gezählt zu werden. Jüdisch militärische OrganisationM m Amerika. Vorige Woche unternahmen 100 jüdische Mitglieder der Newyorker State Militia einen Marsch nach Albany, um dem Gouverneur Dir die Bitte vorzutragen, in Albany eine Kaserne für jüdische Freiwillige errichten zu lassen. Leutnant Lewis Landes, der die Truppe kommandierte, überreichte dem Gouverneur ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Newyork Mr. Gaynor, der bereits 3 grotze jüd. Militärorgamsationen gründete, und, sobald die Frage des Ererzierplatzes und der gemeinsamen Uniform gelöst sein wird, werden die drei Organisationen zu einem jüdischen Regimente zusammengezogen werden. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgeüoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Edmund Fischer: Von Therese und Rosalie Weinberger K 10, Felix Klaber 20. Josef Weiß 10, Stein club 10, Familie Ferdinand Schul 20, Rosa Weinberger 10, Julie Kohn-Weinberger 10, Max Hofbauer 10. Zusa'r - men K 100. Anläßlich des Ablebens des sel. Hugo Levinger: Von Julius Hellmann L 40, Dr. Julius Koch 10, Familie Moritz Zweig 30, Geschwister Levinger 50. Zusammen K 130. Anläßlich des Ablebens des sel. Salomon Preis: Von Ludwig Ullmann X 10, Famlie Jakob Neurath 20, Dolph. Engelsman 20. Jgn. Klein 10. Zusammen K 60. Anläßlich des Ablebens der sel. Antonie G o m p e r z: Von Leopold Schönfeld K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard Raff: Von Heinrich Frankl K 5, Josef Deutsch 2. Zusammen K 7. Wien. (A l t e r s v e rs o r g u n g s h au s.) Eine der herrlichsten Institutionen unserer großen Gemeinde — zu Ehren unseres Kaisers erbaut — ist das israelitische Altersversorgungs- und Siechenhaus im IX. Bezirke in der Seegasse. Dahin mögen in den besuchsfreien Nachmittagsstunden unsere vornehmen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern ihre Schritte lenken und sie werden die „dritte Säule, auf der die Welt steht", so recht kennen lernen, das wahre „Geinillus chesed“ und gerne reichlich dazu beitragen. Und kommt man zu einem Gottesdienste in der Anstaltssynagoge, in der die alten Männer und Frauen und die Siechen, die auf der Krücke ins Bethaus kommen, voller Andacht beten, da wird man auf's Tiefste ergriffen und. lernt aus der Tiefe des Herzens Gott sprechen". So mancher junge Mann und manche erwachsene Tochter aus reichem Hause mögen eine Stunde hier weilen, sie lernen da beten und werden religiös, die fürsorglichen Eltern mögen nur den Impuls geben. Beim letzten feierlichen „Sabbat-Schuwa"-Gottesdienste hielt Professor Antscherl, wie schon früher, eine bemerkenswerte, dem „Sabbat der Buße" entsprechende Rede und erwähnte am Schluffe dreier Jubelgreise, die im abgelaufenen Jahre unter großer und allgemeiner freudiger Teilnahme ihre