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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-06 · 40 (6.10.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«äggy~rmTmi,iii —cm. Nr. M r &.mofajuhmMm Kaiser Franz Joseph-Ferienheim in Tischnowitz- Borkloster. Vom Vorstand des „Kaiser Franz Joseph- Ferienheim" werden wir ersucht, der folgenden Mitteilung Raum zu geben: Seit dem fast 20jährigen Bestände des „Kaiser Franz. Joseph-Ferienheim" war dieser Verein stets bemüht, sowohl in seinen Erholungswie auch Krankenkolonien unter Beachtung aller religiösen Vorschriften den Betrieb derart einzurichten, daß nicht nur alles vermieden werde, was das religiöse Gewissen der Schützlinge oder deren Eltern zu verletzen geeignet wäre, sondern daß durch große Opfer an Geld und Mühe gerade der Pflege der Religiosität die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hievon kann sich jeder überzeugen, viele haben es schon getan. Eine derartige Vereinsführung ist schon durch die Zugehörigkeit von Persönlichkeiten zum Vereinsvorstand gewährleistet, die in religiösen Angelegenheiten hervorragend in der Wiener Judengemeinde wirken. Wir müssen es daher als eine böswillige, die Schädigung unseres Vereines beabsichtigende Erfindung bezeichnen, wenn im abgelaufenen Sommer die Nachricht verbreitet wurde, wir hätten die Rückkehr einer Kolonie aus Tischnowitz gerade für einen Samstag anberaumt. Die Verbreitung, welche dieses Märchen erfunden, zwingt uns, dessen Unwahrheit öffentlich festzustelleu. Tempelwisere». Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Zustände, über die fast alljährlich von den Besuchern des Tempels in der Seitenstettengasse an den hohen Festtagen in Ihrem geschätzten Blatte geklagt wird, find paradiesisch zu nennen im Vergleich mit dem, was den Betern im Tempel Turnergaffe zugemutet wird. Hier gibt es noch nicht einmal elektrisches Licht. Die vorhandenen Ventilatoren reichen für eine Klosterzelle, aber nicht für einen überfüllten Raum aus, der viele Hunderte zu fassen bestimmt ist. Da langjährige Beschwerden bei Mitgliedern des Fünfhauser Vorstandes bis heute fruchtlos waren und nur wie durch ein Wunder bei der entsetzlichen Atmosphäre an den Neujahrstagen ein Unglück ausgeblieben ist, wenden wir uns an die Oeffentlichkeit, damit diesen Zuständen endlich einmal abgeholfen wird. VieleTempelbesucher. Die tapfere Tat eines jüdischen Arbeiters in Witkowitz. Wer wagt es — zu tauchen in diesen Schlund? Am 30. August d. I., 1 Uhr mittags, war eine zweitausendköpfige Menschenmenge vor der Mündung eines fünfhundert Meter langen Werkskanals, der zur Ableitung heißer Wässer und giftiger Gase des Hochofens und der Kupferhütte dient, versammelt. In großer Aufregung standen zahlreiche Beamte, Polizisten, Gendarmen, Betriebsleiter und Meister, die Feuerwehr, die Aerzte mit dem Chef des Krankenhauses und auch der Generaldirektor des Werkes. Es sollte der einige Stunden vorher durch eigene Unvorsichtigkeit an einer tiefen Stelle des Kanals verunglückte 27jährige Werksingenieur Paul L e i n i n g e r aufgesucht werden, was aber mit großer Mühe und Todesgefahr verbunden war. Denn um weiter hineinzukommen durfte man weder aufrecht gehen noch auf Händen und Füßen kriechen; in aufrechter Haltung drohte Erstickung durch Gase und in liegender Stellung der Tod des Ertrinkens durch heißes Wasser. Schon hatten einige versucht einzudringen, mußten aber ohnmächtig und unverrichteter Sache zurückkehren, weshalb keiner der Anwesenden es mehr wagen wollte. Da kam gerade der erst zwei Tage in der hiesigen Maschinenfabrik, Abteilung Weichenwerkstätte, beschäftigte Arbeiter Jsak F i n k e l st e i n, geboren zu Krakau 1886, des Weges und bot bereitwilligst seine Dienste an. Ein Ingenieur der Werksbahn und ein zweiter Arbeiter wurden ihm beigegeben. Nach fünfzig Schritten im finsteren und grauenerregenden Kanal mußte jedoch der Ingenieur ohnmächtig mittelst Stricken und mit Hilfe der beiden Arbeiter zurückgezogen werden. Die Situation verschlimmerte sich, als der wieder zum Leben gebrachte Ingenieur Seite 667 mit der Begründung: „Was die stinkende Tiefe da unten verhehle, das erzählt keine lebende Seele" den gefährlichen Gang nicht mehr machen zu wollen erklärte und so schleunig als es ihm möglich war das Weite suchte. Eine halbe Stunde der allgemeinen Ratlosigkeit und Untätigkeit verging und keiner rührte sich. Da fand Jsak Finkelstein seinen Mut wieder und ging trotz warnenden Verbotes der leitenden Persönlichkeiten mit den erforderlichen Schutzapparaten versehen abermals hinein, entdeckte in einer Tiefe von hundert Schritten die Laterne und den toten Körper des Leininger in hockender Stellung mit verzerrtem Gesicht und mit der Rechten eine Spreizung festhaltend. Sofort riß er den Toten weg, stieß ihn der Länge nach auf ein zu diesem Zwecke mitgenommenes Brett, befestigte ihn an dasselbe mit Stricken und warf sich, da er sich selbst der Bewußtlosigkeit nahe fühlte, auf den Leichnam, umschlang ihn mit dem letzten Rest seiner Kraft und gab das Signal. Die Rettungsmänner zogen die Leine an und in rascher Fahrt waren der längst tote Paul Leininger und Finkelstein, der ebenfalls bereits tot schien, an das Tageslicht gebracht. Sobald Finkelstein unter ärztlichem Beistände die Augen aufschlug, sagte ihm der Herr Generaldirektor Dr. Friedrich Schuster: „Sind Sie Israelit? Sie sollen belohnt werden!" Finkelstein mußte sich mehrere Tage im Krankenhause von der Strapaz erholen und wurde mit einem Geschenke von 150 Kronen belohnt. Die beschädigten Kleider wurden ihm ersetzt. Die Lokalzeitungen aber brachten eine kurze Notiz, in welcher es bloß hieß, irgend ein Arbeiter — natürlich ohne Nennung des Namens und der Religionszugehörigkeit — habe bei der Bergung der Leiche des tragisch Verunglückten geholfen. Wäre es nur ein Nichtjude gewesen! Aber Jsak Finkelstein kann nur ein Jude heißen! Ehrung des Oberrabbiners Dr. Samuel Kohn durch die Budapester Stadt-Repräsentanz. Die Stadtrepräsentanten des VII. Bezirkes beschlossen auf Antrag des Reichstagsabgeordneten Josef Markus, den Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn anläßlich seines 70. Geburtstages zu begrüßen. In Ausführung dieses Beschlusses erschien bei dem Oberrabbiner Dr. Kohn eine zahlreiche Deputation. In ihren Reihen befanden sich Abgeordneter Josef Markus, Karl Morzsanyi, Gustav G. Ehrlich, Josef Wolfner, Polizeirat Alexander Peregriny, Rudolf Temesvary, Hofrat Markus, Baron Peter Herzog, Ludwig G e r l e i, Defider B e n e d e k, Oberkantor Lazarus, Dr. Simon H e v e s i, Julius Fischer und Eugen G e l l e r t. Abgeordneter Josef Markus richtete an den Gefeierten eine Ansprache, in der er hervorhob, daß der Gefeierte nicht nur in jüdischen Fragen zu Felde zog, sondern auch stets dem Gemeininteresse und dem interkonfessionellen Frieden diente. Mit berechtigtem Selbstbewußtsein könne er auf seine lange segensreiche und erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Vollauf verdiene er die Achtung und Wertschätzung, die die gesamte Hauptstadt ihm entgegenbringt. Redner wünscht dem Oberrabhiner Kraft und Ausdauer zu seinem ferneren Wirken. Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn dankte tief ergriffen für die Ehrung, die er, da er nie Aufsehen gesucht, für übermäßig glänzend und unverdient erachtet. Die Auszeichnung gelte aber auch dem jüdischen Priester und das verleiht der Ovation des Bezirkes unter den heutigen Verhältnissen hohe Bedeutung. Der Kongreß der italienische» Bürgermeister. Vergangene Woche wurde in Rom der Kongreß der Bürgermeister Italiens eröffnet. Den Vorsitz führt der Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan. Im Ehrenpräsidium fitzt auch der Generalprokurator am römischen Kassationshofe, Senator Mostara, ein Jude. Eine Auszeichnung Ernesto Nathans. Der König von Abessynien hat den Bürgermeister Ernesto Nathan zum Kommandeur des Ordens vom Stern von Ethiopien ernannt.

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