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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-06 · 40 (6.10.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 666 Dr. Vkochs WochMchrift glieder dauernd am Ruder zu erhalten weiß. In dem genannten vorjährigen Artikel in der Wochenschrift war auch besonders darauf hingewiesen, wie man durch allerlei persönliche Beeinflussungen, Hinterstellungen unv geheime Machenschaften es zu Stande gebracht, ein bei dem Weitzener Rabbiner Silberstein deponiertes Kapital von 160.000 Kronen (3000 Aktien) in die Hand zu bekommen, um damit auf einem niedrig gelegenen, sumpfigen und ungesunden Terrain eine Anzahl neuer, wie die Bienenstöcke eng, licht- und luftleer aneinander geklebter Chalukahäuser zu bauen, während Herrn S. Blumenthal gelegentlich eines persönlichen Besuches bei dem genannten Herrn Rabbiner ausdrücklich verfichert worden war, daß das Geld für den Ankauf und die Anlegung einer landwirtschastlichey Kolonie Verwendung finden und zur allmählichen Ueberführung und Ansiedelung der ungarisch-jüdischen Jerusalemer Jugend auf dem Lande dienen sollte. Der Bruch dieses hoch und teuer bekräftigten Versprechens war für Herrn Blumenthal und seine Getreuen wohl eine bittere Enttäuschung und ein schmerzlich empfundener herber Schlag. Im Vettrauen indeß auf die Maxime: „Arbeiten, nicht verzweifeln!" wurde diese scheinbare Niederlage für Herrn Blumenthal nur um so mehr ein Ansporn, alle seine Kräfte einzusetzen, um doch schließlich zu der Erreichung des vorgestcckten Zieles zu kommen, nämlich in der unmittelbaren Nähe von Jerusalem ein geeignetes größeres Stück Land zu erwerben, um darauf einer Anzahl Familien ein weit ehrenhafteres, gesünderes und körperlich und geistig zuträglicheres Dasein zu verschaffen, als das sie jetzt in ihrer Jerusalemer dumpfen, öden, lust-, licht- und freudeleeren Ehalukakaserne zu führen gezwungen sind. Recht erfreulicher Weise ist denn nun auch der felsenfeste Glaube, die zuversichtliche Hoffnung und die unermüdliche Ausdauer unseres modernen Jerusalemer Kolumbus und seiner Genossen bereits mit teilweisem Erfolge gekrönt worden, daß sie sich mit dem beglückenden Ausruf: „Reeh Chajim" — Siehe da Land, siehe da Leben! gegenseitig ermuntern und für die endliche völlige Erreichung ihres Zieles neuen Mut und sichere Hoffnung schöpfen durften. Durch private Einlagen der Teilnehmer und darch auswärtige Hilfe ist es nämlich den fortgesetzten angestrengten Bemühungen des Herrn Blumenthal bereits gelungen, in Mozza, dem schön gelegcnen, wasserreichen, beliebten Ausflugsort der Jerusalemer, wo sich ja bereits schon eine kleine jüdische Ansiedelung befindet, ein größeres Landterrain anzukaufen, auf welchem vorerst etwa zehn Familien sich seßhaft machen und durch Landwirtschaft, Obst-, Reben- und Olivenbau, wie durch Vieh- und Geflügelzucht in ausreichender Weise ihren Lebensunterhalt finden und noch einen Sparpfennig auf die Seite legen können« Noch fehlt es allerdings an den weiteren nötigen Mitteln, um sofort mit dem Bau der Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen zu beginnen und das Land in Benützung zu nehmen, was wohl dringend wünschenswert wäre. Doch ist gegründete Hoffnung, daß namentlich durch die in Aussicht gestellte Mithilfe eines wohlhabenden amerikanischen Glaubensgenoffen auch in dieser Hinsicht vielleicht in nicht allzu ferner Zeit alle Wünsche und Erfordernisse befriedigt werden. Auf einer diesjährigen Besuchsreise in Palästina wurden nämlich Herr Fabrikant Samuel Berustei« und Gemahlin aus New-Aork, welche während ihres Jerusalemer Aufenthaltes bereits 100 Pfund für die hiesigen Wohlfahrtsanstalten gespendet haben, auch mit Herrn Rabbiner Blumenthal bekannt, welcher nicht versäumte, das edelherzige, wohltätig gesinnte Ehepaar auf die geplante Mozzaer Koloniegründnng aufmerksam zu machen. Herrn Bernsttin gefiel dieses Vorhaben so sehr, daß er versprach, nach seiner Rückkehr nach Amerika alles zu tun, was in seinen Kräften stehe, durch Gründung eines eigenen Komitees in Bälde ein ausreichendes, innerhalb 25 Jahren von den Kolonisten unverzinslich zurückzuzahlendes Kapital aufzubringen, um nun auch mit der Errichtung der nötigen Baulichkeiten und der Kultivierung des Landes beginnen zu können. Hoffen wir also, daß das Vorhaben und die Versprechungen des Herrn Bernstein reichlich in Erfüllung gehen und ftuchtbringend sich erweisen werden und daß namentlich, was man wohl als sicher erwarten darf, sich nun auch aus dem Leserkreis und der Mitte der europäische» Judeuheit recht viele Helfer und Helferiuueu mit ihren großen und kleinen Gaben unterstützend einstellen werden, damit die Sehnsucht und der Hunger dieser geknechteten, ihr gegenwärtiges Dasein als eine leibliche und seelische Entwürdigung empfindenden Chalukaempfänger nach der Freiheit und nach dem Lande bald in ausreichender Weise gestillt werden könne und das liebliche Landschastsbild des in einem Kranze von Reben und Oliven bedeckter Berge in smaragdgrünem, vom silberhellen Bache durchströmten Tale idyllisch hingebetteten Mozza durch den Bau einer Anzahl schmucker weiß getünchter und rot bedachter, von Gärten und Meen umsäumter Kolonistenhäuser und die Anlegung neuer blühender Kulttrren noch eine hervorstechendere farbenreichere und herzerquickendere Note erhält. Seinem langjährigen intimen Freunde Rabbi Blumenthal, dem der Schreiber dieser Zeilen, was er hier auch gerne öffentlich bekennt, schon manchen Freundschaftsdienst und namentlich auch manche tiefere Einführung und Erleuchtung über das jüdischtalmudische und hebräische Schrifttum verdankt, möchte der Unterzeichnete aber zum Schluffe für das baldige volle Gelingen seiner für die Jerusalemer Glaubensgenoffen und das allgemeine jüdische Prestige im Lande so außerordentlich bedeutungsvollen und segensreichen Pläne und hiogebungs» und aufopferungsvollen Bemühungen hiemit noch die besten und herzlichsten Glückwünsche darbringen und ihm ein kräftiges ptoKi prn gurufen. Jerusalem, Ende September 1911. Phil, Kieferndorf. Korrespondenzen, Jüdische Legionen für oder gegen die Türkei? Von Moritz Frühling. Von zwei mir befreundeten, aktiv dienenden jüdischen Offizieren, der eine in Bosnien, der zweite in Galizien in Garnison, kam mir je ein Schreiben zu, beide charakteristisch und von der gegenwärtigen politischen Lage beeinflußt. Beide geben eine beachtenswerte, in den Grundzügen sich deckende Anregung, die nur bezüglich der Sympathierichtung auseinandergeht. Beide proponieren die Anwerbung jüdischer Freiwilligen und Ausstellung jüdischer Legionen, der eine für die Türkei, der andere für Italien. Der Türkenfreund, jüdisch-national fühlend, führt das jüdische Interesse für die Konsolidierung und Stärkung des Osmanenreiches an, von dem er sich verspricht, wir dürften früher oder später, im eigenen Lande, doch einen Teil dieses Reiches bilden. Der Jtalianophile hingegen beruft sich auf historisch begründete Sympathien für das ritterliche und liberale Italien, in welchem vollständige Gleichberechtigung herrsche und — was ihm sehr imponiert — die Juden bis zur totalen Jtalianifierung assimiliert seien. Beide Enthusiasten meinen cs mit ihren Vorschlägen ernst, würden als erste in die Reihen dieser Legionen eintreten, zu welchem Zwecke sie von der Militärbehörde Urlaube erbitten und nötigenfalls auch Abschiede nehmen würden. Möge man in jüdischen Kreisen diese Herren als Phantasten belächeln — ganz kurios sind ihre Anregungen doch nicht. Sie dürften mit ihren Wünschen auch kaum vereinzelt dastehen. So edel diese Absichten auch find, antwortete ich den Herren, wir habeu gar keinen Anlaß, für den einen oder den andern Staat unsere Haut zu Markte zu tragen. Ein Aufruf zugunsten der Türkei würde in den Herzen der jüdischen Jugend aller Länder zweifelsohne mächtigen Widerhall finden. Aber unvergessen leben noch in der Erinnerung jener, die sonst gerne hingehen würden. Fünfzigjähriges Bereinsjubiläum. Am 2. Dezember d. I. werden fünfzig Jahre verflossen sein, seitdem der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien" die Aufgabe erfüllt, würdigen Hörern der Wiener Hochschulen Beiträge zu den Kollegiengeldern, Rigorosen-, Promotions- und sonstigen Taxen zu gewähren. Mehr als 15.000 Hilfeleistungen mit einem Aufwande von einer halben Million Kronen verzeichnet die Statistik über die bisherige Vereinstätigkeit und man kann Wohl annehmen, daß dem größten Teile der Petenten nur durch die vom Vereine erlangte Hilfe die Beendigung der Studien und späterhin die Erlangung angesehener Lebensstellungen ermöglicht wurde. Der Verein beabsichtigt anläßlich der Jubiläumsfeier eine Festschrift herauszugeben, welche dadurch besonderen und bleibenden Wert erhalten soll, daß literarische und künstlerische Beiträge der bedeutendsten Persönlichkeiten jüdischen Glaubens sie zieren. Die Versendung der Festschrift an die Freunde und Gönner der Institution, sowie an die ehemaligen Schützlinge soll bezwecken, dem Vereine neue Mittel zuzuführen und vielleicht auch in manchen Herzen an Dankesschuld zu erinnern. Demgemäß hat sich der Vereinsvorstand, welchem derzeit die Herren Notar Dr. Bermann, Universitätsprofessor Dr. L. Königstein, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Albert Kuh, Börserat Leopold Langer, Universitätsdozent Dr. Arthur Mahler, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Moritz Schnabl und Prokurist Franz Türkl angehören und dem als Sekretär Herr Ortsschulrat Guido Fuchsgelb zur Seite steht, an eine große Reihe von Persönlichkeiten um literarische und künstlerische Schöpfungen als Beiträge für diese Festschrift gewendet und es ist nach den bisherigen Zusagen ein volles Gelingen der Aktion zu erwarten. Zuschriften in Angelegenheiten des Vereines oder der Denkschrift wolle man an die Vereinskanzlei, T., Seitenstettengafse 2, adressieren,

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