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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-06 · 40 (6.10.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
40 (6.10.1911)
Date
1911-10-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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san Nr. 40 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 665 Ei» arabisch-jüdischer Schriftsteller. Die egyptischen Blätter widmen jetzt dem bedeutendsten arabischen Schriftsteller in Egypten Dr. Moise Maloul anerkennende Artikel. Den Anlaß hiezu bietet der Entschluß Doktor Malouls, eine Studienreise nach Palästina zu unternehmen, um dort die Lage der Juden und die Ursachen der Schwierigkeiten zu studieren, welche den Juden dort seitens der arabischen Beamten auf allen Wegen bereitet werden. Da Dr. Maloul auch unter den palästinensischen Arabern als gefeierter arabischer Schriftsteller in hohem Ansehen steht, erwartet man von dieser Seite manchen Erfolg betreffs der guten Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina. Ein Pariser politischer Witz. In Pariser politischen Kreisen wird der folgende ausgezeichnete Witz kolportiert: Es war zur Zeit, als Briand sein zweites Kabinett bildete. Henri Robert, der mit Briand eng befreundet ist, suchte diesen auf und frug ihn: „Warum nehmen Sie nicht unseren Freund Andreas Heß ins Kabinett?" „Ich selbst wünschte nichts sehnlicher als das; aber wissen Sie, ich habe einen Antisemiten im Kabinett, der die Sache scheel ansehen würde." „Einen Antisemiten? Wen denn?" „Nun, den Klotz." ' „Aus chuß"-Ware! Der Ausschuß — des Ausschusses. Zur Wahl Ernst Schneiders als Mitglied des niederösterr. Landes-Ausschusses, dessen Stammbuch gewidmet: Der Ausschuß Des Ausschusses, Dem Ausschüsse — Den Ausschuß. Wien, 4. Oktober 1911. Alexander Schorr. Eine nene landwirtschaftliche jüdische Koloniegriindung (KeehChajim) in Mo;;« dri Jerusalem. Für die Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina waren die letzten Jahre nicht gerade besonders günstig. Die fortgesetzten angestrengten Bemühungen und Bestrebungen, den jüdischen Einfluß in Palästina auf dem Wege der landwirtschaftlichen und industriellen Erschließung des Landes zu heben und zu erweitern, stoben heute in der Aera des „freiheitlichen" türkischen konstitutionellen Regimes fast noch auf viel größere äußere und innere Schwierigkeiten, Hindernisse und Widerstände, als es unter dem viel kritisierten und bös verrufenen autokratischm Tyrannenregiment Abdul Hamid der Fall war. Beweis dieser Behauptung ist einmal die statt im Abnehmen in fortgehendem Wachsen und Steigen begriffene, von gewissenlosen, egoistischen und eigens dafür bezahlten Agitatoren und Aufwieglern in der Presse und in öffentlichen Reden und Versammlungen angefachte und geschürte antisemitische Propaganda unter der eingeborenen arabisch-christlichen und mohammedanischen Bevölkerung, deren Hauptherd sich besonders im Norden hes Landes, in den Städten Beirut und Damaskus und deren Umgebung konzentriert, sich aber auch bereits über Judäa und den Umkreis der jüdischen Kolonien bei Jaffa stark verbreitet hat, während Jerusalem von dem Gift der Volks- und Religionsverhrtznng verhältnismäßig bis jetzt nrch am meisten verschont geblieben ist, wenn man von dem in der Nähe der Grabeskirche sich gelegentlich, in allerdings recht gefahrdrohender W.'ise dokumentierenden Fanatismus und Judenhaß der christlich-k itholischen und orthodox-» Araber einmal absehen will (vergl. die Artikel „Die Ehristenstraße in Jerusalem" und „Der Antisemitismus in Palästina" m Nr. 33 der „Oesterr. Wochenschrift"). Hierher gehört namentlich auch das vielvemerkte und kommentierte, gehässige, antisemitische Auftreten der beiden palästinensischen Abgeordneten Ruchi el Ehaldi und Said el Hussüni aus Jerusalem in dem türkischen Parlament, welches noch in lebhafter allgemeiner Erinnerung steht. Die beiden Abgeordneten haben zwar wiederholt betont, daß sich ihre heftige Polemik nur gegen die Ziele und Aspirationen des Zionismus.in Palästina richtet und daß sie ihrer Beurteilung und Wertschätzung dem Judentum im allgemeinen wohlwollend gegenüberstehen, so recht will ihnen das aber niemand glauben und sie glauben es auch im Ernste selber nicht. Als der größte Stein des Anstoßes für jede von jüdischer oder nichtjüdischer fremder Seite versuchte kolonisatorische, kulturelle -»der irgendwie fortschrittlich gerichtete Tätigkeit und Unternehmung im Lande erwies sich aber der zwei Jahre lang in Jerusalem ein wahres Despoten- und Terroristen- Regiment, welches der Aera Abdul Hamids alle Ehre gemacht hätte, führende Gouverneur, der morose, mit den Juden auch alle Fremden hassende, ungebildete Stockiürke, Akmi Bey, welcher als Nachfolger des äußerst freundlichen und europäisch gebildeten, — gegenwärtigen Konstantinopeler Stadtpräfekten Sebhi Bey hierherkam, glücklicherweise aber in diesem Frühjahr wegen seiner bisher noch unaufgeklärten und der Enthüllung durch die Gerichte harrenden unsauberen Beteiligung an dem Einfall der englischen Archäologen in die Omamoschee auf „höhere Weisung" seinen Posten verlaffen und dem mit seinem leutseligen, zugänglichen und bildungsoffenen Wesen die guten Traditionen Sebhi Bkys offenbar wieder fortsitzenden neuen Gouverneur Dschodat Bey den Platz räumen mußte. Wenn man alle diese ungünstigen Faktoren gebührend in Betracht zieht, so kann man es nur als einen erneuten Beweis für die anerkannte und oft bewunderte Zähigkeit, Ausdauer und optimistische Gesinnung der jüdischen Raffe betrachten, daß sich die Juden hier und auswärts allen ungünstigen und hinderlichen Verbältniffen, Zeitströmungen, Beeinfluffungen und Machenschaften zum Trotz in ihrem Bestreben und ihrer Hoffnung auf durch eine fortgesetzte kolonisatorische, industrielle, kommerzielle und kulturelle friedliche Penetration und Eroberung des Landes in demselben immer festeren Fuß zu fassen, sich keinen Augenblick abwendig oder mutlos machen ließen. Und daß aber solch unerschütterliches und felsenfestes Vertrauen und solch umsichtiges und unermüdliches Ringen und Streben auch bei äußerlich schwierigen und widerwärtigen Umständen von Erfolg begleitet sein kann, das zeigt die durch Ankauf eines größeren Landkomplexes schon gesicherte Gründung einer neuen landwirtschaftlichen Kolonie in Mozza, dem eine Stunde etwa von Jerusalem entfernten „Tiooli" und beliebten Ausflugsort der von Staub, Hitze und Waffermangel leidenden Jerusalemer, über welche wir hier den geehrten Lesern einige, wie wir überzeugt sind, gewiß willkommene nähere Mitteilungen wachen wollen. Die in vieler Hinsicht lobenswerte Idee, dem Kranze der schon bestehenden blühenden jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina durch Erwerb eines zunächst für die Verpflanzung von zehn Jerusalemer Familien auf das freie, stärkende und ernährende, licht-, lnft- und wasserreiche Land bestimmten größeren Lanvkomplexes ein neues Juwel hinzuzufügen, ist in erster Linie dem jungen, geistig regsamen, tatendurstigen und energievollen Jerusalemer Rabbiner Simcha Blumenthal, Sekretär in der großen Talmud-Thora-Hochschule „Thorat Ehaim", zu verdanken, welcher sich auch durch die Gründung des Jerusalemer Kolonisationsvereines „Kehillat Jakob", dem der Misrachi hilfreich zur Seite steht, und die Errichtung eines modernen, stark besuchten Eheder-Thora, in welchem neben der religiösen Unterweisung auch in weitgehender Weise den heute sich stets steigernden Anforderungen des praktischen Lebens Rechnung getragen wird, ein besonderes Verdienst erworben hat um den wirtschaftlichen, ökonomischen, religiösen und kulturellen Fortschritt seiner in mehr denn in einer Hinsicht noch allzu rückständigen Jerusalemer Glaubensgenossen. Herr Blumenthal ist bei seinen bildungsfreundlichen humanen Bestrebungen umsomehr zu loben, als er sich auch durch die Opposition der Unvernunft, des F-natismus und des Neides, welche sich ihm anfänglich in den Weg stellte, im Fortschreiten auf der von ihm als richtig und zum Ziele führenden Bahn niemals aufhalten und irre machen ließ und im Kampfe nicht leichterhand die Waffen streckte und es auf diese Weise zuletzt sogar erreicht hat, daß der Hilfsverein der deutschen Juden für das von Herrn Blunentbal geleitete Schulwerk eine ansehnliche jährliche Subvention bewilligte. Nach dem Gesagten werden es die Leser nicht verwunderlich finden, wenn wir sagen, daß Herr Blumenthal nicht nur ein bedeutender Talmudist und hervorragender Kenner und Meister der hebräischen Sprache und Literatur ist, sondern daß er auch mehrerer europäischer Sprachen in Wort und Schrift mächtig ist und neben seinen anstrengenden, an Körper und Geist die höchsten Anforderungen stellenden Berufs- und Amtsgeschäften in den Zwischen- und Abendstunden auch noch Muße findet, seine Kenntnisse auf dem Gebiete der „profanen" Literatur durch Privatstudium zu erweitern und durch fleißige Lektüre mit allen wichtigen Vorgängen und bedeutenden Erscheinungen auf allen Lebensgebieten in der großen Welt stets auf dem Laufenden zu bleiben. Angefichts dieser für Jerusalemer und orientalische Verhältnisse geradezu als glänzend zu bezeichnenden Geistes- und Charaktereigenschaften kann es nicht Wunder nehmen» daß Herr Rabbiner Blumenthal mit seinem geistesfrischen, weltoffenen und fortschrittlich gefinnten und gerichteten Wesen schon seit langer Zeit das Haupt der Opposition der „Jungen" gegen das abgelebte, stagnierende, unfruchtbare und verderbliche Gewaltregiment in der Jerusalemer ungarisch-jüdischen Gemeinde bildet. Die Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" erinnern sich ja wohl noch des in Nr. 3, Jahrgang 1910, in diesem Blatte erschienenen hier und in der Diaspora berechtigtes Aufsehen erregenden Artikels des „Jerusalemer Beobachters" mit dem Titel „Der Kampf in der ungarisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem", in welchem dieser Kampf der demokratischen Elemente gegen die alte Autokratie, die sich mit Hilfe eines veralteten Wahlrechtes, richtiger Wahlunrechtes, gegen den ausgesprochenen Willen der überwiegenden Mehrzahl der Gemeinde-?!;! ’l; j!

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